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Wenn das eigene Kind nur noch für Allah lebt

von Florian Flade

Eine neue Broschüre informiert über den radikalen Islam als Jugendkultur in Deutschland. Sie soll Eltern und Sozialpädagogen darüber aufklären, was den Salafismus für junge Deutsche so attraktiv macht und was getan werden kann, damit das eigene Kind nicht in eine terroristische Karriere abrutscht.

Die „Gesellschaft Demokratische Kultur“, ein vom Bundesministerium für Familie gefördertes Projekt, hat am Donnerstag in Berlin eine Info-Broschüre vorgestellt, die über eine fundamentalisischen Islam-Variante aufklären soll, die sich in Deutschland zunehmend zu einer Jugendkultur entwickelt – der Salafismus.

Laut Verfassungsschutz hat der Salafismus landesweit inzwischen mehrere tausend Anhänger – Tendenz steigend. Die Zahl der oft jugendlichen Konvertiten wächst steti und so mehren sich auch die Fälle, in denen Familien zerbrechen, wenn der Sohn oder die Tochter zum ultraorthodoxen Islam konvertiert. Gipfel des Radikalisierungsprozesses ist immer häufiger die Ausreise in ein terroristisches Ausbildungslager in Pakistan.

Primäres Ziel der knapp 80-seitigen Broschüre „Ich lebe nur für Allah – Argumente und Anziehungskraft des Salafismus“ soll sein, über den salafitischen Islam in Deutschland, Prediger und Gruppierungen aufzuklären, auch um mögliche Gefahren einer Radikalisierung erkennen zu können und präventiv dagegen arbeiten zu können.

Das Info-Heft entstand in sechsmonatiger Arbeit des Teams um die Islamismus-Expertin Claudia Dantschke, dem palästinensischen Psychologen Ahmad Mansour, dem Islamwissenschaftler Dr.Jochen Müller und der Sozialwissenschaftlicher Yasemin Serbest. Es ist ein Versuch, Antworten zu geben: Warum werden Jugendliche zu Salafiten? Was macht die Ideologie vom Leben wie zu Zeiten des Propheten vor 1400 Jahren so attraktiv? Wann wird aus religiösem Fundamentalismus gefährlicher Dschihadismus?

Familien und Sozialpädagogen soll es durch die bislang einzigartige Handreiche erleichtert werden, frühzeitig zu erkennen, wann ein junger Mensch in den islamischen Extremismus abrutscht. Dabei gehe es nicht um Pauschalisierung, betont Islamwissenschafter Dr. Jochen Müller, Religiösität allgemein dürfe nicht verurteilt werden.

„Anhänger des salafitischen Islam zu werden, heißt nicht zwangsläufig Gewalt zu verherrlichen oder Dschihadist zu werden“, sagt die Islamismus-Expertin Claudia Dantschke, „Eltern sollen verstehen, dass es erstmal kein Problem ist, wenn das Kind zum Islam konvertiert ist. Auch wenn das Kind dann Videos von Pierre Vogel anguckt, muss dies auch noch kein Alarmzeichen sein.“ Problematisch werde es erst, wenn jemand ausschließlich Predigten der radikalen Hardliner anhängt.

Doch um diese Anzeichen für einer Radikalisierung früh zu erkennen, müssen Eltern und Pädagogen wissen, welchen Predigern das Kind anhängt, in welcher Moschee es verkehrt und auf welchen Webseiten es surft. Worin der Unterschied zwischen den moderaten und den dschihadistischen Strömungen der Szene besteht, kann nur erkennen, wer die einzelnen Akteure und Argumente kennt. Hier setzt die Broschüre an. Sie stellt die Spannweite bundesweit agierender salafitischer Prediger dar – von den Hardlinern der Szene im Kreis Köln-Bonn, bis hin zu moderateren Stimmen in Berlin, Wuppertal oder Leipzig.

Warum aber wird ein junger Mensch in Deutschland überhaupt zum islamischen Fundamentalisten? Der Salafismus als Sinn-Angebot für junge Menschen biete oftmals einfache Antworten auf nahezu alle Lebensfragen, erklärt die Info-Broschüre. Für Nicht-Muslime sei der fundamentalistische Islam besonders attraktiv, da er neben der vermeintlich exklusiven göttlichen Wahrheit auch ein simples Gesellschafts-Bild von „Wir und Die“ vermittle, Gemeinschaft schaffe und Identität stifte. Dies greife gerade bei Jugendlichen, die eine Sinn- und Identitätskrise durchlaufen oder aus zerbrochenem Elternhaus stammen. Ihnen bietet der Salafismus eine soziale Gruppe, in der sie Anerkennung erfahren.

„Zudem bedienen salafitische Strömungen ein ganz jugendtypisches Bedürfnis, nämlich das nach Protest und Provokation“, heißt es in der Broschüre, „Zu einer diskriminierten Minderheit zu gehören, kann durchaus sexy sein – wird dabei doch ein weiterer politischer Mobilisierungsfaktor gleich mitgeliefert: der Kampf für Gerechtigkeit.“

Innerhalb dieses Millieus gehöre man automatisch zu einer „weltweiten Opfergemeinschaft“, erklärt Claudia Dantschke. Opfer- und Feindbild werden klar definitiert. Die eigene Gruppe aufzuwerten, andere Gruppen, so auch Gläubige anderer Religionen und andersdenkende Muslime abzuwerten, sei zentraler Aspekt der salafitischen Ideologie.

„Salafitische Gruppierungen verbinden reale Erfahrungen, die Jugendliche mit Diskriminierungen und Islamfeindlichkeit machen, mit diversen internationalen Konflikten wie den Kriegen im Irak und Afghanistan oder dem Nahostkonflikt“, heißt es im Info-Heft. Dass der Islam weltweit bekämpft würde und der Dschihad zur Pflicht werde, wird so zur Grundannahme. Gepaart mit der Angst vor der Hölle und der Verheisung des Paradieses kann daraus eine gefährliche Mischung erwachsen.

Psychologe Ahmad Mansour erklärt, die Angst-Pädagogik der islamistischen Prediger sei ein ganz entscheidender Aspekt. „Jugendlichen wird gesagt: wenn ihr uns nicht folgt, droht euch die ewige Höllen-Qual“, so Mansour, „das spielt im Salafismus eine unglaubliche große Rolle.“

Wie kaum eine andere islamische Strömung versteht es der Salafismus, das Internet als Anwerbungsstätte zu nutzen. „Sie gehen dorthin, wo die Jugendlichen schon sind und wo viele von ihnen nach Antworten auf ihre Fragen suchen – im Internet“, heißt es in der Broschüre. Dort gebe das „System Salafismus“ mit Video-Vorträgen, Internet-Foren, interaktive Chatrooms und Blogs auch Antworten auf nicht-religiöse Fragen – Liebe, Arbeit, das Heiraten, Familie.

