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Was machen eigentlich die Choukas?

von Florian Flade

Die Bonner Brüder Yassin und Mounir Chouka galten jahrelang als die bekanntesten deutschen Dschihadisten. Aus den Bergen Nordwest-Pakistans veröffentlichten sie beinahe im Monatsrythmus neue Propagandavideos. Inzwischen ist es still geworden um das islamistische Bruderpaar.

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Sie sind so etwas wie Bonnie und Clyde des deutschen Dschihadismus. Die Brüder Yassin und Mounir Chouka, Deutsch-Marokkaner aus Bonn Bad Godesberg. Vor mehr als fünf Jahren kehrten die beiden Deutschland den Rücken und wanderten nach Waziristan aus,  in das Grenzgebiet zwischen Afghanistan und dem Nordwesten Pakistans. Das Bruderpaar schloss sich der „Islamischen Bewegung Usbekistans“ (IBU) an, einer multi-ethnischen Dschihadisten-Truppe, die an der Seite diverser Taliban-Fürsten in Waziristan ihr Unweisen treibt und auch in Teilen Afghanistans, insbesondere in den nördlichen Provinzen Kunduz und Baghlan, aktiv ist

Für die IBU waren die Brüder aus Deutschland zumindest propagandistisch ein echter Glücksgriff. Sowohl Mounir („Abu Adam“) als auch Yassin Chouka („Abu Ibrahim“) traten in den vergangenen Jahren in Dutzenden Videos auf, in denen sie in deutscher Sprache für den bewaffneten Dschihad warben und auch zu Terroranschlägen in Deutschland aufriefen. Zeitweise, so haben deutsche Sicherheitsbehörden aus Verhören mit Dschihadisten erfahren, sollen die Choukas sogar die Propagandaabteilung der IBU, das „Jundullah Studio“, geleitet haben.

Es waren auch die Videos der Choukas, da sind sich deutsche Terrorermittler sicher, die im Jahr 2009 für eine regelrechte Ausreisewelle kampfeswilliger Islamisten aus Deutschland an den Hindukusch sorgte. In mehreren Gruppen, teilweise auch alleine, reisten Extremisten in die Terrorcamps in den Bergen Waziristans und wurden dort von den Choukas empfangen. Nicht immer freundlich, wie Rückkehrer berichten. Oftmals habe man den Neuankömmlinge misstraut. Die Choukas, allen voran Mounir, sollen aus Angst vor Spionen und Verrätern regelrechte Verhöre abgehalten haben. Herablassend und herrisch hätten sich die Brüder aus Bonn aufgeführt. In einigen Fällen sei das der Grund für angereiste Islamisten gewesen, die IBU zu verlassen.

Tauchten in den vergangenen Jahren nahezu jeden Monat neue Lebenszeichen der Chouka-Brüder in Form von Propagandabotschaften im Internet auf, so ist es aktuell sehr ruhig um sie geworden. Lediglich sieben Videos veröffentlichten die Bonner Dschihadisten im auslaufenen Jahr. Nur drei davon erschienen allerdings unter dem offiziellen Logo ders IBU-Propagandazweiges „Jundullah Studio“.

Vier Videos, darunter auch die beiden letzten von Ende November, sind mit den Logos anderer Dschihadisten-Gruppierungen versehen. Ein Umstand, der auch Sicherheitsbehörden beschäftigt. Ich habe bereits im Mai in einem Blog-Eintrag auf diese Merkwürdigkeit hingewiesen.

Damals ging es um zwei Videobotschaften, die mit dem Logos von „Badr Tawheed“, der Medienabteilung der „Islamic Jihad Union“ (IJU), und „Islam Awazi“, dem Propagandaflügel der „Islamic Party of Turkestan“, versehen waren.

Die neueste Veröffentlichung von Yassin Chouka alias „Abu Ibrahim“ trägt nun das Symbol der „Al-Khandaq Media Productions“. Die wiederum gilt als Medienabteilung pakistanischer Terrorgruppen.

Was steckt hinter den ständig wechselnden Logos der Chouka-Videos?

Wie bereits erläutert, kommen mehrere Gründe in Betracht. Entweder die Choukas gehen tatsächlich auf Propagandaebene engere Kooperationen mit anderen Terrorgruppen in der Region ein. Oder aber sie müssen sich für ihre Videobotschaften andere Veröffentlichungskanäle und Plattformen suchen, weil sie innerhalb der IBU nicht mehr in der Lage sind, die Medienabteilung zu führen.

Es ist davon auszugehen, dass sowohl Mounir als auch Yassin Chouka noch am Leben sind. Fraglich ist allerdings, ob sie überhaupt noch in den Reihen der IBU aktiv sind. Denkbar ist, dass das Bruderpaar innerhalb der Organisation aus irgendwelchen Gründen in Ungnade gefallen ist und nun auf eigene Faust Dschihad-Propaganda aus Waziristan heraus betreibt.

