Schlagwort-Archive: hisbollah

„Wir opfern unser Blut für deine Ehre!“ – Hisbollah ruft zu weltweiten Protesten

von Florian Flade

Quelle: Youtube

Sayyid Hassan Nasrallah – Anführer der Hisbollah

Es war ein seltener Auftritt am vergangenen Montag in Libanons Hauptstadt Beirut. Der Führer der Hisbollah, Sayyid Hassan Nasrallah, hatte sich seit Jahren nur noch per Videobotschaft an seine Anhängerschaft gewandt. Zu groß war die Angst vor israelischen Attentatsversuchen. Am Montag nun trat Nasrallah vor eine jubelnde Menge tausender Hisbollah-Anhänger. Es galt, die Ehre des Propheten Mohammed zu verteidigen.

„Prophet Gottes, wir werden uns, unser Blut, unsere Familien und unser Geld für deine Ehre opfern!“, rief der Hisbollah-Chef den Massen zu. In den Tagen zuvor hatte ein Schmähvideo über den islamischen Propheten Mohammed weltweit für gewalttätige Proteste gesorgt. In Libyen starben amerikanische Diplomaten bei einem Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi, im Sudan attackierte der wütende Mob die deutsche Botschaft und setzte sie in Flammen.

Hassan Nasrallah heizte die Stimmung am Montag weiter an. „Die Welt muss unsere Verbindung zu Gottes Propheten verstehen“, sagte er, „Amerika muss verstehen dass die Veröffentlichung dieses Filmes gravierende Konsequenzen auf der ganzen Welt haben wird!“ Bereits am Sonntag hatte der Hisbollah-Anführer in einer TV-Ansprache erklärt, das Mohammed-Video sei der „schlimmste Angriff auf den Islam jemals“.

Offenbar findet der Aufruf Nasrallahs an diesem Freitag Gehör – auch in Deutschland. Bislang blieben hierzulande die wütenden Proteste gegen die Mohammed-Beleidigungen bislang aus. Für den heutigen Freitag allerdings wurden erste Demonstranten angemeldet. Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden handelt es sich dabei wohl mehrheitlich um Kundgebungen aus schiitischen Glaubensgemeinden. Die Veranstalter, so hört man aus Sicherheitskreisen, seien dem Hisbollah-Umfeld zuzurechnen.

In Freiburg, Karlsruhe, Münster, Dortmund, Cuxhaven und Hannover sind für heute Demonstrationen gegen die Mohammed-Verunglimpfungen angekündigt worden. Sowohl in Freiburg als auch in Münster sind offenbar Hisbollah-nahe Personen bzw. Vereine Veranstalter. Alleine in Freiburg, wo ein gebürtiger Libanese die Protestaktion angemeldet hat, werden bis zu 800 Demonstranten erwartet. In Karlsruhe könnten nach Einschätzung der Behörden bis zu 1000 Menschen demonstrieren.

Aus dem salafistischen Spektrum erwarten die Behörden bislang keine organisierten Protestveranstaltungen. Innerhalb der Szene werde der Mohammed-Film, als auch die französischen Karikturen des Magazins „Charlie Hebdo“ und das angekündigte Cover des deutschen Titanic-Magazins heftig diskutiert. „Das Hintergrundrauschen ist vergleichbar mit dem im Vorfeld der Proteste von Bonn und Solingen im Mai“, sagte mir ein Vertreter der Sicherheitsbehörden. In passwortgeschützten Internetforen und in öffentlich zugänglichen Chats diskutiere die Salafisten-Szene hitzig über die Propheten-Beleidigungen.

„Die Lage ist hoch emotionalisiert“, heißt es in Sicherheitskreisen, „Wir haben das sehr genau im Blick.“ Auch wenn wohl keine gewalttätigen Proteste wie im Mai zu erwarten sind, zieht die Politik auch im Inland erste Konsequenzen aus der aktuellen Stimmung in der muslimischen Welt.

