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Dschihad-Rückkehrer Teil 2 – Auf Shoppingtour

von Florian Flade

Ismail I. steht demnächst in Stuttgart vor Gericht. Der Libanese soll in Syrien zum Dschihadisten ausgebildet worden sein. Und kehrte anschließend nach Deutschland zurück – mit einem Auftrag seines “Emirs”.

pic160914Kämpfer der “Jaish al-Muhajirin wa al-Ansar”

Der Autobahnrasthof Gruibingen. An der A8 gelegen, rund 50 Kilometer südlich von Stuttgart. Am 13. November 2013, gegen 22.45 Uhr griff die Polizei hier zu. Ihre Zielpersonen: der 24-jährige Libanese Ismail I. aus Stuttgart und der 37-jährige Deutsch-Afghane Mohammad Sobhan A. aus Mönchengladbach.

Als die Ermittler das Auto der beiden Männer durchsuchten, staunten sie nicht schlecht. Tarnkleidung, Medikamente, Skalpelle, Thermometer, ein Blutdruckmessgerät, zwei Nachtsichtgeräte und 6.232 Euro in Bar fanden sie. Einkäufe für den “Heiligen Krieg”.

Ismail I. und sein Glaubensbruder Mohammad Sobhan A. waren auf dem Weg nach Syrien, als die deutschen Ermittler sie stoppten. Sie wollten zurück an die Front, in die Reihen einer islamistischen Terrorgruppe. Das zumindest behauptet die Bundesanwaltschaft, die I. und A. im Mai angeklagt hat. Bald schon werden die beiden mutmaßlichen Islamisten in Stuttgart vor Gericht stehen, zusammen mit Ismails Bruder Ezzedine I..

Die Stuttgarter Polizei und das Bundeskriminalamt (BKA) haben monatelang gegen die mutmaßlichen Terrorhelfer ermittelt. Der Abschlussbericht umfasst rund 80 Seiten. Die Ermittler konnten rekonstruieren, dass der gebürtige Libanese Ismail I. im vergangenen Jahr nach Syrien gereist war und dort wohl eine Ausbildung zum Dschihadisten absolviert hatte, bevor er wieder nach Deutschland zurückkam. Der Prozess dürfte dennoch spannend werden – insbesondere die Frage: Welcher Gruppierung hatte sich Ismail I. überhaupt angeschlossen?

Am 22. August 2013 flog der schwäbische Islamist, ein Berufsschulabbrecher und Gelegenheitsjobber in einem Fast-Food-Restaurant, von Düsseldorf in die türkische Stadt Gaziantep. Per Bus ging es anschließend weiter an die syrischen Grenze und letztendlich in das Bürgerkriegsland.

Nach eigenen Angaben nahmen ihn zunächst die Kämpfer der “Freien Syrischen Armee” in Empfang, die den Neukömmling aus Deutschland allerdings schnell weitervermittelt haben sollen. An die Gruppe “Jaish al-Muhajirin wa al-Ansar”, eine islamistische Miliz, angeführt von dem gebürtigen Georgier Tarkhan Batirashvilli alias “Abu Omar al-Shishani”, der bereits im Kaukasus gegen die russische Armee gekämpft hatte. In der Organisation kämpfen nach Erkenntnissen westlicher Geheimdienste zu einem großen Teil Islamisten aus dem Kaukasus, Bosnien, Albanien und dem Kosovo.

In einem Ausbildungslager nahe Aleppo, getarnt als Flüchtlingscamp und offenbar genutzt von mehreren Rebellengruppen, soll Ismail I. rund drei Wochen lang ein Training zum Dschihad-Kämpfer absolviert werden. Danach sei er einer knapp zehnköpfigen Kampfeinheit zugeteilt worden, berichtete I. den Ermittlern im Verhör, angeführt von einem deutschen Konvertiten mit dem Spitznamen “Konny”.

Laut Bundesanwaltschaft soll sich Ismail I. nach seiner paramilitärischen Ausbildung an einem Kampfeinsatz nahe Aleppo beteiligt haben. Wo genau, das konnten die Ermittler bislang nicht herausfinden. In abgefangenen Chats mit seinem Bruder in Deutschland prahlte Ismail I. jedoch damit, in Gefechten die “dreckigen Ungläubigen zu demolieren”.

