ISAF verhaftet Al-Jazeera Kameramänner

In Afghanistan sind zwei Journalisten des arabischen TV-Senders Al Jazeera von ISAF-Truppen verhaftet worden. Den beiden Afghanen wird vorgeworfen für die Taliban gearbeitet zu haben.

by Florian Flade

Mohamed Nader, ein Kameramann des Fernsehsenders Al Jazeera und Mitarbeiter der Nachrichtenagentur AP, wurde in einer nächtlichen Razzia am Mittwoch im südafghanischen Kandahar verhaftet. ISAF-Soldaten hatten das Haus um 04:00 Uhr Ortszeit gestürmt, berichtet Naders Ehefrau, und den Kameramann festgenommen. Auch einige Dokumente und Kameraausrüstung seien beschlagnahmt worden.

Am Montag, kurz nach Mitternacht, war ein Kollege von Mohamed Nader, der afghanische Tadschike Rahmatullah Nekzad, in der Provinz Ghazni von Nato-Truppen festgenommen worden, wie Angehörige und Kollegen am Mittwoch bestätigten.
Die Nachrichtenagentur AP teilte mit, Nekzad habe seit 2007 zeitweise für sie als Fotograf und Kameramann im Süden Afghanistans gearbeitet. Genau wie Mohamed Nader war auch Rahmatullah Nekzad als Kameramann für Al Jazeera im Einsatz. Sein Bruder Abdullah Nekzad bestätigte, Rahmatullah sei zudem ein engagierter Radiomoderator.

Nekzad war im Jahr 2008 bereits von afghanischen Behörden verhaftet und verhört worden, nachdem er die Hinrichtung zweier Frauen durch die Taliban beigewohnt hatte. Später erklärte Nader, die Taliban hätten ihn gedrängt zu bleiben und er habe nicht gewusst, dass eine Exekution der Frauen bevorstand.

In einer Stellungnahme zu den Festnahmen erheben die ISAF-Streitkräfte schwere Vorwürfe gegen die beiden Journalisten. Mohamed Nader sei ein „Taliban Unterstützer“, heißt es von Seiten der International Schutztruppe, „er ist verantwortlich für das Sammeln von Informationen, die relevant für die Taliban Informationskampagne in Kandahar sind.“

Rahmatullah Nekzad, den die ISAF-Erklärung nicht namentlich nennt, habe als „mutmaßlicher Taliban Medien- und Propaganda-Unterstützer agiert, der Angriffe während der Wahlen filmte.“

Der Kabul-Bürochef des Nachrichtensenders Al Jazeera, Samir Allawi, widersprach den Vorwürfen der ISAF-Truppen. Beide Journalisten hätten seit Jahren für Nachrichtenorganisationen gearbeitet und auch Kontakte zu den Aufständischen gehabt. Mohamed Nader habe zudem als „embedded journalist“ an der Seite von US-Truppen gearbeitet.

„Wir rechnen nicht damit, dass man in die Häuser unserer Reporter einbricht und sie mitten in der Nacht verhaftet“, sagte Allawi, „Es ist sehr einfach sie anzurufen, und dann kommen sie jederzeit.“

Als einziges Beweisstück für die Anschuldigungen, hätten die Behörden drei Handgranaten im Haus von Rahmatullah Nekzad gefunden. Dies sei nichts ungewöhnliches, so der Al-Jazeera Bürochef, in beinahe jedem Haus in Afghanistan seien Waffen zu finden.
„Sie sind nur Journalisten die Informationen sammeln, so wie es andere Journalisten auch tun“, verteidigt Al-Jazeera Bürochef Allawi seine Mitarbeiter.

Laut ISAF fanden Soldaten bei der nächtlichen Razzia in Nekzads Haus außer den Handgranaten noch eine große Zahl AK-47 Sturmgewehre und dazugehörige Magazine.
Nekzad und sein Kollege seien aufgrund von Geheimdienstinformationen verhaftete worden, die darauf hinwiesen, dass sie mit den Aufständischen zusammenarbeiten.

„Die Aufständischen nutzen Propaganda, die oft durch Nachrichtenorganisationen geliefert wird, um die afghanische Bevölkerung zu beeinflussen und oftmals auch einzuschüchtern“, heißt es in einem ISAF-Schreiben an Al-Jazeera.
„Die Koalitionstruppen und die afghanischen Truppen haben die Verantwortung die Aktivitäten der Propagandanetzwerke zu unterbinden“, erklärt ISAF weiter, „Die Personen die als Folge dessen verhaftete wurden, werden nun verhört und gegebenenfalls in Haft verbleiben und der afghanischen Justiz überstellt.“

Al-Jazeera protestierte gegen die Festnahme der beiden Kameramänner und ließ verlauten, die Inhaftierung der beiden Afghanen sei Teil einer Eskalation von Seiten der Internationalen Truppen, den Druck auf die Medien zu erhöhen. Kabul Bürochef Allawi sei jüngst von Seiten der ISAF-Truppen eingeschüchtert worden, erklärte der arabische TV-Sender.

„Al Jazeera wird seine Berichterstattung auf der Basis von fairem und objektivem Journalismus fortsetzen“, heißt es in einer Erklärung im Internet, „Als Teil ihrer Arbeit müssen Kameramänner und ihre Crews alle Seiten kontaktieren (…) einschließlich der ISAF-Truppen, der afghanischen Regierung und auch der Taliban.“

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