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Al-Qaida fordert Freilassung von Gelowicz-Ehefrau

von Florian Flade

Al-Qaida in Nordafrika bekennt sich zur Entführung eines deutschen Ingenieurs im Niger. Die Islamisten fordern die Freilassung einer in Deutschland inhaftierten Terrorhelferin.

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Dein Brieffreund, der Terrorist

von Florian Flade

Die deutsche Islamisten-Szene hat ein Internet-Projekt zur Unterstützung von Gefangenen gestartet. Verurteilte Terroristen sollen so auch hinter Gittern weiterhin auf Linie gehalten werden. Deutsche Sicherheitsbehörden sehen die islamistische Gefangeneninitiative gelassen. Experten warnen jedoch, Aussteigerprogramme seien gefährdet, wenn die islamistische Szene bis ins Gefängnis hinein Einfluss ausüben könne.

Vor einigen Wochen stellte ich eine Interview-Anfrage an den Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert alias „Deso Dogg“. Der 36jährige hat sich zum musikalischen Sprachrohrer der deutschen Islamisten-Szene entwickelt und rappt regelmäßig über den Dschihad, Märtyrertum und Osama Bin Laden. Cuspert, der sich „Abou Maleeq“ nennt, antwortete mit einer E-Mail, in der er mehrere Bedingungen für ein Interview auflistete – eine davon war besonders ungewöhnlich. Er wolle 9.000 Briefmarken a 55 Cent, schrieb der Islamisten-Rapper.

Wozu braucht ein islamistischer Musiker 9000 Briefmarken? Die Antwort heißt „Ansar ul-Aseer“ (deutsch „Unterstützer der Gefangenen“) und ist eine vor wenigen Monaten ins Leben gerufene Webseite der deutschen Islamisten-Szene. Das neuartige Internetprojekt ist vereinfacht gesagt eine „Gefangeninitiative“, ein Medium, um mit in Haft sitzenden Islamisten in Kontakt treten zu können. Über „Ansar ul-Aseer“ können inhaftierte islamistische Terroristen von ihren Familien, Freunden und Fans per Brief kontaktiert werden.

Die Häftlinge werden einzeln steckbrieflich dargestellt, inklusive der Information, weshalb sie verurteilt wurden und wie lange sie einsitzen werden. Wer möchte, kann Briefe an die islamistischen Extremisten schreiben und ihnen Durchhalteparolen oder Sympathiebekundungen zukommen lassen. Auch Briefmarken und Briefumschläge werden dankbar als Spenden akzeptiert, um den Gefangenen die Möglichkeit zu bieten, mit der Außenwelt zu kommunizieren.

„Wir haben uns zur Aufgabe gemacht unsere Geschwister, die sich in Gefangenschaft – speziell im deutschsprachigem Raum – befinden, seelisch zu unterstützen“, heißt es in der Selbstdarstellung der Webseite, „Wir bemühen uns unsere muslimsichen Geschwister, die sich in Gefangenschaft befinden – seien es politisch verfolgte oder Straftäter, schuldige oder unschuldige – wir unterstützen unsere Geschwister, seien sie Unterdrückte oder Unterdrücker.“

Das islamistische Medienportal „Salafi Media“, das die Webseite betreibt, ermittelt die Postanschriften der inhaftierten Islamisten und stellt so für Sympathisanten und Unterstützer den Kontakt her – sei es zu verurteilte Dschihadisten oder Häftlinge, die erst im Gefängnis zum salafitischen Islam konvertiert sind. Aktuell befinden sich mehr als 25 Häftlinge auf „Ansar ul-Aseer“, darunter auch Personen, die zur Prominenz der islamistischen Szene gehören, wie etwa die Ulmer Deutsch-Türkin Filiz Gelowicz, die Geld für Terroristen in Pakistan gesammelt hat, der zu 11 Jahren Haft verurteilte „Sauerland-Bomber“ Adem Yilmaz und der 19jährige Konvertit Harry M., der Bombenanleitungen im Internet verbreitet hat.

