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Australien und die Spionage

Der BND-Präsident besucht Australien. Die Reise wirft ein Schlaglicht auf die Herausforderungen der Zukunft, mögliche Konflikte mit China – und auf Australiens Geheimdienste. Welche Dienste gibt es dort überhaupt und welche Rolle spielen sie? Ein Überblick.

Von Florian Flade

Der BND-Chef war vergangene Woche auf Reisen. Rund 16.000 Kilometer von Berlin entfernt. Bruno Kahl flog mit einer kleinen Delegation des deutschen Auslandsdienstes und seinem neuen Dienstflugzeug zunächst nach Thailand. Nach einem kurzen Zwischenstopp ging es dann weiter nach Canberra, Australien.

Mehrere Tage verbrachte Kahl in Down Under. Es war ein schon länger geplanter Trip. Mit der Verlegung von deutschen Eurofighter-Kampfjets und rund 250 Bundeswehrsoldaten nach Australien für die Militärübungen „Pitch Black“ und „Kakadu“ soll die Reise nichts zu tun haben. Es ging vielmehr um Kontaktpflege mit den australischen Nachrichtendiensten. Der Australien-Aufenthalt des deutschen Spionagechefs, der Anfang der 1990er Jahre ein juristisches Referendariat in Sydney verbracht hat, dürfte dabei durchaus mit aktuellen Bedrohungen und gemeinsamen Interessen zu tun haben.

Australien erlebt einen wachsenden Einfluss Chinas in seiner unmittelbaren Nachbarschaft im Indo-Pazifik. Peking schließt diverse Abkommen mit den Inselstaaten nördlich von Australien, teilweise soll es sogar um die potentielle militärische Nutzung von Häfen und Flughäfen in der Region gehen. Gleichzeitig stellen die australischen Sicherheitsbehörden zunehmende Spionageaktivitäten Chinas im Land fest, darunter Cyberangriffe und Versuche der Einflussnahme auf australische Parteien, Organisationen und Politiker.

Die Beziehungen zwischen Deutschland und China werden perspektivisch in den kommenden Jahren wohl noch an Bedeutung gewinnen – und so steigt auch das Konfliktpotenzial. Deutsche Sicherheitsbehörden wollen sich daher entsprechend aufstellen und sind dabei, die bestehenden Allianzen mit Blick auf China zu stärken. Und die deutschen Geheimdienstler wollen von den Erfahrungen derjenigen Dienste profitieren, die bereits viel Erfahrung mit Pekings Spionen gesammelt haben.

Es lohnt sich daher ein Blick auf Australien und deren unterschiedliche Nachrichtendienste, die allesamt Beziehungen zu deutschen Sicherheitsbehörden unterhalten. In den vergangenen Jahrzehnten und Jahren waren diese Partnerschaften eher weniger von Bedeutung, dies könnte sich nun allerdings ändern.

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Operation „Pamir“

In den 1980er Jahren ging der BND eine ungewöhnliche Geheimdienstkooperation mit China ein. Bei der Operation „Pamir“ ging es um geheime Abhöranlagen, Technologie und viel Geld.

Von Florian Flade

Die Gäste aus Deutschland hatten Geschenke mitgebracht. Hochwertige Armbanduhren von Junghans, Schweizer Taschenmesser, Kugelschreiber, und zehn Mini-Kameras des Herstellers Minox. Kleine Apparate, wie sie bei Spionen beliebt waren. Und um Spionage ging es auch bei dem Besuch der deutschen Delegation in China. Damals, im Juli 1985.

Eine kleine Gruppe von Geheimdienstlern und Politikern aus der Bundesrepublik reiste seinerzeit nach Peking. Mit dabei waren der damalige Vize-Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), ein Unterabteilungsleiter sowie ein paar ausgewählte Bundestagsabgeordnete. Untergebracht wurden sie im Gästehaus der chinesischen Regierung, es gab üppige Abendessen und eine Bootsfahrt. Es war eine geheime Reise, über die Stillschweigen vereinbart wurde. Nur wenige waren eingeweiht.

