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Spendensammler des Dschihad

von Florian Flade

Erneut gab es Razzien gegen Salafisten-Vereine. Diesmal im Visier der Ermittler: Spendensammler und Missionare.

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A m 14. Juni 2012, einem Donnerstagmorgen, zog die Staatsmacht erstmals in großem Stil gegen radikale Salafisten zu Felde. In sieben Bundesländern durchsuchten damals 1000 Polizeibeamte mehr als 80 Objekte. Sie vollstrecken das Vereinsverbot, das das Innenministerium gegen die radikalislamische Gruppierung „Millatu Ibrahim“ veranlasst hatte.

In Solingen, Hauptsitz von Millatu Ibrahim, wurde ein Moscheeverein geschlossen. Bundesweit bekamen Mitglieder der verbotenen Gruppe Besuch von der Polizei. Die beschlagnahmte zahllose Computer, Festplatten, Mobiltelefone und Dokumente. So auch bei Jörg S. in Hamburg.

In der Wohnung des Konvertiten fanden die Ermittler einen Computer und Speichermedien. Die genaue Analyse der Asservate förderte schließlich einen äusserst interessanten Fund zu Tage: eine Audiodatei mit dem Titel „Millatu Ibrahim Intern.mp3“

Die Aufnahme ist insgesamt knapp 57 Minuten lang. Es spricht der österreichische Extremist und Millatu Ibrahim-Anführer Mohamed Mahmoud alias „Abu Usama al-Gharib“, der sich zum Zeitpunkt der Razzien bereits nicht mehr in Deutschland sondern in Ägypten aufhielt. Mahmoud erklärt in der internen Rede detailliert, wie Millatu Ibrahim und Teilgruppierungen effektiv organisiert werden könnten.

„Wichtig ist auch, dass dieses Projekt nicht mit Millatu Ibrahim oder irgendwas in Verbindung gebracht wird. Das ist ein eigenständiges Projekt“, erklärt Mahmoud, „Das ist das, was an-Nussrah-Projekt betrifft.“

Das An-Nussrah-Projekt, das Mahmoud als unterstützenswert preist, geriet am gestrigen Mittwochmorgen ins Visier der Ermittler. In den frühen Morgenstunden rückten rund 120 Polizeibeamte in Hessen und Nordrhein-Westfalen an. Sie durchsuchten Vereinsräume und die Privatwohnungen von Salafisten in Frankfurt, Solingen, Gladbeck und Düsseldorf.

Vorangegangen war die Entscheidung des Bundesinnenministeriums drei salafistische Gruppierungen zu verbieten – „DawaFFM“ in Frankfurt am Main, „Islamische Audios“ und das Internetprojekt „An-Nussrah“ mit Sitz im nordrhein-westfälischen Gladbeck.

„Der Salafismus, so wie er von den heute verbotenen Vereinen vertreten wird, ist unvereinbar mit unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung“, sagte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) am Mittwoch, „DawaFFM, Islamische Audios und An-Nussrah streben in aggressiv-kämpferischer Weise eine Veränderung unserer Gesellschaft an, bei der die Demokratie durch ein salafistisches System und der Rechtsstaat durch die Scharia ersetzt werden sollen.“

Der Frankfurter Verein „DawaFFM“ war bereits im Zuge der ersten großen Salafisten-Razzien im Juni 2012 von den Ermittlern ins Visier genommen worden. Damals leitete das Bundesinnenministerium ein Vorermittlungsverfahren für ein Vereinsverbot gegen die missionarische Gruppierung an.

Die beschlagnahmten Beweismittel reichen nach Sicht des Innenministeriums offenbar aus, ein Vereinsverbot gegen „DawaFFM“ und die dazugehörige Jugendorganisation „Internationaler Jugendverein – Dar al Schabab e.V.“ zu begründen.

Insgesamt elf Salafisten, allesamt wohnhaft in Frankfurt am Main, repräsentieren nach Ansicht der Ermittler „DawaFFM“. Darunter auch der bekannte Prediger Abdellatif R..

Das Internetprojekt „An-Nussrah“, am 19.März 2012 ins Leben gerufen, gab sich nach außen als harmloser Spendensammel-Verein. Auf den Webseiten an-Nusrah.com und an-Nusrah.de warben die Salafisten für notleidende Muslime in Syrien zu spenden. Gepuscht wurde die Kampagne durch teils aggressive Videoaufrufe bekannter Salafisten-Prediger bei Youtube.

Es gebe Hinweise, so heißt es aus Sicherheitskreisen, dass die gesammelten Spendengelder über „an-Nussrah“ an islamistische Gruppen in Syrien weitertransferiert wurden. Genannt wird dabei auch die Al-Qaida-nahe Terrorgruppe „Jabhat al-Nusrah“.

