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Dschihad-Rückkehrer Teil 4 – Kämpfer im Sturm

von Florian Flade

Bildschirmfoto 2015-01-19 um 12.06.00Ein Propagandavideo zeigt angeblich einen Selbstmordanschlag gegen das Zentralgefängnis von Aleppo

Die Münchner Innenstadt im März 2013. Die rechtspopulistische Partei „Die Freiheit“ hat zu einer Kundgebung geladen. Wieder einmal geht es um die angebliche Islamisierung und den Moscheebau in Bayern. Am Mikrofon spricht Michael Stürzenberger, Bundesvorsitzender von „Die Freiheit“.

Plötzlich taucht ein junger Mann auf und verwickelt Stürzenberger in eine heftige Diskussion. Wer sich islamistischen Terrorgruppen anschließe, handele im Prinzip wie ein Bundeswehrsoldat, erklärt der Mann mit der schwarzen Lederjacke und dem Kapuzenpullover. „Was halten Sie von Al-Qaida?“, will Stürzenberger wissen und hält dem Muslim das Mikrofon hin. „Al-Qaida ist das beste, was es gibt. Sag ich dir ganz ehrlich.“ Und der Islamist geht noch weiter. „Du willst mir den Kopf abschneiden?“, fragt Stürzenberger. „Ich würd´s so gerne tun, das glaubst du mir gar nicht.“

Der Mann, der in der Münchner Fußgängerzone vom Kopf-Abschneiden redet und den Kampf für Allah verherrlicht, heißt Harun P. und stammt aus München. Deutschen Sicherheitsbehörden ist er seit einiger Zeit als radikaler Islamist bekannt. Heute beginnt vor dem Oberlandesgericht der Prozess gegen den 27-jährigen. Angeklagt ist P. nicht aufgrund seiner Drohungen gegen Michael Stürzenberger, sondern weil er sich am bewaffneten Dschihad beteiligt haben soll. In Syrien.

Ende September 2013 reiste Harun P. über die Türkei nach Syrien. Laut Staatsanwaltschaft soll er sich dort der Terrorgruppe Junud ash-Sham angeschlossen haben. In einem Ausbildungslager soll der Münchner im Umgang mit Schusswaffen und im Nahkampf geschult worden sein, bevor er für Wachdienste eingeteilt wurde. Anschließend soll P. an militärischen Planungen und auch an Kampfhandlungen der Junud ash-Sham beteiligt gewesen sein.

Nach Erkenntnissen der Ermittler soll Harun P. am 6. Februar 2014 bei einem Großangriff auf das Zentralgefängnis des syrischen Regimes in Aleppo beteiligt gewesen sein. Den Überfall führte die Junud ash-Sham gemeinsam mit der Al-Qaida-nahen Jabhat al-Nusrah durch. Bis zu 1600 Dschihadisten sollen an der Operation beteiligt gewesen sein, die mit einem Selbstmordattentat eines britischen Islamisten begann. Zwei syrische Regierungssoldaten und mehrere Gefängnisinsassen kamen bei dem Angriff ums Leben.

Harun P. kämpfte nach eigener Ansage wohl an der Front. Am Vortrag rief er seine Mutter in Deutschland an. Er erklärte ihr später per Chat, dass er als Kämpfer „im Sturm“ vorgesehen sei. Offenbar rechnete P. damit, die Aktion möglicherweise nicht zu überleben. Er nahm deshalb sein Testament mit dem Handy auf, was die Ermittler später herausfanden.

Beim Angriff auf das Gefängnis von Aleppo soll Harun P. mehrere Schüsse abgefeuert haben. Ob er jedoch selbst tötete, ist bislang unklar. Laut Staatsanwaltschaft „billigte“ der deutsche Dschihadist allerdings die gesamte Aktion und „erstrebte den Tod möglichst vieler Bewacher und gegnerischer Soldaten“.

Doch damit nicht genug. Die Karlsruher Bundesanwaltschaft wirft dem Münchner neben der Mitgliedschaft in einer Terrororganisation (§ 129b Abs. 1 i.V.m. § 129a Abs. 1) und der Vorbereitung einer schweren, staatsgefährdenden Gewalttat in Syrien (§ 89a ) auch noch die Anstiftung zum Mord vor.

