Zwei Sachsen auf dem Weg in den Dschihad?

von Florian Flade

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Beim Verfassungsschutz führt man seit rund zwei Jahren eine Liste. Darauf stehen die Namen von mehr als 400 Männern und Frauen, die in Richtung Syrien ausgereist sind. Um sich dort am Dschihad zu beteiligen, wie der Verfassungsschutz mutmaßt.

Der jüngste Syrien-Reisende ist gerade einmal 13 Jahre, der älteste 64 Jahre alt. Viele haben muslimische Eltern, jeder achte ist ein Konvertit. Die Mehrzahl besitzt einen deutschen Pass. Manche reisten per Flugzeug, andere mit dem Bus oder in Fahrgemeinschaften.

Sarah O., eine Gymnasiastin aus Kontanz, steht auf der Liste. Tarek S., ein ehemaliger Kindergärtner aus Bielefeld. Auch Majdi J., ein Friseur aus Siegen. Einige, wie David G. aus Kempten oder Samir M. aus Berlin, sind bereits tot. Andere, wie Silvio K. aus Essen oder Fared S. aus Bonn, kämpfen weiter vor Ort und hetzen im Internet gegen Ungläubige.

Am vergangenen Wochenende kamen zwei neue Namen auf die Verfassungsschutzliste: Max P. und Samuel W. aus dem sächsischen Dippoldiswalde.

Die Eltern des 19-jährigen Max P. sollen sich am Abend des 9. September bei der Polizei gemeldet haben. Ihr Sohn werde vermisst. Wenige Tage zuvor war Max aus dem Urlaub zurückgekommen. Anschließend habe er seine Arbeit gekündigt. Mit seinem Moped soll er dann nach Dresden gefahren sein. Und verschwand.

Tags darauf erhielt die Familie offenbar eine E-Mail des Sohnes. Das Landeskriminalamt (LKA) Sachsen wertet sie als Abschiedsbotschaft.

Vor zwei Jahren soll Max P. begonnen haben, sich für den Islam zu interessieren. Mit einem Freund machte er zwei Mal Urlaub in Tunesien. Und war offenbar fasziniert von der arabischen Kultur. Schließlich konvertierte der junge Sachse und verkehrte häufiger in einer salafistischen Moschee in Dresden.

Auf dem Facebook-Profil von Max P. fanden sich zahllose Fotos und Cartoons, in denen die USA, Israel und allgemein der Westen diffamiert werden. Das Titelbild zeigte die Al-Aqsa-Moschee von Jerusalem. Darüber der Satz: „Israel we are coming“.

Etwa zur gleichen Zeit wie Max P. verschwand auch dessen Freund Samuel W., ein 21-jähriger Sportwissenschaftsstudent der Universität Jena. Auch seine Eltern erhielten eine Abschieds-Mail. Samuel soll vor rund einem Jahr zum Islam konvertiert sein. „Islam – Der Schlüssel zum Paradies“, „Die Wahre Religion“, „Pierre Vogel“ – all dies fügte der Sachse bei Facebook zu seinen Favoriten hinzu.

Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass Max P. und Samuel W. gemeinsam reisen und sich derzeit auf dem Weg nach Syrien befinden. „Wir nehmen den Fall sehr ernst“, erklärte eine Sprecherin des sächsischen Landeskriminalamtes. Die Staatsanwaltschaft in Dresden soll bereits ein Ermittlungsverfahren gegen die beiden Islam-Konvertiten führen.

Indes hoffen die Eltern, so heißt es aus Ermittlerkreisen, ihre Söhne noch zur Umkehr bewegen zu können. Samuels Vater rief über Facebook die Freunde seines Sohnes auf, sie sollten ihn überreden, sein Vorhaben aufzugeben.

 

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