Der vom Bundesinnenministerium geplante Start der Plakataktion „Vermisst“ wird verschoben, hieß es gestern in einer Pressemitteilung. Mit der Kampagne sollte eine Beratungsstelle für betroffenen Eltern, Freunden und Bekannten von radikalisierten Salafisten bekannt gemacht werden. Grund für die kurzfristige Verschiebung des Kampagnen-Starts sei eine neue Einschätzung der Gefährdungslage durch das Bundeskriminalamt (BKA), teilte das Innenministerium mit.

Advertisements

Der lange Arm des Iran in Deutschland

von Florian Flade

In Bulgarien tötete im Juli ein Selbstmordattentäter fünf Israelis. Der Iran und die libanesische Hisbollah gelten als Drahtzieher des Anschlages. Wäre ein solcher Anschlag in Deutschland denkbar?

Heute ziehen Sie wieder durch Berlin: Pro-Palästina-Gruppen, Antizionisten, Antisemiten, Freunde von Hisbollah, Hamas und Ahmadinedschad. Es ist „Al-Quds-Tag“, ein traditioneller Feiertag in der Islamischen Republik Iran und Festtag für alle Israelfeinde.

Der iranische Revolutionsführer Ayatollah Rohullah Khomeini rief 1979 erstmals Muslime weltweit auf, sich angesichts des Ramadan-Endes mit dem palästinensischen Volk zu solidarisieren. Seitdem finden alljährlich in vielen Ländern Anti-Israel-Demonstrationen statt.

In Deutschland gibt es seit den 80er-Jahren Protestmärsche am „Al-Quds-Tag“ (Jerusalem-Tag). In den 1990er Jahren war das Zentrum der Anti-Israel-Demonstration alljährlich die rheinische Metropole Bonn. Mittlerweile ist es Berlin. Bis zu 600 Menschen zogen im vergangenen Jahr durch die Hauptstadt. Dieses Jahr werden knapp 800 Demonstranten erwartet.

Eine treibende Kraft hinter dem deutschen „Al-Quds-Tag“ sind die Anhänger der libanesischen Miliz Hisbollah („Partei Gottes“). Die Organisation, die im Libanon politische Partei und militärische Guerilla-Truppe zugleich ist, gilt als der treueste Verbündete des iranischen Regimes im Ausland.

Hisbollah und die Mullahs vereint der Kampf gegen Israel. Teheran finanziert die Miliz und bewaffnet sie. Die „Partei Gottes“ setzt im Gegenzug die geopolitischen Interessen des Iran um und agiert als der verlängerte Arm der Mullahs im Nahen Osten. Und darüber hinaus.

Die radikalislamische Hisbollah schlug in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach im Auftrag Teherans zu. In Kooperation mit den iranischen „Revolutionsgarden“ und dem iranischen Geheimdienst verübten Hisbollah-Aktivisten Attentate auf jüdische und israelische Einrichtungen – unter anderem in Argentinien 1992 und 1994 sowie im Februar dieses Jahres in Indien und Georgien. Der letzte Hisbollah-Iran-Anschlag soll erst vor wenigen Wochen in Bulgarien stattgefunden haben. Davon ist vor allem Israel überzeugt.

Am Flughafen von Burgas sprengte sich am 18. Juli ein Selbstmordattentäter in einem Bus in die Luft, der eine Gruppe israelischer Touristen transportieren sollte. Fünf Israelis starben bei dem Attentat, über 30 weitere wurden verletzt. Der Attentäter konnte trotz internationaler Kooperation von Geheimdiensten bislang nicht identifiziert werden.

Israelische Politiker erklärten jedoch, es gebe konkrete Hinweise, dass eine Zelle der Hisbollah im Auftrag des iranischen Regimes für das Attentat von Burgas verantwortlich sei. Erst im Februar hatte es Mordanschläge auf israelische Diplomaten in Georgien und Indien gegeben.

Iranische und libanesische Terrorverdächtige wurden zudem seit Jahresbeginn in Thailand, Aserbaidschan und Zypern festgenommen. Sie sollen ebenfalls Attentate auf israelische Interessen geplant haben.

Wie aber sieht es in Deutschland aus? Besteht die Möglichkeit, dass der Iran und die libanesischen Söldner der Hisbollah das nächste Mal auch in Europa, möglicherweise sogar in Deutschland, zuschlagen?

