Deutsche Dschihadisten flüchten aus Somalia

von Florian Flade

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Zwei Wochen ist es her, da tauchte ein islamistisches Propagandavideo auf, in dem Muslime aus dem Westen aufgerufen wurden in den Dschihad zu ziehen. Nicht etwa nach Syrien, dem wohl beliebtesten Zielland für selbsternannte Gotteskrieger derzeit. Sondern nach Somalia.

„Diejenigen, die in den USA leben, speziell in Minnesota, in Großbritannien, Deutschland und vielen Teilen der Welt der Ungläubigen – ihr müsst euch heute entscheiden!“, erklärte auf Englisch ein vermummter Dschihadist der somalischen Terrororganisation Al-Shabaab in dem Video.

Dschihad in Somalia? Der Konflikt zwischen der Zentralregierung und der radikalislamischen Terrorgruppe Al-Shabaab scheint in Vergessenheit geraten zu sein – insbesondere als Ziel für kampfeswillige Islamisten aus dem Westen. Dabei zogen noch vor Jahren Dutzende Somalier aus den Exil-Gemeinden in Großbritannien, den Niederlanden, Skandinavien und den USA in den „Heiligen Krieg“ am Horn von Afrika.

Auch eine kleine Zahl von deutschen Islamisten reiste nach Somalia und schloss sich dort der Al-Shabaab an. Es handelte sich dabei hauptsächlich um gebürtige Somalier aus Nordrhein-Westfalen. Aber auch Konvertiten waren darunter.

Am vergangenen Samstag nahm das Bundeskriminalamt (BKA) am Frankfurter Flughafen drei mutmaßliche Mitglieder der somalischen Al-Shabaab fest, die per Flugzeug aus Kenia kamen. Es handelt sich dabei um die deutschen Staatsbürger, Abdullah W., Abdulsalam W. und den Konvertiten Steven N.. Die Bundesanwaltschaft wirft den drei Männern vor, sich im Jahr 2012 bzw. 2013 in Somalia der Terrororganisation angeschlossen und anschließend eine Waffenausbildung erhalten zu haben.

Den Verhafteten ging es bei ihrer Rückreise in die Heimat allerdings wohl eher nicht darum, den Terror nach Deutschland zu tragen. „Es bestehen keine Hinweise darauf, dass die Beschuldigten konkrete Anschlagsplanungen oder -vorbereitungen getroffen hatten“, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Nach meinen Informationen ging dem Zugriff am Frankfurter Flughafen eine Verhaftung zweier Islamisten aus Deutschland in Ost-Afrika voraus. Kenianische Anti-Terror-Einheiten hatten am 29. August den Deutsch-Somalier Abdul Wahid W. und den Deutsch-Tunesier Mounir T. festgenommen. Beide waren wohl kurz zuvor aus Somalia nach Kenia eingereist und werden verdächtigt, sich ebenfalls der Al-Shabaab angeschlossen zu haben.

Wie aus Sicherheitskreisen zu erfahren ist, sollen sowohl Mounir T. als auch Abdul Wahid W. gegenüber einem BKA-Verbindungsbeamten umfangreich über ihre Zeit in Somalia ausgesagt haben. Die Aussagen klingen eher nach Flucht als nach Terrorabsicht. Die mutmaßlichen Dschihadisten erklärten, sie hätten Al-Shabaab den Rücken gekehrt, weil sie fürchteten als Spione verdächtigt zu werden. Die Terrororganisation hatte in der Vergangenheit häufiger aus Angst vor Spitzeln ausländische Kämpfer inhaftiert, gefoltert oder sogar hingerichtet.

Abdul Wahid W. und Mounir T. sollen zudem auch von drei Mitkämpfern berichtet haben, die ebenfalls nach Deutschland zurückreisen wollten. So erfolgte schließlich runde eine Woche später die Festnahme von Steven N., Abdullah W. und Abdulsalam W. am Flughafen in Frankfurt.

Aus Sicherheitskreisen ist zu vernehmen, dass in den vergangenen Wochen wohl eine ganze Reihe von europäischen und nordamerikanischen Dschihadisten aus Somalia geflohen ist. Augenscheinlich ergreift die Islamisten derzeit die Furcht vor Racheakten der Al-Shabaab. Grund könnte insbesondere der jüngste US-Drohnenangriff vom 1.September sein, bei dem der Anführer der Terrorgruppe, Ahmed Abdi Godane alias Mukhtar Abu Zubayr, ums Leben kam.

Sowohl in Somalia als auch in Pakistan vermuten Dschihadisten hinter jedem Drohnenangriff das Werk von eingeschleusten oder angeworbenen Spitzeln in den eigenen Reihen, die für westliche Geheimdienste angeblich Ziele markieren oder auskundschaften. Dieses Misstrauen gegen Gotteskrieger aus dem Westen, die paradoxerweise in der Propaganda stets aufgerufen werden, sich anzuschließen, kostete bereits einige Al-Shabaab-Kämpfer das Leben. Die fünfköpfige Gruppe aus Deutschland wollte wohl diesem Schicksal entgehen.

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