Irgendwann im Oktober 2013 soll der Islamist aus Baden-Württemberg von seinem “Emir”, dem Scharia-Beauftragten der “Jaish al-Muhajirin wa al-Ansar”, Abu Abdullah al-Shishani, den Befehl erhalten haben, nach Deutschland zurück zu kehren.

Am 21. Oktober reiste Ismail I. tatsächlich nach Stuttgart. Offenbar mit dem Auftrag, Spendengelder, Medikamente und anderes Material zu beschaffen, wie es in der Anklageschrift heißt. Zwei Tage nach seiner Rückkehr ließ I. per Überweisung einem Mittelsmann in Istanbul rund 600 US-Dollar zukommen, die letztendlich an den “Emir” Abu Abdullah al-Shishani geflossen sein sollen. Der Dschihad-Kommandeur bedankte sich nach Erkenntnissen der Ermittler per Whatsapp-Nachricht für das Geld.

Ismail I. kontaktierte nach seiner Rückkehrer zudem den Deutsch-Afghanen Mohammad Sobhan A. aus Mönchengladbach, den er während einer gemeinsamen Pilgerreise kennengelernt hatte. A. erklärte sich nach Darstellung der Staatsanwaltschaft bereit, Ismail I. bei der Umsetzung seines Auftrages zu helfen. Und mit ihm nach Syrien zu kommen.

Bei einem Jagdausstatter und einem Army-Shop in Stuttgart kaufte I. Flecktarn-Kleidung und zwei Nachtsichtgeräte. Über eine Online-Apotheke soll er sich zudem mehr als 100 Skalpelle, ein Blutdruckmessgerät, Wund- und Heilsalbe sowie das blutungsstillende Medikament Celox beschafft haben.

Für 850 Euro kaufte Ismail I. anschließend einen gebrauchten Kombi, den sein Freund Mohammad Sobhan A. am 12.November 2013 bei der Zulassungsstelle in Mönchengladbach anmeldete und auf seinen Namen versichern ließ. Mit dem Auto fuhr er am nächsten Tag nach Stuttgart und holte Ismail I. und dessen Einkäufe ab. Gemeinsam setzten sie ihre Fahrt vor bis die Polizei sie auf der Raststätte bei Gruibingen stoppte.

“Am 13.November 2013 traten die Angeschuldigten Ismail I. und Mohammad Sobhan A. die Transportfahrt nach Syrien an”, so heißt es von der Bundesanwaltschaft.

Die Staatsanwälte glauben, dass Ismail I. ein Mitglied des “Islamischen Staates” (IS) war. Eine Behauptung, die juristisch nicht ganz unheikel sein dürfte. Denn immerhin hatte sich die Gruppe “Jaish al-Muhajirin wa al-Ansar” erst Ende November 2013 offiziell dem “Islamischen Staat” angegliedert. Anführer Abu Omar al-Shishani schwor damals den Treueeid auf IS-Emir Abu Bakr al-Baghdadi und löste seine eigene Kampfeinheit auf. Rein zeitlich gesehen, war Ismail I. also offenbar kein IS-Mitglied als er im Oktober nach Deutschland zurückkehrte.

Die Bundesanwaltschaft sieht dies offenbar anders. Sie hält die Zugehörigkeit von I. zum IS insbesondere durch seine Selbstbezichtigungen für plausibel. Am 10.Oktober und am 1.November 2013 erklärte Ismail I. einem Bekannten in Deutschland auf Nachfrage per Whatsapp-Nachricht, er sei weiterhin in der “dawlat”. Das arabische Wort steht für “Staat” und bezeichnet in dschihadistischen Kreisen die Organisation “Islamischer Staat”.

 

Dschihad-Rückkehrer Teil 1 – “Du Blödmann!”

von Florian Flade

Auf die deutsche Justiz kommen zahlreiche Verfahren gegen mutmaßliche Dschihadisten zu, die in Syrien und dem Irak gekämpft haben und nach Deutschland zurückgekehrt sind. Hier sollen einige Fälle näher beleuchtet werden. Den Auftakt macht der Frankfurter Kreshnik B..

Es gibt ein Foto von Kreshnik B., das zeigt einen dunkelblonden Jungen mit lockigem Haar, in einem blau-weißen Trikot des TuS Makkabi Frankfurt, Deutschlands größtem jüdischen Fußballverein. Auf der Brust prangt der Davidsstern. Der Deutsch-Kosovare trug die Rückennummer 14, war ein talentierter Abwehrspieler. Das Gruppenfoto seiner Mannschaft ist wenige Jahre alt.

