Schlagwort-Archive: Harry M

Dein Brieffreund, der Terrorist

von Florian Flade

Die deutsche Islamisten-Szene hat ein Internet-Projekt zur Unterstützung von Gefangenen gestartet. Verurteilte Terroristen sollen so auch hinter Gittern weiterhin auf Linie gehalten werden. Deutsche Sicherheitsbehörden sehen die islamistische Gefangeneninitiative gelassen. Experten warnen jedoch, Aussteigerprogramme seien gefährdet, wenn die islamistische Szene bis ins Gefängnis hinein Einfluss ausüben könne.

Vor einigen Wochen stellte ich eine Interview-Anfrage an den Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert alias „Deso Dogg“. Der 36jährige hat sich zum musikalischen Sprachrohrer der deutschen Islamisten-Szene entwickelt und rappt regelmäßig über den Dschihad, Märtyrertum und Osama Bin Laden. Cuspert, der sich „Abou Maleeq“ nennt, antwortete mit einer E-Mail, in der er mehrere Bedingungen für ein Interview auflistete – eine davon war besonders ungewöhnlich. Er wolle 9.000 Briefmarken a 55 Cent, schrieb der Islamisten-Rapper.

Wozu braucht ein islamistischer Musiker 9000 Briefmarken? Die Antwort heißt „Ansar ul-Aseer“ (deutsch „Unterstützer der Gefangenen“) und ist eine vor wenigen Monaten ins Leben gerufene Webseite der deutschen Islamisten-Szene. Das neuartige Internetprojekt ist vereinfacht gesagt eine „Gefangeninitiative“, ein Medium, um mit in Haft sitzenden Islamisten in Kontakt treten zu können. Über „Ansar ul-Aseer“ können inhaftierte islamistische Terroristen von ihren Familien, Freunden und Fans per Brief kontaktiert werden.

Die Häftlinge werden einzeln steckbrieflich dargestellt, inklusive der Information, weshalb sie verurteilt wurden und wie lange sie einsitzen werden. Wer möchte, kann Briefe an die islamistischen Extremisten schreiben und ihnen Durchhalteparolen oder Sympathiebekundungen zukommen lassen. Auch Briefmarken und Briefumschläge werden dankbar als Spenden akzeptiert, um den Gefangenen die Möglichkeit zu bieten, mit der Außenwelt zu kommunizieren.

„Wir haben uns zur Aufgabe gemacht unsere Geschwister, die sich in Gefangenschaft – speziell im deutschsprachigem Raum – befinden, seelisch zu unterstützen“, heißt es in der Selbstdarstellung der Webseite, „Wir bemühen uns unsere muslimsichen Geschwister, die sich in Gefangenschaft befinden – seien es politisch verfolgte oder Straftäter, schuldige oder unschuldige – wir unterstützen unsere Geschwister, seien sie Unterdrückte oder Unterdrücker.“

Das islamistische Medienportal „Salafi Media“, das die Webseite betreibt, ermittelt die Postanschriften der inhaftierten Islamisten und stellt so für Sympathisanten und Unterstützer den Kontakt her – sei es zu verurteilte Dschihadisten oder Häftlinge, die erst im Gefängnis zum salafitischen Islam konvertiert sind. Aktuell befinden sich mehr als 25 Häftlinge auf „Ansar ul-Aseer“, darunter auch Personen, die zur Prominenz der islamistischen Szene gehören, wie etwa die Ulmer Deutsch-Türkin Filiz Gelowicz, die Geld für Terroristen in Pakistan gesammelt hat, der zu 11 Jahren Haft verurteilte „Sauerland-Bomber“ Adem Yilmaz und der 19jährige Konvertit Harry M., der Bombenanleitungen im Internet verbreitet hat.

„Ansar ul-Aseer“ arbeitet blitzschnell und hochaktuell. So fand sich schon wenige Tage nach den jüngsten Festnahmen zweier Berliner Terrorverdächtige der Hinweis auf der Webseite „Wir haben mit der Huld Allahs auch schon die Kontaktdaten der Brüder erlangt“. Und auch die beiden in Großbritannien im Juli verhafteten Solinger Konvertiten Robert B. und Christian E. haben bereits einen Steckbrief auf „Ansar ul-Aseer“, mit dem Verweis jeder an sie gerichtete Brief müsse in Englisch verfasst sein. Beide sitzen derzeit in London in Haft und warten auf ihren Prozess.

Aushängeschild der Plattform ist der Berliner Ex-Rapper „Abou Maleeq“. Sein Konterfei prangt auf der Startseite von „Ansar ul-Aseer“. Regelmäßig rührt der umstrittene Musiker und Prediger, der selbst eine Haftstrafe verbüßte und jüngst wegen illegalem Waffenbesitz verurteilt wurde, für das Projekt die Werbetrommel.

