„Commando Solo“ sendet in Libyen

by Florian Flade

Eine fliegende Rundfunkstation des US-Militärs beschallt Libyen mit Warnbotschaften. Die psychologische Kriegsführung wurde am Wochenende von Hobby-Funkern aus Europa abgehört. Sie verfolgen den westlichen Militäreinsatz gegen Gaddafi am heimischen Funkgerät.

Vollgepackt mit Hightech – die „Commando Solo II“

„Libysches Schiff oder Frachter verlassen Sie nicht den Hafen“, tönte es am Wochenende aus dem Radio, „Die Truppen des Gaddafi-Regimes verletzen eine UN-Resolution, die ein Ende der Kampfhandlungen in diesem Land angeordnet hat. Wenn Sie versuchen den Hafen zu verlassen, werden Sie angegriffen und zerstört. Für Ihre eigene Sicherheit: Verlassen Sie nicht den Hafen.“

Gesendet wird die eindeutige Warnung in einer Dauerschleife von einem außergewöhnlichen US-Militärflugzeug der Flotte „Commando Solo II“. Diese mit modernster Elektronik ausgestattete fliegenden Radiostationen vom Typ EC-130 kommen immer dann zum Einsatz, wenn reguläre Kommunikationswege nicht möglich sind oder verhindert werden, beispielsweise in den Kriegsgebieten Afghanistan und Irak. Das umgebaute Frachtflugzeug kann im Ernstfall auch als TV-, Radio- und Internetstation für ganze Landesteile dienen, in denen Diktatoren die Kommunikationswege für die Bevölkerung gekappt haben.

Über Haiti flog eine „Commando Solo“ 2010 Einsätze, um Überlebenden des Erdbebens die Möglichkeit zu geben, per Radio Nachrichten an Verwandte zu senden (bereits 1995 war eine Commando Solo über Haiti im Einsatz). Jetzt ist einer von Amerikas Radio-Fliegern als Teil der psychologischen Kriegsführung über dem Mittelmeer unterwegs und beschallt Libyen mit Warn-Botschaften in Englisch, Arabisch und Französisch.

Bekannt wurde der Libyen-Einsatz der „Commando Solo“ am Wochenende nicht etwa durch eine Meldung des Pentagon oder durch das Gaddafi-Regime, sondern durch die Arbeit findiger Hobby-Funker aus Europa. Sie haben vom heimischen Computer aus Funksignale und Kennungen von Dutzenden NATO-Flugzeugen identifiziert, die aktuell an Angriffen gegen den libyschen Diktator beteiligt sind. Auch den militärischen Rufnamen der amerikanischen Radio-Militärfliegers – „Sheen 53“ konnte ein Funker aus den Niederlanden ausmachen und veröffentlichte den Funk-Mitschnitt im Internet.

Die Hobby-Funker machen sich den Umstand zu Nutze, dass die militärischen Flugzeuge über den Mittelmeer ihre Koordinaten und den angesteuerten Kurs auch über den von Passagiermaschinen genutzten Zivilfunk übermitteln müssen – anderenfalls könnte es zu Zusammenstößen kommen. Informationen über die Bewegungen amerikanischer, italienischer und britischer Kampfjets sowie unbemannter Drohnen erhalten die Funker daher nicht über geheime NATO-Frequenzen, die verschlüsselt über Satelliten ablaufen.

Einer jener Mithörer der Funks von „Operation Odyssey Dawn“, berichtete dem US-Technologiemagazin „Wired“, er verfüge über eine Funkausstattung im Wert von weniger als 500 EURO. Damit könne er problemlos mehrere Stunden täglich die Frequenzen der Militärflugzeuge abhören. „Ich kombiniere lediglich die weltweit frei verfügbaren Informationen aus dem Internet mit meinen lokal erhältlichen Informationen aus dem Äther“, so der anonyme Funker. Auch Signale der amerikanischen Präsidentenmaschine Air Force One und Flüge der CIA mit Terrorhäftlingen habe er bereits empfangen.

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