Kurze Zeit nachdem Harun P. in Syrien angekommen war, reiste ein 16-jähriges Mädchen aus Deutschland ebenfalls in das Kriegsgebiet. Sie soll über das Internet Kontakt zu radikalen Islamisten vor Ort aufgenommen haben und wollte wohl ebenfalls in das Dschihad-Gebiet auswandern, um dort einen Kämpfer zu heiraten. Ihre Familie allerdings sorgte sich um das Leben des Mädchens. Vater und Schwester reisten ihr Anfang Januar hinterher, um sie zurück zu holen.

Harun P. trat im Streit zwischen dem 16-jährigen Mädchen und ihrer Familie als Vermittler auf. Er trat dem Vater und der Schwester jedoch ohne Maskierung gegenüber und geriet danach wohl in Sorge, die Angehörigen könnten nach ihrer Rückreise nach Deutschland den Behörden etwas über seine Aktivitäten in Syrien berichten. Laut Staatsanwaltschaft soll Harun P. daraufhin seinem Kommandeur vorgeschlagen haben, die Angehörigen aus Sicherheitsgründen nicht nach Deutschland zurück reisen zu lassen, sondern sie in Syrien zu töten.

Einer Bekannten in Deutschland berichtete Harun P. in einem abgehörten Telefonat von diesem Vorhaben. Woraufhin diese ihn heftig kritisierte. P. entgegnet nur, dass in Syrien die Uhr halt etwas anders ticke.

Nach dem Großangriff auf das Gefängnis in Aleppo im Februar 2014 verblieb der Münchner Islamist noch eine Weile in der Region, setzte sich dann aber im März in die Türkei ab. Weshalb Harun P. das Kriegsgebiet verlassen hat, ist den Ermittlern bis heute nicht klar. Er reiste jedenfalls zunächst nach Tschechien, wo ihn die Behörden am 1. April 2014 in Prag festnahmen. Geplant war offenbar eine Weiterreise per Bus nach Berlin.

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Lesen Sie hier:

Dschihad-Rückkehrer Teil 1 – „Du Blödmann!“

Dschihad-Rückkehrer Teil 2 – Auf Shoppingtour

Dschihad-Rückkehrer Teil 3 – „Etwas erledigen“

 

Dschihad-Rückkehrer Teil 1 – „Du Blödmann!“

von Florian Flade

Auf die deutsche Justiz kommen zahlreiche Verfahren gegen mutmaßliche Dschihadisten zu, die in Syrien und dem Irak gekämpft haben und nach Deutschland zurückgekehrt sind. Hier sollen einige Fälle näher beleuchtet werden. Den Auftakt macht der Frankfurter Kreshnik B..

Es gibt ein Foto von Kreshnik B., das zeigt einen dunkelblonden Jungen mit lockigem Haar, in einem blau-weißen Trikot des TuS Makkabi Frankfurt, Deutschlands größtem jüdischen Fußballverein. Auf der Brust prangt der Davidsstern. Der Deutsch-Kosovare trug die Rückennummer 14, war ein talentierter Abwehrspieler. Das Gruppenfoto seiner Mannschaft ist wenige Jahre alt.

Und dann gibt es dieses andere Bild von Kreshnik B., aufgenommen am Montag, im Saal II des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main. In Kapuzenpulli, mit T-Shirt und Vollbart sitzt Kreshnik B. auf der Anklagebank. Als mutmaßliches Mitglied der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS).

Kreshnik B., geboren in Bad Homburg als Sohn kosovarischer Einwanderer, soll ein islamistischer Fanatiker sein. Ein selbsternannter Gotteskrieger, der in Syrien gekämpft haben soll. So steht es in der Anklageschrift der Bundesanwaltschaft. Es ist der erste Fall eines Syrien-Rückkehrers, der in Deutschland verhandelt wird. Der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Prozessen, die noch folgen werden.

Vor über einem Jahr war Kreshnik B. aufgebrochen in den „Heiligen Krieg“. Am 2. Juli 2013 verließ er die elterliche Wohnung in Frankfurt, wo er mit Vater, Mutter und den beiden Schwestern lebte. Die Eltern meldeten ihn am Folgetag bei der Polizei vermisst.

