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Al-Qaidas mächtigster Kommandeur

von Florian Flade

Abu Bakr al-Baghdadi gilt als Phantom: Er ist der Anführer des stärker werdenden Terrornetzwerkes Islamischer Staat im Irak und Sham – und provoziert damit den eigentlichen Al-Qaida-Chef.

www.rewardsforjustice.net 2014-1-26 17 34 5

Als er noch im nordrhein-westfälischen Dinslaken wohnte, war Philip B. ein Berufsschüler, der als Pizzabote sein Geld verdiente. Jetzt lebt der Konvertit in Syrien und kämpft als „Abu Osama al-Almani“ an der Seite al-Qaidas gegen das Assad-Regime. In einer Videobotschaft lobt Philip B. das Terrornetzwerk in höchsten Tönen. „Ich hab noch eine Nachricht an meinen Sheikh Abu Bakr al-Baghdadi. Wir sind wirklich zufrieden mit deiner Arbeit“, sagt der deutsche Dschihadist. „Und dass du bereit bist, trotz der ganzen Gegner den Islamischen Staat auszurufen. Dafür lieben wir dich, und dafür stehen wir dir zur Seite!“

Wer ist der ominöse Sheikh, dem der deutsche Gotteskrieger seine Loyalität ausspricht?

Abu Bakr al-Baghdadi ist der derzeit wohl mächtigste Mann innerhalb des Terrornetzwerkes al-Qaida. Obwohl die Organisation nach der Tötung Osama Bin Ladens im Mai 2011 rein hierarchisch von dem Ägypter Ayman az-Zawahiri geführt wird, lenkt al-Baghdadi mittlerweile faktisch einen Großteil der islamistischen Gotteskrieger. Der 42-jährige Iraker, dessen richtiger Name Ibrahim Bin Awad Bin Ibrahim al-Badri al-Radawi al-Husseini al-Samarrai lauten soll, befehligt den Al-Qaida-Ableger Islamischer Staat im Irak und Sham (ISIS), die aktuell wohl schlagkräftigste Terrorgruppe auf dem syrischen Schlachtfeld. Das US-Außenministerium hat für Hinweise zu seiner Ergreifung eine Belohnung von zehn Millionen US-Dollar ausgesetzt.

Für westliche Sicherheitsbehörden war al-Baghdadi lange Zeit ein Phantom. Nach der Tötung des Jordaniers Abu Mussab az-Zarkawi im Juni 2006 übernahm er zunächst das irakische Al-Qaida-Netzwerk. Auf öffentliche Auftritte, etwa in Propagandavideos, verzichtet al-Baghdadi bislang. Lediglich Audiobotschaften veröffentlicht der Extremist in regelmäßigen Abständen.

Al-Baghdadis nicht unumstrittener Machtanspruch beruht zum größten Teil auf seiner Biografie. Geboren 1971 im irakischen Samarra, soll al-Baghdadi aus einer angesehenen Familie stammen, die mehrere Sharia-Gelehrte hervorgebracht hat und in direkter Verwandtschaft zum Propheten Mohammed stehen soll. Zudem, so heißt es in einer in dschihadistischen Internetforen verbreiteten Biografie, soll er über einen Doktortitel in islamischer Theologie von der Universität Bagdad verfügen. Und somit offiziell ein Rechtsgelehrter sein. Als „Dr. Abu Dua“ bezeichnete er sich lange Zeit selbst.

Nach dem Einmarsch der US-Armee in den Irak im Jahr 2003 schloss sich al-Baghdadi eigenen Angaben zufolge der frühen Al-Qaida-Keimzelle um Abu Mussab az-Zarkawi an. Welche Rolle er unter az-Zarkawi innehatte, ist bis heute ungeklärt. Jedenfalls stieg er nach dessen Tod unmittelbar zum Anführer des Islamischen Staates im Irak (ISI), wie sich die irakische al-Qaida nennt, auf.

Mittlerweile hat er das Nachbarland Syrien ins Visier genommen. Al-Baghdadi entsandte wohl erstmals 2012 Kämpfer aus dem Irak über die Grenze, um Präsenz im syrischen Bürgerkrieg aufzubauen. Sein erklärtes Ziel war dabei die Errichtung eines radikal-islamischen Gottesstaates in Nahost. Ausgehend vom West-Irak sollen Dschihadisten die gesamte Region über die Grenze nach Syrien hinaus unter ihre Kontrolle bringen. Nie hat al-Qaida ein derart großes Gebiet beherrschen können.