Deutsche Sicherheitsbehörden beobachten die Aktivitäten der Israel-Feinde intensiv und versuchen, die Gefahr einzuschätzen. Potentielle Ziele für Attentate durch iranische Agenten oder Hisbollah-Terroristen gibt es viele in Deutschland: die israelische Botschaft, jüdische Gemeindehäuser, Kulturzentren, Museen oder etwa israelische Touristengruppen in Berlin, Frankfurt oder München.

Fakt ist: Sowohl iranische Geheimdienste als auch die Hisbollah sind seit Jahren in Deutschland aktiv. Laut Verfassungsschutz wurden im vergangenen Jahr 950 Personen in Deutschland zu den Anhängern der Hisbollah gezählt. Damit ist die Zahl gegenüber 2010 (900 Anhänger) leicht gestiegen.

Die Unterstützer der libanesischen Miliz in der Bundesrepublik verhalten sich laut Verfassungsschutz bewusst unauffällig. „Die Hisbollah-Anhänger in Deutschland halten sich weiterhin mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen zurück, um nicht in den Fokus der Sicherheitsbehörden zu geraten“, heißt es im aktuellen Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2011.

Organisiert seien die Anhänger in örtlichen Moscheevereinen insbesondere in iranischen und libanesischen Schiiten-Gemeinden. Junge Hisbollah-Sympathisanten seien zudem auch über das Internet und soziale Netzwerke aktiv. Deutsche Facebook-Gruppen mit Titeln wie „I Love Hisbollah“ oder „Hisbollah Libanon“ kommen auf mehrere Hundert Fans.

Aus Sicherheitskreisen heißt es, die Hisbollah habe Europa in der Vergangenheit bewusst nicht als Schlachtfeld gegen israelische Interessen gesehen. Die Islamisten fürchten die Konsequenzen aus etwaigen Anschlägen gegen israelische oder jüdische Einrichtungen. Deutschland sei ein Rückzugsort für Hisbollah-Anhänger.

„Die Organisation sammelt hier fleißig Spenden, das soll aus ihrer Sicht auch so weitergehen“, sagte ein Staatsschützer der „Welt“. Attentate in Deutschland, das weiß die Führung der Miliz im Libanon, würden staatliche Repressionen nach sich ziehen. Damit wäre ein wichtiges Unterstützer-Netzwerk in Europa gefährdet.

Noch sammelt die Organisation in Deutschland ungehindert Spenden. Das übernimmt nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes der Göttinger Verein „Waisenkinderprojekt Libanon e.V.“ (WKP).

Über den WKP werden etwa Patenschaften für Waisenkinder im Libanon vermittelt, deren Eltern als „Märtyrer“ im Kampf gegen Israel fielen. Das gesammelte Geld, so sagen Geheimdienstler, fließe direkt in die Hisbollah-Infrastruktur im Libanon.

Die Hisbollah verfüge über keine operativen Zellen in Deutschland, heißt es aus Sicherheitskreisen. Konkret seien keine Anschlagspläne von deutschen Hisbollah-Anhängern bekannt. Allerdings sei es für die Gruppe auch unüblich, lokale Personen für Anschläge zu nutzen. Meist würden sogenannte „hit teams“ aus dem Ausland in das Zielland geschickt. Die Attentäter seien dem dortigen Geheimdienst dann nicht bekannt und können so leichter operieren – so wie vermutlich jüngst bei dem Anschlag in Bulgarien.

Auch das iranische Regime, der Ziehvater der libanesischen Schiiten-Miliz, habe derzeit wohl wenig Interesse, den Krieg gegen israelische Interessen nach Europa zu tragen, mutmaßt ein Vertreter der deutschen Sicherheitsbehörden. Seit dem „Mykonos-Attentat“ im September 1992 verhalte sich die iranische Geheimdienste in der Bundesrepublik ruhig und zurückhaltend.

Damals hatten iranische Geheimdienstagenten vier kurdische Exilpolitiker in einem Restaurant in Berlin-Wilmersdorf erschossen. Drei Libanesen und ein Iraner wurden vom Berliner Kammergericht zu Haftstrafen wegen Mordes bzw. Beihilfe zum Mord verurteilt.

