Dschihad mit Drohnen?

von Florian Flade

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 Islamist Rezwan Firdaws im abgehörten Gespräch mit FBI-Undercover Agenten

Zwei Wochen ist es her, da sorgte ein Bombenfund am Bonner Hauptbahnhof bundesweit für Schlagzeilen. Radikale Islamisten, so die Vermutung in Ermittlerkreisen, wollten mit einem Sprengsatz Marke Eigenbau ein Blutbad anrichten. Die Bombe ging zum Glück nicht hoch. Deutschland entging erneut einem islamistischen Terroranschlag.

Jetzt berichtet das Nachrichtenmagazin FOCUS von einem internen BKA-Papier in dem vor weiteren Anschlagsplanungen radikaler Islamisten gewarnt wird. In dem Dokument mit dem Hinweis „VS-Nur für den Dienstgebrauch“ geht es um die „terroristische Nutzung von Modellflugzeugen und Drohnen“ durch Personen aus der islamistische Szene.

Wie der FOCUS schreibt, würde der Einsatz von sprengstoffbestückten, ferngesteuerten Flugzeugen bereits innerhalb der Szene, insbesondere in Internetforen, diskutiert. Potenzielle Ziele könnten Flughäfen, aber auch bewohnte Gebiete, Menschenansammlungen und Gebäude sein.

In den USA verhaftete das FBI im September 2011 den 27-jährigen Physik-Studenten Rezwan Firdaws aus Massachusetts. Der US-Bürger mit bangladeschischen Wurzeln hatte geplant Modellflugzeuge vom Typ F-86 „Sabre“ und F-4 „Phantom“ mit C-4-Sprengstoff zu bestücken. Per Fernsteuerung wollte Firdaws die fliegenden Bomben dann ins Kapitol und das Pentagon in Washington D.C. steuern.

Deutsche Sicherheitsbehörden befürchten laut FOCUS, Islamisten in Deutschland ähnliches planen könnten.

Alles nur Panikmache? Jein.

Nein, weil ferngesteuerte Drohnen aus der Spielzeugabteilung und im professionellen Modellflugwesen immer günstiger und qualitativ besser werden. Wer das nötige Geld investiert, kann tatsächlich mit seinem Smartphone kleine Flugobjekte über Nachbars Garten steuern und alles per Kamera live verfolgen. Was vor Jahren nur dem Militär vorbehalten war, ist mittlerweile frei verfügbar.

Die Warnung vor den Terror-Drohne ist deshalb auch keine reine Panikmache, weil dem Bundeskriminalamt (BKA) tatsächlich Hinweise vorliegen, dass deutsche Dschihad-Extremisten über den Einsatz solcher Drohnenbomben als Waffe nachdenken. Zum Beispiel im Fall eines Maschinenbau-Studenten in Baden-Württemberg und eines Konvertiten in Bayern. Der eine soll sich intensiv über die Steuerung von Modellflugzeugen und Drohnen informiert haben. Der andere rief im Internet seine Glaubensbrüder auf, die Drohnen-Technologie für den Dschihad zu nutzen.

Dennoch ist die Warnung mit einer gesunden Nüchernheit zu betrachten. Wünsche gibt es viele in den Weiten der dschihadistischen Internetforen und in den Köpfen junger Fanatiker. Da wird fantasiert über Einsatz chemischer Waffen und tödlicher Viren, über das Vergiften von Trinkwasser bis hin zu Angriffen auf Atomkraftwerken.

Jede Naturkatastrophe, jeder Unfall größeren Ausmaßes wird in der islamistischen Szene zum Anlass genommen darüber zu philosophieren, wie eine vergeblichbare Aktion absichtlich herbeigeführt werden könnte. Seien es Waldbrände oder Erdbeben.

Es ist demnach nicht überraschend oder verwunderlich, dass Dschihadisten die Technologie der ferngesteuerten Kampfdrohnen für sich nutzen wollen. Der Wunsch ist Vater des Gedanken. Und dennoch ist fraglich ob eine solche Waffe in der Hand radikaler Islamisten überhaupt zum Einsatz kommen könnte. Eine fliegende Bombe zu konstruieren dürfte weitaus größeres Geschick und Können voraussetzen als eine Rohrbombe mit Wecker-Zeitzünder zu bauen.

Der Bonner Vorfall zeigt, dass selbst Bomben, die mit Hilfe von Al-Qaida-Bauanleitungen konstruiert wurden, häufig nicht funktionsfähig sind. Die Arbeit der Terrorzellen erweist sich nur allzu oft als stümperhaft. Selbst bei einfachsten Sprengsätzen.

Die Kölner Kofferbombe scheiterten an der eigenen Unfähigkeit. Im Fall der Bonner Bahnhofsbombe waren die Batterien zu schwach. Die „Sauerland-Gruppe“ besaß nie explosiven Sprengstoff, weil Ermittler im Zuge der Überwachungsarbeit die Chemikalien austauschen konnten. In Frankfurt sprengte sich ein junger Deutsch-Afghane Anfang 2011 beinahe selbst in die Luft als er in der Küche Sprengstoff kochen wollte. Die Düsseldorfer Al-Qaida-Zelle wurde entdeckt, noch bevor ausreichende Mengen Chemikalien für eine Bombe hergestellt werden konnten.

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