„Im Internet tauchen die Nutzer auf ihrer Suche nach Informationen und Kenntnissen zum Islam dann mit ein paar Mausklicks in ein salafitisches Universum ein, das von moderaten Missionaren bis hin zu dschihadistischen Radikalen reicht, wobei die Unterschiede oft erst auf den zweiten oder dritten Blick zu erkennen sind.“

Wie eine Radikalisierung junger Muslime präventiv verhindert werden kann, sei nicht pauschal zu erklären, meint der palästinensische Psychologe Ahmad Mansour. „Bei Salafismus ist Hinterfragen nicht erlaubt“, so Mansour, „Wenn ein Kind anfängt nachzudenken, dann wird Salafismus kaum mehr eine Rolle spielen.“ Aus der muslimischen Gemeinschaft müsse es lautere Gegenstimmen für einen liberalen Islam geben. „Jugendliche haben nur ein Bild vom Islam: den Salafismus“, meint Mansour. Für Eltern sei es außerdem ratsam Beratung und pädagogische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Diese Hilfe bietet Claudia Dantschke mit ihrem Team der „Arbeitsstelle Islamismus und Ultranationalismus“ seit einigen Jahren an – mit nicht zu unterschätzendem Erfolg. Die nun erschienene Broschüre, die zunächst bei einem Modellprojekt in Neukölln verteilt werden soll, ist so auch Produkt der Erfahrung aus direkter Zusammenarbeit mit betroffenen Familien.
Mehr Informationen, auch für betroffene Familien, finden Sie unter:

http://zentrum-demokratische-kultur.de/Startseite/Islamismus-/-Ultranationalismus/Neue-Handreichung/Neue-Handreichung-K361.htm

Gastbeitrag: Die Propagandabotschaften von „Islambruederschaft.com“

von Oliver Dengg

„Aus für deutsche Dschihad-Seiten“. So lautete im Juli die Schlagzeile des auf taz.de erschienen Artikels. Die Website bzw. der Blog Islambruederschaft.com wurde vom Netz genommen und der 21-jährige Betreiber, der als „Mustafa al-Farsi“ für die meisten der Postings verantwortlich zeichnete, wurde verhaftet. Das Netzwerk „Islambruederschaft.com“ zählte zweifellos zu einem der engagiertesten islamistischen Vereinigungen im deutschen Online-Sprachraum, das durch seine radikal-islamische Propagandatätigkeit auffiel. Obwohl die „Basis-Website“ im Frühjahr 2011 stillgelegt wurde, verbreitete die Islambrüderschaft ihre Botschaften gekonnt unter Nutzung crossmedialer Kommunikationstechniken weiter. Neben dem Blog, dem Facebook- und dem Twitter-Account spielte insbesondere ein Portal eine zentrale Rolle für das Online-Netzwerk: der YouTube-Channel. Aber auch dieser Kanal, der zwar noch abrufbar ist, weist nur mehr einen Bruchteil jenes Propagandamaterials auf, das früher verfügbar war.

In der deutschsprachigen Publikation „Islambruederschaft.com – Bekenntnisse eines radikal-islamischen Online-Netzwerkes“ wurde von mir der Versuch unternommen, die Kerninhalte und die damit zusammenhängenden Botschaften des YouTube-Channels der Islambrüderschaft zu identifizieren und darzustellen. Im Mittelpunkt der Ausführungen stehen dabei jene in den Videos gezeigten Inhalte, die den Protagonisten des Online-Netzwerks offenbar besonders wichtig erschienen, an die „Endverbraucher“ auf YouTube weitergegeben zu werden. Mit der Publikation wird aber auch das Ziel verfolgt, jene interessierten Leser zu informieren, die sich mit dieser Online-Materie sonst nicht so intensiv auseinandersetzen.

Im Zuge der Befassung mit den Inhalten des YouTube-Channels ging es mir vor allem um die Frage, welche Videos bzw. Inhalte auf dem Channel der Islambrüderschaft transportiert werden bzw. abrufbar sind und darum, wofür diese Organisation steht und wie sie verstanden werden möchte. Zur Bewertung dieser Inhalte wurden die Videos der Kategorie „Favoriten“ herangezogen. Die in den Favoriten abgebildeten Inhalte spiegeln vermutlich, so die These, das zentrale Islamverständnis der Islambrüderschaft wider, jenes Verständnis, das auch die virtuellen Sympathisanten erreichen und inspirieren soll.

Die Auswertung der Kerninhalte der Videos ließe freilich eine Vielzahl an Kategorisierungen zu. Drei Bereiche, die ich in diesem Artikel anhand von Video-Beispielen auszugsweise darstelle, haben sich aber als besonders bedeutsam erwiesen: erstens der Umgang mit bzw. die Beziehungsgestaltung zu Nicht-Muslimen („Ungläubigen“) und zweitens die Kritik an bzw. die Ablehnung von demokratischen und rechtsstaatlichen Prinzipien („menschlicher Gesetzgebung“). In beiden Fällen spielen die Ideenkonstrukte der Organisation „Die wahre Religion“ – insbesondere vertreten durch die Person Abu Dujana – eine zentrale Rolle. Die Akteure der Organisation „Die wahre Religion“ werden von den deutschen Behörden der salafistischen Szene, dem sogenannten „Mainstream-Salafismus“ zugeordnet. Die Gruppe, die vorwiegend in Deutschland aktiv ist, versucht offensichtlich auch in Österreich stärker Fuß zu fassen. Zwischen Weihnachten und Neujahr 2010 sollte ein „Islam-Seminar“ in der Moschee am Hubertusdamm in Wien stattfinden. Die Protagonisten dieser Organisation, allen voran Abu Dujana und Abu Nagie, wollten in Wien ihre salafistischen Ansichten in der größten Moschee Österreichs verbreiten.

Nach mehreren Hinweisen von der zuständigen Bezirksvertretung, aber auch von innermuslimischer Seite, wurde die Veranstaltung abgesagt – zumindest in der Moschee. Denn die Vertreter der „wahren Religion“ ließen sich nicht so leicht abwimmeln. Nachdem scheinbar auch die Bemühungen, das Seminar in den Räumlichkeiten eines Übersetzungsbüros stattfinden zu lassen, scheiterten, wurde die Veranstaltung bzw. ein Teil davon kurzerhand in ein Wiener Nachtlokal verlegt. (Das dazugehörige Video ist unter dem Namen: „Zeit der Fitna – Abu Dujana Seminar Wien“ auf YouTube abrufbar).

