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Ein Münchner als Dschihad-Kommandeur in Syrien?

von Florian Flade

Noch ist es nur ein Gerücht. Ein „Alexander aus München“ soll eine Führungsrolle bei einer Terrorgruppe in Syrien innehaben. Kann da sein?

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Mehr als 320 Ausreisen von Islamisten aus Deutschland nach Syrien haben Sicherheitsbehörden in den vergangenen zwei Jahren registriert. Vor Ort zieht es die deutschen Dschihadisten meist in die Reihen des „Islamischen Staates im Irak und Großsyrien“ (ISIG). Nach einer paramilitärischen Ausbildung leisten die Kämpfer häufig Wachdienste oder sind in Einzelfällen auch an Kampfhandlungen beteiligt.

Ein Deutscher, der bei ISIG bis zum Regionalkommandeur aufsteigt, wäre mehr als eine Überraschung. Noch dazu ein Konvertit, der über keine Arabisch-Kenntnisse verfügt.

Jetzt berichtet „Report München“ über genau einen solchen Fall. Es gebe Hinweise, wonach ein Deutscher möglicherweise eine führende Rolle bei ISIG spielen könnte. Die eher gemäßigte Rebellengruppe „Freie Syrische Armee“ (FSA) hat Anfang des Jahres mehrere ISIG-Kämpfer gefangen genommen, darunter auch Deutsche.

Der FSA-Kommandeur „Abu Yassin“, ein in Deutschland aufgewachsener Syrier erzählte Report München per Skype, dass derzeit über einen Gefangenenaustausch mit den Dschihadisten der ISIG verhandelt werde. Die Gespräche führe auf Seiten der Extremisten ein Deutscher. „Er ist ein Emir von ISIG und der Macht Medienarbeit, dadurch werden mehr Leute angeworben aus dem Bereich Europa“, so „Abu Yassin“. Den Klarnamen des deutschen Dschihadisten kenne er nicht. „Ich weiß nur, dass er Alexander heißt und aus München kommt.“

Ein Islamist aus München soll ein regionaler Kommandeur von ISIG sein?

„Report München“ interviewte auch den Linke-Bundestagsabgeordneten Jan van Aken. Er reiste Anfang des Jahres in das syrisch-türkische Grenzgebiet und traf dort kurdische Aktivisten. Auch sie berichteten von einem Deutschen bei ISIG.

„Der Sicherheitschef der Region Kamischlo hat uns erzählt, dass er in den letzten Jahren mehrfach die Kommandeure der Dschihadisten getroffen hat, darunter auch einen Deutschen, langer blonder Vollbart, der sehr weit oben dort war“, so Van Aken. „Ein sogenannter Emir, Kommandeur einer ganzen Region, der selbst kein Arabisch konnte, das musste übersetzt werden, den hat er getroffen, bei einem Gefangenenaustausch wo die Kurden  und Dschihadisten Gefangene ausgetauscht haben.“

Tatsächlich gibt es einen Alexander aus München, der in der islamistischen Szene verkehrt und den Sicherheitsbehörden seit Jahren bekannt ist. Sein Name ist Alexander Abit J., alias „Abu Abdullah“, alias „Abu Abdurrahim“.

Der 27-jährige Münchner wurde im Januar vor dem Oberlandesgericht München wegen Internetpropaganda für die Terrorgruppe „Islamische Bewegung Usbekistan“ (IBU) angeklagt. Zwischen Oktober 2009 und Januar 2011 soll Alexander Abit J. im Internet Videos sowie Tonaufnahmen und Texte der IBU verbreitet haben. Dies tat er nach meinen Informationen auch unter dem Aliasnamen „Abu Abdurrahim al-Almani“ über den Blog „islambruederschaft“.

Könnte Alexander J., der ehemalige Dschihad-Blogger aus München, inzwischen Regionalkommandeur einer Terrormiliz in Syrien sein?

Es spricht einiges dagegen, dass es sich bei Alexander Abit J. um jenen „Alexander aus München“ handelt, der inzwischen Karriere bei ISIG gemacht hat. Zum einen die Beschreibung seines Aussehens. Während der deutsche Dschihad-Kommandeur einen „blonden Vollbart“ haben soll, hat der Dschihad-Blogger dunkle Haare.

Zudem wurde Alexander Abit J. wegen seiner Propagandaaktivitäten am 13.Mai vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts München zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und 10 Monaten auf Bewährung verurteilt. Am 21.Mai wurde das Urteil rechtskräftig. Zusätzlich muss J. insgesamt 300 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und hat einen Bewährungshelfer bekommen. Bislang ist nicht bekannt, dass der Münchner gegen seine Auflagen verstoßen hat.

Es ist deshalb eher unwahrscheinlich, dass sich der verurteilte Propagandist nach Syrien abgesetzt hat und dort zu einem Regionalfürsten der Terrortruppe ISIG aufstieg.

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Bayerischer Konvertit in Syrien getötet

von Florian Flade

Der Islam-Konvertit David G. aus Bayern zog in den „Heiligen Krieg“ nach Syrien. Jetzt ist der Jugendliche tot.

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David G. brauchte offenbar Geld. Über Ebay bot er allerlei Habseligkeiten zum Verkauf an. Darunter gebrauchtes Parfum der Marken „Hugo Boss“ und „Bruno Banani“, außerdem Turnschuhe von „Nike“, Größe 46. Auch seinen Computer samt Tastatur, Maus und Lautsprecher wollte David G. loswerden.

Wofür der Teenager das Geld brauchte, ist unklar. Möglicherweise finanzierte er damit eine Reise. Nicht in eine Urlaubsregion. Sondern in ein Kriegsgebiet. David G. aus Bayern reiste vor wenigen Wochen nach Syrien. Er wollte wohl als Dschihad-Kämpfer in den „Heiligen Krieg“ gegen das Assad-Regime ziehen.