Um diese Vision umsetzen zu können, verkündete der Terrorchef im April 2013 die Gründung einer neuen Organisation, des Islamischen Staates im Irak und Sham. Eine Aktion, die al-Sawahiri zornig machte. Wohl aus seinem Versteck irgendwo im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet heraus sandte der Bin-Laden-Nachfolger im Juni 2013 einen wütenden Brief an seine Statthalter im Irak und in Syrien. „Sheikh Abu Bakr al-Baghdadi lag falsch, als er ISIS gegründet hat, ohne unsere Genehmigung und ohne unseren Rat einzuholen oder uns auch nur zu informieren“, schrieb al-Sawahiri. Der Islamische Staat in Syrien sei nun aufzulösen, so der Al-Qaida-Chef, die Organisation im Irak solle jedoch fortgeführt werden. Eine andere Terrorgruppe, die islamistische Jabhat-al-Nusrah-Front unter Führung von „Abu Mohamed al-Dscholani“, sei der rechtmäßige Al-Qaida-Ableger in Syrien.

Die Anordnung Sawahiris kam einer Ohrfeige für Abu Bakr al-Baghdadi gleich. Zu diesem Zeitpunkt aber hatten sich dessen Gotteskrieger bereits in zahlreichen Ortschaften in Nord-Syrien eingenistet und mit drakonischen Strafen, Folter und Hinrichtungen den Ruf als brutalste und furchterregendste Rebellengruppe erworben. Eine wachsende Zahl von Kämpfern der Jabhat al-Nusrah lief zu ISIS über. Der Machtbereich al-Baghdadis weitete sich zusehends aus. Und das, obwohl Ayman az-Zawahiri eigentlich den Rückzug der Terrormiliz in den Irak befohlen hatte.

Westliche Nachrichtendienste beobachteten den Machtkampf innerhalb al-Qaidas sehr genau. Wie würde al-Baghdadi auf die Anordnung seines Chefs reagieren? „Einen vergleichbaren Disput hatte es bis dato in der al-Qaida nicht gegeben“, sagt ein Analyst des Bundesnachrichtendienstes.

Al-Baghdadis Antwort auf az-Zawahiri folgte nur wenige Tage später. „Der Islamische Staat im Irak und in der Levante wird fortbestehen und ist nicht gefährdet, bis wir sterben“, sagte der Iraker in einer Audiobotschaft, die im Internet verbreitet wurde. An die Konkurrenz der Jabhat al-Nusrah gerichtet, bot al-Baghdadi an, diese könne sich problemlos seiner Gruppierung anschließen.

Zawahiri hatte die Jabhat al-Nusrah offiziell als Teil al-Qaidas und rechtmäßigen Ableger in Syrien geadelt. Für al-Baghdadi aber ist die Gruppe in ihrer Auslegung der Sharia nicht radikal genug. Der Kampf Jabhat al-Nusrahs gilt primär dem syrischen Regime Baschar al-Assads. Aus Sicht al-Baghdadis aber müssten sämtliche Schiiten und auch Kurden als „Feinde der Sunniten“ bekämpft werden.

Der Machtkampf innerhalb der al-Qaida war mit al-Baghdadis Absage an az-Zawahiri perfekt. Der machtbesessene Emir des Islamischen Staates war nicht gewillt, einen Rückzieher zu machen. Und er hat dabei gute Argumente auf seiner Seite. Die schwarz vermummten Dschihadisten von ISIS nehmen seit Monaten eine Ortschaft nach der anderen im syrischen Kriegsgebiet ein, hissen dort die schwarzen Flaggen mit dem Siegel des Propheten Mohammed, errichten Sharia-Gerichte und vertreiben lokale Rebellengruppen.

Zawahiri kann dem Siegeszug ISISs nur hilflos zusehen. Auch wenn er in einer Audiobotschaft am 8. November 2013 erneut auf al-Baghdadi einredete. In 14 Punkten legte al-Sawahiri dar, wie sich die Terrorgruppen in Syrien zu verhalten haben. Al-Baghdadis ISIL-Fraktion, so wiederholte er, solle sich auf irakisches Territorium zurückziehen. Jabhat al-Nusrah solle den Dschihad in Syrien führen.

