Die kanadischen Dschihadisten von In Amenas

von Florian Flade

Amenas_maps.google.de 2013-4-3 14-40-24

Quelle: Google Maps

Vier lange Tage dauerte das Drama von In Amenas. Am Ende waren mehr 39 Geiseln und mindestens 28 Geiselnehmer tot. Ein islamistisches Terrorkommando hatte Mitte Januar ein Gasfeld in der algerischen Wüste überfallen und Geisel genommen, darunter auch Dutzende Ausländer.

Die Geiselnehmer waren islamistische Kämpfer der Al-Qaida, rekrutiert aus Nordafrika. Geschickt hatte sie der nordafrikanische Al-Qaida Emir Mokhtar Belmokthar. Sein Kommandeur für die Attacke in In Amenas war ein Algerier namens Mohamed Lamine Bencheneb, Anführer der Gruppe „Söhne der Sahara für islamische Gerechtigkeit“.

Nach der viertägigen Geiselnahme berichteten Überlebende von einem mysteriösen Mann unter den Geiselnehmern. Der Islamist habe einen rotblonden Bart gehabt und blaue Augen, sprach offenbar akzentfreies Englisch und übersetzte für Kommandeur Bencheneb die Gespräche mit einigen der westlichen Geiseln.

Bencheneb war es auch, der nach Angaben einer Geisel, einen Hinweis auf die Herkunft des blonden Dschihadisten gab. Gegenüber den einheimischen algerischen Arbeitern, die ebenfalls als Geiseln gehalten wurden, soll er gesagt haben: „Seht euch diesen Mann an und wie der Islam Kanada erreicht hat. Und ihr in Algerien unterstützt uns nicht!“

Al-Qaida-Terroristen aus Kanada in der algerischen Wüste? Schnell verbreitete sich die Nachricht, am Überfall auf In Amenas seien zwei Kanadier beteiligt gewesen. Belege dafür gab es keine.

Jetzt ist das Rätsel um die mysteriösen Wüsten-Terroristen aus Kanada gelöst. Der kanadische Geheimdienst konnte den blonden Mann als Xristos Katsiroubas identifizieren. Der 22-jährige Konvertit stammt aus der Stadt London in der Provinz Ontario.

Und er war nicht der einzige Kanadier im Terrorkommando. Katsiroubas Schulfreund, der 24-jährige Ali Medlej, war ebenfalls am Überfall des Gasfeldes beteiligt. Beide Kanadier starben im Laufe des Geiseldramas. Es wird vermutet, dass sie sich selbst in die Luft gesprengt haben.

Xristos Katsiroubas ist seinen ehemaligen Mitschülern an der High School als ruhiger, eher verschlossener Junge in Erinnerung geblieben. Ein Foto aus einem Jahrbuch zeigt einen unauffälligen jungen Mann mit Brille und kurzen Haaren.

Katsiroubas wurde als Sohn griechisch-orthodoxer Eltern geboren, konvertierte im Laufe der Highschool zum Islam. Fortan verkehrte er immer häufiger in der Moschee. Den Schulabschluss schaffte er im Gegensatz zu seinem Freund und Glaubensbruder Ali Medlej nicht.

Schon im Jahr 2007 fielen die muslimischen Teenager dem kanadischen Nachrichtendienst als mögliche Terrorsympathisanten auf. Sie verkehrten offenbar bereits damals  in radikalislamischen Kreisen.

Im vergangenen Jahr verließen Xristos Katsiroubas und Ali Medlej ihr Heimatland für immer. Sie reisten nach Nordafrika, wo sie sich vermutlich in Libyen radikalen Islamisten anschlossen, aus deren Reihen später die In Amenas-Attentäter rekrutiert wurden.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s