Monatsarchiv: Juni 2011

Syrische Bloggerin Amina ist reine Fiktion

by Florian Flade

Die Geschichte der lesbischen Syrerin Amina Abdallah Araf rührte Tausende weltweit. Ihr Blog „A Gay Girl in Damascus“ wurde zu einer Stimme der Unterdrückten in Nahost. Jetzt bekennt ein amerikanischer Student, die syrische Bloggerin frei erfunden zu haben.

„A Gay Girl in Damascus“ – so heißt ein englischsprachiges Weblog der seit Monaten für Aufsehen sorgt. Das Internet-Tagebuch soll von einer jungen Syrerin namens Amina Abdallah Araf geführt geführt werden, die sich als lesbisch geoutet hat und seither über ihr Leben und die Unterdrückung sexueller Minderheiten in der syrischen Dikatur schrieb. Amina gehört, seitdem sie die Webseite im Februar ins Leben rief, zu den bekanntesten Bloggerinnen der arabsichen Welt. In Syrien entwickelte sich die homosexuelle Aktivitistin schnell zur einer Ikone des Aufstandes gegen die Assad-Diktatur. Dann verschwand Amina spurlos.

Am 06.Juni verfasste eine angebliche Cousine von Amina einen Eintrag auf „A Gay Girl in Damascus“, den hunderttausende Internetnutzer in den Folgetagen lasen und der seinen Weg auch in internationale Medien fand. Aminas vermeintliche Cousine berichete, die Bloggerin sei während der aktuellen Unruhen in Syrien von Sicherheitskräften verschleppt worden. Ihre Familie habe keinen Kontakt zu Amina und wisse nicht wo sie vom Regime festgehalten werde.

Die Meldung von der Entführung der hübschen Internet-Aktivitistin löste eine Welle der Unterstützung und des Protestes aus. Internet-Nutzer die Aminas Blog verfolgt hatten, gründeten Facebook-Gruppen und riefen dazu auf E-Mails an syrische Botschaften schicken, mit der Aufforderung an das Regime, Amina freizulassen. Der Fall der Bloggerin aus Damaskus wurde zu einem weiteren Symbol für die Menschenrechtsverletzungen der Regime in der Region. Eine Märtyrerin der Internet-Generation war geboren.

Dabei war nicht einmal klar, ob Amina, die Lesbe aus Damaskus, tatsächlich existierte. Alle biografischen Angaben stammten von ihrem Blog, niemand schien der realen Amina Araf persönlich jemals begegnet zu sein, einzig der E-Mail Kontakt konnte nachgewiesen werden. Erste Zweifel an er Geschichte und der Existenz der lesbischen Bloggerin kamen auf.
Eine Reportin des „Guardian“ interviewte die junge Frau lediglich per E-Mail, ein Treffen oder Telefoninterview wurde abgelehnt. Eine Kanadierin tauschte gar über 1,000 E-Mails mit Amina aus, im Glauben die Syrerin sei eine real existierende Person.

In der vergangenen Woche meldete sich schließlich in Großbritannien eine Frau, deren Fotos von der syrischen Bloggerin als die ihren ausgegeben wurden. Jelena Lecic, eine in London lebende Kroatin gab im britischen TV-Sender BBCan, die Fotos aus ihrem Facebook-Profil seien auf „A Gay Girl in Damascus“ als Aufnahmen von Amina al-Araf veröffentlicht worden waren. Renommierte Medienvertreter wie die US-Tageszeitung „New York Times“ äußerten sich skeptisch, ob die Geschichte der lesbischen Bloggerin der Wahrheit entspricht.

Gestern nun flog der Schwindel auf. Der amerikanische Nahost-Aktivist Tom MacMaster gestand, den Blog geführt und Aminas Geschichte frei erfunden zu haben. McMaster, der derzeit an der Edinburgh University in Schottland studiert, veröffentlichte auf „A Gay Girl in Damascus“ eine schriftliche Entschuldigung. Unterzeichnet ist der Eintrag mit „Tom MacMaster, Istanbul, Türkeo, 12.Juli 2011 – Der einzige Autor aller Texte auf diesem Blog“.