In Bezug auf die Organisation „Die wahre Religion“ soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass sie sich mit einer anderen bekannten deutschen salafistischen Gruppierung, der Organisation „Einladung zum Paradies“, anscheinend wiedervereint hat. Das dazugehörige Video des gemeinsamen Auftrittes der beiden Protagonisten Pierre Vogel (Einladung zum Paradies) und Abu Dujana (Die wahre Religion) ist auf YouTube seit Juni 2011 downloadbar. Ziel dieses Zusammenschlusses ist offensichtlich die Bündelung von Propagandaanstrengungen sowie die Nutzung von Synergien bei der Missionierung. Auffällig ist zudem, dass auch ein Wandel in der Missionierungsstrategie stattgefunden hat. Setzte man früher auf Online-Auftritte und öffentliche Veranstaltungen sowie „Islam-Seminare“, um die Botschaften der Organisationen zu verbreiten, fordert Pierre Vogel in dem Video seine Anhänger nun auch auf, (von der Öffentlichkeit abgeschottete) Treffen in Wohnungen zu organisieren, um „(…) die Dawa richtig nach vorne zu bringen.“ In einem anderen Vortrag bekräftigt Pierre Vogel dieses neue Ansinnen: „(…) Ein Pierre Vogel kann morgen tot sein (…). Aber den Islam kann man nicht aufhalten. Und ihr seid die Zukunft vom Islam, ihr seid die Jugend des Islams, und ihr müsst euch vornehmen, etwas zu tun. Und deswegen sage ich euch: Organisiert euch! Wir wissen, viele Moscheen sind eingeschüchtert. Viele Moscheen haben Angst, die Wahrheit zu sagen. Trefft euch in euren Wohnungen (…) und ladet die ganzen Vorträge runter, (…) und schaut euch die Unterrichte gemeinsam an. So schaffen wir es in Deutschland, tausende kleine Dawa-Zentren aufzumachen.“ Drittens existierte auf dem YouTube-Channel auch ein zu konkreten Taten animierendes Video-Propagandamaterial, das vor allem auf die Bedeutung des Dschihads im Sinne des „bewaffneten Kampfes“ der Mudschaheddin gegen die „Ungläubigen“ verweist. Eine Organisation, die dabei eine wichtige Rolle spielt und bereits viele deutschsprachige bzw. -stämmige Dschihadisten in ihren Bann ziehen konnte, ist die Terrorgruppierung „Islamische Bewegung Usbekistan“ (IBU).

Anhand einiger Beispiele soll nun verdeutlicht werden, welche Botschaften die „Islambrüderschaft“ auf Ihrem YouTube-Channel veröffentlicht hatten. Wenngleich die meisten der hier angeführten Videos nicht mehr direkt vom Kanal der „Islambrüderschaft“ abrufbar sind, werden sie dennoch von anderen YouTube-Channel-Usern weiterhin zur Verfügung gestellt.

„Wegbleiben von diesen Leuten“ – das Verhältnis der Islambrüderschaft zu den „Ungläubigen“

Ein Vortrag von Abu Dujana mit dem Titel „Abu Dujana – al Wala wal bara 1/7 (Seminar Moers)“ über den Sinn und Zweck des Korans sowie über die Bedeutung des Begriffs „Loyalität“ verdeutlicht die islamische Gedankenwelt des Predigers. Der Koran, so Dujana, sei nicht nur herabgesandt worden, um gedruckt und verteilt, sondern um praktiziert zu werden und um mit ihm zu herrschen. Deswegen sei es auch wichtig, zur Basis zurückzukehren, um Änderungen herbeizuführen. Das, worauf es ankommt sei, sich auf den Glauben zu besinnen und sich dann, dem Motto „Wir hören und gehorchen“ folgend, mit Taten zu bewegen und hinauszugehen. Um dies zu gewährleisten, sei vor allem eines wichtig, nämlich die Loyalität zu Allah. Denn, so die Begründung: „Wir Muslime, wir haben nichts anderes, außer Allah (…). Unser Leben (…), in jeder Kleinigkeit gehört Allah (…), muss sich nach den Gesetzen Allahs richten. Deswegen: unsere Loyalitätserklärung, unsere Zugehörigkeit, unser Zusammenhalt ist nur für Allah (…).“ Von dem aber, was sich gegen Allah, Mohammed und die Gläubigen richtet, müssen sich die Muslime lossagen.

Dies betrifft laut Abu Dujana auch bzw. im Besonderen die Lebensplanung und das daraus resultierende Verhalten der Muslime. Der Prediger macht es gebetsmühlenartig im Video „Abu Dujana – Die Reise in die Heimat Teil 1“ deutlich: „Unser ganzes Leben ist für Allah (…) und muss auch so geplant werden und so gelebt werden, so wie es Allah (…) von uns möchte.“ Und das Konzept scheint, so Abu Dujana, simpel zu sein: „Man sagt etwas oder macht etwas und man wird entweder dafür belohnt oder dafür bestraft!“ Ein klarer Hinweis dafür, dass es am „Tag der Abrechnung“ nur zwei Möglichkeiten gibt, nämlich das Paradies oder die Hölle. Es existieren also Einflussfaktoren, welche diese Lebensplanung, dieses Leben für Allah, erschweren, selbst wenn sie nur so scheinbar unbedeutende Dinge wie den Urlaub betreffen. Denn, so Dujana, viele Muslime könne man das ganze Jahr über in der Moschee beobachten, „(…) mit Bart und betend“, aber, „wenn der Urlaub kommt, trägt er ein anderes Gesicht, rasiert sich und wird ein ganz anderer Mensch?“ Dieser Umstand beeinflusst auch den Umgang mit den Nicht-Muslimen, nämlich derart, dass quasi ihr Verhalten angenommen und ihnen „geschmeichelt“ wird. Dujana bemüht diesbezüglich ein Zitat: „Die schlimmsten Menschen sind die, die zwei Gesichter haben!“, und meint damit jenes Verhalten, das seiner Meinung nach für einen Gläubigen inakzeptabel sei: „Wenn er (Anm.: der Muslim) dich trifft, redet er mit dir, so wie du das hören möchtest. Mit einem Gläubigen redet er (…) über Gott und die Welt (…), trifft er den einen (Anm.: Nicht-Muslim), der Musik hört, ist er auch mit dabei (…) und das ist schlimm.“ Auf den Punkt gebracht scheint Dujana hier offenkundig der Auffassung zu sein, dass ein gottgefälliges, dem Glauben entsprechendes Verhalten, das ein Muslim anderen Muslimen gegenüber vermittelt, mit einem „anderen“ Auftreten, das Nicht-Muslimen entgegengebracht wird, nicht vereinbar ist. Dieses Verhalten wird immer, egal wem gegenüber, als heuchlerischer Zustand gedeutet und kann daher nicht gutgeheißen werden.
Diesbezüglich definiert Dujana in einem anderen, aus mehreren Teilen bestehenden Vortrag mit dem Titel „Die Rolle der Jugend im Islam“ auch das Verhältnis zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen näher. Dujana meint, dass die Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten unter den Muslimen für die Schwächung der Muslime verantwortlich seien und dass sie dadurch keine Beachtung mehr fänden. Dies wiederum nütze den „Feinden“ (Anm.: den Nicht-Muslimen): „Die Feinde lachen sich weg!“, so Dujana, der den Begriff „Feind“ hier, ohne auf konkrete Situationen und Konflikte einzugehen, völlig undifferenziert verwendet. Eine Pauschalbewertung der Nicht-Muslime ist für Dujana aber nicht unüblich, wobei die Beschreibung als „Gegner“ noch zu einem der harmloseren Begriffe zählt. Im selben Vortrag, in dem er unter anderem über die Bedeutung der Berufsausbildung im Kontext der Religion referiert, nimmt Dujana nicht nur eine Bewertung jener Muslime vor, die es mit dem Glauben nicht so ernst nehmen, sondern artikuliert auch gleichzeitig unmissverständlich seine Einstellung zu den Nicht-Muslimen. Dujana meint wortwörtlich: „Wenn dein Sohn ein Arzt ist, aber ein Kafir, ist er nichts wert!“ (Anm.: Kafir ist die allgemeine Bedeutung für „ungläubig“). Berufliche Tätigkeit, so die Interpretation Dujanas Worte, müsse daher immer in Verbindung mit der Hingabe an Allah auch dem Islam nützlich sein und ihn „weiter nach vorne bringen“. Wenn das nicht der Fall ist, so die Schlussfolgerung des Predigers: „(…) ist er eine Null, (…) der keinen Nutzen hat!“

