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Abu Usama will kein Ösi mehr sein

von Florian Flade

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So richtig als Österreicher fühlte sich Mohamed Mahmoud wohl nie. „Abu Usama al-Gharib“, so nennt sich der Sohn ägyptischer Einwanderer seit Jahren. „Al-Gharib“ bedeutet „der Fremde“.

In einer neuen Videobotschaft geht Mahmoud, geboren in Wien, nun endgültig auf Distanz zu seiner Heimat. In einem Innenhof irgendwo in der arabischen Welt zerreißt Mahmoud seinen österreichischen Reisepass, zündet die Papierfetzen an und wirft die brennenden Stücke auf den Boden.

„Ab diesem Tag erkläre ich meine Lossagung von der österreichischen Staatsbürgerschaft“, sagt Mahmoud in die Kamera, „Ich bin ein Muslim, ein Mudschahid und kein Anhänger dieser Aids verseuchten Gesellschaft.”

Zwischen der westlichen Gesellschaft und ihm werde für immer Hass und Feindschaft herrschen, erklärt der gebürtige Wiener, der wie gewohnt Kampfweste und Kalaschnikow trägt. Sein Ziel sei es, die Ungläubigen und Götzendiener zu schlachten. Nach Österreich zurückkehren, werde er nie wieder. Mit der dortigen Kultur habe er nichts zu tun, sagt der Extremist mit Wiener Akzent in der Stimme.

Die Alpenrepublik hat der bekennende Fundamentalist bereits vor zwei Jahren verlassen. Kurz nach seiner Haftentlassung im September 2011 zog es den bulligen Extremisten nach Berlin. Im Umfeld radikaler Salafisten etablierte sich Mahmoud als eine Art „Emir“ der Hardliner.

Gemeinsam mit dem Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, besser bekannt als „Deso Dogg“, gründete Mahmoud die Organisation „Millatu Ibrahim“, die im Juni 2012 vom Bundesinnenministerium verboten wurde. Im nordrhein-westfälischen Solingen errichtete Mahmoud in einer örtlichen Hinterhof-Moschee das Zentrum von „Millatu Ibrahim“.

Weil die Medienaufmerksamkeit wuchs und auch die Behörden ihre Observation intensivierten, kehrte Mahmoud Solingen als bald den Rücken. Ihn zog es in das hessische Örtchen Erbach. Dort lebte die deutsche Konvertitin Miranda K., die Mahmoud im Frühjahr 2012 nach islamischem Recht ehelichte. Die islamistische Bloggerin („Muqatilah“) und der österreichische Prediger gerieten jedoch schnell ins Visier der hessischen Behörden.

Das Innenministerium drohte Mahmoud mit Ausweisung. Der Österreicher kam der Abschiebung zuvor und reiste noch im April 2012 samt Ehefrau nach Ägypten.

Seitdem meldet sich der Extremist ab und an mit Tonbandnachrichten, Videos und Dokumenten im Internet zu Wort. Zahlreiche Salafisten aus Deutschland haben sich Mahmoud inzwischen angeschlossen und eine Art „Exil-Gemeinde“ von Millatu Ibrahim aufgebaut.

Nach Abstechern nach Libyen soll sich Mahmoud aktuell in Syrien aufhalten. Er scheint dort nach Erkenntnissen der Nachrichtendienste Anschluss an islamistische Kampfgruppen wie „Jabhat al-Nusrah“ zu suchen.

Wiener Blut in Waziristan

von Florian Flade

In der österreichischen Hauptstadt zog eine Islamisten-Clique in den Dschihad. Einige scheiterten auf dem Weg in die Terror-Schulen in Pakistan und Somalia. Andere kehrten zurück und wurden verhaftet. Einer von ihnen fand in der Bergwelt Pakistans den Tod: Kerim B.-A.

Wien, Mai 2009. Zwei Männer betreten das Reisebüro einer saudi-arabischen Fluggesellschaft. Sie nehmen Platz, sagen, sie bräuchten Tickets für einen Flug nach Pakistan. Der Preis sei egal, wichtig sei nur, dass es eine möglichst kurze Umsteigezeit für den Anschlussflug gebe. Die Mitarbeiter im Reisebüro erzählten der Polizei später, der ältere der beiden sei Wortführer gewesen. Es war der 20-jährige Maqsood L., ein gebürtiger Afghane und ehemaliger Soldat im österreichischen Gardeheer. Eher kleinlaut und schüchtern habe der zweite Mann gewirkt – Kerim B.-A..

Der Sohn einer Österreicherin und eines Tunesiers war gerade einmal 16 Jahre alt, als er am 23.Mai 2009, nur wenige Tage nach dem Besuch im Reisebüro, zusammen mit seinem Freund Maqsood und einem weiteren gebürtigen Afghanen, Hayatullah B., in ein Flugzeug stieg und über das saudi-arabische Dschiddah nach Pakistan flog. Drei Freunde auf dem in den Dschihad.

In einem Abschiedsbrief an die Mutter schrieb Kerim B.-A., sie solle zum Islam konvertieren, um ihn im Paradies wieder zu sehen. Er werde wahrscheinlich nicht mehr nach Hause zurückkehren.

In seiner Heimatstadt Wien war Kerim B.-A. über die Jahre schleichend zum Islamisten geworden. Nach dem Schulabschluss begann er zunächst eine Lehre als Schornsteinfeger, die er ebenso wie eine anschließende Ausbildung zum Tischler nach nur wenigen Monaten abbrach. Kerim B.-A. veränderte sich nach Erkenntnissen der Ermittler ab 2007 deutlich in seiner Wesensart. Er ließ sich einen Bart wachsen und trug die für Salafisten typische Sunnah-Kleidung. Immer häufiger besuchte er die Moschee, übernachtete dort sogar hin und wieder. Die Mutter forderte B.-A. auf, nach muslimischen Vorschriften zu kochen und auf Alkohol zu verzichten. Seine Schwester heiratete nach islamischem Recht einen österreichischen Konvertiten, der aktuell als Terrorverdächtiger in Wien angeklagt ist.

