Tag Archives: Ägypten

Abu Usama will kein Ösi mehr sein

von Florian Flade

vlcsnap-2013-03-15-08h55m53s56

So richtig als Österreicher fühlte sich Mohamed Mahmoud wohl nie. „Abu Usama al-Gharib“, so nennt sich der Sohn ägyptischer Einwanderer seit Jahren. „Al-Gharib“ bedeutet „der Fremde“.

In einer neuen Videobotschaft geht Mahmoud, geboren in Wien, nun endgültig auf Distanz zu seiner Heimat. In einem Innenhof irgendwo in der arabischen Welt zerreißt Mahmoud seinen österreichischen Reisepass, zündet die Papierfetzen an und wirft die brennenden Stücke auf den Boden.

„Ab diesem Tag erkläre ich meine Lossagung von der österreichischen Staatsbürgerschaft“, sagt Mahmoud in die Kamera, „Ich bin ein Muslim, ein Mudschahid und kein Anhänger dieser Aids verseuchten Gesellschaft.”

Zwischen der westlichen Gesellschaft und ihm werde für immer Hass und Feindschaft herrschen, erklärt der gebürtige Wiener, der wie gewohnt Kampfweste und Kalaschnikow trägt. Sein Ziel sei es, die Ungläubigen und Götzendiener zu schlachten. Nach Österreich zurückkehren, werde er nie wieder. Mit der dortigen Kultur habe er nichts zu tun, sagt der Extremist mit Wiener Akzent in der Stimme.

Die Alpenrepublik hat der bekennende Fundamentalist bereits vor zwei Jahren verlassen. Kurz nach seiner Haftentlassung im September 2011 zog es den bulligen Extremisten nach Berlin. Im Umfeld radikaler Salafisten etablierte sich Mahmoud als eine Art „Emir“ der Hardliner.

Gemeinsam mit dem Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, besser bekannt als „Deso Dogg“, gründete Mahmoud die Organisation „Millatu Ibrahim“, die im Juni 2012 vom Bundesinnenministerium verboten wurde. Im nordrhein-westfälischen Solingen errichtete Mahmoud in einer örtlichen Hinterhof-Moschee das Zentrum von „Millatu Ibrahim“.

Weil die Medienaufmerksamkeit wuchs und auch die Behörden ihre Observation intensivierten, kehrte Mahmoud Solingen als bald den Rücken. Ihn zog es in das hessische Örtchen Erbach. Dort lebte die deutsche Konvertitin Miranda K., die Mahmoud im Frühjahr 2012 nach islamischem Recht ehelichte. Die islamistische Bloggerin („Muqatilah“) und der österreichische Prediger gerieten jedoch schnell ins Visier der hessischen Behörden.

Das Innenministerium drohte Mahmoud mit Ausweisung. Der Österreicher kam der Abschiebung zuvor und reiste noch im April 2012 samt Ehefrau nach Ägypten.

Seitdem meldet sich der Extremist ab und an mit Tonbandnachrichten, Videos und Dokumenten im Internet zu Wort. Zahlreiche Salafisten aus Deutschland haben sich Mahmoud inzwischen angeschlossen und eine Art „Exil-Gemeinde“ von Millatu Ibrahim aufgebaut.

Nach Abstechern nach Libyen soll sich Mahmoud aktuell in Syrien aufhalten. Er scheint dort nach Erkenntnissen der Nachrichtendienste Anschluss an islamistische Kampfgruppen wie „Jabhat al-Nusrah“ zu suchen.

Dänischer Dschihadist stirbt in Syrien

von Florian Flade

pic10313

Europäische Sicherheitsbehörden beobachten seit geraumer Zeit einen besorgniserregenden Trend in der radikalen Salafisten-Szene. Junge Männer reisten zunehmend nach Syrien um sich dort am Kampf gegen Baschar al-Assads Regime zu beteiligen. Todesnachrichten in dschihadistischen Internet-Foren belegen, dass sich Ausländer vermehrt in die Reihen der Rebellen-Gruppen begeben und bei Kämpfen ums Leben kommen.

Das jüngste Beispiel ist ein 30-jähriger Konvertit aus Dänemark. “Abdul Malik” war vor zehn Jahren zum Islam konvertiert, heiratete eine Konvertitin von den Färöer-Inseln. Er radikalisierte sich offenbar noch in seiner europäischen Heimat.

“Abdul Malik” zog es in den Jemen, wo ihn Sicherheitskräfte verhafteten. Sie warfen dem Dänen vor, in den Dschihad nach Afghanistan ziehen zu wollen. Eigenen Angaben zufolge wurde der Konvertit in jemenitischer Haft gefoltert, bevor er nach Dänemark zurückgeschickt wurde.

Laut einer Todesmeldung in einem arabischen Dschihad-Forum, wanderte “Abdul Malik” vor einiger Zeit samt Familie nach Ägypten aus. Er siedelte sich in “New Cairo” an, wo er Arabisch lernte und den Koran studierte. Nach drei Jahren weigerten sich die ägyptischen Behörden das Visum für den Dänen zu verlängern.

“Abdul Malik” verließ Ägypten daraufhin und reiste mit seiner Frau und den Kindern ins benachbarte Libyen. Ein Jahr lebte der Konvertit in dem nordafrikanischen Land, dann zog es ihn erneut weiter. Diesmal in den Dschihad.

