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Die Kinder des Kalifats

von Florian Flade

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Der Junge ist noch zu klein, er muss die Pistole mit beiden Händen halten. Er tritt hinter die beiden Männer, die gefesselt vor ihm auf dem Boden hocken. Und er schießt beiden in den Kopf. Danach streckt er die Waffen nach oben. Das Kind grinst.

Die Szene stammt aus einem Video, das die Terrorganisation „Islamischer Staat“ (IS) vor kurzem veröffentlicht hat. Ein offenbar aus Kasachstan stammender Junge, nicht älter als 10 Jahre, exekutiert darin zwei angebliche russische Spione.

Kinder im Dschihad – das Phänomen ist nicht neu. Vor Jahren schon reisten Islamisten samt Ehefrauen und Kindern, manchmal auch alleinerziehende Mütter, in Kriegsgebiete, um sich dort in Terrorlagern ausbilden zu lassen. Etwa in der afghanisch-pakistanischen Grenzregion Waziristan. Oder nach Somalia. Auch Dschihadisten-Familien aus Deutschland waren darunter.

Die Terrorgruppe IS jedoch entfaltet offenbar auf radikale Salafisten in ganz Europa eine gewaltige Sogwirkung. Immer häufiger reisen auch junge Frauen und Mädchen nach Syrien und in den Irak. Einige werden vor Ort schwanger, andere nehmen gleich ihre Kinder mit.

Meine Kollegen Eric Beres und Fritz Schmaldienst von REPORT Mainz haben sich in der vergangenen Sendung diesem Thema angenommen. Den Beitrag können Sie hier ansehen.

Deutsche Dschihadisten warten im Iran auf Rückreise

von Florian Flade

Die deutschen Dschihadisten Fatih T. und Naamen M. zogen vor Jahren in die Terrorcamps nach Pakistan. Nun sollen die gesuchten Islamisten im Iran untergetaucht sein und auf eine Rückkehr nach Deutschland hoffen.

Untergetaucht im Iran – Islamist Fatih T. aus Berlin

Fatih T. und Naamen M. galten schon als Märtyrer, getötet von Drohnen der CIA im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet. Jetzt gibt es Lebenszeichen der beiden Islamisten aus Deutschland. Die mutmaßlichen Dschihad-Kämpfer aus Berlin und Hamburg sind quicklebendig, haben Pakistan inzwischen verlassen und sind im Iran untergetaucht. Ihr sehnlichster Wunsch: die Rückkehr nach Deutschland.

Wie die „New York Times“ berichtet, hat sich der Berliner Islamist Fatih T. vor einiger Zeit in den Iran abgesetzt und erhofft sich von dort aus eine Rückkehr nach Deutschland. Der aus Berlin-Steglitz stammende Dschihadist hatte Deutschland im Frühjahr 2009 verlassen und war in terroristischen Ausbildungslagern in der pakistanischen Region Waziristan ausgebildet worden.

Nach dem Tod mehrerer deutscher Islamisten stieg Fatih T. zum Anführer der Terrorgruppe „Deutsche Taliban Mudschaheddin“ (DTM) auf. In Waziristan nannte sich der 27jähriger Berliner „Abdul Fatteh“ und trat in mehreren Propagandavideos auf, in denen er mit Angriffen auf die NATO in Afghanistan prahlte.

Im Oktober 2011 meldete eine islamistische Internetseite der Anführer der Deutschen Taliban in Waziristan sei von einer US-Drohne getötet worden. Eine endgültige Bestätigung für Fatih T.s Tod folgte jedoch nicht. Deutsche Sicherheitsbehörden hegten in den folgenden Wochen starke Zweifel an der Meldung der Islamisten. „Wir gehen davon aus, dass er lebt“, erklärte mir ein ranghoher Geheimdienstler vor wenigen Wochen. Telefonate, die Fatih T. mit Freunden und Familie in Deutschland führte, lieferten den endgültigen Beweis.