Die Worte des Al-Qaida-Emirs scheinen jedoch auf taube Ohren zu treffen. Abu Bakr al-Baghdadi hat längst größere Ziele vor Augen. Er sieht sich als Herrscher eines grenzüberschreitenden Gottesstaates zwischen dem Irak und Syrien. Vergleichbare Macht übte bislang kein Al-Qaida-Vertreter aus.

Möglich ist all dies auch durch den Umstand, dass die Situation im Irak aufgrund des anhaltenden Bürgerkrieges in Syrien in Vergessenheit geriet. Insbesondere seit dem Rückzug der US-Truppen. Dabei gibt es weiterhin Terroranschläge gegen die irakische Regierung, kurdische Milizen im Norden und Schiiten im Südirak. Hunderte Menschen starben im vergangenen Jahr bei Attentaten, für die al-Baghdadis Organisation die Verantwortung übernahm.

Im Juli 2013 etwa stürmten Al-Qaida-Kämpfer das größte irakische Gefängnis in Abu Ghraib und befreiten über 500 Insassen, darunter unzählige Terroristen. Ein Coup, der al-Baghdadi in dschihadistischen Kreisen weitere Sympathie verschaffte. Zudem gelang es den Al-Qaida-Extremisten, beinahe unbemerkt ein Machtvakuum in der westirakischen Provinz al-Anbar auszunutzen. In den Städten Falludscha und Ramadi riefen die Dschihadisten in der vergangenen Woche einen islamischen Staat aus. Tausende Menschen flohen daraufhin.

Die irakische Regierung entsandte das Militär und forderte die örtliche Bevölkerung auf, sich gegen die Islamisten zur Wehr zu setzen. Die Folge waren blutige Gefechte mit mehr als 150 Toten. Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki kündigte an, weitere Anti-Terror-Einsätze in der Region durchzuführen, „bis wir alle terroristischen Gruppen beseitigt und unser Volk in Anbar gerettet haben“.

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„Der Krieg mit al-Qa´ida ist kürzer geworden“ – Interview mit Peter Bergen

von Florian Flade

Osama Bin Laden & Peter Bergen (1997)

Der Journalist und Autor Peter Bergen (48) gilt als einer weltweit angesehensten Al-Qa´ida-Experten. Er reiste im Auftrag des US-Fernsehsenders CNN 1997 nach Afghanistan und traf als einer von nur wenigen westlichen Journalisten den Al-Qa´ida-Gründer Osama Bin Laden zum Interview. Damals erklärte der nun getötete Top-Terrorist im Gespräch mit Peter Bergen den USA den Krieg.

Nach den Anschlägen vom 11.September 2001 veröffentlichte Bergen mehrere Bücher über Bin Laden und sein Terrornetzwerk. Bergens jüngstes Werk „The Longest War – The Enduring Conflict Between America And Al-Qaeda“ erschien im Februar. Ich habe mit Peter Bergen über den Tod Osama Bin Laden gesprochen und warum dieser möglicherweise der Anfang vom Ende al-Qa´idas sein könnte.

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Herr Bergen, Sie haben Bin Laden 1997 in einer kleinen Lehmhütte irgendwo in den Bergen getroffen. Waren Sie überrascht als Sie hörten, dass er jahrelang in einem Anwesen in einer relativ großen pakistanischen Stadt gelebt hat?

Ehrlich gesagt habe ich ihn in einer ziemlich urbanen Umgebung irgendwo in den Stammesgebieten (afghanisch-pakistanische Grenzgebiet) getroffen. Es war keine Überraschung dass er in einem Haus gelebt hat. Von den Audio-und Videobotschaften konnte man darauf schließen dass er Zugang zu Nachrichten hatte. Er war auch nicht in einer Höhle weil wir in den Videos gesehen haben: seine Kleidung war immer sauber und ordentlich. Also nein, mich hat nicht die Art seines Versteckes überrascht. Dass er in Abbottabad war, schon.

Enge Vertraute Bin Ladens wurden in der Vergangenheit meist in Städten wie Abbottabad festgenommen und nicht in den Bergen.

Ja, stimmt. Nehmen Sie z.B. Khalid Sheikh Mohammed, Abu Zubaidah, Ramzi Binalshibh – sie alle wurden in Städten gefasst. 2004 entschieden sich viele al-Qa´ida Führer in die Stammesgebiete abzuwandern. Ganz offenbar hat Bin Laden die gegenteilige Entscheidung getroffen. Es sieht wohl danach aus, dass er irgendwann 2003 in der Grenzregion zu Afghanistan war, aber 2004 oder 2005 in eine Stadt gezogen ist. In den Stammesgebieten ist es durch die Drohnenangriffe nicht mehr sicher, in einer Stadt bemerken aber mehr Leute dass du da bist – beide Verstecke haben Vor- und Nachteile.

