Deutsche Dschihadisten warten im Iran auf Rückreise

von Florian Flade

Die deutschen Dschihadisten Fatih T. und Naamen M. zogen vor Jahren in die Terrorcamps nach Pakistan. Nun sollen die gesuchten Islamisten im Iran untergetaucht sein und auf eine Rückkehr nach Deutschland hoffen.

Untergetaucht im Iran – Islamist Fatih T. aus Berlin

Fatih T. und Naamen M. galten schon als Märtyrer, getötet von Drohnen der CIA im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet. Jetzt gibt es Lebenszeichen der beiden Islamisten aus Deutschland. Die mutmaßlichen Dschihad-Kämpfer aus Berlin und Hamburg sind quicklebendig, haben Pakistan inzwischen verlassen und sind im Iran untergetaucht. Ihr sehnlichster Wunsch: die Rückkehr nach Deutschland.

Wie die „New York Times“ berichtet, hat sich der Berliner Islamist Fatih T. vor einiger Zeit in den Iran abgesetzt und erhofft sich von dort aus eine Rückkehr nach Deutschland. Der aus Berlin-Steglitz stammende Dschihadist hatte Deutschland im Frühjahr 2009 verlassen und war in terroristischen Ausbildungslagern in der pakistanischen Region Waziristan ausgebildet worden.

Nach dem Tod mehrerer deutscher Islamisten stieg Fatih T. zum Anführer der Terrorgruppe „Deutsche Taliban Mudschaheddin“ (DTM) auf. In Waziristan nannte sich der 27jähriger Berliner „Abdul Fatteh“ und trat in mehreren Propagandavideos auf, in denen er mit Angriffen auf die NATO in Afghanistan prahlte.

Im Oktober 2011 meldete eine islamistische Internetseite der Anführer der Deutschen Taliban in Waziristan sei von einer US-Drohne getötet worden. Eine endgültige Bestätigung für Fatih T.s Tod folgte jedoch nicht. Deutsche Sicherheitsbehörden hegten in den folgenden Wochen starke Zweifel an der Meldung der Islamisten. „Wir gehen davon aus, dass er lebt“, erklärte mir ein ranghoher Geheimdienstler vor wenigen Wochen. Telefonate, die Fatih T. mit Freunden und Familie in Deutschland führte, lieferten den endgültigen Beweis.

Nun scheint klar, dass sich Fatih T., der ehemalige Student aus Berlin, nicht mehr in Pakistan befindet. Er lebt offenbar im Iran. In einem Telefon-Interview mit der „New York Times“ erklärte Fatih T. jüngst, alles was er nun wolle, sei ein „normales Leben in Deutschland mit meiner Frau und meinem Sohn“. Der Berliner Islamist behauptet gegenüber der Zeitung zudem, er sei ursprünglich nicht nach Pakistan gereist um eine Terrorausbildung zu erhalten. „Ich wollte in einem islamischen Land unter Scharia-Gesetzen leben“, so Fatih T.

Ein weiterer totgesagter Dschihadist aus Deutschland soll wie Fatih T. derzeit im Iran auf eine Möglichkeit warten, nach Europa zurück zu kehren – Naamen M. aus Hamburg. Der Franzose algerischer Abstammung hatte Hamburgim Frühjahr 2009 zusammen mit mindestens elf weiteren Islamisten aus Hamburg verlassen. Die Gruppe, darunter auch zwei Frauen, hatte sich in Pakistan der „Islamischen Bewegung Usbekistans“(IBU) angeschlossen.

Naamen M. hatte sich laut Aussagen später festgenommener Islamisten in Waziristan schnell von der Hamburger Gruppe getrennt. Unter dem Kampfnamen „Abu Baraa“ schloss sich der 41jährige angeblich den arabischen Kämpfern der Al-Qaida an.

Im Oktober 2010 meldete der „SPIEGEL“, ein US-Drohnenangriff habe drei deutsche Islamisten in Waziristan getötet, darunter auch Naamen M.. Die Meldung erwies sich als falsch. Wie ich auf „Welt Online“ berichtete meldete sich Naamen M. im September 2011 bei seiner in Hamburg lebenden Ehefrau und sagte er wolle Pakistan verlassen und den Dschihad hinter sich lassen.

Wie die „New York Times“ nun berichtet sollen Naamen M. und Fatih T. aus dem iranischen Exil heraus in Kontakt mit Familienangehörigen und ihren Anwälten stehen. Europäische Sicherheitsbehörden sind von der Leuterung der beiden Dschihadisten nicht überzeugt. Sie sehen in den Islamisten weiterhin ein Sicherheitsrisiko.

Aus Kreisen des Verfassungsschutzes heißt es, man sehe die Desillusionierung, die in den terroristischen Ausbildungslagern Pakistans stattfindet mit einiger Skepsis. Die Situation in den Camps sei derart katastrophal, dass einige Dschihadisten diese Leben vor Ort ganz klar ablehnen. Dies bedeute jedoch keinesfalls eine komplette Abkehr von der dschihadistischen Ideologie. Rückkehrer aus den Terrorcamps seien zunächst einmal als „gefährlich“ einzustufen, der Wille zu Anschlägen „hierzulande, ist womöglich noch vorhanden“.

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