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Berliner Ex-Rapper “Deso Dogg” in Syrien verwundet

von Florian Flade

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Erst vor wenigen Wochen besang Denis Cuspert, ehemals bekannt als Rapper “Deso Dogg”, noch seinen Wunsch den Märtyrertod zu sterben. Jetzt entging der Berliner Islamist offenbar nur knapp dem Tod. In Syrien wurde Cuspert, der sich “Abu Talha al-Almani” nennt, angeblich bei einem Luftangriff verletzt.

„Einige Internetseiten haben die Nachricht verbreitet, dass unser Bruder und Mudschahid Abu Talha Al-Almani bei einem Luftangriff auf einer Stellung der Freien Syrischen Armee (FSA) getötet wurde“, heißt es in dem Schreiben der Gruppe “Millatu Ibrahim”, das am Montag in einem arabischsprachigen Internetforum auftauchte.

Cuspert sei nie Mitglied der FSA gewesen, schreiben die Islamisten weiter. Und er sei auch nicht getötet sondern lediglich verletzt worden.

„Was geschehen war, ist dass ein Haus eines Ansari (einheimischen Unterstützers) von einem Kampfjet und ein Helikopter angegriffen wurde“, so die Islamisten, „Dies führte dazu, dass einige Brueder verletzt wurden, darunter unser geehrte Bruder Abu Talha Al-Almani.“ Mehrere Kinder seien zudem bei dem Luftangriff ums Leben gekommen.

Deutsche Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass sich Cuspert vor einigen Monaten einer dschihadistischen Rebellengruppe in Syrien angeschlossen hat, um gegen das Assad-Regime zu kämpfen.

Nach Angaben deutscher Islamisten kämpfte Cuspert zumindest zeitweise auf Seiten der Gruppe „Junud ash-Sham“. Fotos, die in den vergangenen Wochen auf einschlägigen Internetseiten und in sozialen Netzwerken veröffentlicht wurden, zeigen den Berliner Dschihadisten in Kampfmontur, mit Flecktarn-Weste, Kalaschnikow und Panzerfaust.

 

Spielplatz der Dschihadisten

von Florian Flade

Über 100 Islamisten aus Deutschland sollen zum Kämpfen nach Syrien gereist sein. Jetzt gibt es erste deutsche Dschihad-Propaganda made in Syria.

pic2013-8-15 12 32 53Deutscher Islamist Reda Seyam (rechts) in Syrien

Al-Qaida hat Syrien ins Visier genommen. Das Terrornetzwerk mischt mit etlichen Splittergruppen und radikalislamischen Milizen beim blutigen Bürgerkrieg zwischen dem Assad-Regime und sunnitischen Rebellengruppen mit. Jüngster Coup: die Dschihadisten haben nahe der syrischen Hafenstadt Latakia über 100 Frauen und Kinder syrischer Soldaten als Geiseln genommen. Der Fernsehsender Al-Jazeera strahlte Interviews mit Geiselnehmern und ihren Opfern aus.

Das Video zeigt zudem einen Reporter von Al-Jazeera, mit kugelsicherer Weste und Helm, der einen Aufsager vor der Kamera vornimmt. Hinter der Kamera steht ein bulliger Mann mit Rauschebart und Brille. Er trägt keinen Helm, nur ein langes Gewand. Der Mann heißt Reda Seyam und ist deutscher Staatsbürger. Zuletzt lebte der siebenfache Vater in Berlin-Charlottenburg. Da war er eine der bestüberwachten Personen des Landes. Ein radikaler Islamist im Visier der Sicherheitsbehörden.

Der gebürtige Ägypter Seyam blickt auf eine langjährige Karriere im Dunstkreis des islamistischen Terrorismus zurück. In den vergangenen Jahrzehnten reiste Seyam stets in Gebiete, in denen extremistische Muslime den Dschihad ausgerufen hatten. Als islamistische Kämpfer 1990er Jahren gegen die serbische Armee in den „Heiligen Krieg“ zogen, war Seyam mit der Kamera dabei. Ebenso als in Indonesien radikale Islamisten Jagd auf Christen machten. Bis heute ist nicht geklärt, ob der Deutsch-Ägypter in die Al-Qaida-Anschläge von Bali 2002 verwickelt war oder nicht. Damals starben 200 Menschen, darunter viele Touristen, als eine Autobombe vor einem Nachtclub explodierte.

„Mein Mann war ein Kurierfahrer für den Heiligen Krieg“, sagt Seyams deutsche Ex-Frau, die heute in einem Zeugenschutzprogramm lebt. „Nicht er war. Er ist es.“

Im vergangenen Jahr brach Seyam seine Zelte in Berlin ab und wanderte zunächst nach Ägypten aus. Seit einigen Monaten aber soll der Islamist immer wieder nach Syrien reisen, um dort Videos an der Front der Rebellen zu drehen. Kameraarbeit für den radikalen Islam.