Was sind die unmittelbaren Folgen seines Todes für al-Qa´ida?

In meinem Buch „The Longest War“ sage ich, dass Bin Laden und al-Qa´ida schon seit Jahren dabei sind, den Krieg der Ideen in der muslimischen Welt zu verlieren. Umfragen in Indonesien, Saudi-Arabien, Jordanien und Marokko belegen das. Die Unterstützung für al-Qa´ida und ihre Ideen sinkt seit Jahren. Und dann kommt der Arabische Frühling, in dem Bin Laden und al-Qa´ida keinerlei Rolle spielen, und schließlich die Tötung von Bin Laden selbst. Der Arabische Frühling schadet al-Qa´idas Ideologie und Bin Ladens Tod schadet al-Qa´ida als Organisation. Ich denke die Ideologie und die Organisation haben sehr starke Schläge einstecken müssen, von denen sich beide kaum wieder erholen werden.

Ist der Tod Bin Ladens also das Ende des „Longest War“?

Ja, ich denke es bedeutet dass der „Longest War“ kürzer geworden ist. Es bedeutet nicht, dass es keinen dschihadistischen Terrorismus mehr geben wird. Wir sehen diese Bedrohung auch in Deutschland regelmäßig. Letzten Herbst gab es die Terrorwarnungen für Europa und wir werden auch weiter Deutsche sehen, die in die pakistanischen Stammesgebiete reisen, um dort eine Terrorausbildung zu erhalten. Das gleiche gilt für Großbritannien und die USA. Sind diese Leute ein großes Risiko für die nationale Sicherheit der Länder? Nicht wirklich. Wenn sie Glück haben töten sie zwei oder drei Dutzend Menschen. Aber wir wissen dass das weitergehen wird. Und wir wissen vom Beispiel der Baader-Meinhof Gruppe, dass eine kleine Gruppe mit praktisch keiner öffentlichen Unterstützung, dem deutschen Staat gewaltig geschadet hat in den 1970er Jahren. Ich denke aber der „Krieg gegen den Terror“ ist vorbei. Wenn er nicht mit dem Arabischen Frühling vorbei ist und mit dem Tod Bin Ladens, was will dann? Es ist unrealistisch, dass jede Person auf der Welt, die al-Qa´ida angehört oder von ihr inspiriert ist, einfach verschwindet. Das wird nicht passieren. Es gibt immer noch Marxisten auf dem Campus von Universitäten, aber sie sind praktisch irrelevant. Ich denke al-Qa´ida und ihre Idee werden eines Tages auch irrelevant sein. Der Arabische Frühling und der Tod von Bin Laden haben diesen Prozess nur beschleunigt.

Was geschieht jetzt innerhalb der al-Qa´ida? Gibt es Machtkämpfe?

Es wird Diskussionen und Streit darüber geben, wer der Anführer werden soll. Ob es z.B. ein Ägypter wie Ayman Zawahiri sein soll.

Al-Qa´ida hatte fast 10 Jahre Zeit seit dem 11.September für eine Zeit nach Osama Bin Laden zu planen. Trotzdem scheinen sie keinen Notfall-Plan zu haben. Es wurde immer noch kein Nachfolger ernannt.

Wenn man den Nazis beitrat, dann hat man keinen Eid auf die Partei geschworen, sondern einen persönlichen Eid auf Adolf Hitler. Als Hitler starb, ist das Nazitum faktisch mit ihm gestorben. Es ist hier nicht gleich aber doch ähnlich. Bin Laden hat al-Qa´ida 1988 gegründet und es gab seither keinen anderen Anführer. Und es wird keinen neuen Führer wie ihn geben.

Bin Laden ist aus Ihrer Sicht also unersetzbar?

