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Arid U. – Der Attentäter vom Frankfurter Flughafen

by Florian Flade

Der Todesschütze vom Frankfurter Flughafen führte ein Doppelleben. Nach außen gab sich Arid U. integriert, im Internet aber war er ein Gotteskrieger, der den Dschihad veherrlichten und Ungläubige hasste .

Arid U. wollte eine Blutbad anrichten, Menschen töten, die er für Ungläubige hält, die Kriege gegen Muslime führen und deshalb aus seiner Sicht sterben müssen. Ausgerüstet mit einer Pistole und einer beachtlichen Menge Munition, machte sich der 21jährige Deutsch-Kosovare gestern morgen auf den Weg zur Arbeit am Flughafen Frankfurt am Main.

Am Nachmittag wartete U. außerhalb des Terminals 2 auf seine Opfer – amerikanische Soldaten. Ein gutes Dutzend Militärpolizisten der US-Luftwaffe, stationiert im britischen Lakenheath, kamen mit einer Maschine aus London. Sie trugen keine Uniformen, sondern zivile Kleidung, und sollten von Frankfurt aus weiter zur US-Militärbasis Ramstein reisen, und von dort in den kommenden Tagen in den Kriegseinsatz im Irak bzw. nach Afghanistan abfliegen.

Noch bevor die Gruppe Amerikaner aus dem Flughafen-Terminal zum wartenden Bus kam, stieg Arid U. in der Fahrzeug. Offenbar konnte er als Flughafenmitarbeiter problemlos Zugang erhalten. Kaum hatten die US-Soldaten im Bus Platz genommen, eröffnete Arid U. mit seiner Waffe das Feuer, trug mindestens einen Amerikaner in den Kopf, einen weiteren in den Oberkörper. Auch der Fahrer des Busses wurde getroffen, sackte schwer verletzt in seinem Sitz zusammen.

Die US-Soldaten, die zum Zeitpunkt des Attentats unbewaffnet waren und überrascht wurden, versuchten panikartig aus dem Bus zu fliehen. Nur dem Umstand, dass die Schusswaffe Arid U.s plötzlich klemmte, ist es zu verdanken, dass es keine weiteren Opfer gab. Der kosovarische Todesschütze lies die Pistole fallen und flüchtete zurück in den Flughafen-Terminal, wo in kurze Zeit später Beamte der Bundespolizei überwältigten und festnahmen.

Zwei US-Soldaten tötete Arid U., mindestens zwei weitere wurden durch die Kugeln des Attentäters schwer verletzt. Hätte er gekonnt, hätte U. die Bluttat vermutlich ohne zu zögern fortgesetzt.

Während Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie US-Präsident Barak Obama das blutige Attentat vom Frankfurter Flughafen am Mittwochabend aufs schärfste verurteilten, haben deutsche Sicherheitsbehörden inzwischen die Ermittlungen aufgenommen. Es gilt festzustellen, ob Arid U. ein Einzeltäter war, oder Teil einer Gruppierung. An der islamistischen Motivation des Todesschützen, dürfte inzwischen wohl kein Zweifel mehr bestehen. Arid U. war ein Islamist. Er sah sich im Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen, das belegen Internetspuren, die der 21jährige in den vergangenen Moanten hinterließ.

Arid U., wurde in Deutschland geboren, wuchs in Frankfurt auf – Stadtteil Sossenheim – machte seinen Realschulabschluss. Die Familie stammt aus dem kosovarischen Mitrovica, kam bereits vor 40 Jahren in die Bundesrepublik. Die U.s gelten als religiös, jedoch nicht als fanatisch. Der Vater soll im Kosovo Imam gewesen sein.. Sein Sohn, so der Vater, sei am Mittwoch nicht von der Arbeit gekommen, mehr wisse er nicht. Im Kosovo berichtet der Onkel, Arid sei ein gläubiger Muslim, ein junger Mann der seine Religion ernst nehme.

