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New Video Of Al-Qaida´s No.2 Dr.Ayman az-Zawahiri

by Florian Flade


Surprisingly, Al-Qaida´s media wing As-Sahab Media came up with the 5th part of a series “Message of Hope and Glad Tidings to the People of Egypt” – this time it is an actual video of Dr.Ayman az-Zawahiri instead of a audio message.

Al-Qaida´s No.2 man is talking about Libya this time, urging Egyptians to support the Anti-Gaddafi movement. If NATO invades Libya, Zawahiri warns, the neighboring Muslim countries should not only fight Muammar al-Gaddafi´s regime but also the Western military occupation.

Interestingly the new Zawahiri video features a section of the latest video message by US-Yemeni cleric Anwar al-Awlaki (“To make it known and clear to mankind and not to hide it”).

Zawahiri also mentions Patton Boggs, a law firm based in Washington D.C. and the Middle East.

Das “Grüne Buch” – Gaddafis Weltbild

by Florian Flade

Was ist Gaddafis „Grünes Buch“? Bei jeder Gelegenheit liest der libysche Despot aus seinem eigenen Werk – so auch bei einer Fernsehansprache am Dienstag. Doch was steckt hinter der mysteriösen Schrift, für die einst sogar eine deutsche Eishockey-Mannschaft warb?

Das “Grüne Buch” stets zur Hand – Muammar al-Gaddafi in TV-Ansprache am 22.Februar

Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi trotzt dem Volksaufstand in seinem Wüstenreich. Während in den Straßen Libyens Menschen sterben und das Regime stückweise aufzulösen beginnt, droht Gaddafi, er werde notfalls als “Märtyrer” sterben. Bei einer Fernsehansprache aus seinem einst von den USA bombardierten Anwesen, verhöhnte er die libyschen Demonstranten am vergangenen Dienstag als “Ratten” und “Drogenabhängige”.

Wie so oft, nahm Gaddafi bei dieser Gelegenheit ein grünes Buch zur Hand, aus dem er wie ein Pastor während der Predigt, vorlas. Die Schrift, vom Despoten selbst verfasst, bietet einen Einblick in die wirre Gedankenwelt des libyschen Herrschers.

Das legendäre “Grüne Buch” wird als Revolutionsschrift, als eine Art libysche Mao-Bibel, verstanden. Gaddafi veröffentlichte das dreiteilige Werk zwischen 1976-1979 und ernannte es zum Leitfaden seiner panarabischen Politik. Es sollte über Libyen hinaus zu einer globalen Kampfschrift einer abstrusen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Utopie werden, die ähnlich wie das “Kommunistische Manifest” Völker weltweit inspirieren sollte.

Das “Grüne Buch” beschreibt Gaddafis Deutung von politischen Systemen, Gesellschaft und Volkswirtschaft. Es enthält seine Theorien zu einem neuen Ordnungssystem. Der Despot nennt das Werk selbst die “Dritte Universaltheorie”, seine Vorstellung von einer Alternative zu Marxismus und Kapitalismus. “Das Grüne Buch präsentiert die ultimative Lösung des Problems des Instruments Regierung”, so erklärt Gaddafi seine angeblich wegweisende Schrift, “es zeigt den Massen den Weg, den sie einschlagen können, von einer Zeit der Diktator zu der einer wahrhaften Demokratie.”

Gaddafi publizierte das “Grüne Buch” in drei Teilen. Am 02.Februar 1976 erschien der erste Teil mit dem Titel “Die Autorität des Volkes”, und dann im Abstand von jeweils einem Jahr folgten “Die Lösung des ökonomischen Problems: Sozialismus” und “Die soziale Basis der Dritten Internationalen Theorie”.

An einigen Stellen beschreibt Gaddafi in seinem Buch tatsächlich politische und ökonomische Ansätze. Beispielsweise heißt es, eine parlamentarische Demokratie sei in Wahrheit eine Diktatur, weil ein Kandidat bei einer Wahl bereits mit 51 Prozent der Stimmen über das Schicksal des Volkes bestimmen könne. Als Alternative führt Gaddafi sein Konzept der “Volkskonferenzen” und “Volkskommittees” an, eine Form der Massendemokratie, die er formal in Libyen einführte, jedoch nie praktisch umsetzte.

