„Jetzt ist Dschihad Pflicht!“

von Florian Flade

Deutsche Salafisten haben ein neues Lieblingsthema: Syrien. Sie sammeln Spendengelder, verfluchen Diktator Assad als „Feind Gottes“. Sicherheitsbehörden sind alarmiert: Syrien könnte neues Reiseziel für Dschihadisten werden.

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Das Blutvergießen in Syrien nimmt kein Ende. Präsident Assad soll in den letzten Wochen mehrere Massaker an der Zivilbevölkerung gebilligt haben. Die Bilder und Augenzeugenberichte über Hinrichtungen von Frauen und Kindern gehen um die Welt und sorgen für Entsetzen. Während die internationale Gemeinschaft den politischen Druck auf das syrische Regime erhöht, sehen deutsche Islamisten nun die Zeit für den „Heiligen Krieg“ gegen den Diktator Assad gekommen. Radikale Prediger rufen per Videobotschaft zum Dschihad.

Deutsche Sicherheitsbehörden sind alarmiert. Sie befürchten, Islamisten aus der Bundesrepublik könnten den Konflikt in Syrien zum Anlass nehmen, sich an den Kämpfen gegen das Assad-Regime zu beteiligen. Bislang seien zwar noch keine Ausreisen radikaler Islamisten nach Syrien registriert worden, heißt es aus Sicherheitskreisen. Dies könnte sich jedoch bald ändern. „Syrien könnte sich zu einem Ziel für ausländische Dschihadisten entwickeln“, so ein Ermittler gegenüber „Welt“, „Für deutsche Islamisten entwickelt sich das Land womöglich zu einem attraktiven Ziel, um sich am bewaffneten Dschihad zu beteiligen.“

Deutsche Islamisten waren in den letzten Jahren in mehreren Ausreisewellen in den Irak, in das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet Waziristan oder nach Somalia gereist, um sich in terroristisches Ausbildungslager zu begeben. Syrien war bis dato kein attraktives Ziel für kampfeswillige Extremisten. Seit das Land in einem blutigen Aufstand der Opposition gegen den Diktator von Damaskus versinkt, hat sich Syrien zu einem Tummelplatz für islamistische Gotteskrieger entwickelt. Mittlerweile häufen sich allerdings die Berichte über ausländische Dschihadisten aus dem Irak, den Golfstaaten, Nordafrika und Pakistan, die sich den Kampfgruppen der syrischen Opposition anschließen.

In Deutschland registrieren die Sicherheitsbehörden inzwischen neben den Forderungen aus der deutschen Salafisten-Szene, die Glaubensbrüder in Syrien mit Spendengeldern und Hilfsgütern zu unterstützen, auch direkte Aufrufe zum Dschihad. Ähnlich wie es in den 1990er Jahren in Bosnien der Fall war, rekrutieren Islamisten Freiwillige für den Dschihad. Der österreichische Islamist Mohammed M. alias „Abu Usama al-Gharib“ rief beispielsweise seine Anhänger in einer Predigt jüngst unverhohlen zum bewaffneten Kampf gegen Assad auf.

„Jetzt ist Dschihad Pflicht!“, sagt M. in der Predigt, die „Welt Online“ vorliegt, „Wer zum Dschihad gehen kann dort in Syrien, der ist verpflichtet dazu! (…) Wenn du kein Geld hast, so hol es dir! Wenn du keinen Weg kennst, dann informier dich! Rücke zu deinen Geschwistern aus und kämpfe für diese Unterdrückten! Lasst uns für sie kämpfen!“ Wer in den Dschihad nach Syrien ziehen wolle, brauche weder die Erlaubnis der Eltern noch ein Rechtsgutachten eines islamischen Gelehrten, so der Islamist M. weiter: „Es ist eine Pflicht für jeden Einzelnen, genauso wie das Gebet!“

M. hatte Deutschland im Mai verlassen, nachdem das hessische Innenministerium angekündigt, hatte den Prediger wegen Aufrufen zum Dschihad abzuschieben. Aktuell lebt M. mit seiner deutschen Ehefrau in Ägypten, von wo aus der Extremist weiter Video- und Audio-Predigten verbreitet, die er gezielt an seine Anhängerschaft in Deutschland und Österreich richtet.

Neben Mohamed M. hat am Wochenende auch der Berliner Ex-Rapper Denis C. (ehemals „Deso Dogg“) nach Informationen von „Welt Online“ ein islamistisches Kampflied („Nashid“ genannt) veröffentlicht, in dem er zum Dschihad in Syrien aufruft. „Wohin wollen wir gehen? Wohin sollen wir gehen? Wir wollen in den Dschihad auf dem Weg Allahs!“, singt C. in dem Musikvideo, das im Internet veröffentlicht wurde. Syriens Machthaber Assad solle vernichtet und so das syrische Volk befreit werden, so C..

Derweil ruft die deutsche Salafisten-Szene mit einer neuer Hilfs-Kampagne zu Spenden für die Syrien-Hilfe auf – ganz ohne Dschihad-Aufrufe. Das Projekt „An-Nusrah“ soll dazu dienen, humanitäre Hilfe für Syrien zu fördern. Bis heute sollen bereits über 21.000 Euro Spendengelder zusammengekommen sein.

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