„Ist es soweit dass wir die Geschwister vergessen haben? Dass wir ihre Taten vergessen haben?“, sagt „Abou Maleeq in einem Werbevideo für „Ansar ul-Aseer“, „Allah wird keine Tat von ihnen vergessen. Haben die Geschwister nicht an Dank verdient, an Bittgebeten verdient, an Unterstützung verdient? Vergesst nicht eure Geschwister hinter den Mauern!“

Aus Kreisen des Verfassungsschutzes heißt es, das Projekt „Ansar ul-Aseer“ sei lediglich als „Beginn einer Entwicklung“ einzustufen, habe aber bei weitem nicht die Dimensionen ähnlicher Initiativen aus der rechts- und linksextremistischen Szene. Die Internet-Präsenz der Islamisten wolle den Eindruck erwecken, eine große Zahl von Personen arbeite für die Gefangenen-Initiative. Dies sei jedoch nicht der Fall. Ein Vergleich mit der Neonazi-Organisation „Hilfe für Nationale Gefangene“ (HNG) und der „Roten Hilfe“ aus der linksextremistischen Szene, sei daher noch nicht passend.

Die Islamismus-Expertin Claudia Dantschke hält „Ansar ul-Aseer“ dennoch für einen beunruhigenden Trend. „Inhaftierte Islamisten bleiben so weiter in Kontakt mit der Szene, der Kontakt zu den Personen als auch die Einbindung in die Ideologie werden aufrecht erhalten“, so Dantschke gegenüber Die Welt. „Ähnlich wie bei der rechtsextremistischen Gefangeneninitiative HNG gibt es eine soziale und ideologische Betreuung für die Hälftlinge“, erklärt Dantschke weiter, „Zudem gibt es den Aspekt der propagandistischen Ebene: Die Symbolkraft dass man die Gefangenen nicht alleine lässt. Außerdem sollen Aussteiger als Lügner dargestellt werden.“

Am Mittwoch ließ das Bundesinnenministerium den rechtsextremistische Verein „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene e.V. (HNG)“ verbieten. In einer Pressemeldung des Bundesinnenministeriums heißt es: „Unter dem Motto „Drinnen wie draußen eine Front.“ bestärkt die HNG unter dem Deckmantel einer vermeintlich karitativen Betreuung von Strafgefangenen inhaftierte Rechtsextremisten in ihrer nationalistischen Überzeugung und motiviert sie, in ihrem „Kampf gegen das System“ fortzufahren“.

Innenminister Friedrich erklärte, die circa 600 Mitglieder zählende Organisation HNG habe versucht, rechtsextreme Straftreter in der Szene zu halten. „Mit Solidaritätsbekundungen und finanzieller Unterstützung stärkte und festigte die HNG über den einzelnen inhaftierten Rechtsextremisten hinaus zugleich auch die rechtsextremistische Szene als Ganzes“, so Friedrichs. Über 40 Jahre lang konnte die 1979 gegründete HNG beinahe ungehindert agieren, bis ein Verbot durchgesetzt werden konnte – das islamistische Gegenstück „Ansar ul-Aseer“ hat gerade erst begonnen.

Hamburg´s Jihadi Legacy – German Town Invaded by Islamists

by Florian Flade

After Hamburg´s notorious 9-11 Mosque  „Masjid Taiba“ was closed last year, radical Salafis are searching for a place to meet and worship. In a small North German community they found a new homeone of them a 18 year-old convert who threatens local Jewish Community officials. 

„Islamic Hacker“ – Convert Harry M. threatened Jewish Community Leader

In the morning hours of August 9 2010 German police raided Hamburg´s most notorious mosque „Masjid Taiba“. Hamburg´s interior ministry had ordered the closure of the building situated in the St.Georg neighborhood near the main train station. Nine years ago, on September 11th 2001 a group of regular visitors of the mosque committed the worst terrorist attack in modern history. Mohammed Atta, Ziad Jarrah and the others of the so-called „Hamburg Cell“ had worshipped, prayed and met in the rooms of then called „Al Quds Mosque“. The mosque had become the centre of radical Islam in Germany. Ultra-religious Islamists of various nationalities and ethnic backgrounds formed a Salafi community that was under the watchful eye of Hamburg´s counter-terrorism officials.

Rumors said „Masjid Taiba“ was filled with wiretapping tools and electronic devices to record all sermons and private conversation. The Jihadi mosque where worshippers praised the 9/11 hijackers and German militants fighting in Afghanistan, Pakistan and Iraq as „holy warriors“, had been infiltrated by Hamburg´s intelligence agency but nevertheless remained the ideological heartland for Islamic fanatics sharing the same ideas and wish about dying a martyr´s death in the Jihad against the unbelievers.