In seiner Beschreibung einer Ideal-Gesellschaft erläutert der Despot unter anderem die Stellung von Frauen, die Rolle von Sport, Erziehung und Musik. “Der Stamm” wird in diesem dritten Teil des “Grünen Buches” von Gaddafi als “besser als die Nation” beschrieben. Nur Familienbände seien noch wichtiger als die Stammeszugehörigkeit.

Teils wirr und widersprüchlich, führt Gaddafi an mehreren Stellen des “Grünen Buches” offensichtlich überflüssige und kaum näher erläuterte Feststellungen an. Zum Beispiel heißt es über die Geschlechter: “Frauen sind Weibchen und Männer sind Männchen. Laut der Gynäkologen menstruieren Frauen jeden Monat während Männer, die ja männlich sind, nicht menstruieren oder unter der monatlichen Periode leiden.”

In Libyen wurde dem “Grüne Buch” Verfassungsrang verliehen. Die Schrift ist Pflichtlektüre in Schulen und Universitäten. In der Hauptstadt Tripolis rief Gaddafi gar ein “Internationales Institut zur Erforschung und Verbreitung des Grünen Buches” ins Leben, das mit Staatsgeldern an der globalen Publikation der “Grünen Buches” mitarbeitete. Eine deutsche Übersetzung der Schrift erschien bereits 1988 und wurde im Jahr 2000 unverändert neu aufgelegt. Im Internet findet sich das “Grüne Buch” inzwischen in englischer Übersetzung im Volltext frei verfügbar.

Der deutsche Eishockey-Club ECD Iserlohn warb kurioserweise in der Spielseason 1987 auf seinen Trikots für das “Grünes Buch”. Heinz Weifenbach, der Präsident des Clubs, flog mit einer Gruppe ausgewählter Journalisten nach Libyen, um für den von Steuerschulden angeschlagenen Sportverein, einen neuen Sponsor zu gewinnen. Staatschef Muammar al-Gaddafi versprach den deutschen Sportlern über eine Millionen Mark, sollten diese auf ihren Trikots künftig Werbung für das “Grüne Buch” machen.

Am 04.Dezember 1987 trugen die Spieler des ECD Iserlohn dann auch tatsächlich bei einem Spiel gegen Rosenheim die Revolutionsschrift des libyschen Diktators zur Schau. Was folgte war harsche Kritik, vor allem von Seiten des damaligen Innenministers Friedrich Zimmermann (CSU), der die Neutralität des Sportes mit diesem politischen Statement gefährdet sah. Daraufhin verzichtete der Eishockey-Club im folgenden Spiel auf die Gaddafi gesponserten Trikots. Nur eine Woche, nach dem geglückten PR-Coup, gab ECD Iserlohn bekannt, finanziell am Ende zu sein und keine Spiele mehr bestreiten zu können.

Dr.Heiner Lohmann, Islamwissenschafter und Soziologe aus Münster, übersetzte das “Grüne Buch” ins Deutsche und verfasste seine Dissertation über das Werk des libyschen Despoten. Er kennt die utopischen Gedanken Gaddafis und hält das “Grüne Buch” für ein eindeutiges Zeugnis des vorzeitlichen Weltbildes des libyschen Staatschefs.

Das “Grüne Buch” sei lange fälschlicherweise für eine politische Kampfschrift gehalten worden, sagte mir Dr.Lohmann. Tatsächlich aber sei das Buch nicht vergleichbar mit den Schriften von Marx, Mao oder Hitler. “Was Gaddafi geschaffen hat, ist ein beduinischer Mythos der Herrschaftsfreiheit und der Subsistenzwirtschaft und der gegenseitigen Hilfe unter Verwandten”, so Dr.Lohmann, “Das „Grüne Buch“ ist etwas regionales, ein narrativer, sehr auf Libyen bezogener Mythos.”

Das Buch beinhalte Widersprüche und sei beinahe unverständlich geschrieben. “Es ist wie ein religiöser Text: undurchsichtig und sehr inspirierend”, erklärt der 59jährige Islamwissenschaftler. “Das “Grüne Buch” ist eine illusionäre Weltdeutung. Die Botschaft ist: die ganze Welt besteht aus Stämmen”, so Dr.Lohmann, “Gaddafi kann überhaupt nicht unterscheiden, zwischen einer beduinischen Stammesgesellschaft und den parlamentarischen Demokratien bei uns. Das versteht Gaddafi überhaupt nicht.”