Vor rund zwei Jahren war G. zum Islam konvertiert, nannte sich fortan „Dawud“. Er rutschte wohl ab in die Salafisten-Szene, verkehrte mit Extremisten und radikalisierte sich zunehmend.

Jetzt ist David G. tot. Der junge Mann aus Bayern starb in der vergangenen Woche im Kampf gegen eine verfeindete Rebellengruppe im Norden Syriens. Das vermeldete am Wochenende die Terrorgruppe „Islamischer Staat im Irak und Sham“ (ISI). Die Islamisten veröffentlichten auf einschlägigen Internetseiten und über Facebook zwei Fotoaufnahmen des deutschen Dschihadisten. Eines zeigt einen blonden Jungen mit einer Kalaschnikow in der Hand vor einem Auto posierend. Auf dem anderen Foto sehen, ist der blutverschmierte Leichnam von David G. alias „Abu Dawud der Deutsche“.

„Die Identität des Toten konnte bislang nicht zweifelsfrei geklärt werden“, sagte mir Markus Schäfert, Sprecher des bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz. „Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass es sich bei der getöteten Person um einen jungen Konvertiten aus Bayern handelt, der Ende 2013 nach Syrien ausgereist ist.“

Laut der Dschihadisten vor Ort soll David G. zusammen mit anderen ausländischen Kämpfern von den Rebellen der „Freien Syrischen Armee“ (FSA) überfallen worden sein. Dabei starben mehrere Extremisten der Al-Qaida-nahen Gruppe ISI. Unter ihnen auch der 19-jährige Konvertit und ein weiterer deutscher Dschihadist, der als „Sulayman“ benannt wird.

„Der Bruder Abu Dawud ist ein Löwe“, schreibt ein Kampfgefährte des bayerischen Konvertiten nach dessen Tod im Internet. „Er wurde als erstes an seinem Oberarm getroffen. Nach dem die Brüder ihn verarztet haben, hat er weiter gegen die Abtrünnigen gekämpft.“ Anschließend sei David G. tödlich getroffen worden. „Möge Allah ihm höchste Stufe im Paradies geben.“

Auf seinem Facebook-Profil hat David G. vor seinem Tod ein Foto veröffentlicht. Es zeigt ihn an der Seite einiger Glaubensbrüder, die ebenfalls nach Syrien ausgereist sind. Die Männer tragen T-Shirts. Darauf ein Logo, das an jenes der Sportmarke „Adidas“ erinnert. Der Schriftzug aber lautet „alqaida“. Er freue sich, so schrieb David G. noch im Dezember, wenn der „Syrienkrieg als Computerspielt rauskommt“.

David G. ist einer von mindestens 15 Islamisten aus Deutschland, die bislang in Syrien getötet wurden, und wohl einer der ersten Islam-Konvertiten, die im Kampf starben. Über 270 Islamisten sollen seit Anfang 2013 aus der Bundesrepublik in den syrischen Bürgerkrieg gezogen sein, die Mehrzahl von ihnen stammt aus Nordrhein-Westfalen, Hessen, Bayern und Berlin.

In vielen Fällen versuchen Sicherheitsbehörden durch Ansprachen der Personen eine Ausreise zu verhindern. In Einzelfällen werden sogar Reisepässe entzogen. Um in das syrische Kriegsgebiet zu reisen, benötigt man jedoch nur einen Personalausweis. Und den dürfen deutsche Behörden nicht entziehen oder auch nur markieren.

Berliner Ex-Rapper „Deso Dogg“ in Syrien verwundet

von Florian Flade

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Erst vor wenigen Wochen besang Denis Cuspert, ehemals bekannt als Rapper „Deso Dogg“, noch seinen Wunsch den Märtyrertod zu sterben. Jetzt entging der Berliner Islamist offenbar nur knapp dem Tod. In Syrien wurde Cuspert, der sich „Abu Talha al-Almani“ nennt, angeblich bei einem Luftangriff verletzt.

„Einige Internetseiten haben die Nachricht verbreitet, dass unser Bruder und Mudschahid Abu Talha Al-Almani bei einem Luftangriff auf einer Stellung der Freien Syrischen Armee (FSA) getötet wurde“, heißt es in dem Schreiben der Gruppe „Millatu Ibrahim“, das am Montag in einem arabischsprachigen Internetforum auftauchte.

Cuspert sei nie Mitglied der FSA gewesen, schreiben die Islamisten weiter. Und er sei auch nicht getötet sondern lediglich verletzt worden.

„Was geschehen war, ist dass ein Haus eines Ansari (einheimischen Unterstützers) von einem Kampfjet und ein Helikopter angegriffen wurde“, so die Islamisten, „Dies führte dazu, dass einige Brueder verletzt wurden, darunter unser geehrte Bruder Abu Talha Al-Almani.“ Mehrere Kinder seien zudem bei dem Luftangriff ums Leben gekommen.

Deutsche Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass sich Cuspert vor einigen Monaten einer dschihadistischen Rebellengruppe in Syrien angeschlossen hat, um gegen das Assad-Regime zu kämpfen.

Nach Angaben deutscher Islamisten kämpfte Cuspert zumindest zeitweise auf Seiten der Gruppe „Junud ash-Sham“. Fotos, die in den vergangenen Wochen auf einschlägigen Internetseiten und in sozialen Netzwerken veröffentlicht wurden, zeigen den Berliner Dschihadisten in Kampfmontur, mit Flecktarn-Weste, Kalaschnikow und Panzerfaust.