Und dann gibt es dieses andere Bild von Kreshnik B., aufgenommen am Montag, im Saal II des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main. In Kapuzenpulli, mit T-Shirt und Vollbart sitzt Kreshnik B. auf der Anklagebank. Als mutmaßliches Mitglied der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS).

Kreshnik B., geboren in Bad Homburg als Sohn kosovarischer Einwanderer, soll ein islamistischer Fanatiker sein. Ein selbsternannter Gotteskrieger, der in Syrien gekämpft haben soll. So steht es in der Anklageschrift der Bundesanwaltschaft. Es ist der erste Fall eines Syrien-Rückkehrers, der in Deutschland verhandelt wird. Der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Prozessen, die noch folgen werden.

Vor über einem Jahr war Kreshnik B. aufgebrochen in den „Heiligen Krieg“. Am 2. Juli 2013 verließ er die elterliche Wohnung in Frankfurt, wo er mit Vater, Mutter und den beiden Schwestern lebte. Die Eltern meldeten ihn am Folgetag bei der Polizei vermisst.

Zusammen mit sechs Glaubensbrüdern stieg Kreshnik B. in Mannheim in einen Bus nach Istanbul. Zwei Tage dauerte die Reise in die türkische Metropole. Die Zwischenstopps nutzten B. und seine Mitreisenden für das gemeinsame Gebet, so berichteten die Busfahrer später den deutschen Ermittlern.

Von Istanbul aus reisten Kreshnik B. und die anderen schließlich in den Süden der Türkei. Über einen Schleuser schaffte es die Gruppe nach Syrien. Kreshnik B., der Berufsschüler aus Frankfurt, war mitten im Bürgerkrieg angekommen.

Das hessische Landeskriminalamt ermittelte, dass sich der junge Deutsch-Kosovare offenbar über Kontaktpersonen aus einer einschlägig bekannten Moschee in Frankfurt radikalisiert hatte. Mitschüler der Philipp-Holtzmann-Berufsfachschule gehörten nach Erkenntnissen der Ermittler zum Umfeld der Salafisten-Szene im Rhein-Main-Gebiet. Über sie kam Kreshnik B. wohl mit dem radikalen Islam in Berührung. Regelmäßig besuchte er fortan die Abu-Bakr-Moschee im Frankfurter Stadtteil Hausen. Auch an Koran-Verteilaktionen soll er sich beteiligt haben.

Doch die Missionierungsarbeit in Deutschland war Kreshnik B. augenscheinlich nicht genug. Er wollte nach Syrien. Kämpfen gegen das Assad-Regime. Und tatsächlich schaffte es der Frankfurter in die Reihen der berüchtigten Terrortruppe „Islamischer Staat“.

Als die Eltern Kreshnik B. vermisst meldeten, setzte sich der Apparat der deutschen Sicherheitsbehörden in Gang. Sie verfolgten die Spur des Ausgereisten. Mehrfach meldete sich B. in den Folgemonaten bei seiner älteren Schwester Aferdita. Das Bundeskriminalamt (BKA) hörte die Telefonate und Skype-Gespräche mit, protokollierte die Chats. So konnten die Ermittler rekonstruieren, was Kreshnik B. in Syrien erlebte.

Seine erste Station war offenbar die nord-syrische Metropole Aleppo. Dort soll sich B. Mitte Juli 2013 einer Gruppe angeschlossen haben, die er in Unterhaltungen mit seiner Schwester als „dawla muhajirin“ bezeichnete. Die Bundesanwaltschaft ist sich sicher, dass es sich dabei um eine Unterorganisation des „Islamischen Staates“ handelt, eine Aufnahmestelle für ausländische Dschihadisten.

„Mir ist eigentlich egal für welche Gruppe ich kämpfe“, schrieb Kreshnik B. seiner Schwester per Skype. Wichtig sei nur, dass er für die Scharia kämpfe.

Doch bevor er kämpfen durfte, musste Kreshnik B. eine Aufnahmeprüfung überstehen. Ihm und seinen Mitstreitern wurden die Pässe abgenommen. Dann folgte ein Verhör. Die Terrorgruppen fürchten sich vor Spitzeln und Spionen. Neuankömmlinge werden daher sorgsam aussortiert. Wer letzte Zweifel an seinen Absichten nicht ausräumen kann, dem droht Folterhaft oder die Hinrichtung.

