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Die perfide Inszenierung eines Mordes

von Florian Flade

Die Terroristen des „Islamischen Staates“ (IS) haben einen US-Fotografen vor laufender Kamera geköpft. Das grausame Video ist jedoch mehr als nur das Dokument eines Mordes. Es ist professionelle Propaganda auf grausamstem Niveau.

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James Wright Foley wirkt schockierend ruhig und gelassen in den Minuten vor seinem Tod. Gekleidet in orangefarbener Kleidung, mit kahlrasiertem Kopf, die Hände auf dem Rücken gefesselt, kniet der amerikanische Fotojournalist auf einem Hügel irgendwo in der syrischen Wüste. Neben ihm steht eine schwarz-vermummte Gestalt.

In dem rund fünf Minuten langen Video, das der „Welt“ vorliegt, appelliert Foley an US-Präsident Barack Obama, die Luftangriffe auf die Terrorstellungen der IS-Dschihadisten im Nord-Irak einzustellen. Sein Bruder John sei in der US-Luftwaffe tätig, erzählt Foley und mahnt: „Denk darüber nach, was du tust! Als deine Kollegen die Bomben abgeworfen haben, haben sie mein Todesurteil unterschrieben.“ Seine letzten Worte klingen auswendig gelernt und dennoch ehrlich: „Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit. Ich wünschte, ich wäre kein Amerikaner.“

Im Laufe der Jahre haben sich die Tötungen vor laufender Kamera zu einem festen Bestandteil der dschihadistischen Psycho-Kriegsführung entwickelt. Die verstörenden Bilder des todgeweihten und am Ende exekutierten Kriegsfotografen sind dabei nur die letzten Zeugnisse einer perfiden Propagandamaschine, die allem voran auch dank der sozialen Netzwerke eine ungeheure Schlagkraft entwickelt hat. Noch am Dienstag Abend wurden Facebook und Twitter mit dem grausamen Video geflutet.

Zwar versuchten US-Behörden wie auch die Betreiber der Netzwerke verzweifelt, die Videolinks aus dem Internet zu löschen. Doch dies erwies sich als Kampf gegen Windmühlen. Nur Minuten später tauchten neue Twitter- und Facebook-Nutzer auf. Die Terroristen hatten das Video schlicht mit Hashtags aktueller, populärer Themen, wie #Ferguson oder #Ebola, versehen, und konnten ihren Propagandasturm über diesen Umweg fortsetzen.

Wer auf diese Links klickte, sah einen maskierten Henker, der nicht etwa Arabisch sondern Englisch sprach – britisches Englisch mit Londoner Akzent und damit die Sprache, die in der ganzen Welt verstanden wird und entsprechend eine maximal große Öffentlichkeit garantiert. „Das ist James Wright Foley, ein amerikanischer Staatsbürger eures Landes“, sagt der Dschihadist während er ein schwarzes Messer zückt. „Jegliche Aggression gegen uns, wird mit dem Blutvergießen eurer Bürger enden!“, warnt der Maskierte. Anschließend tritt er hinter seine Geisel, setzt die Klinge an der Kehle seines Opfers und schneidet dem Amerikaner den Kopf ab.

Das grausame Video, am Mittwochabend im Internet von der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) veröffentlicht, zeigt mehr als nur die bestialische Hinrichtung eines unschuldigen Menschen in hochauflösender Bildqualität. Es ist ein bis ins Detail durchdachtes Propaganda-Werk. Die perfide Inszenierung des Todes.

Als Einstiegszene dient den Terroristen die Rede des US-Präsidenten Barack Obama, in der er die amerikanischen Luftangriffe im Nord-Irak als notwendiges Mittel im Kampf gegen die IS-Dschihadisten und für den Schutz der kurdischen Jessiden rechtfertigt. Gefolgt von den letzten Worten von James Wright Foley, die gespickt sind mit Vorwürfen an die amerikanische Regierung. Ob auswendig gelernt, ob erzwungen oder ehrlich gemeint, lässt sich kaum sagen. Foley jedenfalls spricht überraschend deutlich, nüchtern und bestimmt – so wie es von den Adressaten im Westen verstanden werden muss.

Wie schon in zahlreichen Geiselvideos von Al-Qaida und verbündeten Gruppierungen aus den vergangenen Jahren, trägt auch James Foley bei seiner Ermordung orangefarbene Kleidung. Die Symbolik ist Absicht. Orangefarbene Kleidung tragen auch die Inhaftierten im US-Gefangenenlager Guantánamo Bay auf Kuba. Die Botschaft der Dschihadisten: Wir behandeln eure Gefangenen, wie ihr unsere behandelt.

