The Hamburg Connection 2.0 – Al Qaeda´s EU Plot

by Florian Flade

Neun Jahre nachdem die Todespiloten um Mohammed Atta die 9/11-Anschläge verübten, steht Hamburg wieder im Focus der Terrorermittlungen. Ein Hamburger Dschihadist verriet al-Qaidas Pläne für Großanschläge in Europa.

Hamburger Dschihadist Shahab D. – Part of AQ´s EU-Plot?

Es ist der 04.März 2009 als drei Männer und zwei Frauen aus Hamburg am Frankfurter Flughafen in ein Flugzeug steigen, dass sie in das Golfemirat Katar bringen wird. Ein Anschlussflug führt ins pakistanische Peshawar.

Die fünf Islamisten wollen Deutschland verlassen, sie wollen im wilden Waziristan an der pakistanisch-afghanischen Grenze ein Leben im Dschihad führen, weit weg vom verhassten Westen.

Shahab D. ist einer von ihnen. Geboren 1983 im Iran, floh er mit seinen Eltern als Folge des Iran-Irak-Krieges und immigrierte 1994 in die Bundesrepublik. Seitdem lebte der Iraner in Hamburg und besuchte die Moschee Masjid Taiba, die inzwischen von den Behörden geschlossen wurde. Beeinflusst von den radikalen Glaubensbrüdern aus dem Umfeld des Hamburger Gotteshauses, konvertierte Shahab D., der gebürtiger Schiit war, zum extremistischen Sunnitentum – er wurde ein strenggläubiger Salafist, trug lange Gewänder und ließ seinen Bart wachsen.

Im Jahr 2008 heiratete D. seine Freundin, eine heute 23jährige Zahnmedizinerin, ihr Vater ist muslimischer Westafrikaner, die Mutter Deutsche. Das Pärchen hielt sich zunehmend an eine extrem strenge Koranauslegung und begann über die Ausreise in ein islamisches Land nachzudenken.

Im März 2009 war es schließlich soweit. D.´s Ehefrau log ihre Eltern an, erklärte Shahab und sie wollten eine Pilgerreise nach Saudi-Arabien unternehmen. In Wahrheit war das Ziel ein Ausbildungslager der „Islamischen Bewegung Usbekistans“ (IBU) im pakistanischen Waziristan.

Teil jener islamistischen Reisegruppe die am 04.März 2009 Deutschland verließ waren auch der Deutsch-Afghane Ahmad Wali S., dessen Ehefrau, eine Indonesierin, und sei Bruder Sulayman.
S. ist aus Sicht deutscher Sicherheitsbehörden kein Unbekannter. Er verkehrte in den Kreisen der Hamburger Masjid Taiba und hatte engen Kontakt zum mutmaßlichen Helfer der 9/11-Todespiloten, Mounir el-Motassadeq. Wie Motassadeq war S. bei einer Reinigungsfirma am Hamburger Flughafen tätig, beide machten kurz nach dem 11.September 2001 gemeinsam Urlaub in Nordafrika.

Ahmad Wali S. und seine Gesinnungsgenossen erreichten die pakistanischen Terrorlager im Frühjahr 2009. Der Iraner Shahab D. tauchte wenige Monate später erstmals in einem Propagandavideo aus Waziristan auf. Darin nannte er sich „Abu Askar“, posierte mit einem mächtigen Schwert, auf dem Koranverse eingraviert waren. „Wir haben Deutschland und unsere Familien nur verlassen, damit Allah´s Wort das höchste wird!“, tönte der Hamburger Islamist. Shahab D. lebt offenbar seinen Traum vom Dschihad.

Sein Reisebegleiter Ahmad S. kämpft nicht mehr in den Reihen der IBU. Ihn griffen US-Soldaten im Juli im afghanischen Kabul auf. Der Deutsch-Afghane wird seitdem auf dem US-Stützpunkt Bagram verhört. Er soll die Quelle jener Informationen sein, die seit etwa einer Woche weltweit für mediale Aufmerksamkeit sorgen.

Al-Qaida, so berichtete der Dschihadist aus Hamburg den Amerikanern, plane eine Anschlagswelle in Europa. Von Kommando-Aktionen ist die Rede, vergleichbar mit jenem Angriff auf Luxushotels im indischen Mumbai im November 2009. Kleine Trupps bewaffneter Islamisten sollen weiche Ziele in europäischen Großstädten überfallen und auch möglicherweise Geiseln nehmen.

Wie der SPIEGEL nun meldet, soll Ahmad S. den amerikanischen Ermittlern verraten haben, er habe im Frühsommer in der Ortschaft Mir Ali den nordafrikanischen al-Qaida Mann „Sheikh Younis al-Mauretani“ getroffen. Dieser habe ihm erzählt, Osama Bin Laden persönlich habe die Europa-Operationen genehmigt und auch das nötige Geld zur Verfügung gestellt.