Kreshnik B. wurde schließlich aufgenommen und leistete laut Staatsanwaltschaft den Treueeid auf den „Islamischen Staat“ (IS). Und nahm kurze Zeit später bereits an einer öffentlichen Propagandaveranstaltung der Organisation in Aleppo teil. Ein Video, veröffentlicht von der Medienabteilung des IS am 25.Juli 2013, zeigt B. vor einer IS-Flagge sitzend, neben ihm sind ein junger Dschihadist ein Kampflied.

Zudem, so behauptet die Bundesanwaltschaft, absolvierte der Deutsch-Kosovare ein vierwöchiges, paramilitärisches Training, bestehend aus einer Ausbildung an der Waffe, im Nahkampf und Erster Hilfe. Anschließend bekam er eine Schusswaffe, Kleidung gestellt und erhielt pro Monat umgerechnet 50 Euro Sold.

Vor allem Wachdienste soll Kreshnik B. für den IS geleistet haben. Aber auch an Kampfeinsätzen war der 20-jährige wohl beteiligt. Mitte September 2013 etwa nahe der Stadt Hama. Und Mitte November 2013. Zu diesem Zeitpunkt, so heißt es in der Anklageschrift, leistete B. zudem die „ba´yat“, den Treueschwur, auf den Führer des IS, Abu Bakr al-Baghdadi.

Kreshnik B. war nun ein Fußsoldat des „Islamischen Staates“, einer von Dutzenden Extremisten aus Deutschland, die in den Reihen der Terrorgruppe kämpfen. “Ich chille, gehe kämpfen, tu meinen Job für Allah”, schrieb er seiner Schwester. B. verherrlichte den Tod von Mitstreitern, berichtete aber auch von Schikanen durch die IS-Kommandeure und von Suizid-Missionen.

Mehrfach versuchte ihn die ältere Schwester zur Rückkehr nach Deutschland zu überreden. „Mit 25 wirst du das bereuen. Du bist jung, dumm und naiv“. Sie bot dem Bruder an, einen Anwalt zu besorgen. „Keiner von diesen Leuten liebt dich so wie deine Mama und dein Papa!“, schrie sie ihn am Telefon an. Er wolle den notleidenden Menschen in Syrienhelfen, entgegnete Kreshnik B., der Dschihad sei eine Pflicht für jeden Muslim. Sie solle den Koran lesen. Die Schwester führ ihn wütend an!”: „Halt’s Maul, ich lese mehr Koran als du! Du Blödmann!“

Anfang Dezember zog Kreshnik B. wohl das letzte Mal für den IS in den Krieg. Dann hatte er wohl genug vom Dschihad. Er reiste zurück in die Türkei und traf dort mit seiner Schwester und seinem Cousin zusammen. Gemeinsam flogen die drei am 12. Dezember 2013 zurück nach Deutschland. Am Frankfurter Flughafen klickten die Handschellen.

Neun Monate später muss sich Kreshnik B. nun für sein Syrien-Abenteuer vor Gericht verantworten. Sein Mandant habe dem radikalen Islam abgeschworen, erklärte sein Verteidiger, der Bonner Anwalt Mutlu Günal, am Montag. Das Gericht unterbreitete zugleich ein Angebot. Sollte sich B. umfassend einlassen und die Vorwürfe gestehen, würde ihm eine Jugendstrafe von maximal vier Jahre und drei Monate Gefängnis drohen.

“Wir wollen Ihnen nicht mit aller Gewalt Ihre Zukunft verbauen”, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel. Man wolle dem 20-jährigen noch eine Chance geben. Eine Chance, die einer der Glaubensbrüder mit denen Kreshnik B. nach Syrien gereist war, nicht mehr hat. Er kam nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes (BKA) ums Leben.

 

Deutsche Dschihadisten flüchten aus Somalia

von Florian Flade

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Zwei Wochen ist es her, da tauchte ein islamistisches Propagandavideo auf, in dem Muslime aus dem Westen aufgerufen wurden in den Dschihad zu ziehen. Nicht etwa nach Syrien, dem wohl beliebtesten Zielland für selbsternannte Gotteskrieger derzeit. Sondern nach Somalia.

„Diejenigen, die in den USA leben, speziell in Minnesota, in Großbritannien, Deutschland und vielen Teilen der Welt der Ungläubigen – ihr müsst euch heute entscheiden!“, erklärte auf Englisch ein vermummter Dschihadist der somalischen Terrororganisation Al-Shabaab in dem Video.