Die Führungsebene der IBU hat in den vergangenen Jahren empfindliche Rückschläge hinnehmen müssen. Ein US-Drohnenangriff im August 2009 tötete den langjährigen Emir und Gründungsvater der Gruppe, Tahir Yuldashev. Nachfolger wurde ein junger Usbeke namens Usman Adil, den wiederum im April 2012 das gleiche Schicksal ereilte wie Yuldashev. Aktuell soll Usman Ghazi der Anführer der IBU sein, ein rund 40 Jahre alter Islamist, der lange Jahre in den zentralasiatischen Drogenhandel involviert gewesen sein soll.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich die Chouka-Brüder mit der neuen IBU-Führung zerstritten und anschließend die Gruppe verlassen haben. In Waziristan würde es wohl kaum geduldet werden, wenn die deutschen Dschihadisten weiter unter dem Label der IBU ihre Botschaften im Netz veröffentlichen würden. Sie müssten sich demnach Alternativen suchen.

Ein Verzicht der Propaganda-Aktivitäten der Choukas ist trotz all der offenen Fragen nicht zu erkennen. In einem pakistanischen Dschihad-Forum findet sich seit einigen Tagen der Aufruf den „deutschen Brüdern in Waziristan“ Fragen zu stellen, die diese dann beantworten werden. Bis zum 26.Dezember noch können Fragen fragen eingeschickt werden. Man darf gespannt sein.

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Etikettenschwindel bei der IBU?

von Florian Flade

IBU_jundullah„Jundullah“ – das Logo der IBU-Medienabteilung

Ruhig war es geworden in den vergangenen Monaten um die „Islamische Bewegung Usbekistans“ (IBU). Die Dschihadisten-Truppe, die sich im Norden Afghanistans, mehrheitlich aber im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet Waziristan eingenistet hat, hielt sich ansonsten nicht mit Propaganda zurück.

Beinahe monatlich produzierte die Medienabteilung der IBU, das „Jundullah Studio“, neue Propagandavideos in usbekischer, russischer und deutscher Sprache. Insbesondere die Bonner Islamisten-Brüder Yassin und Mounir Chouka haben sich in den vergangenen Jahren zu den wohl prominentesten Protagonisten in den IBU-Videobotschaften entwickelt.

Im April veröffentlichte die IBU in den Weiten des Internets gleich zwei neue Propaganda-Videos. In dem einen feierten die Choukas einen weiteren „Märtyrer“ aus Deutschland, den Marokkaner Ahmad B. aus Setterich in Nordrhein-Westfalen. Er fiel einen Drohnenangriff im Oktober 2012 zum Opfer.

Das zweite Video erzählt die Geschichte eines weiteren Drohnen-Toten, des Aachener Islamisten Samir H.. Er starb im März 2012 als eine US-Drohne Raketen auf einen Geländewagen der Terroristen feuerte.

In den vergangenen Wochen folgten zwei weitere Videos bzw. Audiobotschaften der Chouka-Brüder, die auf den zweiten Blick reichlich ungewöhnlich wirken.

„Rede an Obama“ – zur großen Überraschung stammt diese Audiobotschaft von Mounir Chouka zumindest offiziell nicht aus der Propaganda-Schmiede der IBU sondern von der „Badr at-Tawheed“, der Medienabteilung der „Islamic Jihad Union“ (IJU).

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Der IBU-Terrorist Chouka liefert einen Gastbeitrag für die IJU? Wieso das?

Um die Verwirrung unter Terrorismus-Beobachtern zu verstehen, muss man wissen, dass die beiden Gruppierungen IBU und IJU auf eine nicht gerade harmonische Vergangenheit geschweige denn auf eine friedfertige Koexistenz zurückblicken. Im Gegenteil. Man könnte sagen, IBU und IJU waren sich jahrelang spinnefein.

Die winzige IJU, die seit Jahren keine nennenswerten Lebenszeichen mehr von sich gegeben hat, soll jetzt also eine Audiobotschaft von Mounir Chouka herausgegeben haben?

Na gut. Ausnahmen bestätigen die Regel. Überraschungen, inklusive völlig unerwarteter Kooperationen, gibt es auch in den Bergen Waziristans, könnte man sagen.

Nach der Audioaufnahme von Mounir Chouka erschien vor kurzem die bislang letzte Propaganda-Botschaft aus dem Hause Chouka. Diesmal spricht Yassin alias „Abu Ibrahim“ und richtet seine „Liebesgrüße“ direkt an den Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert und den österreichischen Islamisten Mohamed Mahmoud.

Und wieder: kein Logo von „Jundullah Studio“, kein Hinweis auf die IBU. Im Video zu sehen ist das Logo „Islam Awazi“, der Propagandaabteilung der  „Islamic Party of Turkestan“, einer islamistischen Terrorgruppe aus dem muslimischen (uighurischen) Teil der Volksrepublik China.

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Erst IJU statt IBU, dann IPT statt IBU – warum hetzen und drohen die Choukas nicht mehr unter dem Label der „Islamischen Bewegung Usbekistans“ (IBU)?