Die Betreiber des deutschen „An-Nussrah“-Projekts, so die Darstellung der Behörden, waren in einigen Fällen auch Aktivisten der verbotenen Gruppe Millatu Ibrahim. Und auch organisatorisch gebe es Schnittmengen. Damit wäre „an-Nussrah“ als Teil von Millatu Ibrahim ebenfalls verboten.

„Die Organisation „an-Nussrah“ ist der Vereinigung „Millatu Ibrahim“ derart eingegliedert“, heißt es in der Verbotsverfügung, „Dass sie nach dem Gesamtbild der tatsächlichen Verhältnisse als Teilorganisation der Vereinigung „Millatu Ibrahim“ zu werten ist.“

„An-Nussrah“ soll über sieben aktive Mitglieder verfügt haben. Vorsitzender war offenbar Michael N. alias „Abu Dawud“. Der Konvertit war zuletzt in Gladbeck gemeldet, reiste jedoch im Sommer 2012 samt Ehefrau aus Deutschland aus. Er hielt sich zunächst in Ägypten auf, der derzeitiger Aufenthaltsort von N. ist allerdings unbekannt.

Ein wichtiger Unterstützer von „an-Nussrah“ war außerdem der im schleswig-holsteinischen Husum wohnhafte Ismail S.. Auf dessen Namen und Wohnanschrift waren mehrere salafistische Webseiten, darunter Millatu-Ibrahim.com und an-nusrah.com angemeldet. S. stand nach Erkenntnissen der Ermittler in engem Kontakt mit Millatu Ibrahim-Anführer Mohamed Mahmoud.

Im Zuge der Hausdurchsuchungen im Juni 2012 beschlagnahmte die Polizei in der Wohnung von Ismail S. neben Computern und externen Festplatten auch ingesamt rund 10.000 Euro in Bar. Die Ermittler vermuten, dass es sich bei dem Geld um Spendengelder für „an-Nussrah“ handelt.

Ismail S. lebt ebenfalls nicht mehr in Deutschland. Ende Juni 2012 folgte er den Aufrufen von Mohamed Mahmoud auszuwandern. S. setzte sich nach Ägypten ab. Inzwischen wird vermutet, dass der Salafist nach Syrien gereist sein könnte.

Frankfurt Cleric A Jihadi Recruiter?

by Florian Flade

German police arrested five men on suspicision of terror recruiting in Frankfurt. Among the suspects – prominent Internet cleric Abdel Latif.

In the early morning hours of Tuesday, 50 German policemen raided six locations in Frankfurt am Main, arresting five suspected Jihadi recruiters, among them a prominent Moroccan cleric. The suspects, police says, are accused of recruiting young men for terrorist training abroad. Their nationalities range from German, Moroccan, Eritrean, Afghan to Turkish.

Abdel Latif, a 39 year-old Moroccan preacher from the Frankfurt region, is said to have spread „Salafi ideology“ in mosques in Frankfurt-Ginnheim and Frankfurt-Griesheim to call Muslim men for Jihad and send them to Pakistani and Afghan training camps. He is a prominent figure in the „DawaFFM“ missionary network based in Frankfurt. Abdel Latif not only preaches inside the Frankfurt mosques but also organizes and attends „Islam Seminaries“, popular Salafi weekend events where several preachers are giving lectures to groups of young men and women.

According to several sources, the police raids came as a result of the investigation into the case of Haddid N., a Frankfurt resident of Afghan descent, who was arrested by US forces while on a visit to his father in Kabul. He was imprisoned in Bagram US Military prison and held for days before his release end of January.

German police had allegedly questioned Haddid´s sister after he had traveled to Dubai and did not return to Germany but instead took a flight to Afghanistan. Suspicion was high, Haddid N. had gone to Afghanistan to attend Jihadi training camps. German authorities had the 23year-old University student on their watch-list up to Mid-July 2010 and then dropped the case because there was no evidence N. did plan to leave Germany for terrorist means.

Yesterday´s police raid might be the result of Haddid N.´s questioning. He is said to have attended lectures by Abdel Latif and might even have been radicalized in the raided Frankfurt mosques. Frankfurt newspaper FAZ is reporting Haddid N. was on his way to a terror camp when he was arrested. Abdel Latif and other people in the Frankfurt Islamist community are suspected of having sent him.

Four suspects – age 22-29 – have been released by the police although theinvestigation is still going on. Preacher Abdel Latif remains in police custody.

UPDATE: The German Salafi group „DAWAFFM“ (Dawah in Frankfurt am Main) has released a video statement, explaining that Sheikh Abdel Latif was only questioned by the police after his private apartment was raided. He was then released later and lost his job due to the German action on Tuesday morning. No other member of the group is in police custody right now. The accusations against Abdel Latif were an „attack on Islam“, the group claims.