“Er ließ seine Frau, seine drei Jungs und das Mädchen (Baby) zurück und reiste nach Syrien, um mit seinen Brüdern zu kämpfen”, heißt es einem Interneteintrag über den dänischen Islamisten.

Jetzt ist der Däne “Abdul Malik” tot. Regierungstruppen töteten den Konvertiten bei Gefechten nahe der syrischen Stadt Homs.

Ausgebloggt? – Islamisten-Webseite gelöscht

von Florian Flade

Monatelang verbreiteten deutsche Salafisten aus Ägypten heraus Terror-Propaganda über einen eigenen Webblog. Jetzt wurde die Webseite gelöscht. Auslöser war womöglich eine Morddrohung gegen die Bundeskanzlerin.

blog_islamisten1

Es scheint die perfekte Symbiose zu sein. Der Österreicher Mohamed Mahmoud ist ein bekennender Islamist. Er predigt den Dschihad gegen die Ungläubigen, preist den Märtyrertod und die Terroristen der Al-Qaida. Miranda K. teilt dieses Gedankengut offenbar. Sie ist eine deutsche Islam-Konvertitin. Und seit dem Frühjahr 2012 auch die islamisch angetraute Ehefrau von Mohamed Mahmoud. Unter dem Namen “Muqatilah” war Miranda K. lange Zeit als radikalislamische Bloggerin aktiv.

Das Paar lebte zunächst in der gemeinsamen Wohnung im hessischen Ort Erbach. Dann drohte das hessische Innenministerium dem Extremisten Mahmoud mit Abschiebung. Prompt packten Miranda K. und ihr Ehemann, der Prediger und die Bloggerin, die Koffer. Sie verließen Deutschland und begannen im ägyptischen Kairo ein neues Leben. Doch das Predigen und das Bloggen gaben beide nicht auf.

Mahmoud, der als Kopf der in Deutschland verbotenen islamistischen Gruppe “Millatu-Ibrahim” gilt, verhält sich im ägyptischen Exil keineswegs ruhig. Mehrere radikale Salafisten aus Deutschland sind dem Österreicher inzwischen nachgefolgt. Sie bilden nun eine Art islamistische Exil-Gemeinde am Nil und betrieben in den vergangenen Monaten über eine eigene Webseite fleißig Dschihad-Propaganda. Unter dem Label “Globale Islamische Medienfront” (GIMF) veröffentlichten die Islamisten um Mahmoud zahlreiche Videopredigten, Hetzschriften und islamistische Acapella-Lieder.

Zuletzt sorgte vor einer Woche ein Drohvideo für Schlagzeilen. Es handelte sich um ein islamistisches Kampflied, gesungen von einem gewissen “Abu Azzam”, wohl einem Salafisten aus dem Umfeld von Mohamed Mahmoud. In dem Lied drohte der Extremist Deutschland mit Terroranschlägen. “Oh Allah gib dem deutschen Volk, was es verdient”, heißt es in der Botschaft, “wir wollen Obama und Merkel tot sehen!”

Veröffentlicht wurde die Drohbotschaft auf einer Webseite, die nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden von Mohamed Mahmoud und seiner Ehefrau Miranda K. betrieben wurde. Am Freitag nun löschte der Internetprovider “WordPress” das islamistischen Blog. Es ist unklar, ob die Löschung nach dem Hinweis deutscher Behörden erfolgte. “Das Blog wurde archiviert oder gelöscht, weil es gegen unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen verstoßen hat”, so lautet die simplen Begründung des Webseiten-Betreibers.

Deutsche Sicherheitsbehörden hatten die deutsche Islamisten-Webseite seit einiger Zeit im Blick. Aus Sicherheitskreisen heißt es, die Seite sei vermutlich primär von Mahmouds Ehefrau betrieben worden. Die deutsche Salafistin Miranda K. gilt als Internet affin. Als sie noch in Deutschland lebte, war sie nach Informationen der “Welt” eine aktive Bloggerin, verbreitete wöchentlich islamistisches Gedankengut und Videopredigten. Über soziale Netzwerke warb sie für Live-Predigten im Internet.

In Ägypten nun riefen Mahmoud und Miranda K. eine neue Webseite ins Leben, die als Plattform für ihre extremistische Propaganda diente. Die dortigen Hassbotschaften werden von Sicherheitsbehörden mit Sorge registriert. “Die Truppe um Mahmoud versucht aus dem Exil heraus, mit ihrer Propaganda Glaubensbrüder in Deutschland zu Anschlägen zu motivieren”, sagte ein Vertreter der Sicherheitsbehörden der “Welt”. Bislang aber gebe es keine Hinweise dass Attentate geplant seien.

Es sei davon auszugehen, dass die Salafisten-Gruppe um Mahmoud nach der Löschung ihrer Webseite versuchen werde über andere Kanäle Propaganda zu betreiben, heißt es aus Sicherheitskreisen. Ohnehin seien viele Videos und Schriften von der “Globalen Islamischen Medienfront” innerhalb kürzester Zeit auch in arabischsprachigen Internetforen aufgetaucht.

“Wir bleiben standhaft so Allah will”, stand unter dem Titel des nun gelöschten Blogs, “bis der Kopf fliegt!”