Wer ist der Märtyrer „Abu Bakr aus Deutschland“?

von Florian Flade

Die „Islamische Bewegung Usbekistans“ (IBU) hat heute neben der Eid ul-Adha Rede des Bonner Islamisten Mounir C. („Abu Adam“) auch ein neues PDF-Dokument veröffentlicht. Die Propagandaschrift erinnert an ein Kriegsgedicht, eine beinahe poetische Ausführung des Märtyrertum-Wunsches, verfasst von einem unbekannten Autor namens „Abdul Matin al-Almani“:

„Oh Allah, bestimme mir die Shahada fisabilillah. Und jetzt, wo ich der Shahada in die Augen schaue, überfällt die Furcht mein Herz. Ich habe Angst. Die Kugeln zischen an meinem Ohr vorbei. Die Raketen schlagen neben mir ein und mein Körper ist am zittern. Weshalb diese Angst? Sind denn diese Kugeln und diese Raketen nicht der Schlüssel für das Paradies? Sie sind doch der goldene Schlüssel für die hohen Ränge. Sie sind doch der edle Schlüssel für das Treffen mit meinem Liebling und Vorbild Muhammad, der Gesandte Allahs.

Interessanter als die Ausführungen zum Kampf und den Gedanken eines Gotteskriegers auf dem Schlachtfeld, ist ein Foto, das sich am Ende des zweiseitigen Dokuments findet. Zu sehen ist dort der mit Blumenkränzen geschmückte Leichnam eines angeblich deutschen IBU-Kämpfers. In der Beschreibung heißt es, der junge Mann heiße „Abu Bakr aus Deutschland“.

Weder ein „Abu Bakr“ noch ein „Abdul Matin“ traten bislang als deutsche Dschihadisten in Erscheinung. Mir sind keinerlei IBU-Propagandavideos bekannt, in denen Islamisten mit diesen Kampfnamen zu sehen sind oder zu Wort kommen.

Dies muss nicht bedeuten, dass „Abu Bakr“ und „Abdul Matin“ reine Erfindungen der IBU-Propapanda sind. In den vergangenen Monaten gab es mehrere überraschende Videoauftritte bis dato unbekannter deutscher Dschihad-Kämpfer („Miqdaad“, „Farooq al-Almani“, „Abu Laith al-Almani“)

Der Verdacht der nun erwähnte Autor „Abdul Matin“ könnte ein Propaganda-Coup und keine real existierende Person sein, liegt jedoch nicht ganz fern. Immerhin haben sich die Brüder Yassin und Mounir C. in der Vergangenheit mindestens in einem Propagandavideo als Dschihadisten mit anderen Namen ausgegeben.

Der Deutsch-Syrer Rami Makanesi berichtet, er habe nach seiner Ankunft in Waziristan die C.-Brüder gefragt wo denn die anderen deutschen Mudschaheddin seien, die er in den Propagandavideos gesehen habe. Es gebe keine anderen Deutschen, so die Antwort der Brüder C..

Den Bonner Islamisten gelang es offenbar durch recht primitiven Propaganda-Aufwand, die deutsche Dschihadisten-Kolonie Waziristans größer wirken zu lassen, als sie zum damaligen Zeitpunkt tatsächlich war.

Seit den ersten Videoauftritten der Brüder C. erfolgten mehrere Ausreisewelle aus Deutschland in die Ausbildungslager der IBU in Waziristan. Aus Hamburg reiste im März 2009  eine Gruppe aus Männern und Frauen aus dem Umfeld der ehemaligen Al-Quds-Moschee nach Pakistan. Aus dieser Reisegruppe lebt nur noch eine junge Frau in den Terrorcamps der IBU – der Rest wurde inzwischen verhaftet, getöte, kehrte nach Deutschland zurück oder hat sich Al-Qaida angeschlossen.

Weitere Ausreisen in die IBU-Camps soll es zudem aus dem süddeutschen Raum sowie aus Essen gegeben haben.  Ob „Abu Bakr“ einer dieser deutschen Dschihad-Touristen war, ist noch unklar. Der Verdacht liegt nahe dass es sich um eine Person handelt, die sich Anfang des Jahres nach Waziristan absetzte.

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