Erstmals „Friendly-Fire“ durch US-Drohne

von Florian Flade

Erstmals seit dem Einsatz unbemannter Kampfdrohnen starben zwei US-Soldaten in der vergangenen Woche in einem „Friendly-Fire“-Vorfall – er zeigt die Tücken der vermeintlichen Wunderwaffe.

Footage from a Predator Drone

Die Meldung aus dem Kommandozentrum der Internationalen Afghanischen Schutztruppe ISAF vom 6.April, dem vergangenen Mittwoch war auf den ersten Blick keineswegs ungewöhnlich. „Zwei ISAF Soldaten starben heute in Folge eines Friendly-Fire-Vorfalls in Süd-Afghanistan (…) Ein Ermittler-Team untersucht den Vorfall.“

Zwei US-Soldaten wurden versehentlich von der eigenen Truppe getötet, ein Vorfall wie er sich bereits etliche Male im Irak und Afghanistan zugetragen hatte. Die näheren Umstände des Vorfalls der vergangenen Woche lassen jedoch aufhorchen. US-Medien rekonstruierten sie.

Die beiden amerikanischen Soldaten Navy Corpsman Benjamin Rast (23) und Marine Staff Sgt. Jeremy Smith (26) waren mit ihrer Einheit an einer Operation nahe der Ortschaft Sangin in der südafghanischen Provinz Helmand unterwegs, als sie in einem Taliban-Hinterhalt gerieten. Die Einheit bezog Stellung, um sich zu verteidigen.

Über dem Geschehen kreiste eine amerikanische Drohne vom Typ Predator, ein mit Lenkraketen bestücktes, unbemanntes Flugzeug. Die Marineinfanteristen am Boden konnten auf einem Bildschirm die Live-Bilder der Drohnen-Kamera verfolgen und suchten mit ihr die Gegend nach Taliban-Kämpfern ab. Auf dem Bildschirm erschienen einige „Hot Spots“, Personen, die in der Infrarot-Kamera als helle Gestalten zu sehen waren. Die US-Soldaten identifizierten die „Hot Spots“ fälschlicherweise als feindliche Kämpfer und forderten augenblicklich einen Raketenangriff der Predator-Drohne an.

Die Entscheidung war ein fataler Fehler, denn bei den als Taliban ausgemachten Zielpersonen handelte es sich in Wahrheit um die US-Soldaten Rast und Smith. Sie kamen beim Beschuss durch die Drohne ums Leben und sind damit offenbar die ersten amerikanischen Soldaten, die durch den Eigenbeschuss einer US-Kampfdrohne ums Leben kamen.

Offiziell bestätigte das amerikanische Militär nicht, dass die beiden Soldaten Smith und Rast durch einen Drohnen-Angriff ums Leben kamen. Auf Nachfrage  erklärte mir das US-Verteidigungsministerium, die Familien der beiden getöteten Soldaten seien informiert wurden und eine Untersuchung des Vorfalls dauere an. Dass die US-Soldaten durch eine amerikanische Predator-Drohne getötet wurden, dementierte das Pentagon allerdings nicht.

Seit Jahren setzen die USA sowohl zur Aufklärung als auch zur Feindbekämpfung im Irak, Afghanistan, Pakistan und Jemen auf die ferngesteuerten Flugzeuge. Über bis zu 7,000 Drohnen unterschiedlicher Typen soll das amerikanische Militär verfügen. Viele der kleineren Drohnen werden zur Überwachung eingesetzt und direkt vor Ort gesteuert. Die größeren, raketenbestückten „Predator“ und „Reaper“ Drohnen, die regelmäßig im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet Terror-Ausbildungslager angreifen, werden jedoch von einer Basis der Luftwaffe im US-Bundesstaat Nevada ferngesteuert.

Allgemein gelten die unbemannten Flugobjekte als hochmoderne Präzisionswaffe, die in Zukunft in weit größerem Rahmen in Kriegsgebieten zum Einsatz kommen soll. Die Drohnenangriffe der USA im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan töteten in der Vergangenheit mehrere ranghohe Al-Qaida-Terroristen und Taliban-Führer sowie hunderte militante Islamisten niederen Rangs.

Eine genaue Zahl der von den Amerikanern als Kollateralschaden klassifizierten zivilen Opfer liegt nicht vor. Menschenrechtsorganisationen kritisieren den Drohnen-Einsatz regelmäßig und heben hervor, Piloten die tausende Kilometer entfernt die Flugobjekte steuern und Angriffe fliegen, könnten die Gegebenheiten vor Ort nicht einschätzen. Zivilisten würden so per Kamera als Feinde ausgemacht und kämen so regelmäßig ums Leben.

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