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Dschihad? Keine gute Idee

von Florian Flade

Das US-Außenministerium startet eine Online-Kampagne um die Rekrutierung von jungen Amerikanern durch islamistische Terrorgruppen einzudämmen. Experten hoffen so, Jugendliche von Reisen nach Syrien, Jemen oder Somalia abzuhalten.

twitter.com 2013-12-6 21 7 25

Omar Hammami war dabei die Karriereleiter des internationalen Terrorismus zu erklimmen. Geboren in Daphne, im US-Bundesstaat Alabama, verschrieb sich der Sohn eines Syrers und einer Amerikanerin schon früh dem radikalen Islam. Hammami verließ die USA und reiste in das ostafrikanische Bürgerkriegsland Somalia. Der US-Amerikaner wollte in den Dschihad ziehen. Die Ungläubigen bekämpfen.

Heute ist Hammami tot. Getötet von seinen einstigen Weg- und Kampfgefährten der Terrormiliz Al-Shabaab. Zunächst begrüßten die somalischen Terroristen den hellhäutigen Amerikaner in ihren Reihen. Als „Abu Mansour al-Amrikki“ tauchte Hammami in mehreren Propagandavideos auf und veröffentlichte dschihadistische Rap-Songs.

Irgendwann aber begann sich das Blatt zu wenden. Das Misstrauen der Al-Shabaab-Kämpfer wuchs. Hammami kritisierte die Terrorgruppe und fiel in Ungnade.

In einem Youtube-Video flehte der amerikanische Dschihadist im vergangenen Jahr um sein Leben. Man habe ihn zum Tode verurteilt. Al-Shabaab jage ihn nun und werde ihn töten, so Hammami. Und tatsächlich fanden die Extremisten den Amerikaner und richteten ihn am 12.September hin. Der Traum vom Dschihad, er wurde durch die Henker der Al-Shabaab beendet.

Mit Omar Hammamis Geschichte wollen US-Behörden nun eine Kampagne gegen die Radikalisierung junger Muslime starten. Unter Federführung des US-Außenministeriums soll mit Fotocollagen und klaren Aussagen in englischer Sprache die Online-Rekrutierung von amerikanischen Muslimen eingedämmt werden.

Du willst in den Dschihad? Keine gute Idee – so die etwas vereinfachte Aussage des Projekts „Think Again. Turn Away“, das am Mittwoch startete.

Platziert werden sollen die Warnhinweise in sozialen Netzwerken und in islamistischen Internetforen, über die bekanntermaßen englischsprachige Muslime von Islamisten angeworben werden.

Das Bild von Omar Hammami und zwei weiteren Amerikanern, die ebenfalls in Somalia starben, ist ein Teil der Kampagne. „Sie kamen für den Dschihad, aber wurden von Al-Shabaab ermordet“ steht neben der Fotocollage.

Auf einem anderen Bild ist Al-Qaida-Führer Ayman al-Zawahiri neben dem syrischen Dikator Baschar al-Assad zu sehen. Im Hintergrund die Ruinen syrischer Wohnhäuser. „Assad und al-Qaida im Wettrennen Syrien zu zestören“, so die Botschaft des Bildes. „Mach es nicht noch schlimmer.“

Die Szene nach einem Autobombenanschlag hat das US-Außenministerium mit der Frage versehen: „Wie kann das Abschlachten der Unschuldigen der richtige Weg sein?“

Die Experten des Außenministeriums sind alarmiert über die Zahlen junger Amerikaner, die sich in den Kriegsgebieten im Nahen Osten und in Afrika islamistischen Terrorgruppen anschließen. Insbesondere nach Syrien, Jemen und Somalia reisen aktuell Dutzende amerikanische Staatsbürgern, um sich am Dschihad zu beteiligen.

Die Mehrzahl der rekrutierten Muslime sei männlich und zwischen 18 und 30 Jahren alt, so die Analyse. Fast alle sprechen Englisch. Und kamen vor ihrer Ausreise mit englischsprachiger Dschihad-Propaganda im Internet in Kontakt.