Vor einigen Tagen meldeten bereits pakistanische Medien, der al-Qaida Führer Bin Laden habe die Anschlagsplanungen in Auftrag gegeben und als Wunsch-Ziele Frankreich, Deutschland, Dänemark und Großbritannien genannt. Geheimdienste verfolgten offenbar schon seit einem Jahr die Spur europäischer Dschihadisten in Waziristan, die mit den Terroranschlägen beauftragt worden sein sollen. Von acht deutschen Staatsbürgern und zwei Briten ist die Rede, wobei einer der britisch-pakistanischen Brüder in einem der jüngsten Drohnangriffe ums Leben gekommen sein soll.

Unbestätigten Berichten zufolge soll der Hamburger Terrorhäftling in Bagram zudem davon berichtet haben, dass al-Qaidas Militärchef, der Pakistaner Ilyas Kashmiri, ein Attentat während der „Commonwealth Games“ plane. Das Sportereignis findet vom 03.-14.Oktober im indischen Neu Delhi statt.

Ahmad S. erzählte im US-Verhör außerdem, dass er in Afghanistan gegen US-Truppen und afghanische Soldaten gekämpft hat. Dort habe er auch einen weiteren Hamburger Islamisten getroffen – Said Bahaji.

Bahaji gilt als einer der Unterstützer der Hamburger 9/11-Zelle. Der im niedersächsischen Haselünne geborene Sohn eines Marokkaners und einer Deutschen, hatte an der Technischen Universität Hamburg-Harburg studiert und dort den späteren Todespiloten Mohammed Atta kennengelernt. Genau wie die Hamburger Terrorzelle verkehrte auch Bahaji in der Al Quds-Moschee im Stadtviertel St.Georg.

Kurz vor den Anschlägen in New York und Washington, am 04.September 2001, floh Said Bahaji nach Pakistan. Deutsche Sicherheitsbehörden fingen E-Mails ab, die Bahaji in den vergangenen Jahren an seine Ehefrau in Deutschland schickte. Ende vergangenen Jahres fanden pakistanische Soldaten bei der Einnahme von Terrornestern in Süd-Waziristan, den Pass des Hamburger al-Qaida Helfers.

Deutsche Sicherheitsbehörden beobachten den radikalen Kern der Hamburger Islamistenszene seit Jahren. Neun Jahre nach den Anschlägen von 9/11 ist im Umfeld der Moschee der Todespiloten um Mohammed Atta, eine neue Generation militanter Islamisten herangewachsen. Der buntgemischter Haufen von Dschihad-Befürwortern verehrt jene deutschen Glaubensbrüder, denen in den letzten Jahren die Reise in die Terrorcamps Waziristans gelungen ist, und die sich regelmäßig in Propagandavideos zu Wort melden.

Neben Shahab D., Ahmad und Sulayman S. machten sich im Frühjahr 2009 nach Behördeninformationen bis zu acht weitere Islamisten aus der Hansestadt auf nach Pakistan. Die Liste liest sich wie eine islamistische Internationale. Ein französischer Staatsbürger steht darauf, er soll verheiratet sein mit der Tochter des marokkanischen Hasspredigers Sheikh Fazazi, und schleuste offenbar Terrorrekruten aus Europa in den Irak. Seyed A., ein weiterer Verdächtiger aus dem Hamburger Dschihadisten-Zirkel, ist wohnhaft in Großbritannien. Ein weiterer Deutsch-Iraner, ein Deutsch-Türke und ein staatenloser Islamist gehören ebenfalls zu jenen die aus Hamburg gen Waziristan reisten.

Zwei weiße Konvertiten, der Deutsch-Tschetschene Alexander J. (30) und der Deutsch-Kasache Michael W. (25) wurden noch bei ihrer Anreise in Pakistan festgenommen und in die Bundesrepublik abgeschoben. Sie leben wieder in Hamburg.

Die Hamburger-Reisegruppe traf sich regelmäßig in der Masjid Taiba und schmiedete Pläne in den Heiligen Krieg zu ziehen. Treibende Kraft soll dabei der ursprünglich aus Frankfurt am Main stammende Rami M. gewesen sein. Der 25jährige Deutsch-Syrer gilt als Anführer der Hamburger Islamisten und erreichte selbst im Frühjahr 2009 Pakistan.

Pakistanische Soldaten nahmen M. im Juni fest als er versuchte von Waziristan aus zur deutschen Botschaft in Islamabad zu reisen. Er hatte wohl bereits nach einem Jahr genug vom Dschihad-Urlaub und wollte sich deutschen Behörden stellen. Diese sahen in Rami M. ein Sicherheitsrisiko und ließen ihn festnehmen. Seit dem 26.August sitzt der Anführer der Hamburger Dschihad-Reisegruppe in Deutschland in Haft.

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