Der Präsident des Verfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, bestätigte jüngst, das seit Ende 2012 mindestens 120 Islamisten aus Deutschland in Richtung Syrien gereist sind. „Syrien ist weiterhin das zentrale Ausreiseziel für Dschihadisten aus Deutschland“, so Maaßen. Der Aufenthalt im syrischen Kriegsgebiet könnten Radikalisierungsprozesse verstärken, warnt der Verfassungsschutzpräsident. „Daher ist es wichtig, Ausreisen zu verhindern.“

Bislang hatte man beim Verfassungsschutz von rund 60 Ausreisen gesprochen. Diese Zahl wurde nun nach oben korrigiert, weil nun auch jene Islamisten gezählt werden, die zwar nach Syrien reisen wollten, von denen aber nicht klar ist, ob sie dort auch ankamen. Viele Ausreisewillige, so heißt es aus Sicherheitskreisen, seien auf dem Weg, in der Türkei, in Ägypten oder dem Libanon, hängen geblieben oder untergetaucht.

Doch nicht alle ausgereisten Islamisten seien wirklich willens in den Krieg zu ziehen. „Wir beobachten einige Personen, die in Syrien nur Dschihad spielen wollen“, sagte mir ein Verfassungsschützer. Diese jungen Männer stammten oft aus kriminellen Milieus. Sie reisen in das Kriegsgebiet, posieren dort mit Waffen, laden Fotos davon auf ihre Facebook-Profile und kehren wieder nach Deutschland zurück. „Sie erzählen dann daheim, sie hätten gekämpft und getötet. Syrien ist ein idealer Spielplatz für alle, die gerne Gotteskrieger wären“, so der Verfassungsschützer.

Eine steigende Zahl von Islamisten mit und ohne deutschen Pass aber gelingt es, sich in Syrien einer der unzähligen Rebellengruppen anzuschließen. Ihr Ziel ist es, gegen den Diktator Baschar al-Assad in den Kampf zu ziehen. Deutsche Sicherheitsbehörden registrieren aktuell immer mehr deutschsprachige Dschihad-Propaganda aus Syrien. Es begann zunächst mit Youtube-Videos, die Salafisten aus Deutschland bei vermeintlich humanitären Einsätzen im Kriegsgebiet zeigten. Echte und selbsternannte Prediger aus Nordrhein-Westfalen und Berlin posierten vor zerstörten Panzern des Assad-Regimes und filmten sich beim Verteilen von Hilfsgütern und Medikamenten, beim Beseitigen von Müll oder beim Besuch in Krankenhäusern.

Mittlerweile aber scheint klar, dass sich auch unter den kämpfenden Rebelleneinheiten Islamisten aus Deutschland befinden. Die Gruppe „Jabhat al-Nusra“ vermeldete vor kurzem den Tod von „Abu Ahmad al-Almani“, einem gebürtigen Libanesen der wohl seit frühester Kindheit in Deutschland gelebt hat. Zuletzt soll der gebürtige Albaner „Abu Zaid“ aus Deutschland an der Frontlinie von Latakia gefallen sein.

Die deutsche Dschihadisten in Syrien, so scheint es, versuchen derzeit über das Internet eine eigene Propaganda-Werkstatt aufzubauen, um neue Kämpfer zu rekrutieren. Unter dem Label „Sham Center“ bloggen und twittern die radikale Islamisten aus dem syrischen Kriegsgebiet heraus seit einigen Wochen regelmäßig Dschihad-Propaganda in deutscher Sprache.

Bald soll es eine Video-Dokumentation über deutsche Kämpfer in Syrien geben. Im Mittelpunkt stehen soll dabei der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert alias „Abu Talha al-Almani“. Der in Deutschland mit Haftbefehl gesuchte Islamist war im Sommer 2012 untergetaucht und über Ägypten und Libyen schließlich nach Syrien gereist.

Sein Wunsch ist es offenbar, im Kampf gegen das Assad-Regime zu sterben. „Ich warte auf den Tod und kann ihn nicht erwarten, bewaffnet mit Bomben und Granaten“, tönte Cuspert einer Audiobotschaft, die Anfang August im Internet veröffentlicht wurde. „Ich zünde die Bombe inmitten der Menge, drücke auf den Knopf.“

Dschihad-Rapper Cuspert in Libyen

von Florian Flade

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Wo ist Denis Cuspert alias “Deso Dogg”? Diese Frage beschäftigt deutsche Sicherheitsbehörden seit es dem Berliner Ex-Rapper im Frühsommer gelang, sich ins Ausland abzusetzen. Der bekennende Islamist war einer Verhaftung zuvor gekommen und konnte trotz Überwachung durch deutsche Sicherheitsbehörden untertauchen.

Doch nicht völlig spurlos. Schnell war klar: Cuspert hatte sich nach Ägypten abgesetzt. Das überraschte nicht. Immerhin war dorthin bereits Mohammed Mahmoud, österreichischer Dschihad-Prediger und Glaubensbruder von Cuspert, ausgewandert nachdem ihm das hessische Innenministerium mit Abschiebung gedroht hatte.

