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Spionage im Weltall

Sie umkreisen die Erde und liefern Bilder, die militärische und politische Entscheidungen beeinflussen. Spionage-Satelliten gehören zu den wichtigsten Werkzeugen von Geheimdiensten. Bislang hat der BND noch keine eigenen Satelliten. Das aber soll sich ändern.

Von Florian Flade

Aufnahme einer iranischen Raketenbasis, die US-Präsident Trump 2019 über Twitter verbreitet hat

Heute soll es los gehen. Um 15.30 Uhr deutscher Zeit, sofern das Wetter mitspielt. Dann soll eine Trägerrakete des US-Unternehmens SpaceX von der Vandenberg Space Force Base in Kalifornien starten. Sie soll eine besondere Fracht aus Deutschland ins Weltall bringen: Einen Aufklärungssatelliten der Bundeswehr. Der Raketenstart kann per Livestream verfolgt werden.

Das hochmoderne Satellitensystem wird Synthetic Aperture Radar, kurz SARah, genannt. Es besteht aus vier Komponenten, einem Phased Array-Satelliten (SARah-1), der am Samstag in die Erdumlaufbahn gebracht werden soll, zwei Reflektor-Satelliten, die Ende des Jahres nachfolgen sollen, und einer Bodenstation. Damit soll die Bundeswehr über neue Satelliten zur Aufklärung verfügen, mit denen Aufnahmen von jedem Ort auf der Erde gemacht werden können, selbst bei schlechtem Wetter. Etwa einer geschlossenen Wolkendecke.

Der Krieg in der Ukraine hat in den vergangenen Wochen deutlich gemacht, welche Bedeutung die Satellitenaufklärung haben kann. Für die ukrainischen Streitkräfte sind die Bilder aus dem Weltall, die insbesondere durch die USA und Großbritannien zur Verfügung gestellt werden, in höchstem Maße relevant. Russische Militäraktivitäten werden beobachtet und analysiert, es werden Ziele bestimmt und erfasst. Ebenso können die Aufnahmen aus dem Himmel einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung von Kriegsverbrechen, wie beispielsweise in Bucha liefern.

Aber nicht nur im Kriegsfall sind Satelliten relevant, sondern auch zu Spionagezwecken. Etwa, wenn es darum geht, mögliche Vorbereitungen für neue Atomtests in Nordkorea oder Raketenstarts im Iran frühzeitig zu erkennen oder militärische Einrichtungen auszuspähen, wie etwa auf den Spratly-Inseln im Südchinesischen Meer oder Raketensilos in der chinesischen Wüste.

Bis zu 485 militärische Satelliten sollen sich aktuell im Orbit befinden, davon rund 150 aus den USA. Deutschland verfügt ebenfalls über Aufklärungssatelliten, mit denen das Kommando Strategische Aufklärung (KSA) der Bundeswehr in Grafschaft-Gelsdorf weltweit Kriegs- und Krisengebiete aufklärt und die Streitkräfte unterstützt.

Von Dezember 2006 bis Juli 2008 wurden fünf kleinere Satelliten des bisherigen Systems SAR-Lupe ins All gebracht. Sie sollen durch das neue System SARah ersetzt werden. Gebaut wurden die Satelliten vom Bremer Unternehmen OHB, das im Jahr 2013 mit dem Prestigeprojekt beauftragt worden war.

Die neuen SARah-Satelliten sollen indes nicht nur der Bundeswehr dabei helfen bessere Aufklärung zu betreiben, sondern auch dem Bundesnachrichtendienst (BND). Der Auslandsgeheimdienst ist bislang noch auf die Unterstützung der Bundeswehr angewiesen, da er aktuell über keine eigenen Satelliten verfügt – was sich aber bald ändern soll.

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Das neue BND-Dienstflugzeug

Der Bundesnachrichtendienst (BND) verfügt als einzige deutsche Behörde über ein eigenes Dienstflugzeug. Vor wenigen Monaten wurde nun eine neue Maschine angeschafft, ein hochmoderner Businessjet aus Frankreich. Was der Flieger gekostet hat, soll ein Geheimnis bleiben.

Von Florian Flade


Ein Flugzeug vom Typ Falcon 8X des Herstellers Dassault Aviation, Copyright: Matti Blume, Wikicommons 

Bruno Kahl ist wieder viel unterwegs. Die Corona-Pandemie hatte zahlreiche geplante Reisen des Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) zunichte gemacht. Viele dienstliche Trips rund um den Globus mussten verschoben oder gleich abgesagt werden. Seit einigen Monaten nun holen der BND-Chef und seine Stellvertreter die Auslandsbesuche nach. Zuletzt ging es in die USA, nach Kanada und Spanien, kurz vor Kriegsbeginn auch in die Ukraine.

Der BND-Präsident muss dabei nicht per Linienflugzeug reisen. Oder mit einer Maschine der Flugbereitschaft der Bundeswehr, wie es Minister oder der Bundespräsident häufig tun. Kahl verfügt als einziger deutscher Behördenchef über ein eigenes Dienstflugzeug. Und weil der bisherige Dienstflieger des BND schon ziemlich in die Jahre gekommen war, hat die Behörde vor einiger Zeit ein neues Flugzeug beschafft.