Im Internet findet sich ein Arid U., der sich als Verteidiger des Islam gab, ein junger Mann, der die Welt in Gläubige und Ungläubige einteilte, islamistische Rap-Musiker und Youtube-Prediger verehrte. “Abu Reyyan” nannte sich der 21jährige im Cyberspace, verbreitete Youtube-Links zu Dschihad-Hymnen, kritisierte Deutschlands Nähe zu Israel und propagierte anti-schiitisches Gedankengut.

“Selbst wenn jemand zum Dschihad aufrufen würde”, schrieb Arid U., “Na und? Das ist nunmal Teil dieser schönen Religion. Man darf nunmal Ungläubige bekämpfen wenn man angegriffen wird.” Der Islam und die Muslime, so Arid, würden angegriffen. Die Deutschen würden sich vor einer Ausbreitung der Religion fürchten. “Die wollen halt lieber dass sich die Muslime anpassen und gefälligst an den Weihnachtsmann glauben”, schrieb Arid U. im Dezember.

Das Land, in dem er lebte und aufwuchs, schien Arid U. in den vergangenen Jahren immer mehr abzulehnen. Deutschland, unter der Führung der “Ungläubigen Merkel” habe sich mit der Solidarität zu Israel auf die Seite der Juden geschlagen, so der gebürtige Kosovare, “Das ist wie eine Kriegserklärung.”

Am heimischen Computer bereitete sich U. auf den Dschihad vor. “Black Ops” heißt eines jener Kriegsspiele, die der 21jährige leidenschaftlich gern spielte. “Wie früher, nur am zocken”, kommentierte ein alter Schulfreund. “Ein Profi muss halt immer in Übung bleiben”, so Arids Antwort. Ein Foto von sich beschrieb der Todesschütze von Frankfurt mit den Worten: “Das ist mein Killerblick”.

Interessant dürfte für die Ermittler sein, ob Arid U. am Mittwoch auf eigene Faust handelte, als er loszog um Amerikaner zu töten. Aus den Internet-Spuren lässt sich ablesen, dass der Deutsch-Kosovare zumindest mit der deutschen Salafisten-Szene und ihren Größen Pierre Vogel, Sven Lau, Abou Ibrahim Nagdie und Sheikh Abdullatif, sympathisierte. Letzterer gilt als einflussreicher Prediger im Großraum Frankfurt.

Mehrfach wurden Sheikh Abdullatif Kontakte zur radikalen Szene bis hin in militante Dschihadisten-Kreise nachgesagt, bestätigt wurde dies nie. In der vergangenen Woche durchsuchte die hessische Polizei mehrere Wohnungen in und um Frankfurt, darunter auch die von Abdullatif. Die Beamten beschlagnahmten Material und verhörte den gebürtigen Marokkaner, nahmen ihn jedoch nicht fest. Abdullatif, so die Vermutung der Ermittler, soll junge Muslime für den Dschihad angeworben haben, um sie nach Afghanistan und Pakistan zum Terror-Ausbildung zu vermitteln.

Der Berliner Ex-Rapper Deso Dogg, der zum Islam konvertierte und sich nun “Abu Malik” nennt, beeindruckte den Frankfurter Attentäter Arid U. augenscheinlich besonders. “Ich liebe dich für Allah!”, kommentierte der Deutsch-Kosovare ein Video des ehemaligen Musikers. “Abu Malik”, der für die salafistische Missionarsbewegung “Einladung zum Paradies” und “DawaFFM” Vorträge in Moscheen hält, geriet jüngst aufgrund eines umstrittenen Liedes in die Kritik, in dem er den Dschihad und das Märtyrertum verherrlichte.

Arid U. saugte das islamistische Gedankengut offenbar auf. Aus dem Computerspiele-Fan wurde Schritt für Schritt ein gewaltbereiter Islamist. “Mögen die Augen der Ungläubigen niemals ruhen” – diesen Ausspruch eines muslimischen Feldherrn, wählte U. als sein Lieblingszitat.