Irakische TV-Show platziert Bomben in Promi-Autos


In einer irakischen Reality-Show werden prominente Opfer zu unfreiwilligen Autobomben-Attentätern gemacht. Eine Checkpoint-Kontrolle schürt ihre Angst vor Gefängnis und Hinrichtung – alles gefilmt mit versteckter Kamera.

„Du hast eine Bombe in deinem Kofferraum!“ – Szene aus TV-Show

Im Irak sorgt eine Reality-TV-Show für Furore. „Schick ihn nach Camp Bucca“ heißt das Format das im diesjährigen Ramadan vom irakischen TV-Sender „Al-Baghdadia“ ausgestrahlt wird. Die umstrittene Sendung ist benannt nach einem ehemaligen Gefängnis des US-Militärs an der kuwaitisch-irakischen Grenze. Ziel der Macher von „Schick ihn nach Camp Bucca“ ist es, prominente Iraker vor versteckter Kamera in eine äußerst unangenehme Situation zu bringen.

Das Konzept der Unterhaltungssendung ist einfach wie kontrovers: Irakische Prominente werden zur Sendezentrale von Al-Baghdadia zu einem angeblichen Interview geladen. An ihrem Auto, entweder im Kofferraum oder an der Unterseite, wird zuvor eine Bombenattrappe montiert. Der oder die Prominente wird dann auf dem Weg zum Interviewtermin an einem inszenierten Checkpoint von falschen irakischen Soldaten in Uniform und mit Schusswaffen kontrolliert. Dabei entdecken die Schauspieler-Sicherheitskräfte die angebliche Autobombe und beschuldigen die Prominenten, Terroristen zu seien. Ihnen wird gedroht, sie würden direkt in ein Hochsicherheitsgefängnis für al-Qaida Islamisten gebracht.

Die Checkpoint-Szene, in denen die völlig unschuldigen irakischen VIPs zu islamistischen Selbstmordattentätern abgestempelt werden, wird von mehreren versteckten Kameras gefilmt. Zu sehen ist, wie geschockt und verängstigt die Männer und Frauen auf die vermeintlichen Bombenfund und die Anschuldigungen der Soldaten reagieren.

„Du bist ein Terrorist! Warum willst du uns alle in die Luft sprengen?“, fragt ein Sicherheitsmann harsch sein TV-Opfer, „Du wirst hingerichtet!“
Oftmals in Tränen aufgelöst und völlig verstört reagieren die ahnungslosen Prominenten.
„Für welche Gruppe arbeitest du?“, will einer der Checkpoint-Guards von einem bekannten irakischen Schauspieler wissen, „Du hast eine Bombe in deinem Auto.“ Er sei Filmschauspieler, entgegnet der Mann, „Ist das ein Spiel oder was? Ich habe zwei Kinder. Ich erzähle Ihnen die Wahrheit, ich habe die Bombe nicht dort platziert!“

Die prominenten Opfer wurden nach dem Schock-Moment darüber aufgeklärt, dass sie für das Fernsehen reingelegt wurden. Einige der unfreiwilligen Autobomber nahmen es mit Humor und plauderten später im TV-Studio über die Aktion. Niemand sei verletzt worden, versicherten die Produzenten der TV-Sendung, alles sei lediglich Entertainment und dazu gemacht Leute zum lachen zu bringen.

Sogar das Oberkommando der irakischen Streitkräfte in der Hauptstadt Bagdad willigte ein, dass die Fernsehteams Fake-Checkpoints in den Straßen errichten durften. Kifah al-Majid, ein Sprecher des irakischen Militärs erklärte gegenüber der New York Times: „Al-Baghdadia hat es auf ganz offiziellem Weg gemacht. Sie haben uns Papiere geschickt und nach einer Erlaubnis gefragt diese Sendung zu machen. Wir waren einverstanden.“

Nicht völlig kritiklos äußern sich die Zuschauer zum Show-Konzept. „Ich hoffe ihr Sender tanzt nicht auf den Wunden des irakischen Volkes“, schreibt ein Kommentator auf der Webseite des TV-Senders. „Jeder weiß dass der Irak in allen Bereichen unter abnormalen Umständen zu leiden hat, warum macht ihr dann speziell für Iraker ein Programm das auf Angst, Provokation und Spott basiert?“

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