Angriff in Bonn: Islam oder Zunge ab

von Florian Flade

maps.google.com 2012-12-27 22

Bonn-Endenich. Der Stadtteil im Zentrum der ehemaligen Bundeshauptstadt gilt als nicht als Islamisten-Hochburg. Keine Gegend in der man eine Attacke islamistische Extremisten erwarten würde. Anders als beispielsweise in Bad-Godesberg, Kessenich oder in Tannenbusch.

Und doch wurde hier offenbar ein 24-jähriger Gaststudent Opfer eines Angriffs radikaler Salafisten. Der Inder war an Heiligabend gegen 22:10 Uhr auf dem Weg in eine Bar im Stadtteil Poppelsdorf, als er auf der Sebastianstraße von zwei Männern angesprochen wurde.

Wie der Mann der Polizei später erzählte, fragten ihn die Unbekannten nach seiner Religion. Er solle zum Islam konvertieren forderten sie anschliessend. Falls er dies nicht täte, müsse man ihm als Ungläubigen die Zunge abschneiden, drohten sie.

Der indische Student lehnte ab und ging weiter. Plötzlich, so berichtet er, schlugen ihn die beiden Unbekannten nieder. Einer der Männer habe ihn am Kopf gepackt, ein Messer gezückt und ihm in die Zunge geschnitten.

Anschliessend flohen die Angreifer mit einem Auto. Eine aufmerksame Passantin rief einen Rettungswagen als sie den am Boden liegenden, blutenden Studenten bemerkte.

Im Krankenhaus wurde der verletzte Inder stationär behandelt und konnte dann wieder entlassen werden.

Die Bonner Polizei hält die Schilderung des 24-jährigen zum Tathergang für glaubwürdig. Es sei von einem islamistisch motivierten Angriff auszugehen, heisst es. Daher hat der Bonner Staatsschutz und die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen übernommen.

Haben tatsächlich zwei Bonner Salafisten an Weihnachten versucht einen „Ungläubigen“ zwangskonvertieren? Islam oder Zunge ab?

Noch steht nicht fest aus welchem Milieu die Täter tatsächlich stammen. Die Polizei sucht derzeit nach Zeugen. Einer der Täter soll circa 35 Jahre alt und 1,80m gross sein, soll lange, lockige Haare und einen langen Kinnbart haben. Zur Tatzeit trug der Mann dunkle Kleidung. Den zweiten Täter hat der indische Student nicht beschreiben können.

Dem Angriffsopfer zeigten die Polizeiermittler inzwischen Videoaufnahmen salafistischer Demonstranten, aufgenommen im Frühjahr. Sie hofften der Student könne darauf womöglich den oder die Täter identifizieren.

Wieder einmal gerät die Ex-Hauptstadt in die Schlagzeilen: Bonn und die Islamisten. Seit Jahren ist bekannt, dass sich junge Männer aus der Islamisten-Szene der Stadt nach Pakistan, Afghanistan und Somalia zogen um dort im Dschihad zu kämpfen.

Dutzendfach finden sich dschihadistische Propagandavideos im Netz, in denen die Bonner Brüder Yassin und Mounir Chouka, die Ex-Beamtin und Konvertitin Luisa S., oder das Al-Qaida-Mitglied Bekkay Harrach aus Bonn-Tannenbusch ihre Glaubensbrüder in der Heimat zu Terror und Auswanderung aufrufen.

Dann sind da die Bilder aus dem Mai dieses Jahres. Hunderte Salafisten attackierten Polizisten bei einer Demonstration rechter Islamhasser. Der radikale Deutsch-Türke Murat K. aus Hessen ging mit einem Messer auf Polizisten los, verletzte eine Beamtin und ihren Kollegen schwer. Dschihad auf deutschen Strassen, gegen Vertreter des Staates.

Zuletzt sorgte der Fund einer funktionsfähigen Bombe am Bonner Hauptbahnhof für Aufsehen. Die Rohrbombe war in einer blauen Reisetasche entdeckt worden und explodierte nur dank zu schwacher Batterien nicht. In Ermittlerkreisen werden Salafisten für den versuchten Anschlag verantwortlich gemacht. Die Fahndung nach den Bombenlegern läuft.

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