Abu Dujanas zuletzt getätigte Aussagen, welche seine Geringschätzung gegenüber Menschen, die er als „Kafir“ bezeichnet, zum Ausdruck bringt, können freilich auf unterschiedliche Arten verstanden und gedeutet werden. Auch wenn sich Dujana in erster Linie auf jene Muslime bezieht, die nach seinen Vorstellungen nicht die notwendige Gottesfürchtigkeit aufweisen und daher den Islam nicht „weiter nach vorne bringen“, kann den Aussagen durchaus entnommen werden, dass nach dem Denkmuster des Predigers das Leben eines jeden Nicht-Muslims wertlos ist – ein starker Tobak! In jeden Fall ist dieses intolerante Gedankengut dazu geeignet, die Gräben zwischen den Muslimen und Nicht-Muslimen zu vergrößern.

Eine ebenso intolerante Haltung nimmt Dujana in einem Vortrag ein, wenn es um Freundschaften zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen geht: „Du sollst nur einen Gläubigen als Freund nehmen! Weil dieser Gläubige wird dich (…) mit ins Paradies ziehen, zusammen (Anm.: mit dir) ins Paradies gehen.“ Aber der Schlechte (Anm.: der Ungläubige), so die weiteren Ausführungen, wird den Gläubigen im schlimmsten Fall so lange negativ beeinflussen, bis er in die Hölle kommt. „Und dann wird er (Anm.: der Ungläubige) sich von dir lossagen, (…) so wie der Satan, der Boss der Bande.“

Genauso verhält es sich nach Meinung des Lektors auch zwischen den Geschlechtern, zwischen Mann und Frau, beispielsweise wenn ein Gläubiger ein Verhältnis mit einer Ungläubigen eingegangen ist. Dujana meint dazu wörtlich: „Wenn dir diese Liebe wert ist, dass du in die Hölle kommst, dann bleib’ bei ihr!“ Als Ausweg aus dieser „Misere“ gibt es nur eine Lösung, nämlich darauf zu achten, dass – so der Ratschlag des Predigers – eine Freundschaft nur mit einer Person eingegangen wird, die „noch besser“ ist als man selbst. Soll heißen: Muslime sollen sich nur mit Menschen befreunden, die in der Gottesfürchtigkeit – und das können demzufolge nur andere, (streng) gläubige Muslime sein – über ihnen stehen. Dadurch wird vor allem verhindert, dass durch den (schlechten) Einfluss der Ungläubigen, aber auch der abtrünnigen (moderaten) Muslime, der Zugang zum Paradies versagt bleibt. Das Fazit Dujanas lautet daher schlicht und ergreifend: „Wegbleiben von diesen Leuten!“

Einige andere Zitate vom Chef-Ideologen der „wahren Religion“, Abu Dujana, die als Videobotschaften auf dem YouTube-Channel der Islambrüderschaft verfügbar sind, sollen zum Bild der Organisation hinsichtlich des Umgangs mit Nicht-Muslimen beitragen und gleichzeitig auf die zentrale Stellung dieses Online-Predigers für die Botschaften der Islambrüderschaft hinweisen. Als Beispiele sollen noch zwei Ausschnitte aus den Videos „Die Anwälte der Tyrannen“ (Teil 2 und Teil 3) dienen. „Was ist der Befehl von Allah?“, fragt Dujana, um sogleich die Antwort selbst zu geben: „(…) die Juden und die Christen nicht als Verbündete nehmen! (…) Warum? Sie sind untereinander verbunden, (…) und wer sie von euch als Verbündete nimmt (…) und ihnen die Loyalität erklärt, und seine Zuneigung erklärt, und seine Liebe erklärt, und die Muslime verratet und verkauft, und den Kuffar (Anm.: die Ungläubigen) hilft, (…) Muslime zu töten, was ist mit dem? (…) Der ist von ihnen! (…) Er (Anm.: Allah) sagt: So soll jeder von euch vorsichtig sein, dass er nicht ein Jude oder ein Christ wird und er merkt es nicht.“ An anderer Stelle setzt Dujana unvermindert mit seinen Tiraden in der gleichen Tonart fort: „Allah (…) sagt uns, warum wir diesen Leuten nicht nahekommen dürfen, und sie uns nicht als Verbündete und Freunde und Lieblinge nehmen dürfen, und vor allem sie nicht unterstützen gegen die Gläubigen, (…).“

„Man Made Law go to Hell“ – das Verhältnis der Islambrüderschaft zu Demokratie und Rechtstaatlichkeit