Es sind nur Vermutungen, aber denkbar wäre:

  1. Die Choukas sind nicht mehr Teil der IBU. Ihre Botschaften werden daher von anderen Gruppen aus der Region Waziristan verbreitet.
  2. Die IBU will durch die fremden Etiketten suggerieren, die Kooperation mit anderen dschihadistischen Gruppen in der Region sei enger als bislang gedacht.
  3. Jemand, der weder Kontakt zur IBU noch zur IJU oder der „Islamic Party of Turkestan“ hat, bearbeitet die Chouka-Botschaften und verpasst ihnen schlichtweg die Logos anderer Gruppen.

Fest steht: Nach meinen Informationen wurden die jüngsten Chouka-Videos nicht in pakistanischen Stammesgebieten ins Netz hochgeladen, sondern in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Von wem, ist fraglich.

Statthalter der Choukas in Bonn festgenommen

von Florian Flade

Yassin Chouka alias „Abu Ibrahim“

Ob Mohammed Salim A. ahnte was ihm bevorstand? Der 20-jährige Deutsch-Afghane hatte am Montag gerade die Kanzlei seines Anwalts in Bonn verlassen, als Beamte des BKA zugriffen. A. wurde am Bonner Stiftsplatz festgenommen. Das Zugriff musste schnell erfolgen. Hatte A. vielleicht schon etwas von den Ermittlungen gegen ihn mitbekommen?

 Mohammed Salim A. gilt als ein islamistischer Terrorhelfer, Statthalter der „Islamischen Bewegung Usbekistans“ (IBU) in Deutschland.

A., der sowohl die afghanische als auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, wurde in Idar Oberstein geboren und wuchs in Sankt Augustin auf. Nachdem sich die Eltern scheiden ließen, zog er nach Offenbach am Main wo er bis heute gemeldet ist. Der Hauptschüler soll dringend verdächtig sein, die IBU durch eine Geldüberweisung unterstützt zu haben. So soll A. im August 2010 über eine Filiale der „Western Union“ in Offenbach etwa 800 Euro an einen IBU-Kontaktmann in Pakistan übermittelt haben.

Ab Oktober 2011, so heißt es von Seiten der Bundesanwaltschaft, sei Mohammed Salim A. ein Mitglied der IBU gewesen sein. Er fungierte nach Darstellung der Ermittlungsbehörden als Statthalter der Chouka-Brüder in Deutschland. Zu seinen Aufgaben soll unter anderem gehört haben, Informationsmaterial über die aktuelle politische Situation in Deutschland zu sammeln und an „Jundullah Studio“, die Propagandaabteilung der IBU im pakistanischen Waziristan zu übermitteln.

Möglicherweise ist A. damit die Antwort auf die Frage, wie es den in den pakistanischen Stammesgebieten lebenden deutschen Dschihadisten regelmäßig gelingt überraschend schnell und präzise auf politische Ereignisse hierzulande zu reagieren. Nur kurz nach den gewalttätigen Salafisten-Krawallen von Solingen und Bonn im Mai veröffentlichte die IBU eine Tonbandnachricht von Mounir Chouka. Darin ruft der Bonner Islamist die deutsche Anhängerschaft auf Politiker der rechten Splitterpartei „Pro NRW“ sowie Journalisten zu ermorden.

Der nun festgenommene A. soll außerdem dafür zuständig gewesen sein, in Deutschland Kämpfer für den Dschihad zu rekrutieren und Gelder für die Organisation zu beschaffen. Angeblich beabsichtige der Offenbacher zuletzt selbst aus Deutschland auszureisen und sich der IBU in Waziristan anzuschließen.

Der mutmaßliche Terrorhelfer Mohammed Salim A. blickt auf eine längere islamistische Karriere zurück. Bereits im sogenannten „GIMF“-Prozess spielte der Deutsch-Afghane eine Rolle. Damals wurde der 18-jährige beschuldigt, 75 Beiträge islamistischer Terrorgruppen im Namen der „Globalen Islamischen Medienfront“ (GIMF) im Internet veröffentlicht zu haben.

Im damaligen Terrorprozess gegen mehrere Beschuldigte sagte A., er „lehne jede Form von Gewalt ab und bereue, so gehandelt zu haben“. Das Oberlandesgericht München sprach den Islamisten im September 2011 nach Jugendstrafrecht schuldig. Die Entscheidung über die Verhängung einer Jugendstrafe wurde für die Dauer von 2 Jahren zur Bewährung ausgesetzt. A. wurde ein Bewährungshelfer zugeteilt und er wurde angewiesen 80 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten.

Nur einen Monat später ernannten ihn offenbar die Bonner Brüder Mounir und Yassin Chouka aus dem fernen Waziristan zu ihrem Statthalter in Deutschland. Per verschlüsselter E-Mail kommunzierte A. mit dem berüchtigen Brüderpaar im entfernten Pakistan.