Islamisten-Rapper Denis C. verschwunden

von Florian Flade

Quelle: Youtube

Für die einen ist er so etwas wie der „deutsche Barde des Dschihad“, ein Rapper im Dienste Al-Qaidas. Für die anderen ist der Ex-Rapper Denis C. aus Berlin ein gefährlicher Islamist. Was auch immer die Definition ist, fest steht: der ehemalige Rap-Musiker, bekannt als „Deso Dogg“, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der bekanntesten Islamisten der Bundesrepublik entwickelt.

Denis C. alias „Abu Talha“ singt über den „Heiligen Krieg“, glorifiziert Taliban und Al-Qaida-Kämpfer und diffamiert die „Ungläubigen“ regelmäßig in Youtube-Videos. Aus Sicht der Sicherheitsbehörden ist der Berliner Islamist ein Radikalisierungsfaktor. Seine Lieder und Predigten sprechen jugendliche Muslime an, fördern in ihnen den Wunsch zum Märtyrertod.

Seit einigen Wochen ist Denis C. verschwunden. Der islamistische Rapper hat sich nach Informationen der „Welt am Sonntag“ offenbar ins Ausland abgesetzt und ist damit einer Festnahme entgangen. C. gilt als Anhänger der inzwischen verbotenen islamistischen Gruppe „Millatu Ibrahim“ und wird von deutschen Sicherheitsbehörden als islamistischer Gefährder eingestuft. In Deutschland wurde nach Informationen der „Welt am Sonntag“ vor einigen Wochen Haftbehl gegen C. erlassen.

Nach Recherchen der „Welt am Sonntag“ liegen den deutschen Sicherheitsbehörden inzwischen Erkenntnisse vor, wonach sich Denis C. vor einigen Tagen nach Ägypten abgesetzt hat. Auf welchem Weg der Berliner Islamist die Bundesrepublik verlassen hat, ist nicht bekannt. Weder die zuständige Staatsanwaltschaft Berlin noch das Landeskriminalamt Berlin wollten sich auf Anfrage der „Welt am Sonntag“ zum Haftbefehl gegen C. und die Ausreise des Islamisten äußern.

Im April hatte Denis C. seinen Wohnsitz in seiner Heimatstadt Berlin abgemeldet. Eine Anmeldung an einem anderen Wohnort in der Bundesrepublik erfolgte seitdem nicht. Denis C. galt daher offiziell als wohnungslos und soll vor seiner Ausreise untergetaucht sein. Bei einer Hausdurchsuchung am 15.Mai in einer von Denis C. genutzten Wohnung in Berlin fanden Polizeibeamte zudem eine Sprengstoff-Weste, die der Ex-Rapper gebaut haben soll. Die Weste enthielt allerdings keinen Sprengstoff.

Am 14.Juni hatte die Berliner Polizei im Zuge einer bundesweiten Razzia gegen radikale Salafisten nach Informationen der „Welt am Sonntag“ auch eine von Wohnung der Lebensgefährtin von Denis C. durchsucht. Dabei trafen die Beamten C. allerdings nicht an. Wie „Welt am Sonntag“ aus Sicherheitskreisen erfuhr wurden in den vergangenen Wochen auch Familienangehörige und Bekannte des Islamisten nach dessen Aufenthaltsort befragt.

Denis C., Sohn einer deutschen Mutter und eines ghanaischen Vaters, war vor Jahren unter dem Künstlernamen „Deso Dogg“ als Rap-Musiker tätig, bevor er zum radikalislamischen Aktivisten wurde. Seitdem produzierte der Berliner eine Reihe islamistischer Kampflieder, sogenannte „Anashid“, in denen er zum „Heiligen Krieg“ aufrief und Al-Qaida-Gründer Osama Bin Laden verherrlichte. Einige der Lieder von Denis C. wurden bereits als jugendgefährdend indiziert.

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