„Viele ausländische Dschihad-Kämpfer kommen aus dem Westen und mindestens ein Al-Qaida-Ableger, die Al-Shabaab, nutzt Englisch, um neue Kämpfer online zu rekrutieren“, sagt William McCants, ein ehemaliger Terrorismus-Fachmann im US-Außenministerium. der New York Times. „Also macht es Sinn, Englisch zu schreiben, um diese Rekrutierungsversuche zu bekämpfen.“

Im September wurde bekannt, dass die USA zusammen mit der Türkei rund 200 Millionen US-Dollar investieren wollen, um die Radikalisierung von jungen Muslimen zu verhindern. Finanziert werden sollen durch diesen Etat unter anderen Webseiten und Initiativen in sozialen Netzwerken, die der dschihadistischen Ideologie entgegen wirken oder diese entlarven.

USA setzen drei deutsche Islamisten auf Terror-Liste

von Florian Flade

Drei Islamisten aus Deutschland werden von den USA nun offiziell als Terroristen gesucht. Es handelt sich um ein Brüder-Paar aus Bonn, die derzeit in Pakistan vermutet werden, und um einen Deutsch-Türken aus Ludwigshafen.

 

 

 

 

 

 

Die USA haben am Donnerstag drei Islamisten aus Deutschland zur Liste weltweit gesuchter Terroristen hinzugefügt. Bei den Personen handelt es sich um die Bonner Brüder Yassin und Mounir Chouka (Fotos siehe oben) und den aus Ludwigshafen stammenden Deutsch-Türken Mevlüt K..

In einer Presseerklärung des US-Außenministeriums heißt es, alle in den USA deponierten Vermögenswerte der drei Terroristen seien ab sofort eingefroren und jegliche finanzielle Transaktion mit den genannten Personen sei nun in den USA verboten.

„Die Brüder Yassin und Mounir Chouka sind Kämpfer, Rekrutierer, Logistiker und Propagandisten für die „Islamische Bewegung Usbekistans“ (IBU), eine ausländische terroristische Organisation“, erklärt das amerikanische Außenministerium, „Mevlüt K. ist ein Logistiker und Rekrutierer für die „Islamische Dschihad Union“ (IJU).“

Yassin („Abu Ibrahim“) und Mounir („Abu Adam“) Chouka hätten als IBU-Kämpfer an Kampfhandlungen der Gruppe im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet teilgenommen. Zudem seien die Chouka-Brüder langjährige Mitglieder der Medien-Abteilung der Gruppe IBU. Die Islamisten aus Bonn hätten im Namen der IBU im vergangenen Jahr die Verantwortung für mindestens zwei Terroranschläge in Afghanistan übernommen, bei denen US-Amerikaner ums Leben kamen.

Die Chouka-Brüder werden derzeit im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet Waziristan vermutet, wohin sie im Jahr 2007 zur Terrorausbildung reisten. Regelmäßig traten Yassin und Mounir Chouka seitdem in Propagandavideos der IBU auf und riefen deutsche Muslime auf, sich dem Dschihad anzuschließen.

Die dritte Person aus Deutschland, die nun offiziell von den USA als Terrorist gesucht wird, ist der 1978 in Ludwigshafen geborene Mevlüt K..

„K. wird derzeit von der Regierung des Libanon gesucht und ein Interpol Haftbefehl wurde ausgestellt“, so das US-Außenministerium, „Er wurde in Abwesenheit zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt weil er versucht hat eine Al-Qaida Zelle im Libanon zu gründen.“ Mevlüt K. habe zudem mehr als 20 Zünder für Bomben beschafft mit denen die sogenannte „Sauerland Gruppe“ im Herbst 2007 amerikanische Ziele in Deutschland angreifen wollte.

Der gesuchte Deutsch-Türke soll sich aktuell in der Türkei aufhalten. Von Seiten der deutschen Bundesanwaltschaft läuft seit 2009 ein Ermittlungsverfahren gegen Mevlüt K.. Er gilt als mutmaßlicher Helfer der „Sauerland Gruppe“.