„Weil sie das Gesetz Allahs nicht akzeptieren“

von Florian Flade

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Asif N.  aus Hamburg – Selbstmordattentäter in Syrien

Die Nachricht kam zuerst über Twitter. „Märtyrer-Operation gegen die abtrünnigen Kurden in Süd-Ost-Shaddadi“ – hieß es in der Mitteilung der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS), die im März verbreitet wurde. „Der Ritter Abu Umar al-Almani hat sein mit Sprengstoff beladenes Gefährt in einer Ansammlung abtrünniger Kurden (…) gesprengt. Dies führte zur Tötung und Verletzung mehrerer.“

Ein Foto, dass der IS wenig später verbreitete, zeigt einen jungen Mann mit strengem Blick, kariertem Tuch um den Kopf und Sturmgewehr in der Hand. Das Bundeskriminalamt (BKA) identifizierte den deutschen Selbstmordattentäter „Abu Umar al-Almani“ kurze Zeit später: Es handelte sich um Asif N., 20 Jahre alt, Islam-Konvertit aus einer deutsch-polnischen Familie in Hamburg.

In der vergangenen Woche veröffentlichte die Propagandaabteilung des IS nun auch ein Video zum Tod des deutschen Selbstmordattentäters. „Du gehst auf den Feind zu, in einem Auto, oder ohne Auto. Hast nur ihn vor dir, hinter dir ist niemand. Und tötest so viele wie möglich“, beschreibt Asif N. in dem Clip seinen bevorstehende Anschlag. Und liefert zugleich eine menschenverachtende Begründung für seine Tat: „Nicht weil sie Kurden sind. Nein, weil sie das Gesetz Allahs nicht akzeptieren. Wir gaben ihnen die Chance.“

Der IS lässt in dem Video keine Gelegenheit aus, syrische Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa zu diffamieren. Im Gegensatz zu ihnen habe sich „Abu Umar“ aus Deutschland aufgemacht, das „Land der Ungläubigen“ verlassen, um den Dschihad zu führen.

Asif N. war im September 2014 nach Syrien ausgereist – als einer von bislang 38 Islamisten aus Hamburg. Zuvor sollen Angehörige des jungen Mannes dessen Radikalisierung dem Hamburger Staatsschutz gemeldet haben. Eine Ausreise allerdings konnte nicht verhindert werden. Die Staatsanwaltschaft Hamburg aber leitete umgehend ein Ermittlungsverfahren gegen Asif N. ein, das dann sogar an die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe abgegeben wurde. Der Verdacht: Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Vorbereitung einer schweren, staatsgefährdenden Gewalttat.

In abgehörten Telefonaten nach Deutschland soll der Dschihadist im vergangenen Jahr nicht nur vom Leben in „Dawla“, dem „Islamischen Staat“, geschwärmt haben. Er sprach auch davon, sich „für Allah“ opfern zu wollen. Nach Erkenntnissen deutscher Behörden erlitt der Hamburger Dschihadist im Gefecht mehrere Schussverletzungen an Rücken und Beinen. Anschließend soll er sich für ein Selbstmordattentat gemeldet haben.

Das BKA warnte daher im Dezember 2015 mit Plakaten in Bundeswehr-Lagern im Nordirak vor einem möglichen Anschlag durch Asif N.. „Die abgebildete Person ist verdächtig, terroristische Anschläge zu planen“, stand darauf. Nur drei Monate später, am 16. März, verübte Asif N. offenbar tatsächlich ein Selbstmordattentat. Jedoch nicht gegen Bundeswehr-Soldaten, sondern gegen die Milizionäre der kurdischen YPG-Einheiten.

Vom Anschlag selbst veröffentlichte der IS allerdings kein Video sondern lediglich eine Animation. Das kann unterschiedliche Gründe haben. Eventuell filmten die Terroristen das Attentat des Hamburger Dschihadisten nicht. Oder aber das Material eignet sich schlichtweg nicht für Propagandazwecke: Die kurdischen YPG-Kämpfer filmten Anfang März einen misslungenen IS-Anschlag nahe der Ortschaft Shaddadi. Mit einem Panzer zerstörten sie offenbar die Autobombe des Attentäters, bevor dieser die YPG-Stellungen erreichen konnte.

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