Deutscher Terrorverdächtiger im Jemen angeklagt

by Florian Flade

Wollte den britischen Botschafter töten – Uthman al-Salawi

Im Jemen wird in der kommenden Woche ein deutscher Staatsbürger als mutmaßliches Mitglied des Terrornetzwerkes al-Qaida angeklagt. Er soll einer terroristischen Zelle angehören, die im Frühjahr ein Attentat auf einen britischen Diplomaten verübte. Dies teilte das jemenitische Justizministerium gestern mit.

Der Deutsche Rami H. sowie ein Iraker und zwei Jemeniten waren im Juni in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa von Sicherheitskräften festgenommen und anschließend verhört worden.
Die Ermittlungen seien nun abgeschlossen, teilte das Justizministerium von Sanaa mit, und die vier Männer würden angeklagt im Auftrag al-Qaidas ein Attentat auf den britischen Botschafter Timothy Torlot geplant und ausgeführt zu haben.

Torlot war am 26.April in einem Konvoi nahe der britischen Botschaft Sanaa unterwegs, als ein Selbstmordattentäter auf die Straße sprang und sich neben seinem Fahrzeug in die Luft sprengte. Der Diplomat überlebte den Anschlag unverletzt.

Al-Qaidas jemenitischer Ableger, „al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel“, hatte sich im Mai zum missglückten Mordanschlag auf Botschafter Torlot bekannt und ein Fotos des jemenitischen Selbstmordattentäters veröffentlicht.
Der 22jährige Attentäter Uthman al-Salawi war im Jahr 2009 aus dem Gefängnis entlassen worden und wenige Wochen vor dem Anschlag auf den britischen Botschafter verschwunden, erklärte sein Vater.

In einem al-Qaida Bekennerschreiben hieß es: „Großbritannien ist Amerikas engster Verbündeter in seinem Krieg gegen den Islam.“ Das Attentat sei eine Märtyreroperation gegen den britischen Botschafter gewesen, der den „Krieg gegen die Muslime auf der Arabischen Halbinsel für sein Land anführt.“

Bei dem deutschen Terrorverdächtigen, der in der kommenden Woche vor ein Gericht kommen soll, das auf Prozesse gegen Terroristen spezialisiert ist, soll es sich Angaben des jemenitischen Justizministeriums zufolge um Rami H. handeln.
H. sei der Sohn eines deutschen Geschäftsmannes, der seit Jahren im Jemen lebe und mit einer Jemenitin verheiratet sei.

Bislang war nicht bekannt ob und wenn ja wie viele deutsche Staatsbürger sich dem jemenitischen Zweig des al-Qaida Netzwerkes angeschlossen haben. Westliche Geheimdienst stufen die Aktivitäten al-Qaidas im Jemen als zunehmend gefährlich ein und warnen vor Anschlägen.

Viele Muslime aus Europa und Nordamerika, darunter auch immer mehr Konvertiten reisen seit Jahren in den Jemen um sich in den dortigen Sprach- und Koranschulen ausbilden zu lassen. Einige dieser Lehreinrichtungen genießen einen fragwürdigen Ruf und gelten als Brutstätten islamistischer Ideologien.

Im Dezember 2009 versuchte der Nigerianer Umar Farouq Abdulmutallab in den USA eine Passagiermaschine mit einer in der Unterwäsche versteckten Bombe in die Luft zu sprengen. Der gescheiterte Attentäter hatte vor seiner Tat, jemenitische Sprachschulen besucht und wurde dort an al-Qaida angeworden.

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