Das neue BND-Dienstflugzeug

Der Bundesnachrichtendienst (BND) verfügt als einzige deutsche Behörde über ein eigenes Dienstflugzeug. Vor wenigen Monaten wurde nun eine neue Maschine angeschafft, ein hochmoderner Businessjet aus Frankreich. Was der Flieger gekostet hat, soll ein Geheimnis bleiben.

Von Florian Flade


Ein Flugzeug vom Typ Falcon 8X des Herstellers Dassault Aviation, Copyright: Matti Blume, Wikicommons 

Bruno Kahl ist wieder viel unterwegs. Die Corona-Pandemie hatte zahlreiche geplante Reisen des Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) zunichte gemacht. Viele dienstliche Trips rund um den Globus mussten verschoben oder gleich abgesagt werden. Seit einigen Monaten nun holen der BND-Chef und seine Stellvertreter die Auslandsbesuche nach. Zuletzt ging es in die USA, nach Kanada und Spanien, kurz vor Kriegsbeginn auch in die Ukraine.

Der BND-Präsident muss dabei nicht per Linienflugzeug reisen. Oder mit einer Maschine der Flugbereitschaft der Bundeswehr, wie es Minister oder der Bundespräsident häufig tun. Kahl verfügt als einziger deutscher Behördenchef über ein eigenes Dienstflugzeug. Und weil der bisherige Dienstflieger des BND schon ziemlich in die Jahre gekommen war, hat die Behörde vor einiger Zeit ein neues Flugzeug beschafft.

Seit Ende vergangenen Jahres nutzt der BND einen neuen Dienstflieger, eine Maschine des französischen Herstellers Dassault, Modell Falcon 8X mit der Kennung D-AAND.

Der etwa 33 Tonnen schwere Flieger ist rund 25 Meter lang, die Spannweite der Tragflächen beträgt knapp 26 Meter. Sechs Passagiere und drei Crew-Mitglieder können transportiert werden. Fast 12.000 Kilometer kann die Maschine ohne Zwischenstopp zurücklegen, etwa die Strecke von Dubai nach New York City, oder von Singapur nach London. Die maximale Reisegeschwindigkeit liegt bei 0,8 Mach, was circa 860 Stundenkilometern entspricht, die Flughöhe kann bis zu 51.000 Fuß betragen.

Das bedeutet, der Chef der deutschen Auslandsspionage ist nun so schnell unterwegs, wie nie zuvor (im April 2019 wurde mit diesem Flugzeugtyp ein Rekord aufgestellt – in vier Stunden und 28 Minuten von der West- an die Ostküste der USA). Und kann größere Distanzen zurücklegen, ohne auf die Flugpläne von zivilen Fluggesellschaften oder die Verfügbarkeit der Flugbereitschaft angewiesen zu sein.

Zu seinem neuen Flieger (Fotos gibt es hier) möchte sich der BND offiziell nicht äußern. So bleibt vorerst unklar, wie genau die Ausstattung der Maschine aussieht und wie viel die Anschaffung letztendlich gekostet hat. Ein solches Flugzeug ist allerdings kein Schnäppchen: Nach Angaben aus der Luftfahrtbranche kostet eine neue Falcon 8X in der Basiskonfiguration rund 50 Millionen Euro, gebrauchte Exemplare soll es für knapp 35 Millionen Euro geben.

Keine günstige Anschaffung also, auch wenn der BND über einen Jahresetat von mehr als einer Milliarde Euro verfügt. Allerdings soll das zuvor genutzte Flugzeug reichlich veraltet gewesen sein. Seit Jahrzehnten schon nutzt der BND die Jets des französischen Flugzeugbauers Dassault, zuletzt eine dreistrahlige Falcon 900EX mit der Kennung D-AZEM, die Ende der 1990er Jahren beschafft worden war. Diese Maschine hatte mit Zusatztreibstofftanks eine maximale Reichweite von 8400 Kilometern. Sie soll inzwischen vom Bund verkauft worden sein.

Durch eine Anfrage meinerseits gab der BND vor zwei Jahren eine Auflistung der zurückgelegten Kilometer, des Treibstoffverbrauch des damaligen Dienstfliegers sowie der Betriebskosten für die Jahre 2015 bis 2019 heraus. Dadurch wurde ersichtlich, dass das Flugzeug in manchen Jahren mehr als 400.000 Kilometer zurückgelegt hatte – ungefähr zehn Mal um die Erde.

Die Existenz des BND-Dienstflugzeuges ist seit Jahren ein offenes Geheimnis. Dennoch versucht der Dienst nach außen jede Zugehörigkeit der Maschine zu vermeiden. Das Flugzeug, dessen Reisebewegungen aufgrund der Kennung über reguläre Flugtracker nachverfolgt werden können, trägt beispielsweise kein BND-Logo oder eine Beschriftung, die es als Regierungsflieger ausweist. Und auch die Besitzverhältnisse sind zumindest oberflächlich verschleiert.

So wird das Flugzeug offiziell von einer Firma namens „Zeman Flugtechnik und Logistik München GmbH“ betrieben, deren Firmenadresse der Flughafen München ist. Bei dem Unternehmen, das zwei Geschäftsführer haben soll und erstmals im Juni 2003 beim Münchner Amtsgericht eingetragen wurde, handelt es sich um eine Tarnfirma des BND.