Das als Revolutionsfibel propgagierte “Grüne Buch” floss letztendlich auch kaum in die reale politische Entwicklung Libyens unter Gaddafi ein. Eine Volksdemokratie, wie er sie im “Grünen Buch” preist, schuf Gaddafi nie, regierte stets als alleiniges Oberhaupt des libyschen Staates und verteilte Machtpositionen an Mitglieder seines Familienklans.

“Gaddafi hat immer behauptet: was ich in Libyen mache, ist das was ich im „Grünen Buch“ geschrieben habe”, so Dr.Lohmann,, “Aber er hat es auf keinen Fall umgesetzt. Er hat genau das Gegenteil gemacht (..) Die Realpolitik die er betrieben hat, steht im krassen Widerspruch zu seiner Weltanschauung, die im „Grünen Buch“ hinterlegt ist.”

Der libysche Diktator präsentiere das Buch, wie ein “Evangelium, dem man nicht widersprechen kann”, so der Islamwissenschaftler Dr.Lohmann. Gaddafi sei davon überzeugt, das von ihm beschriebene System sei die Heilslehre für die gesamte Menschheit. “Das ist eine illusionäre Weltdeutung, total naiv, auf dem Niveau eines siebenjährigen Kindes”, meint Dr.Lohmann, “Daher kann er das argumentativ auch nicht begründen.”

“Jetzt gibt es eine Chance” – Interview mit Ex-Dschihadist Noman Benotman

by Florian Flade

Noman Benotman kämpfte jahrelang gegen das Gaddafi-Regime und verbündete sich mit al-Qaida. Dann schwor er dem Terror ab und sieht heute große Chancen für ein Libyen ohne Gaddafi und ohne al-Qaida.

Noman Benotman- ehemaliger Bin Laden Gefolgsmann, heute Terror-Analyst in London

Der Libyer Noman Benotman ist Analyst der Londoner Quilliam-Foundation. Er war bis zum Jahr 2002 Mitglied der terroristischen „Libysch-Islamischen Kampfgruppe (LIFG)“ und in Afghanistan Ausbilder in einem Al-Qaida Trainingslager. Dort traf er mehrfach al-Qaida Chef Osama Bin Laden.

Inzwischen hat Benotman dem Terrorismus abgeschworen, schrieb mehrere Briefe an die al-Qaida Führer und rief sie auf, den Terror zu stoppen. Benotman lebt und arbeitet heute in London gilt als einer der besten Kenner des Terrornetzwerkes al-Qaida und der libyschen Islamistenszene. Er analysiert den militanten Islamismus und erarbeitet De-Radikalisierungsprogrammen für Islamisten.

Am Montag kehrte Benotman von einem 10tägigen Aufenthalt in Libyen zurück. Ich sprach mit dem Ex-Dschihadisten über die Rolle al-Qaidas in den arabischen Revolten.

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Herr Benotman, welche Rolle spielen die Islamisten der al-Qaida im derzeitigen Volksaufstand in Libyen?

In dieser Situation, al-Qaida anzubringen, während das Volk getötet wird und das Regime weiter jeden Tag Dutzende Libyer tötet, speziell in Tripolis, ist sehr gefährlich. Diesen Konflikt so zu behandeln, wird mehr Islamisten und Terrorgruppen erzeugen, glauben Sie mir. Ich denke die Welt , wir, wir sind die Welt, die an Freiheit, Zivilgesellschaft und Demokratie glauben, wir sollten die Libyer unterstützen ihr Schicksal zurückzugewinnen. Wenn wir das aber vergessen und al-Qaida anführen und über Libyen nur als Gefahr sprechen, dann vergessen wir die andere Seite der Münze. Ja, es gibt ein Sicherheitsrisiko, aber auf der anderen Seite gibt es eine große Chance, z.B. auf Freiheit und Demokratie.

Tunesien und Ägypten schienen Revolutionen ohne “Allahu Akbar!”- Rufe gewesen zu sein. In Libyen ist dies anders. Gibt es dort ein religiöses Element in der Revolte?

Wie kommen Sie darauf? Was hört man in den Straßen von Tripoli?

Auf einigen Amateur-Videos aus den Straßen Libyens hört man Demonstranten die “La illaha ill Allah!” (Es gibt keinen Gott außer Allah) und “Allahu akbar!” skandieren.