Nach seiner Ausreise nach Pakistan zusammen mit dem Freund Maqsood L. (Hayatullah B. kehrte bald wieder nach Österreich zurück) schloss ich Kerim B.-A. zunächst der Gruppe Hizb i-Islami in der afghanisch-pakistanischen Grenzregion an. Es folgte eine terroristische Ausbildung in den Trainingslagern der Dschihad-Kämpfer. Erst knapp ein Jahr nach seinem Verschwinden, im Juli 2010, kontaktierte Kerim B.-A. erstmals wieder seine Familie in Österreich.

Von einem Callshop in der Region Nord-Waziristan rief er die Eltern an und erklärte, er wolle nach Österreich zurückkehren, benötige für die Rückreise und die Bezahlung von Schleusern allerdings mehrere tausend Euro. Als die Geldzahlungen nicht erfolgten, kam es offenbar zum Streit zwischen Maqsood L. und B.-A.. Die beiden Wiener trennten sich.

Während sich Maqsood L. offenbar der Al-Qaida anschloss, wurde Kerim B.-A. nach Erkenntnis der österreichischen Ermittler ein Mitglied der “Islamischen Bewegung Usbekistans” (IBU). Im Auftrag der Terrorgruppe begann der Österreicher nun in seiner Heimat um Spendengelder zu werben. Er kontaktierte einen alten Bekannten, den Konvertiten Thomas al-J. in Wien. Al-J. überwies im Frühjahr und Sommer tatsächlich zwei Mal Geld an eine Kontaktperson in Pakistan. Die Spenden, so glauben die Ermittler, waren für Kerim B.-A. und die IBU bestimmt.

Als “Abu Bakr” beteiligte sich Kerim B.-A. vermutlich auch an Gefechten mit der pakistanischen Armee. Gezielt habe ihn die IBU bei Kommandoaktionen gegen Militärkonvois und Versorgungstrupps eingesetzt worden, so mutmaßen Geheimdienstler und die Justiz.

Im November 2011 veröffentlichte die Terrorgruppe IBU ein fast schon lyrisches PDF-Dokument voller Dschihad-Poesie und Märtyrer-Romantik. Darin verherrlicht ein Islamist namens “Abdul Matin al-Almani” den Märtyrertod eines IBU-Kämpfers. “Ich habe alles gelassen für diesen Moment. Ich verließ meine Heimat. Ich widersetzte mich den Plänen meiner Eltern”, heißt es in dem Dokument, “Die angsteinflößende Kugel hat getroffen und ich bin Gast bei Allah.”

Auf Seite 2 des Schreibens ein Foto. Es zeigt die Leiche eines bärtigen jungen Mannes, dessen Kopf von Blüten umrahmt ist. Die Augen des Toten sind geschlossen, auf seiner rechten Gesichtshälfte klafft eine grob zusammengenähte Narbe. Der Tote ist der 18-jährige Kerim B.-A. aus Wien.

Bereits einen Monat zuvor tauchte bei Youtube ein Video auf, das den Märtyrertod des Wieners, der offenbar im Spätsommer 2011 starb, feierte. B.-A. sei bei einer Operation zum Märtyrer geworden, bei der 35 pakistanischen Soldaten getötet wurden, hieß es darin.

Hessen schiebt “Abu Usama al-Gharib” ab

von Florian Flade

Quelle: Youtube

Der österreichische Prediger Mohamed M. muss Deutschland verlassen. Das erklärte das hessische Innenministerium am Donnerstag. Der 26jährige Islamist ist nun verpflichtet, innerhalb eines Monats auszureisen, ansonsten droht ihm die Abschiebung. Eine Wiedereinreise ist nicht möglich, heißt es in einer Presseerklärung des Innenministeriums in Wiesbaden.

Mohamed M., in Wien geborener Sohn ägyptischer Einwanderer, habe in der Vergangenheit zum militanten Dschihad aufgerufen und deutlich gemacht, dass er bereit sei, für seine Überzeugungen zu kämpfen und zu sterben, so Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU).

„Wer keinerlei Bereitschaft zeigt, die hier bestehende Rechts- und Gesellschaftsordnung zu akzeptieren, die geltenden Gesetze ablehnt und sogar zur Abschaffung der Demokratie aufruft, gegebenenfalls auch unter Anwendung von Gewalt, der muss Deutschland verlassen”, so Rhein am Donnerstag.

Der Prediger Mohamed M., der sich “Abu Usama al-Gharib” nennt, war im September 2011 in Wien nach einer vierjährigen Haftstrafe wegen Bildung und Förderung einer terroristischen Vereinigung aus dem Gefängnis entlassen worden. Er zog zunächst nach Berlin, wenige Wochen später dann in das nordrhein-westfälische Solingen. Seit Februar lebt M. nun im hessischen Erbach im Odenwald mit der deutschen Konvertitin Miranda K. zusammen.

M. zählt laut Verfassungsschutz zu den radikalsten Elementen der deutschen Salafisten-Szene. In mehreren Videobotschaften hatte der Fundamentalist offen den Kampf gegen “Ungläubige” verherrlicht und eine extremistische Ideologie verbreitet. Er gehörte auch zu den maßgeblichen Unterstützern der umstrittenen Koran-Verteil-Aktion fundamentalistischer Muslime.