So eindeutig wie selten zuvor ist das Tötungsvideo von James Foley speziell für ein Publikum im Westen produziert worden. Sowohl das Opfer als auch der vermutlich aus Großbritannien stammende Täter sprechen Englisch. Die eingeblendeten arabischen Texte sind zudem mit englischen Untertiteln versehen. Nichts soll missverstanden oder falsch übersetzt werden.

Auffallend ist, dass anders als in anderen Propagandavideos der islamistischen Militanten keinerlei religiöse Floskeln auftauchen. Es werden keine Koransuren eingeblendet, keine Aussagen des Propheten Mohammed zitiert. Nichts soll ablenken von der eigentlichen Kernbotschaft der Aufnahme: Auf eure Aktion folgt unsere Reaktion.

Und noch etwas soll die Hinrichtung des Amerikaners, der sich bereits seit zwei Jahren in den Händen der Dschihadisten befunden hat, vermitteln: Wir hätten ihn jederzeit töten können, aber wir tun es erst jetzt, nachdem ihr euch in diesen Konflikt eingemischt habt. So die propagandistische Botschaft der  Terroristen. 

Trauriger Startschuss für eine Welle von islamistischen Köpfungsvideos war vor rund zehn Jahren die Ermordung des Amerikaners Nicholas „Nick“ Berg im Irak gewesen. Am Abend des 11. Mai 2004 tauchte im Internet ein Video mit dem Titel „Abu Mussab al-Zarqawi schlachtet einen Amerikaner“ auf. Darin zu sehen war, wie der spätere irakische Al-Qaida-Führer Al-Zarqawi den 26-jährigen Berg, einen amerikanischer Geschäftsmann, enthauptet.

Schon damals war die Exekution inszeniert, zu diesem Ergebnis kamen westliche Geheimdienste. Neben dem Mörder und seinem Opfer waren weitere vermummte Islamisten in dem Video zu sehen. Drei Männer trugen die Keffiyeh, bekannt als „Palästinensertuch“, um den Kopf. In den Farben rot-weiß, weiß und schwarz-weiß, den traditionellen Farben der Regionen Irak, Golf-Staaten, Jordanien, Syrien und der Palästinensergebiete. Die arabische Welt, so legt die Symbolik nahe, vereint in der Ermordung eines jüdischen Amerikaners.

Währenddessen fiebern die Fans der modernden Terrorbande IS schon den nächsten Hinrichtungen vor laufender Kamera entgegen. „Ihr werdet in eurem eigenen Blut ertrinken!“, schreibt ein Islamist über Twitter. Und zitiert den Mörder von James Foley, der im aktuellen Video mit der Tötung eines weiteren US-Journalisten droht: „Das Leben dieses Amerikaners, Obama, hängt von deiner nächsten Entscheidung ab!“

Dschihad-Drohnen

von Florian Flade

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Drohnen werden den Himmel erobern – das war die Prognose vieler Technik-Experten vor wenigen Jahren. Nicht nur im militärischen Bereich, sondern auch im zivilen Sektor kommen immer häufiger ferngesteuerte, unbemannte Flugobjekte zum Einsatz.

Diesen Trend haben nun offenbar auch Terroristen erkannt. Der “Islamische Staat” veröffentlichte heute über eine seiner Medienabteilungen ein neues Propagandavideo mit dem Titel “So vernichte diejenigen, die hinter ihnen stehen”, in dem es erstmals Hinweise auf einen Drohneneinsatz durch die Dschihadisten gibt.

Offenbar nutzen die IS-Kämpfer eine Spionage-Drohne für das Auskundschaften eines Angriffsziels, in diesem Fall einen militärischen Außenposten. Das Propagandavideo zeigt Aufnahmen der Drohne über dem Gelände und eine anschließende Taktikbesprechung der Dschihadisten.

Es dürfte nicht verwundern, dass die immer preisgünstiger zu erwerbenden Flugobjekte ihren Weg irgendwann auch in die Hände von Terroristen finden. Besorgniserregend ist die Entwicklung dennoch. Die Drohnen verschaffen dem IS wohl aktuell im Irak und Syrien einen taktischen Vorteil. Und werden nun auch für die Propaganda ausgeschlachtet.

Moderne, westliche Technologie, eingesetzt von radikalen Islamisten, die auf bestialische Art ihre Feinde hinrichten. Und deren Ziel es ist einen Scharia-Staat im gesamten Nahen Osten zu errichten.