Der Grund für die dreitägige Reise ins Reich der Mitte war ein streng geheimes, gemeinsames Projekt des BND und des chinesischen Militärgeheimdienstes – die Operation „Pamir“. Rund 30 Jahre später ist über diese geheimdienstliche Kooperation noch immer so gut wie nichts bekannt. Der Sachverhalt unterliegt weiterhin der Geheimhaltung, die Akten werden nicht offiziell freigegeben. Der BND und die Bundesregierung hüllen sich nach wie vor in Schweigen.

„Zur Sicherung und Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit des BND (Staatswohl), namentlich aus Gründen des nachrichtendienstlichen Quellen- und Methodenschutzes, ist dem BND eine Auskunft (…) derzeit leider nicht möglich“, teilte eine Sprecherin des Dienstes auf meine Anfrage im Dezember 2021 mit.

Es ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Allianz zweier Staaten, die im Kalten Krieg begann – und diesen wohl überdauerte. Eine brisante Operation, bei der es militärische Geheimnisse ging, um Technologie aus Deutschland und um viel Geld.

Was hat es mit der Operation „Pamir“ auf sich? Und warum wird auch nach Jahrzehnten noch ein solches Geheimnis darum gemacht?

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Amerikas Geheimdienste und die Labor-Theorie

Die USA wollen den Ursprung von Covid-19 genauer erforschen. Im Frühjahr hat Präsident Biden den Geheimdiensten den Auftrag erteilt, alle verfügbaren Informationen vorzulegen. Nun ist der Bericht fertig.

Von Florian Flade

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Avril Haines ist die Herrin über Amerikas Geheimdienste. Sie ist die erste Frau im Amt des Director of National Intelligence (DNI) und übernimmt damit die Aufsicht über die achtzehn Dienste, die in den USA zur Intelligence Community, kurz IC, gehören. Die Physikerin und Juristin, die bereits Rechtsberaterin und stellvertretende CIA-Chefin unter Präsident Barack Obama war, weiß um die Gefahren und Risiken, die in der Welt lauern. Die von Terroristen, Krisenherden, von organisierter Kriminalität, Waffenhandel und Massenvernichtungswaffen ausgehen. Aber auch die Bedrohungen, die aus der Natur kommen, kennt Haines nur allzu gut – und zwar aus eigener, leidvoller Erfahrung.

Sie war noch ein Kind als ihre Mutter, eine Malerin, schwer erkrankte. Zunächst an Kurzatmigkeit, dann befielen sie Bakterien, die Geflügeltuberkulose auslösten. Ihre Lunge wurde dadurch erheblich geschädigt. Tauben können diese Form der Tuberkulose verursachen, sie nisteten wohl auch direkt vor dem New Yorker Apartment der Familie. Es handelt sich bei der Krankheit um eine Zoonose, so werden Infektionskrankheiten genannt, die durch Erreger ausgelöst werden, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können.

Haines Mutter wurde durch die Krankheit zum Pflegefall und verbrachte die folgenden Jahre im Bett oder im Rollstuhl. Der Gesundheitszustand verschlechterte sich dabei zunehmend. Mit einer Vakuummaschine wurde die Lungenfunktion unterstützt, später bekam die Mutter einen Luftröhrenschnitt und wurde durch einen Schlauch beatmet. Avril Haines, damals Teenagerin, pflegte ihre Mutter bis diese kurz vor ihrem 16. Geburtstag verstarb.

In den vergangenen Monaten nun musste sich die Geheimdienst-Direktorin Avril Haines erneut mit einem Krankheitserreger beschäftigen, der wohl aus dem Tierreich stammt, eine schwere Lungenerkrankung auslösen kann und Ausgangspunkt für eine Jahrhundertkrise ist – dem Sars-CoV-2-Virus. Im Mai gab US-Präsident Biden der amerikanischen Geheimdienst-Community den Auftrag, den Ursprung von Covid-19 zu ermitteln.

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