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Der BND, dein Facebook-Freund

von Florian Flade

Der deutsche Auslandsgeheimdienst hat einen Wunsch: er möchte soziale Netzwerke, Internetforen, Video- und Fotoplattformen in Echtzeit durchforsten und analysieren. Der Albtraum für Netzaktivisten und Datenschützer.

Sie ist derzeit in aller Munde. Die Terrororganisation “Islamischer Staat im Irak und Großsyrien”, ISIG oder ISIS genannt. Innerhalb kürzester Zeit haben die Dschihadisten in einem Blutrausch den West-Irak und große Teile des Nord-Irak eingenommen, inklusive der Millionen-Städte Mossul und Tikrit. Grenzübergänge nach Syrien und Jordanien wurden besetzt. Hunderte Regierungssoldaten offenbar exekutiert. Schon rufen die siegestrunkenen Extremisten zum Sturm auf Bagdad und Sturz der Regierung von Präsident Nouri al-Maliki.

Begleitet wird der “dschihadistische Blitzkrieg” des ISIG von einer bislang wohl beispiellosen Social-Media-Kampagne. Unzählige Unterstützer der Dschihadisten und auch offizielle Repräsentanten der Gruppierung twittern und facebooken was das Zeug hält. Jeder noch so kleine vermeintliche Sieg, beinahe jedes Gefecht, Bombenanschläge, Hinrichtungen, gefallene Gotteskrieger und abgehackte Köpfe – so gut wie alles landet per Twitter, Facebook, Instagram oder JustPaste in den Weiten des Internets.

Wer will, kann über soziale Medien teilhaben an der Erschaffung eines Fantasiestaates, eines “Dschihadistans”, das vom syrischen Raqqah bis zum irakischen Mossul reicht. Propaganda in Echtzeit. Zum liken, retweeten und digitalen favorisieren.

Für westliche Geheimdienste sind die Internet-Einträge der Gotteskrieger Fluch und Segen zugleich. Fluch weil sie immer neue Dschihad-Fans motivieren selbst aktiv zu werden. Segen weil sich aus ihren recht gut ablesen lässt, in welchen Regionen sind welche Extremisten aufhalten, wo es gerade Gefechte gibt, wo sich Rückzugsorte und terroristische Ausbildungslager befinden.

Wenn die Geheimdienste denn soziale Medien überwachen dürfen. Anfang des Monats geriet der Bundesnachrichtendienst (BND) in heftige Kritik. Bekannt wurde, dass der Geheimdienst neben besserer Technik und Software, zukünftig gerne soziale Netzwerke in Echtzeit überwachen würde. “BND will soziale Netzwerke live ausforschen” – so die Schlagzeile.

Der BND, dein Facebook-Freund – ein Albtraum für Netzaktivisten und Datenschützer. Aus ihrer Sicht ist die Planung des Geheimdienstes ein weiterer Schritt in Richtung eines orwellschen Überwachungsstaates.

Was aber steckt hinter der Meldung?

Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat im vergangenen Jahr gegenüber der Bundesregierung den Wunsch geäußert, seine technischen Fähigkeiten zu modernisieren. Um schritthalten zu können, und um den Gefahren der Zukunft zu begegnen. “Strategischen Initiative Technik” (SIT) heißt das Projekt bei den Schlapphüten. Eine schrittweise Aufrüstung im Bereich der Internetüberwachung bis zum Jahr 2020. Kostenpunkt: knapp 300 Millionen Euro.

Als Teil von SIT sollen neben den bereits vorhandenen Filtersystemen für Telefon – und E-Mail-Verkehr auch soziale Netzwerke, Blogs, Video- und Fotoplattformen beobachtet werden können. “Echtzeitanalyse von Streaming-Daten”, so die Bezeichnung des Geheimdienstes. Um seinem gesetzlichen Auftrag u.a. zur Terrorismus-Abwehr gerecht zu werden, müsse der BND technisch aufrüsten. Die sozialen Medien dabei zu ignorieren, sei naiv, heißt es aus Nachrichtendienstkreisen.

Jeden Tag werden im Durchschnitt 500 Millionen Tweets verfasst, 55 Millionen Status-Updates bei Facebook eingetragen 60 Millionen neue Fotos bei Instagram veröffentlicht, 144.000 Stunden Videomaterial bei Youtube hochgeladen.

Eine gigantische Menge an Daten, in denen sich auch Veröffentlichungen und Kommunikation von Terroristen und Extremisten findet – wie die aktuelle Twitter-Kampagne von ISIG veranschaulicht. Weshalb sollten diese Aktivitäten von einem Geheimdienst nicht erfasst werden? Wo sie ohnehin für jedermann zugänglich sind.

