ZDF-Doku – Kein Grund zur Panik

von Florian Flade

Denis Cuspert in ZDF-Doku (Quelle: ZDF)

Die Meldung war mehr als eindeutig: „BKA-Chef sieht Hinweise auf islamistischen Anschlags-Plan“. Das ZDF hatte mit den Interview-Aussagen von BKA-Präsident Jörg Ziercke für seine Dokumentation „ZDFzeit: Deutschland in Gefahr? – Kampf gegen den Terror“ geworben. Ausgestrahlt wurde die 45-minütige Sendung am Dienstagabend um 20:15 Uhr. Medienwirksamer Aufmacher war ein brisantes Video, von dem das ZDF im Vorfeld exklusiv berichtet hatte.

Darin zu sehen: Deutschlands wohl bekanntester Islamist Denis Cuspert alias „Deso Dogg“. Dieser drohe mit Anschlägen in Deutschland. Das Video sei womöglich eine Abschiedsbotschaft eines todeswilligen Märtyrers, hieß es in den Meldungen vor der TV-Ausstrahlung. Entsprechend war die Dokumentation erwartet worden.

Das besagte Video wurde denn auch in Teilen ausgestrahlt. Zu sehen ist Denis Cuspert bei einer Tour durch Köln. Er fährt Rolltreppe, steht vor dem Kölner Dom, betet am Rhein-Ufer. „Ihr werdet nicht mehr in Sicherheit leben. Ihr setzt Millionen und Milliarden ein für den Krieg gegen den Islam“, sagt der Islamist in die Kamera, „Und deshalb ist dieses Land hier, die Bundesrepublik Deutschland, ein Kriegsgebiet.“ Weiter fordert Cuspert seine Anhängerschaft auf, im Ausland in den Dschihad zu ziehen, oder den Krieg in der Bundesrepublik zu führen.

BKA-Präsident Ziercke zeigte sich in dem ZDF-Beitrag alarmiert. „Das sind so erste Hinweise darauf, dass jemand sich tatsächlich entschlossen hat, als Märtyrer möglicherweise zu sterben“, so Ziercke im Interview.

Was aber lässt sich aus dem neuen Cuspert-Video wirklich ablesen?

Der ehemalige Rap-Musiker aus Berlin-Kreuzberg hatte sich in den vergangenen Monaten immer aggressiver und kämpferischer geäußert. In Videoansprachen, insbesondere im Vorfeld der Pro-NRW-Proteste in Solingen und Bonn, rief Cuspert die islamistische Szene zum Kampf auf. Dass Deutschland den Muslimen den Krieg erklärt habe, ist keine neue Aussage. Auch dass Deutschland durch den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr, durch Kooperation mit arabischen Regierungen und durch Waffenlieferungen aus dschihadistischer Sicht ein Kriegsgebiet ist, betonte Cuspert in der Vergangenheit öfter.

Mit Blick auf das neue Video ist ein wichtiger Aspekt nicht zu vernachlässigen: das Video ist offenbar schon mehrere Monate alt. In Sicherheitskreisen geht man davon aus, dass es Anfang Mai entstanden ist, kurz nach den gewalttätigen Protesten von Salafisten und Islamhassern in Solingen und Bonn. Kurz darauf verschwand Cuspert. Dem Islamisten gelang es, sich nach Ägypten abzusetzen. Womit die Brisanz des Videos zusätzlich nachlässt: der angeblich todeswillige Islamist ist nicht mehr hier.

Und genau so schätzen es auch Vertreter der Sicherheitsbehörden ein. Eine unmittelbare Gefahr für Deutschland geht derzeit wohl nicht von der Person Cuspert aus. Immerhin gab es kein Attentatsversuch hierzulande, sondern der Islamist verschwand aus Deutschland. Möglicherweise beteiligt er sich aber in Ägypten oder einem anderen Land an Kampfhandlungen.

In Sicherheitskreisen ist man offensichtlich nicht „amused“ über die Art und Weise wie das ZDF mit dem Cuspert-Video verfahren ist. Das BKA teilte gestern in einer offiziellen Sprachregelung mit, Experten von BKA und Verfassungsschutz hätten das Video erst am Montag, also einen Tag vor der Ausstrahlung, „in Teilen“ einsehen dürfen. Und auch die Herkunft des Videos wird in Sicherheitskreisen kontrovers diskutiert.

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