„Ich hatte nie mit diesem Maß an Aufmerksamkeit gerechnet“, so MacMaster der sich aktuell im Urlaub in der Türkei aufhalten soll, „die Erzähler-Stimme mag fiktional sein, aber die Fakten auf diesem Blog zur Situation im Land sind wahr und nicht irreführend.“

Er hoffe, so der Blogger, dass den Menschen in Nahost in Zeiten des politischen Umbruchs viel Aufmerksamkeit geschenkt werde. „Die Ereignisse dort werden von den Menschen vor Ort, die sie tagtäglich leben, geprägt“, schreibt der Amerikaner, „Ich habe nur versucht, sie für die westliche Leserschaft zu erleuchten.“

Amina die Bloggerin erfunden zu haben, sieht Tom MacMaster nicht als problematisch. „Ich denke nicht, dass ich irgendwem geschadet habe“, heißt es im gestrigen Blogeintrag, „Ich denke ich habe eine wichtige Stimme geschaffen, für Themen, die mich wirklich bewegen.“

Der britische „The Guardian“ hatte bereits vor dem Entschuldigungs-Eintrag des Bloggers gemeldet, die wahre Identität von Amina sei von findigen Internet-Nutzern ausfindig gemacht worden. Gast-Beiträge auf einem anderen Blog, die angeblich von Amina aus Damaskus verfasst worden waren, seien von einem Computer versendet worden, der in Schottland lokalisiert wurde.

Fotos auf Aminas Blog fanden sich zudem in einem Internet-Fotoalbum von Tom MacMasters Ehefrau, Britta Froehlich, die an der schottischen St.Andrew´s Universität derzeit eine Doktorarbeit über Wirtschaftsentwicklung in Syrien schreibt.

Im Internet reagieren die Leser von „A Gay Girl in Damascus“ empört über das Lügenkonstrukt. „Es macht mich so wütend“, heißt es in einem Kommentar. Die reale Situation in Syrien sei „zu schrecklich für solche Spielchen.“
Der Chef-Redakteur von GayMiddleEast.com, Sami Hamwi, ist zornig über die frei erfundene Geschichte der Bloggerin Amina. „An Herrn MacMaster: Schämen Sie sich!“, so Hamwi, „Was Sie getan haben, hat vielen von uns geschadet, hat uns alle in Gefahr gebracht (…) Bedenken Sie zudem, dass es vielleicht sogar Zweifel an der Authentizität unserer Geschichten ausgelöst hat.“

Britta Froehlicher, die Ehefrau von Tom MacMaster, ließ per E-Mail mitteilen, in den kommenden 24 Stunden würden sie und ihr Ehemann das erste Interview geben. Momentan aber genieße man den Urlaub in der Türkei und wolle eine „nette Zeit“ verbringen.

„Miqdaad, the Afghan Blitz“ – German Jihadi Killed in Kunduz

by Florian Flade

The called him „The Afghan Lighting“ because it only took a few weeks from arriving in Waziristan to enter Afghanistan and fight Nato forces in the northern region of Kunduz – Abdullah H. from the West German city of Essen.

A new propaganda tape by the „Islamic Movement of Uzbekistan“ (IMU) celebrates the martyrdom of the German Jihadi militant who was known as „Miqdaad“ amongst the mujahidin fighters.

„Today my special greetings from Khorasan go out to the brothers and sisters in Essen“ – Yassin C., a well-known Jihadi from Bonn says in the new video – „Dear brothers and sisters in Essen, from your city, Allah has choosen a very diligent brother who stood amongst you during prayer only a short time ago. A brother who walked the streets of Essen and did not really attract attention.“

Abdullah from Essen arrived in Waziristan in November 2010, IMU says, and completed military training in January 2011. „A short time later, he traveled to Northern Afghanistan“, German terrorist Yassin C. tells – „On March 20 2011 he (Abdullah) died a martyr´s death in Baghlan, near Kunduz, fighting American soldiers.“

When Abdullah aka „Miqdad“ joined the IMU in the Pakistani tribal areas he told his trainers, he wants to fight in Afghanistan soon. „Please quickly sent me to Kunduz because I want to kill Germans so bad“, he allegedly said.