Zusammen mit sechs Glaubensbrüdern stieg Kreshnik B. in Mannheim in einen Bus nach Istanbul. Zwei Tage dauerte die Reise in die türkische Metropole. Die Zwischenstopps nutzten B. und seine Mitreisenden für das gemeinsame Gebet, so berichteten die Busfahrer später den deutschen Ermittlern.

Von Istanbul aus reisten Kreshnik B. und die anderen schließlich in den Süden der Türkei. Über einen Schleuser schaffte es die Gruppe nach Syrien. Kreshnik B., der Berufsschüler aus Frankfurt, war mitten im Bürgerkrieg angekommen.

Das hessische Landeskriminalamt ermittelte, dass sich der junge Deutsch-Kosovare offenbar über Kontaktpersonen aus einer einschlägig bekannten Moschee in Frankfurt radikalisiert hatte. Mitschüler der Philipp-Holtzmann-Berufsfachschule gehörten nach Erkenntnissen der Ermittler zum Umfeld der Salafisten-Szene im Rhein-Main-Gebiet. Über sie kam Kreshnik B. wohl mit dem radikalen Islam in Berührung. Regelmäßig besuchte er fortan die Abu-Bakr-Moschee im Frankfurter Stadtteil Hausen. Auch an Koran-Verteilaktionen soll er sich beteiligt haben.

Doch die Missionierungsarbeit in Deutschland war Kreshnik B. augenscheinlich nicht genug. Er wollte nach Syrien. Kämpfen gegen das Assad-Regime. Und tatsächlich schaffte es der Frankfurter in die Reihen der berüchtigten Terrortruppe „Islamischer Staat“.

Als die Eltern Kreshnik B. vermisst meldeten, setzte sich der Apparat der deutschen Sicherheitsbehörden in Gang. Sie verfolgten die Spur des Ausgereisten. Mehrfach meldete sich B. in den Folgemonaten bei seiner älteren Schwester Aferdita. Das Bundeskriminalamt (BKA) hörte die Telefonate und Skype-Gespräche mit, protokollierte die Chats. So konnten die Ermittler rekonstruieren, was Kreshnik B. in Syrien erlebte.

Seine erste Station war offenbar die nord-syrische Metropole Aleppo. Dort soll sich B. Mitte Juli 2013 einer Gruppe angeschlossen haben, die er in Unterhaltungen mit seiner Schwester als „dawla muhajirin“ bezeichnete. Die Bundesanwaltschaft ist sich sicher, dass es sich dabei um eine Unterorganisation des „Islamischen Staates“ handelt, eine Aufnahmestelle für ausländische Dschihadisten.

„Mir ist eigentlich egal für welche Gruppe ich kämpfe“, schrieb Kreshnik B. seiner Schwester per Skype. Wichtig sei nur, dass er für die Scharia kämpfe.

Doch bevor er kämpfen durfte, musste Kreshnik B. eine Aufnahmeprüfung überstehen. Ihm und seinen Mitstreitern wurden die Pässe abgenommen. Dann folgte ein Verhör. Die Terrorgruppen fürchten sich vor Spitzeln und Spionen. Neuankömmlinge werden daher sorgsam aussortiert. Wer letzte Zweifel an seinen Absichten nicht ausräumen kann, dem droht Folterhaft oder die Hinrichtung.

Kreshnik B. wurde schließlich aufgenommen und leistete laut Staatsanwaltschaft den Treueeid auf den „Islamischen Staat“ (IS). Und nahm kurze Zeit später bereits an einer öffentlichen Propagandaveranstaltung der Organisation in Aleppo teil. Ein Video, veröffentlicht von der Medienabteilung des IS am 25.Juli 2013, zeigt B. vor einer IS-Flagge sitzend, neben ihm sind ein junger Dschihadist ein Kampflied.

Zudem, so behauptet die Bundesanwaltschaft, absolvierte der Deutsch-Kosovare ein vierwöchiges, paramilitärisches Training, bestehend aus einer Ausbildung an der Waffe, im Nahkampf und Erster Hilfe. Anschließend bekam er eine Schusswaffe, Kleidung gestellt und erhielt pro Monat umgerechnet 50 Euro Sold.

