„Millatu-Ibrahim“ feiert erste Märtyrerinnen

von Florian Flade

„Ich schnalle mich beim Autofahren nicht an“, sagte vor einigen Jahren ein Salafi-Muslim beim Gespräch darüber, wie sich sein Glauben auf den Alltag auswirkt. Warum nicht? „Wenn Allah mir den Tod auserwählt hat, will ich ihn nicht aufschieben“, so der Konvertit.

Aus der Antwort entstehen womöglich tiefgreifende theologische Fragen, zum Beispiel wieso ein Autogurt den Allmächtigen in seinem Plan behindern könnte. Doch darum geht es nicht. Wer gottesfürchtig den Weg der Salafiyya einschlägt, so die eigentliche Kernbotschaft der Aussage, kann sogar beim Autofahren zum Märtyrer werden.

So geschehen nun auch im Fall von zwei deutschen Salafistinnen. „Wir verkünden unserer muslimischen Ummah die Nachricht des Märtyrertum der zwei geduldigen Muhajirah-Schwestern“, heißt es in einem neuen Schreiben der in Deutschland verbotenen islamistischen Organisation „Millatu Ibrahim“.

Darin berichtet der österreichische „Millatu Ibrahim“-Emir Mohammed Mahmoud alias „Abu Usama al-Gharib“ vom Tod zweier Musliminnen bei einem Autounfall. Die Frauen werden als „Umm Dawud Al-Almaniyyah“ und „Umm Dua Al-Almaniyyah“ namentlich genannt.

„Welche durch das Überschlagen eines Autos, in dem sie mit anderen Geschwistern am Mittag des Tages vom gesegneten Eid Al-Adha unterwegs waren, ums Leben gekommen sind“, heißt es in dem „Millatu Ibrahim“-Schreiben weiter.

Beide Frauen seien wie ihre Ehemänner aus Deutschland ausgewandert, weil sie sich weigerten unter den „kreuzzüglerischen Götzenanbetern“ zu leben. „So ließen sie die Familien und Gelder zurück und haben die Hijrah zum Boden des Dschihad und Märtyrertum vorgezogen.“

Bei der Frau mit Namen „Umm Dawud“ soll es sich laut „Millatu-Ibrahim“ um die Ehefrau des Solinger Konvertiten „Abu Dawud“ handeln. Dieser hatte sich seit Gründung der Moscheegemeinde als einer der führenden Köpfe der Organisation „Millatu-Ibrahim“ betätigt und regelmäßig gepredigt.

„Abu Dawud“ wanderte nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden wie zahlreiche andere Salafisten als Reaktion auf das Verbot von „Millatu-Ibrahim“ im Juni nach Ägypten aus. Der Österreicher Mahmoud war einer Abschiebung zuvorgekommen und hatte Deutschland im Mai verlassen.

Seither formiert sich in Ägypten offenbar eine deutsche Salafisten-Kolonie. In Sicherheitskreisen heißt es, die verbotene „Millatu-Ibrahim“ werde von Mahmoud offenbar im Exil wiederbelebt. Das nun aufgetauchte Schreiben zum Tod der Salafisten-Ehefrauen verstärkt diesen Eindruck. Darin heißt es: „Allah bestimmte, dass diese zwei Schwestern die ersten Märtyrer der Gruppe von Millatu-Ibrahim wurden“.

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