Die von Gott gegebene Gesetzgebung ist auch ein Thema, dessen sich der bereits hinlänglich bekannte Chef-Ideologe der Islambrüderschaft und der Organisation „Die wahre Religion“ angehörende Abu Dujana des Öfteren in seinen Vorträgen annimmt. Der Vortrag „Das Herrschen ohne Allahs Gesetze“, der am YouTube-Channel der Islambrüderschaft in zwei Teilen abrufbar ist, ist ein weiterer Hinweis der fundamentalistischen Einstellung Dujanas. Wie so oft leitet Dujana auch diesmal seine „Predigt“ mit der Floskel ein, über eine Angelegenheit „mit großer Wichtigkeit“ sprechen zu wollen, die nur der „Erklärung der Wahrheit“ diene. Der Grund und Anstoß zur Befassung mit diesem Thema seien die Nachrichten „besorgter Geschwister“ gewesen, die sich per E-Mail und Telefon an ihn wandten. Dujana fühle sich daher verpflichtet, jene, welche die „Wahrheit“ über „das Richten mit Allahs Gesetzen“ erfahren wollen, zu informieren. Bevor auf das Thema näher eingegangen wird, belehrt Dujana im ersten Teil des Vortrags nochmals die Zuhörerschaft, dass Muslime nur dem Koran und der Sunna zu folgen haben. „Wir beten Allah an, nur mit dem, was er herabgesandt hat und was sein Prophet uns offenbart hat – das ist unsere Basis.“
Im zweiten Teil des Vortrags kommt er dann schließlich auf den Punkt: „Die Gesetzgebung und das Richten ist nur für Allah! (…), nur für Allah! In diesem Bereich hat keiner etwas zu reden!“ Nun wendet sich der Sprecher abermals der „Sache mit dem Kufr bzw. Kafir“ zu. Nach Ansicht Dujanas gebe es Taten, die dazu führen, dass man „Kafir“ wird, wie zum Beispiel das Nicht-Regieren mit Allahs Gesetzen. Dies betrifft auch einen muslimischen Herrscher, der nur deswegen diesen Platz eingenommen hat, „(…) damit er mit Allahs Gesetzen regiert.“ Dujana scheint auch den Grund dafür zu wissen, warum die derzeitige Situation sich anders darstellt: „Die Feinde des Islams (…) haben uns zerstückelt. (…) Deswegen war es für die (Anm.: die Nicht-Muslime) sehr, sehr wichtig, dass die Muslime auseinandergehen. Deswegen war es für die sehr, sehr wichtig, das Kalifat zu zerstören und kaputtzumachen. (…) Die letzte Stärke der Muslime war was? (…) Das osmanische Kalifat!“ Auch im Video „Warum ist die Ummah so schwach?“ lässt Dujana kein gutes Haar an der demokratischen Rechtsordnung. Das Nicht-Regieren mit Allahs Gesetzen sei, so die Ansicht des Vertreters der „wahren Religion“, die Krankheit unserer Zeit, unseres Jahrhunderts. Die Abschaffung des Kalifats führe dazu, dass die Menschen nicht mehr nach den Gesetzen Allahs regiert werden, sondern nach den „dreckigen, von Menschen erfundenen Gesetzen“.
Einen sehr beklemmenden Eindruck hinterlassen aber auch zwei andere Videos der Islambrüderschaft, die in der englischen Originalversion abrufbar waren und islamistische Aktivisten in Großbritanniens Öffentlichkeit zeigen. Das Video „The Lions of Luton – Islam will dominate the World“ verheißt schon angesichts des Titels nichts Gutes und lässt auch keine versöhnlichen Worte erwarten. Der Vortrag, der von einem sehr emotionalen Redner inmitten einer Gruppe von Demonstranten gehalten wird – ein Demonstrant hält ein Transparent mit der Aufschrift „Islam will dominate the World“ in die Höhe –, beschreibt und verurteilt zuerst die Situation der Muslime in Großbritannien sowie in den Kriegsgebieten und vergleicht sie mit einer Schlacht zwischen Islam und den „Ungläubigen“. „There is battle taking place between Islam and Kufr, Islam and disbelieve! (…) This is a war against Islam and Muslims, no doubt about that!“
Gegen Ende hin entpuppt sich die Protestrede, die an Emotionalität noch weiter zulegt, mehr und mehr zu einer Hasstirade, in der auch das demokratische Rechtssystem angegriffen wird. Diesbezüglich richtet der Redner sogar einen Appell an die britische Bevölkerung: „Open your eyes! This is the time for you to reject Democracy and adopt Islam! We can see the need of a Shariah! (…) Therefore Muslims can never have justice in your society! (…) You see us weak over here, but let me tell you this: By Allah, we the Muslims Ummah, we’re gonna establish Shariah in this country! And not only here, we’re gonna establish Shariah, the black flag (…) over Downing Street and in America, in the White House, by Allah we Muslims come and conquer over you (…) and Islam will be dominant, the Muslim Ummah is going to be an authority one day (…) and whoever rejects Islam will be annihilated! (…) Victory for Islam! Victory for the Muslims!“ Am Ende der Aufzeichnung skandiert die den Redner umgebende Gruppe „Allahu akbar“ (Anm.: Allah ist größer).
Nicht weniger beängstigend ist das Video „One Law for All: Shariah – Muslims against Crusades“. Im Videovorspann wird bereits die inhaltliche Linie des Plots vorgegeben: „Publicdawa – In support of Muslims against Crusaders – A Demonstration for Shariah“. Es folgt eine „Foto-Show“, welche britische Muslime demonstrierend mit Transparenten zeigt, auf denen zum Teil bereits bekannte Parolen zu lesen sind: „Shariah will dominate the World“, „Ills of Society will be eradicated under Shariah“, „Democracy is Hypocrisy“, „Shariah over your noses – whether you like it or not“, „Democracy is Cancer, Islam is the Answer“, „Man Made Law go to Hell“, „Islam is Superior and nothing will supersede it“. Auch der Hauptteil des Videos ist den Demonstrationsszenen eines zum Teil vermummten radikal-islamischen Mobs auf Großbritanniens Straßen gewidmet, in denen unter „Allahu akbar“- und „La ilaha illa-Allah“-Rufen lautstark die Einführung der Scharia gefordert wird.
Das Video wird offensichtlich von „Public Dawah“ unterstützt, einer britischen Organisation, die sich auf ihrer Website als Plattform zur Vermittlung des „authentischen“ Islam präsentiert und alle Nicht-Muslime zum Islam – Scharia inklusive – einlädt: „We sincerely invite all non-Muslims to embrace Islam and call all people in Britain to genuinely look to the Islamic Shariah as a real alternative to democracy and man-made law.“ Diese Beispiele verdeutlichen, dass in Europa sehr wohl streng gläubige und islamistische Gruppierungen existieren, die unter dem Deckmantel der Redefreiheit und des Demonstrationsrechtes sowie unter Ausnutzung der (westlichen) Toleranz versuchen, die Implementierung der Scharia in die westlichen Gesellschaftsordnungen aggressiv voranzutreiben.