Vor allem Wachdienste soll Kreshnik B. für den IS geleistet haben. Aber auch an Kampfeinsätzen war der 20-jährige wohl beteiligt. Mitte September 2013 etwa nahe der Stadt Hama. Und Mitte November 2013. Zu diesem Zeitpunkt, so heißt es in der Anklageschrift, leistete B. zudem die „ba´yat“, den Treueschwur, auf den Führer des IS, Abu Bakr al-Baghdadi.

Kreshnik B. war nun ein Fußsoldat des „Islamischen Staates“, einer von Dutzenden Extremisten aus Deutschland, die in den Reihen der Terrorgruppe kämpfen. „Ich chille, gehe kämpfen, tu meinen Job für Allah“, schrieb er seiner Schwester. B. verherrlichte den Tod von Mitstreitern, berichtete aber auch von Schikanen durch die IS-Kommandeure und von Suizid-Missionen.

Mehrfach versuchte ihn die ältere Schwester zur Rückkehr nach Deutschland zu überreden. „Mit 25 wirst du das bereuen. Du bist jung, dumm und naiv“. Sie bot dem Bruder an, einen Anwalt zu besorgen. „Keiner von diesen Leuten liebt dich so wie deine Mama und dein Papa!“, schrie sie ihn am Telefon an. Er wolle den notleidenden Menschen in Syrienhelfen, entgegnete Kreshnik B., der Dschihad sei eine Pflicht für jeden Muslim. Sie solle den Koran lesen. Die Schwester führ ihn wütend an!“: „Halt’s Maul, ich lese mehr Koran als du! Du Blödmann!“

Anfang Dezember zog Kreshnik B. wohl das letzte Mal für den IS in den Krieg. Dann hatte er wohl genug vom Dschihad. Er reiste zurück in die Türkei und traf dort mit seiner Schwester und seinem Cousin zusammen. Gemeinsam flogen die drei am 12. Dezember 2013 zurück nach Deutschland. Am Frankfurter Flughafen klickten die Handschellen.

Neun Monate später muss sich Kreshnik B. nun für sein Syrien-Abenteuer vor Gericht verantworten. Sein Mandant habe dem radikalen Islam abgeschworen, erklärte sein Verteidiger, der Bonner Anwalt Mutlu Günal, am Montag. Das Gericht unterbreitete zugleich ein Angebot. Sollte sich B. umfassend einlassen und die Vorwürfe gestehen, würde ihm eine Jugendstrafe von maximal vier Jahre und drei Monate Gefängnis drohen.

„Wir wollen Ihnen nicht mit aller Gewalt Ihre Zukunft verbauen“, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel. Man wolle dem 20-jährigen noch eine Chance geben. Eine Chance, die einer der Glaubensbrüder mit denen Kreshnik B. nach Syrien gereist war, nicht mehr hat. Er kam nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes (BKA) ums Leben.

 

Düsseldorfer Salafist als Kämpfer in Syrien

von Florian Flade

pic_28052013Islamistische Kämpfer in einem syrischen Ausbildungslager

Schon im Alter von 16 Jahren ließ Kerim B. keinen Zweifel aufkommen, worum es ihm im Leben geht. „Ich lebe nur für Allah und werde von daher mein Leben mit meiner Familie den Islam widmen“, schrieb B. vor fünf Jahren in einer Art Kurzbiografie über sich in einem muslimischen Internetforum. Er sei ein „stolzer und sehr gläubiger Moslem“ und suche eine „gläubige, vernümpftige, anstendige Frau mit Hijab (Kopftuch)“.

Der heute 21-jährige Kerim B., Sohn eines Niederländers und einer Türkin, wuchs im nordrhein-westfälischen Kleve auf. Zuletzt lebte er in Düsseldorf. Jetzt heißt seine neue Heimat: Syrien.

