Ist ein Ex-Soldat der Killer von Toulouse?

von Florian Flade

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy reagierte mit Bestürzung auf das heutige Attentat vor einer jüdischen Schule im südfranzösischen Toulouse. Aufgrund der Bluttat und vorangegangenen Morden durch einen skrupellosen, hinterhältigen Todesschützen, werde die Terrorwarnstufe erhöht, erklärte Sarkozy.

Derweil rätselt Frankreich: Wer ist der Killer auf dem schwarzen Motorroller, der gezielt Jagd auf französische Soldaten ausländischer Herkunft und jüdische Schulkinder macht? Die Spur führt möglicherweise ins Neonazi-Milieu – und in die gleiche Militärkaserne, aus der die getöteten Soldaten stammen.

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Am 11.März lockte der Mörder sein erstes Opfer in eine Falle – den Soldaten Imad Ibn Ziaten. Der Franzose nordafrikanischer Abstammung hatte über das Internet sein Motorrad zum Kauf angeboten. Sein Mörder gab sich offenbar als Interessent für das Fahrzeug aus und erschoss Ibn Ziaten im Süden von Toulouse aus nächster Nähe mit einem Kopfschuss.

Der zweite Anschlag erfolgte am Donnerstag, als drei Soldaten, die ebenfalls im 17.Fallschirmjäger-Regiment in der Stadt Montauban dienten, an einem Geldautomaten Geld abheben wollten. Der Todesschütze näherte sich den uniformierten Soldaten Mohamed Legonad, Adel Chennouf und Loïc Liber, parkte seinen Motorroller und stieg ab.

Wie Augenzeugen berichten, richtete der Schütze kaltblütig und zielstrebig seine Pistole auf die Soldaten und begann zu feuern. Legonad und Chennouf, beide ebenfalls nordafrikanischer Herkunft, waren auf der Stelle tot. „Wie bei einem Tier“, so berichtet ein Augenzeuge später, sei einer der Soldaten hingerichtet worden. Er lag Boden, als der Mörder noch mehrfach auf ihn schoss.

Loïc Liber, ein von der Karibik-Insel Guadelope stammender Fallschirmjäger, überlebte das Attentat schwer verletzt.

Bereits die ersten Ermittlungen der französischen Polizei zeigten: alle vier Soldaten im Großraum Toulouse starben durch die Schüsse aus der selben Waffe – einer Großkaliber-Pistole Kaliber 11,43mm, wie sie oft im kriminellen Milieu und beim organisierten Verbrechen verwendet wird.

Heute morgen gegen kurz vor 8 Uhr dann erfolgte das dritte Attentat des Motorrad-Schützen. Diesmal das Ziel: das jüdischen Gymnasium Ozar Hatora in La Roseraie, einem nordöstlich der Innenstadt von Toulouse gelegenem Viertel. Gerade hatten die Eltern ihre Kinder zur Schule gebracht, da raste der Todesschütze heran, eröffnete das Feuer und tötete drei Kinder im Alter von drei, sechs und acht Jahren sowie ein Lehrer. Ein 17jähriger Schüler wurde mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht.

Wer steckt hinter dem Terror im Süden Frankreichs? Ideologisch motiviert sei der Täter, heißt es aus Kreisen der Polizei, ein gezielt planender Schütze mit Waffenerfahrung. Ein Profi der möglicherweise eine militärische Ausbildung genossen hat und nun getrieben ist vom Hass auf Ausländer und Juden.

Eine heiße Spur führt in die Militärkaserne des 17.Fallschirmjäger-Regiments, in dem auch die getöteten Soldaten dienten. Im Jahr 2008 erschütterte ein Skandal die Einheit, deren Soldaten seit Jahren immer wieder in der afghanischen Provinz Kapisa ihren Einsatz tun, schon viele Todesopfer zu beklagen haben im Kampf gegen Taliban und Al-Qaida.

Drei Fallschirmjäger waren im Jahr 2008 unehrenhaft aus dem Dienst entlassen worden. Sie waren durch ihre rechtsextremistische Gesinnung aufgefallen, hatten mit Nazi-Flaggen posiert, den Hitler-Gruß gezeigt und Kameraden mit ausländischen Wurzeln beleidigt.

Nach einer Untersuchung durch die zuständigen Militärs wurde entschieden die drei Neonazis aus dem Militärdienst zu entlassen. Die drei Männer hatten ihre Zimmer in der Kaserne mit Nazi-Propaganda geschmückt, Poster und Plakate aufgehängt. Und auch an ihrem Körper war ihre Gesinnung sichtbar – sie alle trugen teilweise explizite Tätowierungen.

Auch der Todesschütze von Toulouse und Montauban hat nach Angaben von Augenzeugen eine auffällige Tätowierung im Gesicht und kurzrasierte Haare. Noch schweigt die französische Polizei zu den Hinweisen, einer der entlassenen Ex-Soldaten könnte möglicherweise der Killer auf dem schwarzen Motorroller sein.

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