In the newly released propaganda tape Abdullah H. is seen masked surrounded by Jihadi comrades somewhere in Kunduz. „It´s me, your brother Miqdad“, the son of Afghan immigrants says, „I greet all my brothers and sisters around the world, especially in Germany. All praise is to Allah that I came here to the mujahidin in Afghanistan and Pakistan and was tasked with this special operation to fight the Germans and Nato here in Kunduz.“

German intelligence officials are at the moment trying to contact Abdullah H.´s family in Essen. The young man killed in Kunduz in March was born in Peshawar to parents who fled Afghanistan. In Germany he was not monitored by counter terrorism authorities. Abdullah H. did not appear on any list of possible terrorists. Amongst the Muslim community in Essen he was not known to be one of the extremists. His journey to the Pakistani terror camps happened without German authorities knowing about it.

Recently it became known that another German militant who joined IMU had carried out a suicide operation in Kunduz in 2010. „Farooq the German“ was featured in a German-language IMU tape released a few weeks ago. According to my information this 29-year old militant´s travel movements (came to Waziristan in early 2010) were also not tracked by German intelligence. „We did not know him before the video release“, one German intelligence official told me.

Al-Qaida´s East-Africa Leader Killed in Somalia

by Florian Flade

Diese Diashow benötigt JavaScript.

One of the most-wanted al-Qaida figures was allegedly killed in Somalia on Wednesday. Fazul Abdullah Mohammed, a terrorist commander born in the Comoros Islands in 1974 , was a al-Qaida veteran who joined the organization in the 1990s after traveling to Pakistan. He was trained at an al-Qaida camp in Afghanistan and was allegedly sent to Somalia in 1993 where he took part in the famous incident known as „Black Hawk Down“ in which two US military helicopters were shot down in Mogadishu and 18 US troops were killed.

Fazul Abdullah Mohammed is thought to be a mastermind of the 1998 US Embassy bombings in Kenya and Tanzania as well as a suicide bombing on a luxury hotel complex in Mombasa (Kenya) in 2002. The US placed a bounty of US$ 5 Million on the terrorist whom the counter-terrorism officials say speaks five languages including French and English.

Since 2006 the US has been hunting Abdullah Mohammed as a main al-Qaida target in East Africa. In January 2007 a US airstrike on a al-Qaida training camp in Somalia failed to kill him. Back then, Fazul Abdullah Mohammed had joined the Islamic Courts, a militant group that later became Al-Shabaab. Allegedly Mohammed established several training camps in Southern Somalia and was bringing foreign fighters into the country.

When in November 2009 US special forces carried out a raid in Somalia and killed al-Qaida´s East-Africa leader Saleh Ali Saleh Nabhan, Fazul Abdullah Mohammed was chosen as his successor by the al-Qaida leadership in Pakistan. „I will honestly perform my duties following my appointment to this new big position by Sheikh Osama bin Laden“, the new al-Qaida East-Africa commander said in speech that was recorded as an audio message.

According to intelligence reports, Mohammed was suspected of traveling in and out of Somalia. He holds a Kenyan passport which led those hunting him believe he would occasionally slip into neighboring Kenya.

On Wednesday last week Somali government troops opened fire on a „Toyota Surf“ SUV heading towards a checkpoint in Somalia´s capital Mogadishu. Two terrorists were killed. The soldiers searched their bodies. One of the two militants carried a South African passport bearing the name „Daniel Robinson“. It was issued in April 2009 and showed that the man had entered Tanzania March 19 and was granted visa there. Additionally US$ 40,000 in cash found in the car.

Initially Somali media reported a Canadian national had been killed by government troops in a firefight. A Al-Shabaab fighter named „Abdurrahman al-Kanadi“ was tought to be the one who was shot dead.

Today Kenyan newspaper The Daily Nation quoted Somali security sources as saying Fazul Abdullah Mohammed was one of the terrorists killed in Mogadishu on Wednesday. Kenya Television Network (KTN) claimed police chief Matthew Iteere confirmed Mohammed´s death.

The US State Department would not comment on the reports coming out of Somalia. Pictures published by Radio Mogadisho of the terrorist´s car and one dead body seem to indicate that it was indeed Fazul Abdullah Mohammed who has been killed.