Bei der US-Luftfahrtbehörde wurde der neue BND-Flieger im November 2021 offiziell angemeldet. Als Betreiber wird dort eine Firma mit ähnlich klingendem Namen genannt: „Zeman Nextgen“.

Seine bislang wohl riskanteste Reise hat die Maschine auch schon hinter sich. Am 23. Februar dieses Jahres ging es nach Kiew. Einige Wochen zuvor hatte der Chef der ukrainischen Auslandsspionage den BND-Präsidenten Kahl darum gebeten, einen schon länger geplanten Besuch nicht abzusagen – trotz des drohenden russischen Angriffs.

Kahl flog daraufhin in die ukrainische Hauptstadt. Sein neues Dienstflugzeug hob dann umgehend wieder ab und flog ins benachbarte Polen. Man wollte nicht riskieren, dass die Maschine durch russische Raketen oder Bomben womöglich zerstört wird. Gerade noch rechtzeitig, wie es scheint. Denn am frühen Morgen des Folgetages begann der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine.

BND-Chef Bruno Kahl und seine Delegation packten ihre Sachen, die BND-Residentur in der deutschen Botschaft in Kiew wurde aufgelöst, Unterlagen und Daten vernichtet, dann ging es mit einem Autokonvoi in Richtung Westen nach Polen, wo das gerade neu in Betrieb genommene BND-Flugzeug wartete.

Für den deutschen Auslandsgeheimdienst hat es entscheidende Vorteile über eine eigene Dienstmaschine zu verfügen. Zum einen ist der Dienst dadurch flexibler und unabhängiger. Es sind somit auch Reisen abseits der üblichen Linienflüge und Routen möglich, Direktflüge ohne Zwischenstopp etwa nach Kasachstan oder in den Oman. Und Landungen auf kleineren, etwa militärischen Flughäfen, auf denen eine normale Passagiermaschine nicht unbedingt landen kann.

Hinzu kommt die Vertraulichkeit, die in einem eigenen Flugzeug gewährleistet werden kann, in einer üblichen zivilen Passagiermaschine eher nicht. Für den BND-Chef ist es dort kaum möglich, mit geheimen Unterlagen zu arbeiten. Oder Telefonate zu führen.

In dem BND-Flugzeug herrscht erwartungsgemäß größerer Komfort als in einem Linienflugzeug. Die Falcon 8X kann beispielsweise mit Betten ausgestattet werden, sogar eine Dusche kann eingebaut werden. Da es sich allerdings um ein von Steuergeld finanziertes Fluggerät handelt, bleibt weiterer Luxus, den Geschäftskunden oft genießen, der BND-Leitung verwehrt. An Bord des Dienstfliegers gibt es beispielsweise Verpflegung, allerdings muss diese bezahlt werden. So kam es in der Vergangenheit durchaus hin und wieder vor, dass BND-Präsidenten ihr Essen selbst mitbrachten.

Die breite Öffentlichkeit erfuhr vom BND-eigenen Flugzeug vor rund zehn Jahren, durch die sogenannte „Teppich-Affäre“. Im Mai 2012 war der damals frisch ins Amt berufene BND-Präsident Gerhard Schindler mit dem Dienstflieger nach Afghanistan gereist. Auf dem Rückflug hatte Schindler in der Maschine mehrere Teppiche transportiert.

Einen dieser Teppiche hatte der damalige Entwicklungsminister Dirk Niebel einige Wochen zuvor in Kabul gekauft. Der Teppich wurde zunächst in der deutschen Botschaft in der afghanischen Hauptstadt zwischengelagert – und dann schließlich ebenfalls im BND-Flugzeug nach Deutschland gebracht, als kostenloser Transport.

Die Einfuhr des Teppich des Entwicklungsministers, der rund 1.100 Euro gekostet haben soll, wurde allerdings nicht beim deutschen Zoll deklariert. Was einen handfesten Skandal und Empörung im parlamentarischen Raum auslöste. Sowohl BND-Chef Schindler als auch Dirk Niebel mussten sich in teils geheimen Sitzungen erklären.

Niebel sprach von einem Missverständnis, die BND-Leitung sei bei dem Transport davon ausgegangen, dass es sich auch bei seinem Teppich um ein Gastgeschenk gehandelt habe. Der Minister stellte einen Antrag auf Nachverzollung. Später stellte sich heraus, dass dies wohl gar nicht nötig gewesen wäre.

Der damalige BND-Chef Schindler hatte indes nicht nur Niebels Teppich nach Deutschland transportiert, sondern auch mehrere Läufer. BND-Mitarbeiter, die in einer Außenstelle in Afghanistan tätig waren, hatten sie auf lokalen Märkten erworben und dem Chef bei seinem Besuch mitgegeben. Allerdings hatten sich die BND-Leute in weiser Voraussicht Quittungen ausstellen lassen, aus denen hervorging, dass der damalige zollfreie Wert von 430 Euro nicht überschritten wurde.

Das neu beschaffte BND-Flugzeug Falcon 8X gibt es übrigens auch in einer militärischen Version, Archange (Erzengel), genannt, die mit allerlei Technik zur militärischen Aufklärung ausgestattet werden kann. Frankreich hat drei solcher SIGINT-Maschinen gekauft. Über den genauen Preis ist allerdings nichts bekannt.

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