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Unter dem Schatten der Schwerter

von Florian Flade

Quelle:Youtube

Der islamische Prophet Mohammed soll einmal gefragt worden sein, wo sich das Paradies für den Gläubigen befindet. “Und wisset, dass das Paradies unter den Schatten der Schwerter liegt!”, so die Antwort. Das Schwert von Murat K. war 22 Zentimeter lang. Mehr ein Messer als ein Säbel. Aber mit ähnlicher Wirkung.

Am 5.Mai zog der Deutsch-Türke damit in den Kampf. Zunächst demonstrierte K. nur mit seiner Anwesenheit gegen die Beleidigung seines Propheten. Die rechtspopulistische Partei “Pro NRW” hatte an jenem Tag in Bonn Bad-Godesberg Station gemacht. Unweit der König Fahd-Akademie, einer konservativ islamischen Lehreinrichtung, protestierten die Islamhasser gegen eine vermeintliche Islamisierung der Bundesrepublik.

Die “Pro NRW”-Aktivisten hielten Mohammed-Karikaturen in die Luft. Wollten provozieren. Auf der Gegenseite protestierten mehrere hundert Muslime, darunter zahlreiche Salafisten die aus der gesamten Republik zusammengekommen waren, um die Ehre des Propheten zu verteidigen. In Sprechchören, mit Megafon und schwarzen Flaggen skandierten sie kämpferische Parolen. Einer von ihnen war Murat K. aus dem hessischen Sontra. Er trug an diesem Tag eine Pluderhose, eine beigefarbene Jacke und eine Gebetsmütze.

Eine Hundertschaft der Polizei sollte die Extremisten-Lager von einander trennen. Dies gelang, solange die salafistische Seite friedlich das Gebet im Nieselregen verrichtete und nur verbal gekämpft wurde. Doch gegen 15:30 Uhr eskalierte die Situation. Wütende Salafisten ließen einen Hagel aus Steinen, Flaschen und Holzlatten auf die Polizisten niederprasseln. Es kam zu Schlägereien, ein Polizeifahrzeug wurde attackiert.

Was dann geschah, hat die angerückte Polizei mit eigenen Kameras dokumentiert. Während seine Glaubensbrüder den Polizeibeamten heftigen Widerstand leisteten, bahnte sich einer der Salafisten in Schlangenlinien seinen Weg durch den Mob – es war Murat K..

Der 35-jährige Polizeibeamte Carsten S. filmte die Gewalteskalation. Ihn nahm Murat K. als ersten ins Visier. Der Salafist zückte ein gezacktes Küchenmesser und attackierte gezielt den linken Oberschenkel des Polizisten. Vier Zentimeter tief rammte der hessische Islamist Carsten S. das Messer ins Fleisch.

Blitzschnell wandte sich Murat K. der Polizistin Teresa M. zu. Die 30-jährige Beamtin versuchte den Angreifer noch mit Pfefferspray abzuwehren. Doch es gelang K. auch ihr mehrere Zentimeter tief in den Oberschenkel zu schneiden. Beide Beamte gingen nach der Attacke zu Boden und verloren große Mengen Blut. Carsten S. ist bis heute durch ein Trauma geschädigt, seine Kollegin allerdings ist wieder im Dienst.

Der Messerstecher Murat K. konnte überwältigt werden. Heute begann vor dem Bonner Landgericht der Prozess gegen ihn. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm gefährlicher Körperverletzung, schweren Landfriedensbruch und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte vor.

Beim Prozessauftakt trug K. einen schwarzen Turban und einen langen Vollbart. “Das ist das Problem, dass leider der Westen den Islam nicht respektiert”, entgegnete der 26-jährige Angeklagte auf die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft. Islamische Gelehrte hätten entschieden, dass diejenigen, die den Propheten beleidigen, getötet werden dürften, so K.

Die Polizeibeamten hätten die Islamhasser von “Pro NRW” geschützt, erklärte der Salafist. Und zudem hätten die verletzten Polizisten an jenem Tag nicht unbedingt Dienst schieben müssen. Es sei von ihrer Seite eine freiwillige Entscheidung gewesen. Reue sieht anders aus.

Murat K. ist nur einer von 23 Salafisten die aufgrund der Gewalteskalation bei der Demonstration am 5.Mai in Bonn angeklagt sind. Für die Sicherheitsbehörden war K. kein Unbekannter. Der in Eschwege geborene Islamist gehörte nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes seit einigen Jahren zu den Randfiguren der salafistischen Szene.

K. besuchte zunächst die Gesamt- später die Hauptschule in Sontra, war dann bis zum Jahr 2005 Schüler an der Berufsfachschule in Eschwege. Danach folgten mehrere Jobs als Postsortierer, Verpacker und Mitarbeiter eines Versandhauses. Eine Ausbildung zum Industriemechaniker brach Murat K. nach nur einem Jahr ab, lebte seitdem von Hartz IV. Immer wieder fiel er in den vergangenen Jahren durch Gewalttaten auf. Er lieferte sich Schlägereien vor Diskotheken, war dadurch polizeibekannt und verbüßte 2005 sogar eine Jugendstrafe.