Nun scheint klar, dass sich Fatih T., der ehemalige Student aus Berlin, nicht mehr in Pakistan befindet. Er lebt offenbar im Iran. In einem Telefon-Interview mit der „New York Times“ erklärte Fatih T. jüngst, alles was er nun wolle, sei ein „normales Leben in Deutschland mit meiner Frau und meinem Sohn“. Der Berliner Islamist behauptet gegenüber der Zeitung zudem, er sei ursprünglich nicht nach Pakistan gereist um eine Terrorausbildung zu erhalten. „Ich wollte in einem islamischen Land unter Scharia-Gesetzen leben“, so Fatih T.

Ein weiterer totgesagter Dschihadist aus Deutschland soll wie Fatih T. derzeit im Iran auf eine Möglichkeit warten, nach Europa zurück zu kehren – Naamen M. aus Hamburg. Der Franzose algerischer Abstammung hatte Hamburgim Frühjahr 2009 zusammen mit mindestens elf weiteren Islamisten aus Hamburg verlassen. Die Gruppe, darunter auch zwei Frauen, hatte sich in Pakistan der „Islamischen Bewegung Usbekistans“(IBU) angeschlossen.

Naamen M. hatte sich laut Aussagen später festgenommener Islamisten in Waziristan schnell von der Hamburger Gruppe getrennt. Unter dem Kampfnamen „Abu Baraa“ schloss sich der 41jährige angeblich den arabischen Kämpfern der Al-Qaida an.

Im Oktober 2010 meldete der „SPIEGEL“, ein US-Drohnenangriff habe drei deutsche Islamisten in Waziristan getötet, darunter auch Naamen M.. Die Meldung erwies sich als falsch. Wie ich auf „Welt Online“ berichtete meldete sich Naamen M. im September 2011 bei seiner in Hamburg lebenden Ehefrau und sagte er wolle Pakistan verlassen und den Dschihad hinter sich lassen.

Wie die „New York Times“ nun berichtet sollen Naamen M. und Fatih T. aus dem iranischen Exil heraus in Kontakt mit Familienangehörigen und ihren Anwälten stehen. Europäische Sicherheitsbehörden sind von der Leuterung der beiden Dschihadisten nicht überzeugt. Sie sehen in den Islamisten weiterhin ein Sicherheitsrisiko.

Aus Kreisen des Verfassungsschutzes heißt es, man sehe die Desillusionierung, die in den terroristischen Ausbildungslagern Pakistans stattfindet mit einiger Skepsis. Die Situation in den Camps sei derart katastrophal, dass einige Dschihadisten diese Leben vor Ort ganz klar ablehnen. Dies bedeute jedoch keinesfalls eine komplette Abkehr von der dschihadistischen Ideologie. Rückkehrer aus den Terrorcamps seien zunächst einmal als „gefährlich“ einzustufen, der Wille zu Anschlägen „hierzulande, ist womöglich noch vorhanden“.

A Toddler-Mujahed? – No Legal Age For Jihad

by Florian Flade


Some leave their parents, their wife and their children to go on Jihad in Afghanistan, Waziristan, Iraq, Chechnya, Somalia or Yemen. Others take their whole family to the training camps of militant Jihadi groups in the middle of the war zones exposing women and children to US drone attacks and Pakistani military raids. This video I came across lately is only one example of a family life in the deadly reality of Waziristan where numerous foreign militants including Islamists from Europe have settled to, often taking newborn babies or their pregnant wives from the comfort of their West European home to the harsh and primitive reality of living in a mudwall hut in the mountains of Northwest Pakistan.

The propaganda tape was produced by the a militant group that ones called itself „Islamic Jihad Union“ (IJU) and is now split into different groups whose connections and networks are not entirely known. In this soundless footage a young boy handles a mortar and mortar rounds while his Turkish daddy is watching him, holding a probably just weeks-old toddler.