Even with police, intelligence and politicians keeping a close eye on the famous „Mosque of Mohammed Atta“, a group of young men and women from the mosque community was able to leave Germany in Spring 2009, travel to Pakistani Waziristan and join terrorist groups.
Last year Hamburg´s politicians decided to put an end to the Jihadi temple in St.Georg. But while to most observers the closure of the radical mosque seemed as a good and long-awaited measure to fight religious extremism, counter-terrorism authorities were shocked and rather disappointed by the decision to close „Masjid Taiba“.

Since 9/11 Hamburg´s fanatics could be monitored rather easily because they met and prayed in one place – the now closed mosque. Where would these Islamists re-group now? Police had dried the lake intelligence agents were fishing in for years. Who could have wished for dozens of radical Islamists freely roaming the streets of Hamburg, meeting in private apartments or secret basements that could not be monitored and wiretapped?

Nearly half a year after „Masjid Taiba“ was closed it seems Hamburg´s radical Salafis have found a new home – in peaceful provincial Pinneberg. About 18km northwest of Hamburg City, a small backyard mosque, described by German Verfassungschutz as „a problem“,  has turned into the new meeting and worshipping place for the former visitors of „Masjid Taiba“. For weeks long-bearded men, young converts and fulling-veiled women are coming to Pinneberg and meet in the „As-Sunnah Mosque“ belonging to the „Muslimische Vereinigung Pinneberg e.V“.

One of those mosque visitors is a Rap-Musician formerly known as „Deso Dogg“. The 35 year-old Denis Cuspert of Ghanian origin was born in Berlin and started a successful career as a street gansta rapper, singing about crime, drugs, women and life in the poor Berlin suburbs. In November 2010 „Deso Dogg“ announced he would leave the Music business and instead focus on his new faith – Islam. He converted after getting involvement with Germany´s biggest Salafi Dawah organization „Die Wahre Religion“, led by White convert Pierre Vogel („Abu Hamza“). Rapper „Deso Dogg“ is now preacher „Abou Maleeq“.

During a Islam seminar some weeks ago „Abou Maleeq“ sang a German rap song that caused controversy because it included the lyrics „Allah willing, we fight, die as martyrs, eye on the enemy, in the Name of Allah“. In Pinneberg´s As-Sunnah Mosque, the former Berlin rapper wanted to sing the very same song. Residents and local politicians heard of the upcoming visit and protested against it. Jihad was not welcomed in Pinneberg.

In the end „Abou Maleeq“ did not rap about martyrdom and jihad but talked about how he came to Islam. The community leaders seemed satisfied. Still, the mosque´s new visitors were seen as increasing problem. Fanaticism slowly but surely streamed into Pinneberg.

Last week a picture emerged on a German Jihadi website. „Dirty Jew“ the text read. On the picture there was a man crossed out with red paint. „Be careful so Allah is not punishing you in this life with death“, the text said, „Allah´s punishment can reach you anywhere!“ The threat is even more concerning as the identity of the man seen on the website is widely known in Pinneberg – it is Wolfgang Seibert, head of Pinneberg´s Jewish Community.

Seibert had called upon local authorities to close „As-Sunnah Mosque“ before it could turn into a new „Masjid Taiba“ on the outskirts of Hamburg. After the death threats appeared on the Internet, Seibert is scared. „I was scared for my family“, he said, „But I will not back down.“
With his demand for a mosque-closure he had upset the 18 year-old Salafi convert Harry M.. M. is the administrator of the now-closed German website „Islamic Hacker Union“. He is the one who posted the threats against Wolfgang Seibert. „Those dirty kuffar, may Allah destroy them!“, M. wrote on the Internet after Seibert called for the closing of Pinneberg´s radical mosque.

Harry M. had visited „As-Sunnah Mosque“ several times in the past. Known as „Isa al-K.“ he spread the message of radical Islam on Internet forums and social networks as well as on his own website „Islamic Hacker Union“. In a Youtube Video that was deleted a few days ago, Harry M. tells about his former life as a Non-Muslim, a teenage life full of alcohol and drugs. A report highlights M. was one of the first residents of Hamburg to complete a advance training program for IT Software experts. But that was before M. came into contact with radical preachers and the Salafi missionary movement in Germany. Since then the Hamburg teenager and IT-expert is caught in a world of Jihad and religious fanaticism.

Yesterday evening police raided M.´s apartment, searching for terrorism-related material and confiscating his computers. M.´s website „Islamic Hacker Union“ where the threats against Jewish Community leaders were posted, was closed and is now offline. The Jihadi hacker was questioned by the police but not arrested.

Meanwhile the landlord of the building housing the „As-Sunnah Mosque“ in Pinneberg said he had been fouled and tricked by the mosque management. He has terminated the contract of the mosque chairman. On June 30 2011 the Salafi community will have to re-settle elsewhere. Monitoring several dozen potential Jihadis and individuals supporting violence against Christians and Jews will now become an even more difficult task.