Dann trat offenbar der Wandel im Leben von Murat K. ein. Der Deutsch-Türke entwickelte sich zu einem Anhänger von Pierre Vogel und Vertreter des salafistischen Islams. K. schrieb sich als Online-Student bei der “Islamschule” des Braunschweiger Predigers Muhamed Ciftci ein. Mehrfach fiel er niedersächsischen Sicherheitsbehörden aufgrund seiner Kontakte in die radikalislamischen Kreise auf. So etwa bei einer Polizeikontrolle in Göttingen.

Durch die typische Kleidung nach Vorbild des Propheten fiel Murat K. in seinem Heimatort Sontra sogar dem Bürgermeister auf. Nachfragen bei Verfassungsschutz und Staatsschutz blieben jedoch unbeantwortet.

In Sontra wohnte Murat K. nur wenige hundert Meter von seinen Eltern entfernt in einer Dachwohnung eines Fachwerkhauses. Zum 30.April, kurz vor dem Straßenkampf in Bonn, hatte K. seine Wohnung gekündigt. Private Habseligkeiten fanden sich im Sperrmüll vor dem Haus.

Statthalter der Choukas in Bonn festgenommen

von Florian Flade

Yassin Chouka alias “Abu Ibrahim”

Ob Mohammed Salim A. ahnte was ihm bevorstand? Der 20-jährige Deutsch-Afghane hatte am Montag gerade die Kanzlei seines Anwalts in Bonn verlassen, als Beamte des BKA zugriffen. A. wurde am Bonner Stiftsplatz festgenommen. Das Zugriff musste schnell erfolgen. Hatte A. vielleicht schon etwas von den Ermittlungen gegen ihn mitbekommen?

 Mohammed Salim A. gilt als ein islamistischer Terrorhelfer, Statthalter der “Islamischen Bewegung Usbekistans” (IBU) in Deutschland.

A., der sowohl die afghanische als auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, wurde in Idar Oberstein geboren und wuchs in Sankt Augustin auf. Nachdem sich die Eltern scheiden ließen, zog er nach Offenbach am Main wo er bis heute gemeldet ist. Der Hauptschüler soll dringend verdächtig sein, die IBU durch eine Geldüberweisung unterstützt zu haben. So soll A. im August 2010 über eine Filiale der “Western Union” in Offenbach etwa 800 Euro an einen IBU-Kontaktmann in Pakistan übermittelt haben.

Ab Oktober 2011, so heißt es von Seiten der Bundesanwaltschaft, sei Mohammed Salim A. ein Mitglied der IBU gewesen sein. Er fungierte nach Darstellung der Ermittlungsbehörden als Statthalter der Chouka-Brüder in Deutschland. Zu seinen Aufgaben soll unter anderem gehört haben, Informationsmaterial über die aktuelle politische Situation in Deutschland zu sammeln und an “Jundullah Studio”, die Propagandaabteilung der IBU im pakistanischen Waziristan zu übermitteln.

Möglicherweise ist A. damit die Antwort auf die Frage, wie es den in den pakistanischen Stammesgebieten lebenden deutschen Dschihadisten regelmäßig gelingt überraschend schnell und präzise auf politische Ereignisse hierzulande zu reagieren. Nur kurz nach den gewalttätigen Salafisten-Krawallen von Solingen und Bonn im Mai veröffentlichte die IBU eine Tonbandnachricht von Mounir Chouka. Darin ruft der Bonner Islamist die deutsche Anhängerschaft auf Politiker der rechten Splitterpartei “Pro NRW” sowie Journalisten zu ermorden.

Der nun festgenommene A. soll außerdem dafür zuständig gewesen sein, in Deutschland Kämpfer für den Dschihad zu rekrutieren und Gelder für die Organisation zu beschaffen. Angeblich beabsichtige der Offenbacher zuletzt selbst aus Deutschland auszureisen und sich der IBU in Waziristan anzuschließen.

Der mutmaßliche Terrorhelfer Mohammed Salim A. blickt auf eine längere islamistische Karriere zurück. Bereits im sogenannten “GIMF”-Prozess spielte der Deutsch-Afghane eine Rolle. Damals wurde der 18-jährige beschuldigt, 75 Beiträge islamistischer Terrorgruppen im Namen der “Globalen Islamischen Medienfront” (GIMF) im Internet veröffentlicht zu haben.

Im damaligen Terrorprozess gegen mehrere Beschuldigte sagte A., er “lehne jede Form von Gewalt ab und bereue, so gehandelt zu haben”. Das Oberlandesgericht München sprach den Islamisten im September 2011 nach Jugendstrafrecht schuldig. Die Entscheidung über die Verhängung einer Jugendstrafe wurde für die Dauer von 2 Jahren zur Bewährung ausgesetzt. A. wurde ein Bewährungshelfer zugeteilt und er wurde angewiesen 80 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten.

Nur einen Monat später ernannten ihn offenbar die Bonner Brüder Mounir und Yassin Chouka aus dem fernen Waziristan zu ihrem Statthalter in Deutschland. Per verschlüsselter E-Mail kommunzierte A. mit dem berüchtigen Brüderpaar im entfernten Pakistan.

Deutsche Taliban “zerschlagen”

von Florian Flade

Die “Deutschen Taliban Mudschaheddin” war die erste deutsche Dschihad-Gruppierung im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet. Sie drohte Deutschland mit Terroranschlägen und lockte mehrere Berliner Islamisten nach Waziristan. Jetzt macht es der Verfassungsschutz offiziell: die deutschen Taliban sind “zerschlagen”. Ein Rückblick.

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