„Ansar ul-Aseer“ arbeitet blitzschnell und hochaktuell. So fand sich schon wenige Tage nach den jüngsten Festnahmen zweier Berliner Terrorverdächtige der Hinweis auf der Webseite „Wir haben mit der Huld Allahs auch schon die Kontaktdaten der Brüder erlangt“. Und auch die beiden in Großbritannien im Juli verhafteten Solinger Konvertiten Robert B. und Christian E. haben bereits einen Steckbrief auf „Ansar ul-Aseer“, mit dem Verweis jeder an sie gerichtete Brief müsse in Englisch verfasst sein. Beide sitzen derzeit in London in Haft und warten auf ihren Prozess.

Aushängeschild der Plattform ist der Berliner Ex-Rapper „Abou Maleeq“. Sein Konterfei prangt auf der Startseite von „Ansar ul-Aseer“. Regelmäßig rührt der umstrittene Musiker und Prediger, der selbst eine Haftstrafe verbüßte und jüngst wegen illegalem Waffenbesitz verurteilt wurde, für das Projekt die Werbetrommel.

„Ist es soweit dass wir die Geschwister vergessen haben? Dass wir ihre Taten vergessen haben?“, sagt „Abou Maleeq in einem Werbevideo für „Ansar ul-Aseer“, „Allah wird keine Tat von ihnen vergessen. Haben die Geschwister nicht an Dank verdient, an Bittgebeten verdient, an Unterstützung verdient? Vergesst nicht eure Geschwister hinter den Mauern!“

Aus Kreisen des Verfassungsschutzes heißt es, das Projekt „Ansar ul-Aseer“ sei lediglich als „Beginn einer Entwicklung“ einzustufen, habe aber bei weitem nicht die Dimensionen ähnlicher Initiativen aus der rechts- und linksextremistischen Szene. Die Internet-Präsenz der Islamisten wolle den Eindruck erwecken, eine große Zahl von Personen arbeite für die Gefangenen-Initiative. Dies sei jedoch nicht der Fall. Ein Vergleich mit der Neonazi-Organisation „Hilfe für Nationale Gefangene“ (HNG) und der „Roten Hilfe“ aus der linksextremistischen Szene, sei daher noch nicht passend.

Die Islamismus-Expertin Claudia Dantschke hält „Ansar ul-Aseer“ dennoch für einen beunruhigenden Trend. „Inhaftierte Islamisten bleiben so weiter in Kontakt mit der Szene, der Kontakt zu den Personen als auch die Einbindung in die Ideologie werden aufrecht erhalten“, so Dantschke gegenüber Die Welt. „Ähnlich wie bei der rechtsextremistischen Gefangeneninitiative HNG gibt es eine soziale und ideologische Betreuung für die Hälftlinge“, erklärt Dantschke weiter, „Zudem gibt es den Aspekt der propagandistischen Ebene: Die Symbolkraft dass man die Gefangenen nicht alleine lässt. Außerdem sollen Aussteiger als Lügner dargestellt werden.“

Am Mittwoch ließ das Bundesinnenministerium den rechtsextremistische Verein „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene e.V. (HNG)“ verbieten. In einer Pressemeldung des Bundesinnenministeriums heißt es: „Unter dem Motto „Drinnen wie draußen eine Front.“ bestärkt die HNG unter dem Deckmantel einer vermeintlich karitativen Betreuung von Strafgefangenen inhaftierte Rechtsextremisten in ihrer nationalistischen Überzeugung und motiviert sie, in ihrem „Kampf gegen das System“ fortzufahren“.