Dem BND geht es allerdings um mehr, als nur bei twitternden Terroristen mitlesen zu können. In sozialen Netzwerken, so die Einschätzung, seien politische Ereignisse abzulesen. Sich ein genaueres Lagebild verschaffen, Trends vorherzusehen, aktuelle Geschehnisse besser einschätzen zu können, darum gehe es, heißt es aus dem Geheimdienst.

Etwa wenn sich zehntausende Ägypter auf dem Tahrir-Platz versammeln, Fotos und Videos auf Facebook und Twitter ihres Protests in die Welt hinaus senden. Wenn prorussische Separatisten in der Ost-Ukraine mit Panzern auffahren. Oder wenn Mossul in die Hände der Dschihadisten von ISIG fällt. Kaum ein Ereignis in einem Krisengebiet findet heutzutage mehr ohne soziale Medien statt. Die Menschen bloggen, twittern und facebooken. Nicht immer die Wahrheit. Aber dennoch lässt sich aus der Masse der Einträge, Tweets, Fotos und Videos ein Trend ablesen, ein Lagebild erstellen.

Dabei gehe es nicht um deutsche Staatsbürger, heißt es aus dem BND. Deren Kommunikation in sozialen Medien solle und dürfe von Gesetzes wegen nicht überwacht werden. Und es gehe nicht darum “verschlossene Foren” oder “isolierte Chaträume” gezielt zu knacken. “Was ich poste, gebe ich frei. Social Media ist allgemein keine vertrauliche Information”, so ein Vertreter der Sicherheitsbehörden. Dies auszuwerten, um Gefahren zu erkennen, sei legitim und im gesetzlichen Rahmen möglich.

Offene Quellen sollen so gefiltert werden, dass daraus Statistiken und Analysen erstellt werden können. Es handelt sich also quasi um ein automatisiertes Mitlesen von ohnehin öffentlich zugänglichen Informationen, im Geheimdienstjargon “Open Source Intelligence” (OSINT) genannt.

Ob dies überhaupt möglich und wie weit es sinnvoll ist, eine solche Technik anzuwenden, soll eine Studie (“Automatisierten Beobachtung von Internetinhalten”) klären, die der BND an der Bundeswehr-Universität in München in Auftrag gegeben hat. In den kommenden Monaten werden erste Ergebnisse erwartet. Aktuell befinde man sich ohnehin noch im Stadium der “Machbarkeitsstudie”, heißt es aus Sicherheitskreisen.

“Koalition blockiert BND-Aufrüstung” – meldeten einige Medien vor rund zwei Wochen. Die Bundesregierung habe angesichts der stark kritisierten Pläne zur Überwachung der sozialen Medien nur 6 Millionen Euro statt der gewünschten 300 Millionen Euro im Haushalt 2014 für das Projekt “Strategische Initiative Technik” (SIT) bewilligt. 

Dies als “Blockade” oder “Dämpfer” zu werten, ist jedoch etwas weitgegriffen. Hatte doch der BND für das kommende Jahr nur 6 Millionen Euro gefordert – und genau diese auch bekommen. Die restlichen Gelder sollen stufenweise in den kommenden Jahren freigegeben werden.

Al-Qaida Claims December 22th Baghdad Bombings

by Florian Flade

Just two days before Christmas numerous bomb explosion hit the predominately Shiite districts of Iraq´s capital Baghdad killing at least 69 people, wounding 180 others – most of them Shiite civilians. The sixteen different attacks took place only about two weeks after U.S. forces officially withdrew from the country.

Immediately blame was on Sunni militants linked to Al-Qaida. Today the “Islamic State of Iraq”, an umbrella organization which de facto represents Al-Qaida, has claimed responsibility for the December 22th Baghdad bombings. A written statement was released and posted in several Jihadi Internet forums.

The multiple attacks, Al-Qaida claims, were carried out “to support the weak Sunnis in the prisons of the apostates and to retaliate for the captives who were executed by the Safavid (Persian) government”. “Special operations”, as Al-Qaida calls the attacks, have allegedly targeted headquarters of the Al-Sadr Militia (Al-Qaida calls them “Army of the Devil”).

“The Iranian project has shown its ugly face”, Al-Qaida´s statement describes the Shiite-dominated government of Iraq. The terrorist group promises to punish the government in the future.

The December 22th bombing series is a clear signal that Al-Qaida – although it is weakened – is very much able to carry out coordinated suicide bombings on a large scale. America´s withdrawal from Iraq will activate and encourage those political elements in the region which are fearful of a strengthened Iran and a Shiite regime in Iraq that is getting its orders from Tehran. Sunni regional powers like the Kingdom of Saudi-Arabia might support the Anti-Shiite elements – like Al-Qaida – in a form that will cause the civil war in Iraq to explode intensify.

