„MyJihad“ – US-Muslime kämpfen gegen Extremisten

von Florian Flade

In den USA kämpfen Muslime mit einer ungewöhnlichen Kampagne gegen Extremismus im Namen der Religion. „MyJihad“ ist ein Projekt, das für mehr Toleranz unter Religionsgruppen wirbt.

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Quelle: myjihad.org

Wer dieser Tage in Chicago unterwegs ist, der wird auf einigen Bussen eine ungewöhnliche Werbekampagne entdecken. Junge Männer und Frauen, manche dunkelhäutig, einige mit Kopftuch, lächeln freundlich von Plakaten. Daneben Sätze wie: „Mein Dschihad ist es, Freundschaften über Differenzen hinaus zu bilden – Was ist deiner?“.

„MyJihad“ heißt die Werbekampagne, die US-amerikanische Muslime des „Council on American-Islamic Relations“ am 11.Dezember in Chicago starteten. Es ist ein bislang beispielloses Projekt im Kampf gegen Extremisten und Fanatiker in der Religion. Gerichtet gegen all jene, die den Islam missbrauchen und theologische Texte zum Zwecke der Gewalt und des Terrorismus interpretieren.

„Taking Back Islam“, den Islam zurück zu gewinnen, so das Hauptanliegen der Initiatoren. Gleichzeitig wollen sie für mehr Toleranz zwischen den Religionsgemeinschaften werben. Die Kampagne richtet sich dabei sowohl an Muslime als auch an Nicht-Muslime. Sie alle sollen mit dem Begriff „Dschihad“ eben nicht jenen gewaltsamen Krieg gegen die „Ungläubigen“ verbinden, wie ihn Al-Qaida, Hamas & Co. verwenden. Dschihad bedeute schließlich in allererster Linie nichts anderes als „Anstrengung“, „Einsatz“ und den „Kampf mit sich selbst“, erklären die Initiatoren auf ihrer Webseite.

Und tatsächlich soll der islamische Prophet Mohammed einst erklärt haben, es gebe drei Kategorien von Dschihad. Den gegen sich selbst, den Kampf gegen den Teufel und den Kampf gegen den sichtbaren Feind. Wobei letzter als „kleiner Dschihad“ bezeichnet wird. Oder wie es der Prophet nach einer Schlacht gesagt haben soll: „Wir kehren vom kleineren Dschihad zum größeren Dschihad zurück – dem Kampf gegen uns selbst.“

Das Projekt „MyJihad“ erhält im Internet, bei Facebook, Youtube und Twitter, beachtlichen Zuspruch. Über 5.000 Fans zählt die „MyJihad“-Facebookseite mittlerweile. Auf Twitter nutzen User den Hashtag „#MyJihad“ um kundzutun, was sie als ihre heilige Pflicht empfinden. Sie kreieren ihre eigenen Slogans.

„Mein Dschihad ist es, für dich zu beten, selbst wenn du gegen mich betest“, schreibt beispielsweise Twitter-Nutzerin. „Mein Dschihad ist es, Menschen nicht nach ihrem Äußeren zu bewerten“, lautet eine andere Twitter-Nachricht. Wieder andere twittern aus dem Ausland: „Mein Dschihad ist es, Demokratie nach Ägypten zu bringen.“

Die Kampagne, die bislang nur im Internet und auf Bussen in Chicago für Aufmerksamkeit sorgt, trifft bereits jetzt auf Gegenwind. Islamkritische Aktivisten der „American Freedom Defense Initiative (AFDI)“ haben angekündigt eine Gegen-Kampagne zu starten. Sie sollen planen, Werbeflächen auf Bussen zu mieten und diese mit Zitaten von islamischen Extremisten wie Osama Bin Laden versehen.

 

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