Dschihad in Somalia? Der Konflikt zwischen der Zentralregierung und der radikalislamischen Terrorgruppe Al-Shabaab scheint in Vergessenheit geraten zu sein – insbesondere als Ziel für kampfeswillige Islamisten aus dem Westen. Dabei zogen noch vor Jahren Dutzende Somalier aus den Exil-Gemeinden in Großbritannien, den Niederlanden, Skandinavien und den USA in den „Heiligen Krieg“ am Horn von Afrika.

Auch eine kleine Zahl von deutschen Islamisten reiste nach Somalia und schloss sich dort der Al-Shabaab an. Es handelte sich dabei hauptsächlich um gebürtige Somalier aus Nordrhein-Westfalen. Aber auch Konvertiten waren darunter.

Am vergangenen Samstag nahm das Bundeskriminalamt (BKA) am Frankfurter Flughafen drei mutmaßliche Mitglieder der somalischen Al-Shabaab fest, die per Flugzeug aus Kenia kamen. Es handelt sich dabei um die deutschen Staatsbürger, Abdullah W., Abdulsalam W. und den Konvertiten Steven N.. Die Bundesanwaltschaft wirft den drei Männern vor, sich im Jahr 2012 bzw. 2013 in Somalia der Terrororganisation angeschlossen und anschließend eine Waffenausbildung erhalten zu haben.

Den Verhafteten ging es bei ihrer Rückreise in die Heimat allerdings wohl eher nicht darum, den Terror nach Deutschland zu tragen. „Es bestehen keine Hinweise darauf, dass die Beschuldigten konkrete Anschlagsplanungen oder -vorbereitungen getroffen hatten“, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Nach meinen Informationen ging dem Zugriff am Frankfurter Flughafen eine Verhaftung zweier Islamisten aus Deutschland in Ost-Afrika voraus. Kenianische Anti-Terror-Einheiten hatten am 29. August den Deutsch-Somalier Abdul Wahid W. und den Deutsch-Tunesier Mounir T. festgenommen. Beide waren wohl kurz zuvor aus Somalia nach Kenia eingereist und werden verdächtigt, sich ebenfalls der Al-Shabaab angeschlossen zu haben.

Wie aus Sicherheitskreisen zu erfahren ist, sollen sowohl Mounir T. als auch Abdul Wahid W. gegenüber einem BKA-Verbindungsbeamten umfangreich über ihre Zeit in Somalia ausgesagt haben. Die Aussagen klingen eher nach Flucht als nach Terrorabsicht. Die mutmaßlichen Dschihadisten erklärten, sie hätten Al-Shabaab den Rücken gekehrt, weil sie fürchteten als Spione verdächtigt zu werden. Die Terrororganisation hatte in der Vergangenheit häufiger aus Angst vor Spitzeln ausländische Kämpfer inhaftiert, gefoltert oder sogar hingerichtet.

Abdul Wahid W. und Mounir T. sollen zudem auch von drei Mitkämpfern berichtet haben, die ebenfalls nach Deutschland zurückreisen wollten. So erfolgte schließlich runde eine Woche später die Festnahme von Steven N., Abdullah W. und Abdulsalam W. am Flughafen in Frankfurt.

Aus Sicherheitskreisen ist zu vernehmen, dass in den vergangenen Wochen wohl eine ganze Reihe von europäischen und nordamerikanischen Dschihadisten aus Somalia geflohen ist. Augenscheinlich ergreift die Islamisten derzeit die Furcht vor Racheakten der Al-Shabaab. Grund könnte insbesondere der jüngste US-Drohnenangriff vom 1.September sein, bei dem der Anführer der Terrorgruppe, Ahmed Abdi Godane alias Mukhtar Abu Zubayr, ums Leben kam.

Sowohl in Somalia als auch in Pakistan vermuten Dschihadisten hinter jedem Drohnenangriff das Werk von eingeschleusten oder angeworbenen Spitzeln in den eigenen Reihen, die für westliche Geheimdienste angeblich Ziele markieren oder auskundschaften. Dieses Misstrauen gegen Gotteskrieger aus dem Westen, die paradoxerweise in der Propaganda stets aufgerufen werden, sich anzuschließen, kostete bereits einige Al-Shabaab-Kämpfer das Leben. Die fünfköpfige Gruppe aus Deutschland wollte wohl diesem Schicksal entgehen.