Der Beat des Dschihad

von Florian Flade

Rapper Denis C., ehemals „Deso Dogg“, jetzt“Abu Talha“

Erstmals werden in Deutschland islamistische Kampflieder („Nashid“) als jugendgefährdend eingestuft und auf den Index gesetzt. Die Dschihad-Songs radikalisieren junge Muslime, warnt der Verfassungsschutz. 

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Am frühen Vormittag des 2.März 2011 verließ Arid U. die Wohnung seiner Eltern im Frankfurter Stadtteil Sossenheim. Als sich der 21jährige Deutsch-Kosovare auf dem Weg zum Frankfurter Flughafen macht, hörte er Musik über seinen iPod. Gegen 13:30 Uhr lief ein Lied, gesungen von einem Bonner Islamisten der vor Jahren in ein Terrorcamp in Pakistan ausgewandert war:

„Die Schreie wurden lauter, die Wunden nahmen zu, die unerfüllte Pflicht, sie ließ mir keine Ruh. Noch heute muss ich gehen, morgen wär´es schon zu spät. Mutter bleibe standhaft, dein Sohn ist im Dschihad!“

Um 14:55 Uhr stieg Arid U. in einen US-Militärbus am Flughafen Frankfurt und erschoss zwei amerikanische Soldaten. In den Wochen vor seiner Bluttat hatte sich der Attentäter über das Internet blitzschnell radikalisiert. Entscheidenden Beitrag zur Wandlung des inzwischen zu lebenslanger Haft verurteilten Arid U. hin zum fanatischen Gotteskrieger sollen islamistische Kampflieder, sogenannte „Anashid“, geleistet haben.

Die „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ (BPjM) setzte nun erstmals drei solcher Dschihad-Songs auf den Index. Auf Anregung des Berliner Verfassungsschutzes vom Oktober 2011 hatte die Behörde ein gutes Dutzend islamistische Kampflieder des ehemaligen Rap-Musikers und bekennenden Islamisten Denis C. (alias „Deso Dogg“) geprüft.

Der aus Berlin-Kreuzberg stammende Denis Mamadou C. (36) produzierte vor einigen Jahren noch unter seinem Künstlernamen „Deso Dogg“ sogenannten „Gangster-Rap“. Inzwischen gehört Denis C. der radikalislamischen Salafiten-Szene an und veröffentlicht über die Videoplattform Youtube regelmäßig Acapella-Songs mit militant-islamistischem Inhalt.

„Diese in Deutschland produzierten und verbreiteten Kampf-Naschids erklären den militanten Dschihad zu einem untrennbaren Bestandteil muslimischer Glaubenspraxis“, heißt es in einer Mitteilung der Bundesprüfstelle, „Sie fordern junge Muslime zur Teilnahme am Dschihad auf und bewerben den „Märtyrertod“ als nachzuahmend.“

Seit Ende 2010 hatte Denis C., der sich mittlerweile „Abu Talha“ nennt, eine Reihe von Anashid über Youtube und islamistische Webseiten veröffentlicht, und teilweise auch öffentlich bei Islam-Seminaren in Moscheen gesungen. In den Songtexten preist C. den Kampf gegen die Ungläubigen und fordert Muslime zur Auswanderung nach Afghanistan und Somalia auf. Den getöteten Al-Qaida Führer Osama Bin Laden nennt der Islamisten-Rapper, gegen den die Staatsanwaltschaft Berlin aktuell wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermittelt, „den schönsten Märtyrer dieser Zeit“.

Drei Anashid des Berliners Denis C. gelten nun offiziell als jugendgefährend – „Mu´mina“ (Gläubige), „Wofür wir stehen“, „Mujahid lauf“. Letzteres Lied wurde von der Bundesprüfstelle sogar in Teil D („schwer jugendgefährdend“ mit möglicher strafrechtlicher Relevanz) der Liste jugendgefährdender Medien aufgenommen, die anderen beiden Lieder werden unter Teil C „jugendgefährend“) geführt.

Im Liedtext von „Mujahid lauf“ heißt es:

„Mujahid lauf, Mujahid kämpf! Guck wie der Kafir (Ungläubiger) stirbt und brennt! (…) Allah hat versprochen, der Sieg wird kommen (…) Shahada (Märtyrertum) ist der Lohn, ja Shahada ist der Lohn! (…) Wir halten die Linie bis der Tod zu uns kommt! Unser Ziel ist die Scharia bis der Tod zu uns kommt!“

Das Lied „Wofür wir stehen“ sieht der Berliner Verfassungsschutz als eindeutige Glorifizierung von Krieg und Märtyrertod. Darin singt Denis C.: „Mein Herz schlägt für Dschihad, bis zum jüngsten Tag! (…) Der Weg ins Paradies – der beste Sieg! Das Schwert, das niemals ruht – aus Liebe geben wir unser Blut!“

Eine Analyse des Landesamtes für Verfassungsschutz (LfV) Berlin warnt vor der Wirkung der islamistischen Rap-Songs. Sie radikalisieren junge Muslime mit ihrem extremistischen Inhalt und der vermeintlichen Autorität ihrer Macher. „Der Dschihad wird zum untrennbaren Bestandteil des Islam erklärt und als gerechte Sache verbrämt“, so die Verfassungsschützer.

„Kampf-Naschids zielen insbesondere auf Jugendliche ab – ganz gleich, ob diese als Muslime geboren oder Konvertiten sind“, analysieren das LfV Berlin. Den Jugendlichen bleibe beim Hören der Lieder unklar, dass sie mit militant-salafistischer Ideologie indoktriniert werden. Die islamistischen Kampflieder präsentierten – oft in einer emotional aufgeladenen Situation – eine harmlose und die vermeintlich einzig richtige Praktizierung des Islam.

„Jugendliche vermögen häufig nicht zu erfassen, dass sie mit Gedankengut indoktriniert werden, das den militanten Dschihad sowie den „Märtyrertod“ zu vermeintlich essenziellen Bestandteilen des Islam erhebt“, so die Verfassungsschützer, „Hierbei spielt Cuspert mit seiner Person und seinen Kampf-Naschids eine besondere Rolle“.

Auch für den Flughafen-Attentäter Arid U. spielte der islamistische Rapper Denis C., der sich noch im vergangenen Jahr „Abou Maleeq“ genannt hatte, eine besondere Rolle. Der junge Deutsch-Kosovare bewunderte den ehemaligen Gangster-Rapper und dessen Wandlung hin zum fundamentalistischen Muslim.

„Und selbst wenn jemand zum Dschihad aufrufen würde. Na und? Das ist nun mal Teil dieser schönen Religion. Man darf nun mal Kuffar (Ungläubige“ bekämpfen“, schrieb Arid U. am 07.Januar 2011 auf seine Facebook-Seite, „Abou Maleeq, ich liebe dich für Allah!“

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