Trendland Syrien

von Florian Flade

pic_080813_13Der deutsche Dschihadist „Abu Ahmad al-Almani“ (Mitte)

Es gibt Entwicklungen im Islamismus, die sind vorhersehbar und kaum zu verhindern. Etwa, dass sich ein Land, dessen staatliche Strukturen sich im Zuge eines Konfliktes zunehmend auflösen, an dem islamistische Akteure einen gewissen Anteil haben, eine geradezu magnetische Anziehungskraft auf kampfeswillige Islamisten aus aller Welt ausüben. So geschehen in den 1980er Jahren beim Einmarsch der Roten Armee in Afghanistan, in den 1990er Jahren beim Konflikt zwischen Christen und Muslimen auf dem Balkan und ab 2003 nach der US-Invasion im Irak. Stets zog es hunderte, manchmal sogar tausende Islamisten in die Kriegsgebiete, um ihren Anteil am Dschihad zu leisten.

Obwohl die Konflikte in Afghanistan, dem Irak oder Nordafrika keinesfalls beendet oder auch nur beruhigt sind, gibt es derzeit wohl kein Land, dass Islamisten aus Europa stärker anzieht als Syrien. „Trendland“ nennt Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen das zerfallende Land mit Blick auf eine wachsende Zahl von dorthin gereisten Islamisten aus Deutschland.

„Syrien ist weiterhin das zentrale Ausreiseziel für Dschihadisten aus Deutschland“, ließ Maaßen in einer gestrigen Pressemitteilung verlauten. Nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes und des Bundesamtes für Verfassungsschutz sind seit Ende 2012 rund 120 Islamisten aus Deutschland in Richtung Syrien ausgereist. Wie viele tatsächlich dort ankamen, ist den Sicherheitsbehörden unbekannt. Ein gutes Dutzend Ausreise habe der Verfassungsschutz zusammen mit der Polizei verhindern können.

Die Zahlen der Ausreisen nach Syrien schwankten jeden Tag, so der Verfassungsschutz, die Tendenz sei jedoch eher steigend, meldet der Verfassungsschutz. Einige der Islamisten seien inzwischen wieder nach Deutschland zurückgekehrt, darunter auch eine einstellige Zahl von Personen, von denen bekannt ist, dass sie sich wohl an Kampfhandlungen beteiligt haben.

„Es ist oft sehr schwierig nachzuvollziehen, was diese Personen in Syrien getan haben“, erklärte mir dazu ein Verfassungsschützer. „Klar ist, sie alle beteiligen sich am Sturz des Assad-Regimes. In welcher Form, ob mit der Waffe oder durch andere Tätigkeiten, ist nicht immer eindeutig.“

Bei den Rückkehrern ließen oftmals nur Schussverletzungen Rückschlüsse darauf zu, ob sich die Person an Kämpfen beteiligt hat. „Da gibt es dann Fälle, wo die Person erzählt, sie habe sich bei einem Jagdausflug in Syrien oder der Türkei verletzt.“

Der Verfassungsschutz bestätigt inzwischen auch, dass vereinzelt auch Todesfälle in den Reihen der deutschen Dschihadisten zu verzeichnen sind. Auf eine genaue Zahl will sich der Inlandsnachrichtendienst allerdings nicht festlegen.

Die dschihadistische Gruppe „Jabhat al-Nusrah“ vermeldete vor wenigen Tagen den Tod eines deutschen Kämpfers in ihren Reihen. „Abu Ahmad al-Almani“ sei während eines Gefechts nahe der Ortschaft Ost-Ghuta getötet worden, so die Rebellengruppe. Der gebürtige Libanese habe seit seiner Kindheit in Deutschland gelebt und verkehrte zunächst im kriminellen Milieu, bevor er Anhänger des fundamentalistischen Islams wurde und über die Türkei nach Syrien reiste.

„Abu Ahmad al-Almani“ fiel mir im vergangenen Jahr aufgrund seines Facebook-Profils auf. Der Islamist posierte mit Schusswaffen und Militärweste auf Fotos und glorifizierte die Dschihadisten unter den syrischen Rebellen. Jetzt scheint der in Beirut geborene „Abu Ahmad“ einer der vielen gefallenen Kämpfer der Jabhat al-Nusrah zu sein.

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