„Mein Weg nach Jannah“ – das Dschihad-Verständnis der Islambrüderschaft

Es besteht kein Zweifel: Die Islambrüderschaft bemühte sich ungeniert darum, ihre Sichtweise des Dschihads im Rahmen ihrer Botschaften zu transportieren, die, ihrer radikal-islamischen Grundeinstellung folgend, zweifellos dem Zweck der „Inspiration für den Kampf“ dient. In zahlreichen, aus unterschiedlichen Medienproduktionen stammenden, Videos werden der Kampf der Mudschaheddin und deren Taten gewürdigt. Die zu übermittelnden Videoinhalte folgen dabei zumeist demselben Propagandamuster: Reale Kampfszenen aus den Kriegs- bzw. Krisengebieten sowie Trainingsszenen aus den Ausbildungslagern in Pakistan und Afghanistan wechseln sich mit nicht enden wollenden Vorträgen und Drohbotschaften der Mudschaheddin und den Video-Testamenten von Selbstmordattentätern ab. Muslimische Zivilisten, in der Opferrolle dargestellt, die mit Hasstiraden gegen den Westen wettern sind ebenso präsent wie die Heroisierung von islamistischen Führungspersönlichkeiten und Märtyrern. Zwecks Verstärkung der Emotionen sind die meisten Videos mit einem kämpferisch vorgetragenen Naschid, untermalt.
Was besonders auffällt ist die besondere Affinität der Islambrüderschaft zur bereits erwähnten Terrororganisation „Islamische Bewegung Usbekistan“ (IBU). Die Terrororganisation, die Ende der 90er-Jahre durch den im Sommer 2010 bei einem US-Drohnenangriff getöteten Tahir Yuldashev, alias Mohammed Taher Faruq mitbegründet wurde und enge Beziehungen sowohl zur Al-Qaida als auch zu den Taliban unterhält, wechselte ihr Einsatzgebiet auf Grund der Verfolgung durch den usbekischen Nachrichtendienst von Usbekistan in das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet. Es ist eine jener Terrororganisationen, denen sich bereits einige behördlich bekannte Dschihadisten aus Deutschland angeschlossen haben. So ist es nicht verwunderlich, dass auch die Islambrüderschaft insbesondere diese Terrorgruppierung auf YouTube durch die Bereitstellung von IBU-Videos, in denen der Dschihad und die Aktivitäten der Mudschaheddin verherrlicht werden, „bewirbt“.
Eines der aus der Produktion des „Studio Jundullahs“ stammenden IBU-Videos ist das im Jänner 2011 veröffentlichte Video mit dem Titel: „Glad Tidings from Pakistan Part 1“. In ihm werden vor allem die Kampfeinsätze der Mudschaheddin in Afghanistan und Pakistan gezeigt und beschrieben sowie deren Anführer glorifiziert. Die Szenen werden meist von Abu Adam, einem bereits bekannten deutschen Dschihadisten, kommentiert. Abu Adam weist beispielsweise in die geplante Kampfführung eines Angriffs auf pakistanische Stützpunkte ein und beschreibt anschließend, offenbar selbst die Kamera bedienend, dessen realen Verlauf. Am Ende des Videos verweist der deutsche Islamist in einer „Vorschau“ auf nachfolgende Produktionen: „So Allah will, sehen wir uns schon bald wieder in: Frohe Botschaft aus Pakistan.“

Abu Adam veröffentlichte im Jänner 2011 auch eine „Presseaussendung“ im Namen der „Islamischen Bewegung Usbekistans“, in der er die Situation der deutschen Mudschaheddin unter anderem wie folgt beschreibt: „(…) die Mujahedeen (…) befinden sich in bester Verfassung und die islamischen Angelegenheiten gehen weiter bergauf. Was speziell uns deutsche Mujahedeen betrifft, so erfreut uns der ständige Zulauf aus unserer alten Heimat. Immer mehr Geschwister aus Deutschland, sowohl Männer als auch Frauen, kommen hier an und leisten ihren Beitrag (…).“ In dieser Meldung wird aber auch der Tod einiger deutscher Dschihadisten beklagt: „Abu Askar, unser ehrlicher Freund, starb gemeinsam mit dem deutsch-türkischen Bruder Imran, der nicht länger als vier Wochen hier war und drei Brüdern von den pakistanischen Taliban aus Mehsoud. Sie alle Fünf saßen gemeinsam beim Essen, als eine der hinterlistigen US-Drohnen eine Rakete mitten in ihre gesegnete Runde schoss.“ Darüber hinaus gab Abu Adam auch den Tod eines weiteren aktiven deutschen Dschihadisten, von Abu Talha, bekannt. Der ursprünglich aus Bonn stammende Islamist soll bei einer gemeinsamen „Operation“ in Bagram, bei der sich die Al-Qaida, die IBU und die Taliban zusammengeschlossen hatten, den Märtyrertod gefunden haben.“Auch Abu Ibraheem, der Bruder von Abu Adam, machte im Februar 2011 mit einer IBU-Presseaussendung mit dem Titel „Unser Weg zur IBU“ auf sich Aufmerksam. Der Weg zur IBU bedeutete für die Brüder gleichsam die Erfüllung des Wunsches, am Dschihad aktiv teilnehmen zu dürfen, wobei der Einsatzraum keine Rolle spielte: „Ob die Reise nach Somalia geht, oder nach Palästina, oder nach Tschetschenien, oder nach Indonesien, spielte für uns keine Rolle. Hauptsache wir dürfen dabei sein.“

Neben der „Islamischen Bewegung Usbekistan“ existieren aber noch andere Gruppierungen, die für deutsche Dschihadisten als Anlaufstelle attraktiv sind. Es sind dies die „Deutsche Taliban Mujahidin (DTM)“ und die „Islamische Jihad-Union (IJU)“. Letztere war auch jene Organisation, die sich der deutsche Islamist Eric Breininger angeschlossen hatte. Er ist geradezu ein Paradebeispiel dafür, wie ein unscheinbarer deutscher Jugendlicher zum aktiven Dschihadisten und in weiterer Folge zu einem propagandistischen „Aushängeschild“ mutierte.

Der aus Neunkirchen im Saarland stammende Eric Breininger war wahrscheinlich ein Jugendlicher wie die meisten anderen auch. Er war engagierter Fußballspieler, trug Markenkleidung, besuchte ein Fitnessstudio und ging in Diskotheken. Als Mitläufer und nach Anerkennung suchend beschreiben ihn die einen, als aggressiv und fanatisch zuletzt auch seine Familie. Breiningers Radikalisierungsprozess soll nicht sehr lange gedauert haben. Innerhalb nur weniger Monate entschloss er sich 2007 zur Konversion – Breininger hatte übrigens keinen Migrationshintergrund – und nahm den Namen Abdul Ghafar al-Almani an. Nach der Konversion hat sich Breininger einer Gruppe von Islamisten angeschlossen, der sogenannten „Sauerland-Gruppe“, deren Mitglieder später wegen Anschlagsvorbereitungen in Deutschland festgenommen und verurteilt wurden. Zu diesem Zeitpunkt soll er auch die Absicht geäußert haben, nach dem Vorbild der Attentäter von 9/11 als Märtyrer zu sterben. Im April 2010 wurde Eric Breininger alias Abdul Ghafar al-Almani 22-jährig bei Kämpfen mit pakistanischen Sicherheitsbehörden in Nord-Waziristan getötet. Für seine Mitstreiter gilt er seitdem als „deutscher Märtyrer“, der auch im Internet eine dementsprechende Würdigung erfahren hat.

