Abu Usama frei – oder doch nicht?

von Florian Flade

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Es sei derzeit sehr einfach, so heißt es aus Sicherheitskreisen, an gefälschte libysche Pässe zu kommen. Die Papiere seien seit dem Sturz Gaddafis mit ein wenig Schmiergeld problemlos zu bekommen. Genau das dachte sich offenbar auch Mohamed Mahmoud, ein mit europäischem Haftbefehl gesuchter österreichische Islamist. Im März wurde er in der türkischen Stadt Hatay von Sicherheitskräften festgenommen. Er soll versucht haben, mit einem gefälschten libyschen Pass von der Türkei aus nach Syrien zu reisen. Vermutlich, um sich dort einer dschihadistischen Rebellengruppe anzuschließen.

Mahmoud alias „Abu Usama al-Gharib“, war im Frühjahr 2012 vom hessischen Städtchen Erbach, wo er mit seiner deutschen (islamisch angetrauten) Ehefrau gelebt hatte, nach Ägypten ausgewandert. Den Anführer der inzwischen verbotenen Islamisten-Gruppierung „Millatu Ibrahim“ hielt es dort allerdings nicht lange. Er reiste in das benachbarte Libyen.

Von dort aus soll Mahmoud per Flugzeug in die Türkei gereist sein. In Sicherheitskreisen wird vermutet, dass sich der Österreicher in Syrien dem Kampf gegen das Assad-Regime anschließen wollte. Die türkischen Behörden aber kamen dem Plan zuvor und nahmen den Extremisten fest. Seitdem sitzt Mohamed Mahmoud in der Türkei in Haft. Oder doch nicht?

Die österreichische Zeitung „Kurier“ hatte diese Woche gemeldet, Mahmoud sei aus der Haft entlassen worden, nachdem die türkische Seite einen Auslieferungsantrag der österreichischen Justiz abgelehnt hatte. „Wo er sich derzeit befindet, ist noch unklar – denkbar ist, dass er sich nach Syrien abgesetzt hat, um gegen das Regime mitzukämpfen“, so der „Kurier“.

Kaum machte die Nachricht von der Freilassung des Wiener Islamisten die Runde, folgte das Dementi aus der radikalislamischen Szene.

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Das österreichische Außenministerium bestätigte inzwischen gegenüber dem „Standard“, dass sich Mahmoud weiterhin in einem Anhaltelager für ausländische Staatsbürger befinde. Korrekt ist jedoch, dass die Türkei den österreichischen Antrag auf Auslieferung abgelehnt hat. Für die Einreise mit einem gefälschten libyschen Passdokument muss sich Mahmoud wohl bald in der Türkei verantworten.

Bis dahin hat der Extremist allerdings noch einige Zeit. Die er offenbar weiter mit Propagandaarbeit verbringt. Trotz Haft hat Mahmoud die Möglichkeit zu telefonieren und auch einen Internetzugang soll er haben.

Er sei bereits in Syrien gewesen, als man ihn in der Türkei festnahm, ließ Mahmoud aus dem Gefängnis verlauten. In Sicherheitskreisen wird diese Behauptung stark angezweifelt. „Er ist von Libyen in die Türkei geflogen. Er wollte nach Syrien. Aber die Türken waren wohl schneller“, sagte mir ein Vertreter der deutschen Sicherheitsbehörden.

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