Kerim B., in Deutschland als radikaler Salafist unter Beobachtung der Sicherheitsbehörden, ist vor kurzem nach Syrien ausgereist und kämpft derzeit im syrischen Kriegsgebiet rund um die Stadt Aleppo auf. Er soll sich dort der Rebellengruppe „Jugend der Armee Mohammed im Land von Scham“ angeschlossen haben.

Ein Foto, das mir vorliegen, zeigt Kerim B. alias „Abu Zulfiqar“, mit kahlrasiertem Kopf und Bart, in einem langen Gewand auf einer Wiese irgendwo in Syrien sitzend. In den Händen hält er ein AK-47-Sturmgewehr.

Der Düsseldorfer Salafist Kerim B. ist nur einer von mehr als vier Dutzend Islamisten aus Deutschland, die sich aktuell in Syrien aufhalten sollen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) führt eine interne Liste der „Syrien-Reisenden“. Mehr als 50 Personen befinden sich mittlerweile darauf. Junge Männer und Frauen aus Berlin, Düsseldorf, Kassel, Pforzheim und Karlsruhe. Und die Zahl wächst stetig.

Im vergangenen Jahr zählten die Sicherheitsbehörden nur rund 10 Ausreisen mit Ziel Syrien. Inzwischen, so heißt es aus Sicherheitskreisen, setzten sich beinahe monatlich salafistischen Extremisten aus Deutschland dorthin ab. In der Regel reisen sie über die Türkei nach Nord-Syrien und halten sich dann zunächst rund um die Rebellenhochburg Aleppo auf.

Welchen Rebellengruppen sich die Islamisten aus Deutschland letztendlich anschließen, können Nachrichtendienste häufig nur erahnen. Wer reist zum Kämpfen nach Syrien, wer will lediglich humanitäre Hilfe leisten? Schließt sich ein deutscher Salafist eher den Nationalisten unter den Rebellen an, oder landet er in den Reihen der Al-Qaida-nahen Gruppen?

Die Analyse der Ausreisen ist eine Sisyphos-Arbeit. Viele Ausreisen in das Kriegsgebiet registrieren die Behörden erst zu spät. Wenn die Person längst weg ist. So wie im Fall Kerim B..

In Deutschland stand der junge Salafist aufgrund seiner extremistischen Einstellung im Fokus der Sicherheitsbehörden. Die Staatsschutzabteilung der Düsseldorfer Polizei führt ihn seit mehr als zwei Jahren als potentiellen islamistischen Gewalttäter.

Grund dafür ist wohl auch ein Zwischenfall, der sich am 17. April 2011 ereignete. Vor einer Moschee unweit des Düsseldorfer Bahnhofs wollten Polizeibeamte eine Personenkontrolle durchführen, nachdem ihnen drei junge Salafisten aufgefallen waren. Was dann geschah, dokumentiert ein vertraulicher vierseitiger Bericht des Staatsschutzes (VS- „Nur für den Dienstgebrauch“).

„Guck mich nicht an, du Wichser!“, rief einer der Männer den Polizisten entgegen. Daraufhin kam es zu einem Handgemenge bei dem die Beamten Pfefferspray einsetzten. Einer der Männer, Mounier el-A. aus Düsseldorf, konnte festgenommen werden. Die beiden anderen konnten flüchten. Einer von ihnen: der damals 18-jährige Kerim B..

Beim erneuten Antreffen der Salafisten, heißt der Staatsschutzbericht an, sollten Polizeibeamte einen „Beobachtungs- und Feststellungsbericht – Islamistischer Terrorismus“ anfertigen.

Die Sorge ist groß, dass einige der kampferprobten Syrien-Veteranen wie Kerim B. nach ihrer Rückkehr zur Gefahr für Deutschland werden. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre aus Dschihad-Gebieten wie Afghanistan, dem Irak, Pakistan oder Somalia zeigt: der Krieg der islamistischen Extremisten ist keine Einbahnstraße.

Nicht selten radikalisieren sich Personen durch die Kriegserfahrung und kehren als gewaltbereite Dschihadisten in ihre Heimatländer zurück. „Es gibt eine Reihe von Enttäuschten“, warnte vor kurzem der Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen, „Auf die müssen wir besonders aufpassen, da sie möglicherweise mit Waffenerfahrung zurückkommen.“