Berliner Dschihadist Thomas U. kämpfte gegen die NATO

von Florian Flade

T ürkische Sicherheitskräfte haben nach Informationen des ZDF an einem Flughafen in Istanbul mehrere deutsche Islamisten festgenommen. Bei den Personen soll es sich um den gesuchten Thomas U. (24) aus Berlin handeln, der zusammen mit seiner schwangeren Frau gefasst wurde. Er sitzt dem „heute-journal“ zufolge in Auslieferungshaft.

Das Paar soll gemeinsam mit einem weiteren deutschen Islamisten, der kurz zuvor verhaftet worden sei, nach Deutschland überstellt werden. Von den Behörden in der Türkei gab es zunächst keine Bestätigung. Das Auswärtige Amt bestätigte, dass sich ein Mann und eine Frau in Auslieferungshaft befänden und konsularisch betreut würden. Bei dem dritten festgenommenen Person soll es sich um Fatih K. (31) handeln, der in Deutschland angeklagt ist gemeinsam mit Filiz Gelowiz, der Frau des Sauerlandbombers Fritz Gelowicz, Terroristen in Afghanistan finanziell unterstützt zu haben.Man bemühe sich um eine konsularische Betreuung von Fatih K. so das Auswärtige Amt..

Thomas U. und seine Frau waren dem ZDF-Bericht zufolge über Iran in die Türkei gereist und wollten mit einem Billigflug nach Kopenhagen fliegen. Sie hatten geplant von dort aus mit dem Auto nach Deutschland zurückzukehren.
Deutsche Behörden hatten laut ZDF Hinweise auf die bevorstehende Rückkehr des mutmaßlichen Terroristen an die türkische Polizei gegeben, die das Pärchen am Flughafen verhaftete. Ihnen wird vorgeworfen, mit gefälschten Pässen gereist zu sein.

Der 24-jährige Berliner Konvertit Thomas U. hatte die Bundesrepublik am 24.September 2009 zusammen mit seiner ebenfalls zum Islam konvertierten Ehefrau verlassen. Ihr Ziel war es, sich in der afghanisch-pakistanischen Grenzregion einer deutsch-türkischen Dschihadisten-Gruppe anzuschließen. Gemeinsam mit einem befreundeten Berliner Ehepaar reisten Thomas U. und seine Lebensgefährtin nach Budapest und flogen weiter in die Türkei, von wo aus sie wahrscheinlich über Iran in das pakistanische Waziristan gelangten.

Thomas U., dessen Eltern in den 1980er Jahren aus Ungarn nach Deutschland ausgewanderten, war im Frühjahr 2008 zum Islam konvertiert und hatte sich innerhalb kurzer Zeit radikalisiert.
Im Herbst 2009 schloss er sich in den pakistanischen Stammesgebieten den „Deutschen Taliban Mujaheddin“ (DTM), einer Splittergruppe der „Islamischen Jihad Union“ (IJU), an.

In den Reihen der deutschen Dschihadisten trug Thomas U. den Kampfnamen „Hamza al-Majari“ (Hamza der Ungar) und nahm offenbar selbst an mehreren Angriffen auf afghanische und westliche Truppen in Afghanistan teil.
Ein Propagandavideo der „Deutschen Taliban Mujaheddin“ aus dem April zeigt den 24-jährigen Berliner schwarzmaskiert, mit einer Kalaschnikow in der Hand, auf einem Felsen sitzend. Er brüstet sich mit einem Angriff auf eine amerikanische Nato-Basis im ostafghanischen Paktika im Dezember 2009.

„Gestern war der 24.12. nach dem gregorianischen Kalender der Ungläubigen“, erklärte Thomas U. in dem Terrorvideo, „Wir haben sechs BM-Raketen über den ganzen Tag verteilt auf das amerikanische Camp gefeuert. Und so haben wir ihre vorweihnachtliche Stimmung erheblich gestört.“ Seine Gruppe werde den Kampf fortsetzen, bis alle westlichen Truppen Afghanistan verlassen hätten, so der deutsche Islamist.

Die in Deutschland lebenden Muslime rief U. auf, sich dem Dschihad in am Hindukusch anzuschließen. „Wenn ihr könnt, unternehmt die Auswanderung und beteiligt euch mit eurer Person und kämpft“, forderte der Extremist, „Ansonsten spendet euren Besitz damit wir weiterhin Waffen kaufen können.“

An einer anderen Stelle eines Terrorvideos aus Pakistan ist Thomas U. in einem Auto zusammen mit dem inzwischen getöteten Saarländer Konvertiten Eric Breininger zu sehen. „Soweit ich weiß haben wir einen Wachturm getroffen, ein Haus getroffen, irgendwas ist in Flammen aufgegangen“, berichtet Thomas U. von einem kurz zuvor verübten Attentat der Dschihadisten, „Auf jeden Fall ein Desaster für die Ungläubigen.“

Seit einigen Monaten ist es ruhig an der Propaganda-Front der deutschen Taliban geworden. Es wurden keine Videos mehr veröffentlicht, immer seltener meldeten sich die deutschen Dschihadisten im Internet zu Wort. Vermutlich ging mit dem Tod des Deutsch-Türken Ahmet M., der im April an der Seite von Eric Breininger bei einem Feuergefecht mit pakistanischen Soldat getötet wurde, ein Großteil des Propagandapotentials der Gruppe verloren.

Ahmet M. alias „Salahuddin der Türke“ hatte die Medienabteilung der deutschen Gotteskrieger aufgebaut und erfolgreich neue Rekruten in Deutschland geworden. Bis zu 20 deutsche Islamisten, darunter viele Konvertiten, haben Deutschland im vergangenen Jahr mit Ziel Pakistan verlassen. Einige verschwanden mit ihren Familien oder schwangeren Lebensgefährtinnen.

Warum Thomas U. und die anderen deutschen Islamisten sich nun auf den Rückweg nach Deutschland begeben haben, ist unklar. Möglicherweise setzen den europäischen Terrorrekruten die CIA-Drohnenangriffe in den pakistanischen Stammesgebieten erheblich zu.
Erst am vergangenen Mittwoch soll bei einem solchen Raketenangriff der Ausbilder der deutschen Gotteskrieger, ein Usbeke namens Qureshi, in Waziristan ums Leben gekommen sein. Ob sich auch Kämpfer aus Deutschland unter den Toten befinden ist unbekannt.

Im Juli hatten die „Deutschen Taliban Mujaheddin“ sehr beiläufig den Tod zweier Dschihadisten aus Bonn und Berlin in einer Internet-Botschaft verkündet. Beide Männer starben angeblich als die US-Luftwaffe eine Gruppe von Taliban-Kämpfern im ostafghanischen Paktika bombardierte. Namen und Details zu den Personen wurden nicht genannt.

Denkbar ist, dass die Todesmeldung im Internet, die ohne weitere Erklärung veröffentlicht wurde, als Ablenkungsmanöver diente, um die Sicherheitsbehörden von der geplanten Rückseite des Berliners Thomas U. und eines weiteren deutschen Islamisten in die Bundesrepublik abzulenken.

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