Nach dem Verbot der von Cuspert und Mahmoud ins Leben gerufenen “Millatu Ibrahim”-Gruppe im Juni setzte zudem ein wahrer Exodus radikaler Salafisten nach Ägypten ein. Dutzende Islamisten, allen voran Mitglieder der “Millatu Ibrahim”-Gemeinde im nordrhein-westfälischen Solingen, folgten Mahmoud und Cuspert an den Nil. Mit Sorge beobachten die Sicherheitsbehörden seither die Entstehung deutscher Salafisten-Kolonien in Nordafrika.

Wo aber sind die ehemaligen Führungskader von “Millatu Ibrahim”? Mohammed Mahmoud, dessen Familie Immobilien in Ägypten besitzen soll, hatte sich zunächst in Kairo angesiedelt. Über das Internet predigte der Österreicher weiter Dschihad und Hass auf Ungläubige. Aus seiner Sicht konnte das Verbot von “Millatu Ibrahim” in Deutschland, der Bewegung an sich nichts wirklich schaden. Sie existiert nach Mahmouds Auffassung weiter – nur liegt der Schwerpunkt nun im ägyptischen Exil.

Auf eigenen Blogs und durch Einträge in radikalislamischen Internetforen meldete sich Mahmoud in den vergangenen Wochen mehrfach zu Wort. Mal drohte einer seiner ebenfalls ausgewanderten Mitstreiter in einem PDF-Schreiben mit Terroranschlägen in Deutschland, mal verkündete Mahmoud selbst den Tod zweier Salafistinnen aus Deutschland und ernannte sie zu den ersten “Märtyrerinnen” von “Millatu-Ibrahim”.

Denis Cuspert hingegen meldete sich monatelang nicht zu Wort. In Sicherheitskreisen kursierten Gerüchte und schwammige Informationen über den Verbleib des Berliner Dschihad-Rappers. Einmal hieß es, Cuspert sei möglicherweise nicht mehr am Leben. Im Sudan habe er “unglücklich mit Sprengstoff hantiert haben”, so die Information. Andere Hinweise legten den Schluss nahe, Cuspert sei womöglich auf dem Weg nach Mali.

Nichts davon erwies sich als korrekt. Vor einigen Wochen dann tauchte im Internet ein erstes Lebenszeichen des Berliners auf. In Form eines “Nashid”, eines islamistischen Kampfliedes. “Wir sind ausgewandert in die Welt auf dem Weg Allahs”, singt Cuspert darin. Doch wieder gab es keinerlei Hinweise auf einen Aufenthaltsort des Islamisten.

“Herr Cuspert ist in Bewegung”, so war aus Sicherheitskreisen zu vernehmen. Gemeint war offenbar, dass er sich nicht an einem Ort angesiedelt hatte. Spätestens seit Anfang Oktober war bekannt: Denis Cuspert ist in Libyen.

Und auch sein Weggefährte Mohammed Mahmoud hat sich nach Erkenntnissen der Nachrichtendienste vor kurzem nach Libyen begeben. Bei den Terrorjägern weiß man, dass Mahmoud plante im libyschen Benghazi eine Art deutschsprachiges Medienzentrum für den Dschihad aufzubauen. Eine Propagandamaschinerie, die Salafisten aus Deutschland nach Nordafrika rufen soll. Dieser Plan scheiterte bislang.

Zuletzt gab es Hinweise, Cuspert und Mahmoud hätten versucht, sich in der ostlibyschen Ortschaft Derna islamistischen Milizen anzuschließen. Die Stadt gilt als Hochburg der Dschihadisten. Derna war bis vor kurzem die Basis von “Ansar al-Sharia”, einer Islamisten-Miliz, die für den Angriff auf das US-Konsulat von Benghazi verantwortlich gemacht wird.

Die Stadt ist ein beliebter Rekrutierungsort für internationale Terrornetzwerke wie Al-Qaida. In den salafistischen Gemeinden der Küstenstadt finden sie idealen Nährboden. Schon in den 1980er Jahren sollen Islamisten aus Derna in Afghanistan gegen die Sowjet-Besatzer gekämpft haben. Dutzende Bewohner der Stadt zog es vor Jahren zwecks Dschihad gegen die US-Truppen in den Irak . Aktuell sollen bis zu 200 Männer aus Derna in Syrien an Kämpfen gegen das Assad-Regime beteiligt sein.

Westliche Nachrichtendienste wissen um die brisante Lage in der Region. Al-Qaida-Anwerber als den Maghreb-Staaten, aus Somalia, Jemen und Syrien fischen in Nordafrika nach todeswilligen Rekruten. Der Bundesnachrichtendienst (BND) warnte jüngst in einer Mitteilung an die Bundesregierung vor den Reisebewegungen von Dschihadisten aus Europa. Es gäbe Erkenntnisse, so BND-Chef Schindler, dass auch Islamisten aus Deutschland auf dem Weg nach Mali und in andere Konfliktgebiete seien.