Die Frage, warum Eric Breininger auch für die Islambrüderschaft so wertvoll ist, ist schnell erklärt. Das kurze Leben des Eric Breininger spiegelt den Erfolg der salafistischen Bekehrungsanstrengungen wider. Breiningers Wirken, das als Ungläubiger, den Versuchungen und Gelüsten des irdischen Lebens verfallend, begann, wurde erst durch seine „Rechtleitung“ und Konversion und letztlich durch seine Selbstaufopferung im Kampf gegen die „Imperialisten und Kreuzfahrer“ im radikal-islamischen Sinne erhöht. Der Märtyrertod stellt den krönenden Abschluss dieses ganz dem Islam unterworfenen Lebens dar – dies alles zählt wahrscheinlich zum idealen Lebenslauf eines Mudschaheddin im Gedankenkonstrukt der Islambrüderschaft.
Mit dieser Lebensgeschichte ist Breininger für die islamistische Propaganda der Islambrüderschaft natürlich bestens geeignet. Ein Vorbild, dessen Taten indirekt zur Nachahmung empfohlen werden. Denn nur so können die von Breininger hinterlassenen und auf dem Blog der Islambrüderschaft vormals abrufbaren schriftlichen Aufzeichnungen, betitelt mit „Mein Weg nach Jannah“ (Anm.: Jannah bedeutet Paradies) verstanden werden. Dass dieses Werk angeblich gerade an dem Tag fertiggestellt wurde, an dem der deutsche Dschihadist von pakistanischen Soldaten getötet wurde, gleicht natürlich einer göttlichen Bestimmung und verleiht der ganzen Heldengeschichte noch größere Bedeutung. In jedem Fall besitzen Breiningers Ausführungen zweifellos das Potenzial zur Motivation jener Unschlüssigen, die den „letzten Schritt“ zum aktiven Kämpfer, zum Mudschaheddin, noch nicht gewagt haben – und das ist das bedrohliche der Propagandabotschaften der Islambrüderschaft.

Dies alles betrifft, wie schon am Beispiel des „Islam-Seminars“ in einem Wiener Nachtlokal aufgezeigt, nicht nur Deutschland, sondern auch Österreich. Seit der Verurteilung von Mohammed M., der im Namen der „Global Islamic Media Front“ (GIMF) 2007 ein islamistisch motiviertes Drohvideo im Internet veröffentlichte, sind auch die österreichischen Behörden in Bezug auf islamistische Bedrohungen sensibilisiert. Und das mit Recht, denn Mitte Juni 2011 wurden in Wien vier mutmaßliche Islamisten festgenommen. Einer von ihnen, Thomas al-J., betrieb die Website „ansarulhaqq.com“, eine Website, die auch auf der (schon länger stillgelegten) „Basis-Website“ von „Islambruederschaft.com“ als Link zu finden war und die beispielsweise das zuvor erwähnte „Islam-Seminar“ in Wien propagierte. Diese Tatsache ist ein starkes Indiz dafür, dass nicht nur eine virtuelle Verbindung zwischen den beiden Organisationen bestand, sondern dass es möglicherweise auch persönliche Kontakte zwischen den handelnden Personen gegeben haben könnte. Dies wiederum lässt den Schluss zu, dass sich radikal-islamische Gruppierungen in Österreich stark an der deutschen Salafisten-Szene orientieren – diese gilt es daher weiter im Auge zu behalten

Oberst Dr. Oliver Dengg ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Human- und Sozialwissenschaften der Landesverteidigungsakademie Wien und befasst sich unter anderem mit Internet und Islamismus.

„…Who I Really Was“ – Tale of Stockholm Suicide Bomber

by Florian Flade

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„It would have been impossible to tell you who I really was…“

– Suicide Bomber´s Martyrdom Message

Taimour Abdulwahhab al-Abdali had a Swedish passport. He immigrated to the Scandinavian country with his parents in 1992, shortly after the 1.US-Gulf War against Saddam Hussein. As a refugee and asylum seeker the then 10 year-old Iraqi national became a Swedish citizen. Now – three days after he carried out the first suicide bombing in the history of Sweden in the streets of Stockholm – it seems, al-Abdali might also have been the citizen of a very different nation, a fictional phantasy-state called „Islamic State of Iraq“.

Without any doubt, the bomber lived a double-life, a secret life of an Islamist fanatic who wanted to bring bloodshed to the European nation that once granted him asylum. Al-Abdali´s story just begins to unravel and could paint a disturbing picture of the young Iraqi immigrant and family father Taimour that became „Abu Amira“, a possibly al-Qaeda guided terrorist luckily failing to achieve his goal of killing innocent Westerners.

What is known about the Stockholm suicide bomber is actually very little, except from the information he himself revealed in the months and weeks prior to his deadly act of suicide on Saturday over social network Facebook and a Muslim dating website. Much remains speculation, sometimes promoted by media and news agencies.

Fact is, Taimour al-Abdali was born in the Iraqi capital Baghdad on December 12th 1981. As a family of refugees he fled with his parents and his older sister Tamarra to Sweden in 1992. Taimour became Swedish citizen the very same year he moved to his new home country. The family settled in Tranås, a town in Jönköpings Province in the South-East of Sweden.

Growing up as a immigrant-youth Taimour embraced the Western lifestyle of liberal, modern Sweden. He was wearing Western fashion, always styled his hair, loved Baskedball and began to chase girls in his teenage years. Once, a friend recalls, he even dated a Jewish girl from Israel in college. The young Iraqi would go out alot, drinking beers in his favorite Tranås bar and attend parties. Still, after a few years of struggling, he learned to adapt to school life and achieved good marks. Teachers remember him as a „quiet student“.

In 2001 after graduating Holavedskolan College, al-Abdali decided to move to Great Britain and study Sports-Therapy at Bedfordshire University. The then 19 year-old moved from small town Tranås to immigrant-flushed British town of Luton. In Luton, a city with approximately 40 Percent immigrants (15 % Muslim) among the 185,000 population, most of them of Pakistani, Indian and Bangladeshi origin, Taimour al-Abdali somehow came in contact with extremist Muslim circles. The Swedish student changed his behavior, discovered the religion he was born into and embraced a very new lifestyle, that a Muslim fundamentalist.

While in Britain, al-Abdali met a Romanian Muslim woman named Mona T.. The two fell in love and married in 2004, the year in which Taimour got his Bachelors degree in Sports Therapy from Bedfordshire University. In the years to come al-Abdali worked in Luton and fostered two daughters with his wife. The couple lived the life of devout Muslims, sticking to their religion, attending mosque prayers, fasting during Ramadan. Al-Abdali´s overseas stay has turned the party-loving teenager Taimour from Sweden into a faithful Muslim worshipper.