Seit Ende vergangenen Jahres nutzt der BND einen neuen Dienstflieger, eine Maschine des französischen Herstellers Dassault, Modell Falcon 8X mit der Kennung D-AAND.

Der etwa 33 Tonnen schwere Flieger ist rund 25 Meter lang, die Spannweite der Tragflächen beträgt knapp 26 Meter. Sechs Passagiere und drei Crew-Mitglieder können transportiert werden. Fast 12.000 Kilometer kann die Maschine ohne Zwischenstopp zurücklegen, etwa die Strecke von Dubai nach New York City, oder von Singapur nach London. Die maximale Reisegeschwindigkeit liegt bei 0,8 Mach, was circa 860 Stundenkilometern entspricht, die Flughöhe kann bis zu 51.000 Fuß betragen.

Das bedeutet, der Chef der deutschen Auslandsspionage ist nun so schnell unterwegs, wie nie zuvor (im April 2019 wurde mit diesem Flugzeugtyp ein Rekord aufgestellt – in vier Stunden und 28 Minuten von der West- an die Ostküste der USA). Und kann größere Distanzen zurücklegen, ohne auf die Flugpläne von zivilen Fluggesellschaften oder die Verfügbarkeit der Flugbereitschaft angewiesen zu sein.

Zu seinem neuen Flieger (Fotos gibt es hier) möchte sich der BND offiziell nicht äußern. So bleibt vorerst unklar, wie genau die Ausstattung der Maschine aussieht und wie viel die Anschaffung letztendlich gekostet hat. Ein solches Flugzeug ist allerdings kein Schnäppchen: Nach Angaben aus der Luftfahrtbranche kostet eine neue Falcon 8X in der Basiskonfiguration rund 50 Millionen Euro, gebrauchte Exemplare soll es für knapp 35 Millionen Euro geben.

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Briefmarken und Putins Propaganda

Sie zeigen oft Volkshelden und Menschen, die Geschichte geschrieben haben – und sie können Mittel der Propaganda und Desinformation sein. Ein US-amerikanischer Autor hat sich angesehen, welche Personen auf den Briefmarken verewigt sind, die in Putins Russland herausgegeben wurden.

Von Florian Flade

Niemand weiß, wie lange der Krieg in der Ukraine noch andauern wird. Schon jetzt aber sind manche Ereignisse der vergangenen Wochen zu ikonenhaften Symbolen dieses Konflikts geworden. Das Bild der schwangeren Ukrainerin etwa, die aus dem zerbombten Geburtsklinik von Mariupol getragen wurde und wenig später verstarb, zum Beispiel. Oder die ukrainischen Soldaten, die auf Zmiinyi Ostriv, der Schlangeninsel im Schwarzen Meer vor Odessa, stationiert waren. Und die, als ein russisches Kriegsschiff per Funk mit Beschuss drohte und sie aufforderte, sich zu ergeben, nur entgegneten: „Russisches Kriegsschiff, verschwinde und f*** dich!“

Die Szene der mutigen Soldaten, die sich im Angesicht des Todes nicht einschüchtern ließen, ist inzwischen symbolisch verewigt worden. Das ukrainische Post Ukrposhta hat am 24. April eine Briefmarke zu Ehren der Schlangeninsel-Verteidiger auf den Markt gebracht. Auf dem Bild ist ein ukrainischer Soldat zu sehen, der dem russischen Kampfschiff den Mittelfinger zeigt. Entworfen hat das Motiv der 27-jährige Künstler Boris Groh, der auf der inzwischen von Russland illegal annektierten Krim-Halbinsel aufgewachsen ist und anschließend in Kiew und nun in Lwiw lebt. Die Briefmarke, von der eine Millionen Stück produziert wurden, ist inzwischen vielerorts ausverkauft.

Wer auf einer Briefmarken verewigt und mit ihr gewürdigt wird, hat sich in der Regel verdient gemacht für sein Land. Bei den Motiven gibt es popkulturelle Referenzen, in Deutschland etwa Briefmarken mit den Figuren der Sesamstraße oder dem Porträt von David Bowie. Vor allem aber finden sich auf Briefmarken historisch bedeutsame Persönlichkeiten wie die Widerstandskämpferin Sophie Scholl, Anne Frank oder Alt-Kanzler Helmut Schmidt.

Vergeblich allerdings sucht man auf deutschen Briefmarken nach Spionen. Die Geheimdienste und ihre Spitzel sind hierzulande – aus historisch nachvollziehbaren Gründen – in den vergangenen Jahrzehnten noch nicht in den Genuss einer solchen öffentlichen Würdigung gekommen. Anders in Russland. Schon zu Zeiten der Sowjetunion waren dort Nachrichtendienstler und Agenten, wie etwa jene Wissenschaftler, die Pläne der Atombomben verraten hatten, auf Briefmarken abgebildet. Und auch im neuen Russland unter Wladimir Putin werden Personen aus der Schattenwelt der Dienst auf diese Weise geehrt.

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