 

World´s Most Dangerous Vacation

by Florian Flade


Planning a Christmas holiday trip? You have already been to Egypt? India is not exotic enough? Safari in Botswana is not a real adventure? How about Iraq for a change, or Afghanistan, or Somalia, Darfur or Communist North Korea? A Swiss travel agency is offering the probably most dangerous vacation experience to some wealthy clients. Babel Travel started its Swiss based business some weeks ago and is now looking for the first clients to book a trip to a war and conflict zone. In co-operation with US-Journalist Robert Young Pelton (author of “The World´s Most Dangerous Places”), Babel Travel organizes 11-45 day trips to several countries tourists usually avoid – for a good reason. The Foreign Ministries of almost every Western nation tells Western tourists not to travel to these regions as the danger of getting kidnapped, killed by bombs, mines or ambushes is high and unnecessary risks are taken.

Kevin Pollard, head of Babel Travel which opened its office in Zug, Switzerland, told me, that there was a high demand from clients to offer vacation trips to countries like Afghanistan, Iraq, Sudan or Yemen. “We’ve had a lot of interest so far”, Pollard says, “Many travel companies have been offering trips to Afghanistan and Iraq over the years so travel to these countries is improving.” From all the countries available at Babel Travel, “Iraq would be the most dangerous”, Kevin Pollard told me, “Afghanistan 2nd. Countries that have experience war and serious conflict (Lebanon, Cambodia, Rwanda, Algeria, Colombia, Bosnia, Iran) have all opened up for tourists over the last 5-10 years. We hope/expect the same to happen in the countries we’re running trips to.”

In Afghanistan, Babel Travel, has a “Afghanistan Uncovered” package available for booking. The 15-day trip will take you from capital Kabul to Mazar i-Sharif, Bagram, Herat and hiking in the Panjshir and Bamiyan Valley. A stay in a Pashtun village with locals is also included. “This trip will give you an insight into the new conflict that continues to tear the country apart”, the brochure reads. Price per person is US $9,500.

A XXL-package (45-days), including a trip from the Iraqi cities Baghdad to Najaf, Karbala, Babylon and Ur, through Iranian Persepolis, Esfahan and Shiraz, to Afghanistan, will cost you US $26,000. Babel Travel also offers an 15-day Iraq journey, taking a group of tourists from Baghdad to the Kurdish North and Shiite South for US $8,500.

In war-torn Somalia, tourists are able to experience living with tribesmen and nomads in the northern break-away region of Somaliland. The US $6,500 trip includes “speak with jailed pirates, go on an anti-piracy patrol, discuss politics with the Somaliland President and various tribal elders”.

Ever wanted to experience a slow genocide first-hand? No problem, the Swiss travel operator takes you to Darfur, South Sudan for US $12,000, which will take you on a 22-day travel from Khartoum to South Sudan.

If you are scared off by these destinations where a bomb blast or a bullet hitting is not that unlikely, Babel Travel has another country on its list which might interest you: the most isolated country on the planet, Communist Jurassic Park – North Korea. “Experience how Koreans spend their Day-to-Day life”, the Babel brochure for 15-day “Eternal North Korea” trip reads, “Learn about the North Korean Juche (“military first”) idea and how Koreans perceive the world.”

I asked Babel Director Pollard how his agency is able to organize these travels to the most remote and closed Communist dictatorship. ” The local travel company we´ve gone into partnership with has been running tours to North Korea for westerners since 1993″, Pollard explained, “Our trips are the only trips that stay in local Korean homestay (meeting and staying with real Korean families).”

Asked about how the risks taken by the tourists are dealt with and how Babel can assure maximum safety in these dangerous countries, Pollard answered: “We use Robert Young Pelton´s 30 years of local travel experience, careful planning, impressive local networks and excellent risk management.” One of the key factors why Babel has started business in this field is to “Provide open minded and adventurous travellers the opportunity to understand political and environmental factors behind conflicts” and to “Introduce to the world certain countries that have seen troubles but are now working through their issues and have become stable and safe.”

However in case of emergency, Pollard said, “We have an emergency telephone number in Switzerland, Australia as well the in the local country that the trips are in.” Most of the clients of Babel are from the US, UK, EU, Australia and Canada, he tells. In January, the company will organize their first trips to Iraq, Somaliland and Afghanistan for invited clients and journalists only.

Up to today, Babel Travel has not arranged a tourist trip to the war and conflict zones, but is already planning on expanding the range of destinations. Myanmar, Liberia, Yemen and Colombia are expected to be added to the brochures soon.