Ja, das denke ich. Wenn man al-Qa´ida beitrat, dann hat man direkt einen Treueschwur auf Bin Laden geleistet und die al-Qa´ida Ableger mussten ihm direkt die Treue schwören, z.B. al-Qa´ida im Maghreb und al-Qa´ida im Irak. Deshalb wird es schwierig sein, Bin Laden zu ersetzen. Was passiert, wenn ein Ableger des Terrornetzwerks keinen Treueid auf Zawahiri leisten will? Wenn sie sagen: Wir sehen in ihm keinen kompetenten, charismatischen, inspirierenden Anführer. Ich glaube deshalb haben sie jetzt einen Übergangs-Führer ernannt. Letztendlich aber wird wohl Zawahiri der Nachfolger Bin Ladens werden.

Aus Ihrer Sicht wäre diese Wahl allerdings schlecht. Sie halten Zawahiri für wenig charismatisch, er ziehe keine neuen Rekruten an.

Richtig, und selbst in seiner eigenen Gruppe – Jihad al-Islami – hat man in ihm keinen geeigneten Anführer gesehen. Er hat die Gruppe gegen die Wand gefahren. Der Grund warum Zawahiri al-Qa´ida beitrat, war Verzweiflun. Er war der Anführer einer Gruppe mit wenigen Mitgliedern, die kaum noch operieren konnte. Zawahiri als Gehirn al-Qa´idas zu bezeichnen halte ich auch für falsch. Vielleicht war das in den 1980er Jahren der Fall, aber seit Ende der 1990er Jahre war Bin Laden der internationale Celebrity, Bin Laden führte al-Qa´ida und es war Bin Laden der Zawahiri unter seine Fittiche nahm und ihn überzeugte dass der wahre Feind die USA sind und nicht das ägyptische Regime.

Einige Experten befürchten eine jüngere, noch radikalere Generation von Dschihadisten könnte nun die Führung al-Qa´idas übernehmen. Was denken Sie?

Es fällt schwer, sich jemanden vorzustellen der noch gewalttätiger ist als Ayman al-Zawahiri und Osama Bin Laden, aber es ist durchaus möglich. Die junge Generation von al-Qa´ida hat die letzten Jahre auf der Flucht und in der Defensive verbracht, was sie natürlich militanter und radikaler macht. Aber al-Qa´ida ist bereits äußert brutal. Außerdem gibt es einen Unterscheid einfach nur gewalttätig sein zu wollen, und in der Lage zu sein, Gewalt wirklich auszuüben. Al-Qa´idas Möglichkeiten dazu sind sehr begrenzt.

Die nächste Generation von al-Qa´ida Führern ist in die Strukturen, die Bin Laden aufgebaut hat, hineingewachsen. Sie ist vertraut mit dem Internet, die Terroristen stammen teilweise aus dem Westen – sind sie auch gefährlicher?

Der tödlichste Terroranschlag in der Geschichte wurde von Osama Bin Laden und Zawahiri von einem Land aus geplant, in dem es kein Telefonnetz gab, schon gar kein Internet. Während das vielleicht zutrifft, was Sie sagen, ist das Internet aber vor allem in unseren Augen nützlich. Letztendlich aber kann man darüber keine Terroristen ausbilden. Man muss sie in Ausbildungslagern trainieren.

Was ist al-Qa´ida heute – wie groß ist das Netzwerk, wie viele Mitglieder gibt es tatsächlich?

Die Kern al-Qa´ida in Afghanistan und Pakistan besteht aus vielleicht 300 oder 400 Terroristen. Al-Qa´ida im Jemen hat ca. 200 bis 300 Mitglieder, die al-Qa´ida nahen Gruppen wie die „Islamische Bewegung Usbekistans“ und die „Islamische Dschihad Union“ haben einige hundert Kämpfer. Die pakistanische Lashkar e-Toiba hat einige tausend, vielleicht sogar zehntausende Anhänger, die pakistanischen Taliban sicherlich zehntausende. Es macht also keinen Sinn al-Qa´ida auf Zahlen zu reduzieren. Al-Qa´ida war schon immer eine kleine Gruppe. Worauf es ankommt, sind die Leute um al-Qa´ida und diejenigen die sich der Ideologie zugehörig fühlen.

Ist al-Qa´ida zu einem Rache-Anschlag für die Tötung Bin Ladens im Stande?

Jeder Anschlag der in den nächsten Jahren stattfinden wird, wird von al-Qa´ida als Rache für Bin Laden bezeichnet werden. Aber ohne seinen Tod hätte der Anschlag vielleicht wegen Guantánamo oder wegen der Bundeswehr in Afghanistan stattgefunden. Sie werden immer einen Grund finden. Al-Qa´idas Möglichkeiten einen Großanschlag als Racheakt auszuüben sind äußert begrenzt. Das war schon so als Bin Laden noch lebte, das ist auch jetzt so wo er tot ist.