Wenn man als Muslim hinaus geht und einer Gefahr gegenüber steht, dann sucht man spirituelle Unterstützung. Man versucht sehr stark zu sein, emotional und spirituell, besonders wenn man unbewaffnet ist und jemand auf einen schießt. Wenn Sie also Leute sehen, die “Kein Gott außer Allah” schreien, dann wollen sie damit auch die libyschen Soldaten daran erinnern: Wir sind Muslime, wir sollen Brüder sein, wieso tötet ihr uns? Sie schreien “Kein Gott außer Allah” ohne Waffen oder Schwert oder irgendetwas, es sind normale Leute, viele von denen beten nicht einmal.

Also gibt es kein islamistisches Element im Volksaufstand gegen Gaddafi?

Die Situation, diese Aufstände und Revolutionen, haben zwei Seiten. Gefahr und Chance. Und wir müssen uns entscheiden. Zuerst würde ich gerne die Leute auffordern von “wir” anstatt von “uns und denen” zu sprechen. Wir glauben alle an Freiheit und Demokratie. Das Volk glaubt an Freiheit und Demokratie und wir sollten die Situation aus der Perspektive der Chance heraus betrachten.

Ja, es gibt ein Sicherheitsrisiko, vielleicht von einigen Terrorgruppen oder Radikalen, aber wir haben ebenso alle Chancen für die Errichtung oder Wiedererrichtung eines freien demokratischen Landes. Sobald freie demokratische Gesellschaften in irgendeinem Land im Nahen Osten entstehen, ist das der beste Weg Extremismus zu bekämpfen.

Demokratien in Nordafrika sind also das beste Mittel um al-Qaida´s Ideologie zu bekämpfen?

Ja. Denken Sie an Ägypten und an die Muslimbruderschaft. Wie sie sich beteiligt hat an der Revolte, ist wirklich ermutigend für den Westen mit ihr klar zu kommen. Die Muslimbrüder haben sich sehr, sehr klug verhalten und gaben niemandem die Chance ihre Präsenz als eine Gefahr für die ägyptische Revolution darzustellen. Sie haben bewiesen dass sie moderat sind, sie haben nach den Regeln gespielt. Denken Sie an Tunesien und Sheikh Ghannouchi (den tunesischen Oppositionellen und Islamisten-Führer). Er wird wegen seiner Toleranz von Islamisten aus seiner eigenen Bewegung kritisiert, sie denken er wäre zu moderat. Also müssen wir ihn ermutigen, ihn unterstützen und ihn nicht bedrohen.

Außer einer Geschichtsstunde zu Ägypten von al-Qaida Vize Zawahiri gab es bislang keine Äußerung vom Terrornetzwerk Bin Ladens zu den arabischen Volksaufständen. Warum schweigt al-Qaida weiterhin?

Es ist absolut klar, dass al-Qaida nichts mit den Volksaufständen zu tun hat. Was im Nahen Osten gerade passiert, ist ein Referendum der Völker. Die Menschen brauchen Demokratie. Punkt. Es ist ihr Wille und es ist zu 100 Prozent transparent und sichtbar.

Und das einzige was al-Qaida jetzt anbieten könnte, wäre ein Taliban-ähnlicher Gottesstaat?

Sie werten die Situation immer noch aus. Sie suchen nach einer Möglichkeit für sich doch noch eine Rolle zu spielen. Das ist ganz natürlich. Wenn man eine Organisation mit einer ideologischen Agenda hat, ist so etwas sehr schwierig. Deshalb schweigen sie, beobachten die Situation und denken darüber nach wie sie handeln könnten. Deshalb sage ich: jetzt gibt es eine Chance. Aber wenn wir weiterhin „al-Qaida, al-Qaida, al-Qaida!“ rufen, dann rekrutieren wir noch mehr Terroristen. Wir sollten uns auf die Möglichkeiten konzentrieren statt auf das Sicherheitsrisiko. Es gibt eine Chance und eine Verantwortung für den Westen. Wenn der Westen ständig von Demokratie, Meinungsfreiheit und Menschenrechten redet, dann ist jetzt die Chance dafür.

Der vor wenigen Tagen zurückgetretene Botschafter Libyens bei der Arabischen Liga wurde heute zitiert mit den Worten Gaddafis-Regime werde “innerhalb weniger Tage fallen”. Stimmen Sie ihm zu?

Vielleicht geschieht es in zwei Tagen, vielleicht in einem Jahr.

Aber es wird passieren?

Es gibt keine Möglichkeit für das Regime zu bleiben, es ist verloren.