Innenminister Friedrich erklärte, die circa 600 Mitglieder zählende Organisation HNG habe versucht, rechtsextreme Straftreter in der Szene zu halten. „Mit Solidaritätsbekundungen und finanzieller Unterstützung stärkte und festigte die HNG über den einzelnen inhaftierten Rechtsextremisten hinaus zugleich auch die rechtsextremistische Szene als Ganzes“, so Friedrichs. Über 40 Jahre lang konnte die 1979 gegründete HNG beinahe ungehindert agieren, bis ein Verbot durchgesetzt werden konnte – das islamistische Gegenstück „Ansar ul-Aseer“ hat gerade erst begonnen.

Germany´s „Mrs. Jihad“ a Victim of Torture?

by Florian Flade

When she appeared in the courtroom, Filiz G. seemed to repent and regret some of her activities that led to her arrest in February 2010. The 29-year old German-Turkish woman was charged with providing material and financial support to a terrorist organization. G. had collected money in Germany and transferred it via Turkey to the terrorist group „Deutsche Taliban Mujahideen“ (DTM).

Soon after her arrest it became known that Filiz G., wife of imprisoned Sauerland-Bomber Fritz G., was in fact the main moderator of the German language Ansar al-Jihad Forum – acting under the cover name of „fisebillah“. She had posted thousands of statements, comments and provided download links to propaganda videos as well as translated statements by the DTM. On a daily basis she was online and in steady contact with DTM´s media official, German-born Ahmet M., who was killed in Pakistan in April 2010. M. had made contact with Filiz G. and convinced her to play a key role in spreading propaganda coming from Waziristan.

In March Filiz G. was sentenced to two years and six months in prison by a Berlin court. During the court hearings she acknowledged that her activities were wrong and that she does not believe in violent Jihad anymore. Most of her fans and supporters, some of whom even witnessed the trial in court, are praising G.´s activities, labeling her a „noble Mujahida“ and calling for her release.

A few weeks ago „Mrs.Jihad“ Filiz G. was mentioned in an Arabic language statement posted on the internet by the „Global Islamic Media Front“ (GIMF), a German-Austrian propaganda organization which translated numerous Al-Qaida videos and documents over the past years. GIMF was mainly operated by a 24 year-old Islamist named Mohamed M. aka „Abu Usama al-Gharib“ from Vienna, who was sentenced to four years in prison in 2009 for spreading Jihadi propaganda and producing terror threats himself by appearing in a homemade video.

It was „Abu Usama al-Gharib“ who wrote the GIMF document naming Filiz G. as a victim of torture. According to the author Filiz G. was abused and tortured in prison several times.

„The kuffar presented their real face, they attacked and abused her body“, al-Gharib writes, „they insulted her and her faith (…) the prison administration did not allow her to wear the hijab anymore. She was forced to wear tight jeans and tight shirts.“

Allegedly the German prison guards attacked Filiz G. shortly after court had sent her to jail. The guards pushed her against the wall, touched her body, prisoner „Abu Usama al-Gharib“ states, „with their dirty and filthy hands“.

Even water to wash for the prayer was not given to G., the statement by al-Gharib claims. Filiz G. allegedly wrote in a letter: „If I would tell you what happened to me: your hearts would break into pieces, your bones would depart from your flesh…the pain of their beatings was easier to handle than their insulting, violation of the honor, pride and faith.“

„Abu Usama al-Gharib“ then continues to call the Muslims to the duty of defending their sister Filiz G. against the kuffar attacks. „Where are we?“, he asks, „It is not our sister who is imprisoned, it is us caught in this dunya (worldly presence).“

Meanwhile the statement by al-Gharib has spread in German Jihadi community and was distributed via Facebook and dozens of websites. In the Arabic original statement the imprisoned Austrian Jihadi activist Mohamed M. („Abu Usama“) also calls for attacks against Germany and German politicians. These threats were deleted in the German translation of the document.

Question remains how Mohamed M. was able to obtain the alleged information from Filiz G. and if the two had been in contact prior to their imprisonment. Also noteworthy is the fact that M. is obviously able to get his messages out of his prison cell in Vienna.

Filiz G. distanced herself from the terror threats and accusation against German prison staff. She was never limited in performing prayer or living according to her religion, G.´s lawyer said.