Im März tötete ein junger Deutsch-Kosovare in Frankfurt zwei US-Soldaten, er war kein Mitglied einer Terrorgruppe, aber wohl von der Ideologie beeinflusst. Was ist gefährlicher – al-Qa´ida die Organisation oder al-Qa´ida die Ideologie?

Wie viele Menschen hat er in Frankfurt getötet?

Zwei Amerikaner, ein dritter ist weiterhin in einem kritischen Zustand.

Wie viele Menschen werden jedes Jahr in Deutschland getötet? Ich weiß es nicht, aber ich will damit sagen, dass diese „Einsamen Wölfe“ nicht so relevant sind. Der „führerlose Dschihad“ ist ein Phänomen das nunmal auftritt. Ein „einsamer Wolf“ wie Arid Uka oder der Mann der Theo van Gogh ermordete, kann vielleicht ein oder zwei Leute töten aber es bedarf einer Organisation für größere Terroranschläge. Uns sollten nicht jene Sorgen bereiten die ein paar Menschen töten wollen, sondern die Dutzende oder hunderte ermorden wollen. Und in diesen Fällen ist meist eine Organisation involviert, und der Anführer der Terrorzelle wurde in einem al-Qa´ida Lager ausgebildet. Die echte Gefahr droht weiter von den Organisationen. Al-Qa´ida auf der Arabischen Halbinsel ist eine Organisation der es fast gelungen ist eine Passagiermaschine über Detroit in die Luft zu jagen. Der Attentäter war kein einsamer Wolf, er war Teil einer Organisation. Glücklicherweise sind diese Organisationen geschwächt. Die Ideologie ist jedoch immer Grund zur Sorge.

Al-Qa´idas Terrorausbildung findet in erster Linie im pakistanischen Nord-Waziristan statt. Wenn die USA jetzt al-Qa´ida den Todesstoß versetzen wollen, müsste man nicht dieses Gebiet als Terrorsumpf austrocknen?

Da stimme ich zu. Am Ende des Tages ist das Problem der sichere Hafen für Terroristen in Nord-Waziristan. Die amerikanischen Drohnenangriffe tun einiges, um die Terroraktivitäten dort einzudämmen. Al-Qa´ida ist unter Druck, aber dieser Druck muss erhöht werden.

Wird al-Qa´ida in ihrer nächsten Veröffentlichung den neuen Anführer verkünden?

Ja, und ich denke es wird Ayman al-Zawahiri sein. Er ist kein guter Manager für die Organisation sein und im Laufe der Zeit wird al-Qa´ida deshalb immer mehr an Bedeutung verlieren.

Bin Laden Courier Captured in Karachi?

by Florian Flade


May 4th, Gulshan e-Iqbal District, Karachi: Pakistani security forces raided a building in the center of the coastal town of Karachi. They arrested the suspected Arab al-Qaida member Muhammad Ali Qassim aka „Abu Suhaib al-Makki“.

According to Pakistani authorities Qassim, who had a satellite phone and GPS tracking devices on him at the time of the arrest, had lived in Pakistan for years with his wife and three children. His nationalities was not confirmed but it is suspected he is either a Yemeni or Saudi citizen of 35 to 40 years old. The Pakistani intelligence ISI believes Qassim took over an important role in al-Qaida after a US drone attack killed the Egyptian Mustafa Abu al-Yazid in May 2010.

Qassim allegedly speaks Pashto and Urdu and was, according to the BBC one of the main couriers between Osama Bin Laden and his deputy Dr.Ayman az-Zawahiri. He traveled a lot around Pakistan and had previously lived in various cities in the country, including Peshawar, Faisalabad and Abbottabad, where Bin Laden was killed by US Navy SEALs about two weeks ago.

US officials said „Abu Suhaib al-Makki“ was not on the most-wanted list of al-Qaida figures and is not suspected of being a member of the terrorist networks leadership. If the reports are true, he was a courier regularly transferring messages from Bin Laden to Zawahiri and vice versa, it is interesting to note that he was arrested only two days after Bin Laden was killed. Did Pakistani intelligence know about the presence of the Arab al-Qaida courier in Karachi? Where they tracking him or did they come across him only because of the intel found in the Bin Laden compound?