„Wir warten auf euch!“

von Florian Flade

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Vor Monaten tauchte bei Facebook ein Nutzerprofil auf, das offenbar einem deutschen Islamisten gehörte, der sich in Syrien aufhielt. Der Mann nannte sich „Hans Sachs“. Sein Profilbild zeigte ein schwarz-vermummtes Gesicht, nur die blau-grünen Augen stachen hervor. Um den Kopf trug er ein Stirnband mit dem Logo der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS).

Der Dschihadist wollte augenscheinlich nicht erkannt werden. Er lud Videos hoch, in denen er Glaubensbrüder aufrief, in den Dschihad zu ziehen. Und dabei verriet sich „Hans Sachs“ durch seine markante Stimme.

Hinter dem Facebook-Profil verbarg sich wohl Michael N., ein 37-jähriger Islam-Konvertit aus dem nordrhein-westfälischen Gladbeck. Der radikale Salafist nennt sich „Abu Dawud“ und ist ein polizeibekannter Gefährder. Jahrelang predigte Michael N. in islamistischen Moschee-Gemeinden in Nordrhein-Westfalen und versuchte in ein Al-Qaida-Ausbildungslager nach Pakistan zu reisen.

Es gibt ein Foto von Michael N., das in vielen deutschen Zeitungen abgedruckt wurde. Es zeigt den Salafisten mit dunkelblondem Bart und kahlrasiertem Schädel, auf dem Boden liegend, an den Händen gefesselt. Ein Polizist mit Schutzhelm und kugelsicherer Weste drückt ihn zu Boden. Aufgenommen wurde das Bild im Mai 2012 in Solingen.

Damals demonstrierten radikale Salafisten gegen einen Auftritt der islamfeindlichen „Pro-NRW“-Bewegung. Als die Rechtspopulisten die umstrittenen Mohammed-Karikaturen aus Dänemark zeigten, eskalierte die Situation. Dutzende Salafisten prügelten mit Holzlatten und Eisenstangen auf die Polizeibeamten ein. Unter ihnen auch Michael N..

Der zuletzt in Gladbeck wohnhafte Konvertit soll nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden eine führende Funktion innerhalb der Salafisten-Gruppe „Millatu Ibrahim“ gehabt haben. Regelmäßig hielt er Predigten in der Moschee-Gemeinde der Organisation in einem Solinger Hinterhof. Bis „Millatu Ibrahim“ im Juni 2012 durch das Bundesinnenministerium verboten wurde.

Wie zahlreiche deutsche Salafisten nahm Michael N. das Vereinsverbot wohl zum Anlass um Deutschland den Rücken zu kehren. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Natalja I. wanderte der Islamist nach Ägypten aus. Natalja I. alias „Umm Dawud“ kam wenige Monate später bei einem schweren Autounfall ums Leben. Die islamistische Szene in Deutschland feierte sie daraufhin als „Märtyrin von Millatu Ibrahim“.

Michael N. setzte sich wohl irgendwann im vergangenen Jahr nach Syrien ab. Inzwischen hat er sich dem „Islamischen Staat“ angeschlossen. Der ehemalige Computer-Fachmann gehört nun offiziell zur Propaganda-Maschine der Terroristen.

In der vergangenen Woche tauchte ein Video des IS auf, in dem Dschihadisten aus Großbritannien, Frankreich und Deutschland ihren Regierungen mit Terror drohen. Einer der Protagonisten ist Michael N. alias „Abu Dawud al-Almani“.

„Wir warten auf euch! Seit 1400 Jahren warten wir auf euch!“, sagt der Gladbecker in dem rund zehnminütigen Propagandavideo, an die USA gerichtet. „Das Gleiche gilt für euch, ihr Deutschen! Du schmutzige Merkel! Nachdem du deine Geschenke abgegeben hast an Israel. Versammelt ihr euch alle! Hollande, Cameron, Putin! Versammelt euch gegen die Muslime. Ihr werdet nur verlieren!“
Weiter ruft Michael N. seine „Geschwister in Deutschland, Österreich, in der Schweiz“ auf, sich dem IS anzuschließen: „Sitzt nicht mit den Schmutzigen! (…) Kämpft auf dem Weg Allahs!“

Michael N. ist derweil nicht der einzige „Millatu Ibrahim“-Anhänger, der sich in den syrischen Bürgerkrieg begeben hat. Zahlreiche ehemalige Mitglieder des verbotenen Netzwerkes kämpfen heute wohl in den Reihen des „Islamischen Staates“. Etwa Denis Cuspert aus Berlin, der Konvertit Silvio K. aus Essen oder Ismail S. aus Husum.

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