Several times, Taimour al-Abdali, went to Luton´s Islamic Centre. The mosque´s officials and fellow worshippers remember the friendly Swedish of Iraqi origin. „At first he was very popular as he was helpful and polite. He then started preaching, though – and that’s when it went wrong. After early morning prayers he started preaching about Islamic countries that helped the West, like Saudi Arabia, and called for a revolution there“, Farasat Latif the secretary of Luton Islamic Centre tells.

„One day during morning prayers in the month of Ramadan – there were about 100 people there – the chairman of the mosque stood up and exposed him, warning against terrorism, suicide bombings and so on“, Latif recalls, „He knew it was directed at him. He stormed out of the mosque. His radicalism came from certain websites that preach extremist views.“
The Islamic Centre´s chairman Qadeer Baksh says, he did not call the police because he did not want to put Taimour in danger. „The community did not know that he would take it so far as to then sow the seeds of discord and extremism“, Baksh tells British media.

Other people working in the mosque also tell about the change of al-Abdali´s behavior. One even remembers he heard, al-Abdali went to Yemen in 2007 or 2008 and stopped in other Middle Eastern countries during that trip to listen to lectures and study religion. Investigators now believe Taimour Abdulwahhab al-Abdali travelled to the Middle East several times, not only visiting one country but a whole range of countries.

It was also in 2007, Taimour al-Abdali returned to Sweden after being away for six years. It is unclear wether he also brought his family then. Friends and former school mates remember he was a „changed man“, had grown a full beard and talked about religion and politics. „He talked about Afghanistan and religion and did not want to hang out with his friends“, a friends says. Taimour´s parents were worried about their son´s behavior and his devout religious ambitions but in the end they thought the mid-twenty man was just going through a phase.

Al-Abdali, a studied therapist could not find a job in Sweden and worked in a plastic factory near his hometown of Tranås. It did not take long for al-Abdali to quit the job and move back to Britian. Tranås was to small for the Arabic, English and Swedish speaking family father. Taimour became depressed and announced he wants to settle in London.

Back in Britain, neighbors in Luton never noticed anything suspicious about the Muslim family al-Abdali living in three-bedroom semi-detached house. They saw Taimour play in the garden with his daughters, greeting neighbors and never behaving odd or strange. His wife worked as a beautician while Taimour was employed in a carpet shop and had some other smaller jobs helping him to support the family.

Taimour´s wish was his family to grow. So he set up a contact profile at Muslim dating website Muslima.com in 2009 to search for a second wife. „I want to get married again and would like to have a BIG family“, he wrote, „My wife agreed to this. I´m looking for a practicing Muslim, Sunni, love children, and wants to please Allah before me.“ Al-Abdali further states: „I can´t say I´m rich, but alhamdulillah not poor.“ In the future he would like to move to an Arabic country and settle there. „Hope you are a strong believer and strive for jannah (paradise)“, the Swedish-Iraqi wrote about his future wife, „If you have one or more the Prophet recommends please get in touch with me.“

Eventhough his strong religious belief is clearly documented by his writings and information, the pictures he uploaded to Muslima.com show a young man with modest beard, dressing in suite and shirt – anything but a radical Salafi look.

But on the Internet, the Iraqi immigrant son established a second life, promoting violent Jihad and spreading video material about war crimes against Muslims in the Caucasus, Iraq and at Guantánamo Bay prison. It was mainly Youtube videos al-Abdali linked to Facebook, none of them unsually outstanding or violent. His profile picture was a photoshop scene of an Islamic warrior putting the flag of the al-Qaeda organization „Islamic State of Iraq“ on a mountain, Jerusalem in the background. Al-Abdali joined some Facebook groups, including „I love my Apple iPad“, „National Geographic“ and „Shaykh Abu Muhammad al-Maqdisi“ (imprisoned Jordanian Jihad ideologue) and also stated he likes the „Islamic Caliphate State“. There was even other, non-Jihadi material that was set up on his Facebook site, including a video of a woman obviously behaving weird and funny after taking drugs. „I wish drugs were legal“, al-Abdali wrote.

In spring of this year, Taimour Abdulwahhab al-Abdali again travelled to the Middle East. He spent time in Jordan, pictures he later uploaded onto his Facebook profile show him posing with sunglasses, in the background Jordanian valley landscape near the Red Sea. What he did in Jordan is unclear at this moment.

At that time, Taimour´s wife was pregnant with her first son. The baby was born in June and given the name „Osama“. Eventhough his effort to find a second wife seemed to have failed, al-Abdali´s family grew.

About four weeks ago, end of November, Taimour Abdulwahhab made a visit to Swedish Tranås, telling his parents he wanted to celebrate his birthday on December 12th, the birthday shared by his 61 year-old father Thamer Abdulwahhab. Taimour then bought a car, a Audi 80 Avanti via on Online car trading platform and registered under his real name „Taimour Abdulwahhab“. On the morning of Saturday, December 11th, just one day before his and his father´s birthday, the Sport Therapist left the parent´s house in Tranås and drove to Stockholm.

At about 4 p.m. in the afternoon, a car bomb filled with gas cylinders detonated in the Swedish capital near the Bus station of Drottninggatan close to a busy shopping area of Stockholm. The blast injured two people on the streets and apparently also wounded a man in his late twenties, wearing a Palestinian Keffiyeh scarf and a thick jacket. Only a 300 meters away from the first explosion, a second bomb went off, this time an explosive device strapped to the man´s body. The person was killed by the blast. Police later found five further bombs on Taimour Abdulwahhab al-Abdali´s body that were ripped of the torso by the first explosion and did not detonate. They also found a backpack filled with shrapnel, meant to increase the harm of the exploding suicide vest.

Only minutes prior to the bomb explosions in Stockholm city, Taimour al-Abdali had sent an e-mail containing three audio files to Swedish news agency TT and Sweden´s security police SAPO via his mobile phone. The messages were recorded in Arabic, English and Swedish, containing the final statement of al-Abdali who became Sweden´s first suicide bomber. The sound quality of all three audio files is very low but from noise in the background and the ringing of a second phone close-by it is very likely the suicide bomber recorded his messages inside his car shortly before the attack.

„I´m going to keep this very short and simple“, al-Abdali says in the English version, „to Sweden and to who live in it: you have the pig Lars Vilks and yourselves to blame for these actions. Your quietness to the paintings and your support for your soldiers in Afghanistan brought you to this unpleasant situation (…) Stop your drawings of our Prophet – peace be upon him – withdraw your soldiers from Afghanistan and no more aggressions against Muslims will be tolerated (…) to my wife: Please forgive me if I lied to you, it would have been impossible to tell you who I really was. It was not easy to live the last four years with the secret of being Mujahed or as you call it „Terrorist“.“