 

Selbstmordattentäter stammt aus Frankfurt

von Florian Flade

Im Irak hat ein Dschihadist aus Frankfurt am Main ein Selbstmordattentat verübt. Der Verfassungsschutz warnt vor hunderten Extremisten die im Irak und Syrien derzeit das Terrorhandwerk lernen.

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Vermummt mit einem schwarz-weißen Tuch blickt der Mann in die Kamera. In beinahe akzentfreiem Deutsch berichtet er von einem Traum. Er habe gesehen, wie er zum Märtyrer geworden sei, so der Islamist, der sich “Abu Ayyub al-Maghribi” nennt. Ein Traum, den der Mann wohl in die Tat umgesetzt hat.

Die nächste Szene in dem Propagandavideo der Terrororganisation “Islamischer Staat” zeigt, wie der Dschihadisten “Abu Ayyub” vor einem Fahrzeug der irakischen Armee steht, umgebaut zur Autobombe. Mit ihr fuhr der Islamist in der west-irakischen Stadt Ramadi in einen Gebäude der irakischen Sicherheitkräfte und sprengte sich in die Luft. Gefilmt wurde der Anschlag gleich aus mehreren Kameraperspektiven. “Möge Allah ihn akzeptieren und im Paradies mit dem Propheten vereinen”, heißt es in der Propagandaaufnahme.

Deutsche Sicherheitsbehörden haben das Terrorvideo, das Ende Juli auf einschlägigen Internetseiten veröffentlicht wVurde, analysiert. Sie haben den Selbstmordattentäter “Abu Ayyub al-Maghribi” identifiziert. Es handelt sich demnach vermutlich um den 27-jährigen Deutsch-Marokkaner Raschid B. aus Frankfurt am Main.

Der Extremist war Sicherheitsbehörden schon länger als Anhänger der salafistischen Szene bekannt. Im vergangenen Jahr gelang es B., der sowohl die deutsche als auch die marokkanische Staatsbürgerschaft besessen haben soll, sich ins Ausland abzusetzen. Zunächst plante der Islamist offenbar ein Arabisch-Sprachstudium in Ägypten, tauchte dann aber in Syrien auf.

Dort schloss sich der Frankfurter wohl der Terrorganisation “Islamischer Staat” (IS) an. Und zog mit den Dschihadisten vor wenigen Wochen in den Irak, um sich dort an der Eroberungsoffensive von IS zu beteiligen.

Raschid B. ist nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden einer von rund 40 Islamisten aus Deutschland, die bislang in Syrien und dem Irak getötet worden sein sollen. Erst Mitte Juli hatte IS vermeldet ein Mann mit dem Kampfnamen “Abu Qaqa al-Almani” habe in der irakischen Hauptstadt Bagdad ein Selbstmordattentat verübt.

Wie die “Welt” aus Sicherheitskreisen erfuhr prüfen derzeit das Bundeskriminalamt (BKA) und der Verfassungsschutz Informationen wonach am Mittwoch dieser Woche möglicherweise ein Islam-Konvertit aus dem nordrhein-westfälischen Dinslaken an einem Bombenanschlag im Nord-Irak beteiligt war.

Die Terrorgruppe IS hatte in einer Internet-Botschaft erklärt, ein Libyer namens “Abu Muawiya al-Libi” und ein Deutscher mit Namen “Abu Usama al-Almani” hätten einen Stützpunkt der kurdischen Peshmerga-Milizen in der Ortschaft Ali Rash mit Autobomben angegriffen. Mehr als 20 Menschen sollen die beiden Attentäter mit in den Tod gerissen haben.

Bei “Abu Usama al-Almani” könnte es sich nach erster Einschätzung der Sicherheitsbehörden um den ehemaligen Pizza-Boten und Berufsschüler Philip B. handeln. Bestätigt ist diese Information nicht.

Wie das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) am Donnerstag mitteilte, ist die Zahl der nach Syrien ausgereisten Islamisten weiter angestiegen. “Der Strom ist ungebrochen”, sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen. Mehr als 400 Ausreisen habe seine Behörde inzwischen gezählt.

Mehrere Dutzend Islamisten sollen zudem inzwischen wieder zurückgekehrt sein. “Unter den zurückgekehrten Dschihadisten sind auch etwa 25 Personen, die Kampferfahrung in Syrien gesammelt haben”, so Maaßen. Er betonte aber: “Wir haben derzeit keine Anhaltspunkte, dass diese Personen einen konkreten terroristischen Auftrag in Deutschland verfolgen.”