Der Kopf des Tötungskommandos, der Iraner Abdol Raham Bani Hashemi, konnte über die Türkei fliehen. Der Drahtzieher des „Mykonos“-Attentates, Kazem Darabi, wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der gebürtige Iraner soll Mitglied des iranischen Geheimdienstes gewesen sein und führte die Berliner Filiale der Hisbollah. Nach 15 Jahren wurden Darabi im Dezember 2007 vorzeitig aus der Haft entlassen und in den Iran abgeschoben.

Zwanzig Jahre nach „Mykonos“ sind weiterhin iranische Geheimdienste in Deutschland aktiv. Federführend ist dabei nach Angaben des Verfassungsschutzes das „Ministerium für Nachrichten und Sicherheit“ (MIOS). „Die gegen Deutschland gerichteten nachrichtendienstlichen Aktivitäten des Iran gehen vorrangig vom MOIS aus“, heißt es im neuesten Verfassungsschutzbericht.

Eine Aufgabe des MOIS in Deutschland ist das Ausspähen der Exilopposition. Dabei geraten besonders die sogenannten „Volksmodjahedin“ in den Fokus der iranischen Agenten.

„Des Weiteren zeigt das MOIS ein intensives operatives Interesse an deutschen Zielobjekten, insbesondere in den Bereichen der Außen- und Sicherheitspolitik“, analysiert der Verfassungsschutz die Aktivitäten der Teheraner Spione.

Eine wichtige Funktion für die nachrichtendienstliche Aufklärung in Deutschland nimmt laut Verfassungsschutz auch die Vertretung des „Ministeriums für Nachrichten und Sicherheit“ in der Iranischen Botschaft in Berlin wahr.

Irans Geheimdienst werde sich in Zukunft weiter auf die Aktivitäten der Oppositionskräfte in Deutschland konzentrieren, heißt es aus Sicherheitskreisen. In Teheran gäbe es aktuell nicht den Willen, den Krieg gegen Israel auch in Deutschland zu führen.

Importiert Assad iranische Scharfschützen nach Syrien?

von Florian Flade

Die syrische Opposition behauptet das Assad-Regime setze beim Kampf gegen Demonstranten auf ausländische Söldner. Ein Video zeigt angeblich festgenommene iranische Scharfschützen, die im Auftrag des Regimes mordeten.

Das syrische Regime von Präsident Baschar al-Assad setzt bei der Niederschlagung der seit Monate anhaltenden Proteste offenbar auch ausländische Söldner ein – darunter wohl auch iranische Soldaten und libanesische Milizionäre. Das behauptete die syrische Oppositionsbewegung und präsentiert in einem Video gefangene iranische Staatsbürger, die angeblich als Scharfschützen gegen syrische Widerständler eingesetzt wurden.

Mahmud Haj Hamad, ein ehemaliger hochrangiger Mitarbeiter des syrischen Verteidigungsministeriums, der im Dezember 2011 desertierte und ins Exil floh, behauptet das Assad-Regime setze gezielt auf ausländische Söldner.

„Der syrische Geheimdienst war nicht qualifiziert genug“, sagte Hamad jüngst in einem Interview mit dem britischen Zeitung „The Times“, „Siie hatten keine professionellen Scharfschützen und keine Ausrüstung. Sie brauchten qualifizierte Scharfschützen von der Hisbollah und Iran.“

Das Regime in Damaskus habe hunderte dieser ausländischen Milizionäre – genannt „Shabiha – ins Land geholt, behauptet Hamad, sie seien als Vorbereitung auf ausufernde Revolte, in Häusern rund um das Verteidigungsministerium untergebracht worden.

Bezahlt würden die iranischen und libanesischen Söldner mit Bargeldzahlungen in US-Dollar. Das Geld stamme aus dem Iran.

Ein Video der Oppositionsgruppe „Freien Syrische Armee“ zirkuliert seit Tagen im Internet. Zu sehen sind darin sieben Männer, die von den Oppositionskämpfern in der Protest-Hochburg Homs festgenommen wurden. Die Gefangenen identifizieren sich selbst als iranische Staatsbürger.

„Mein Name ist Sajjad Aminan und ich bin ein Mitglied der Revolutionsgarde im Iran. Ich bin der Anführer einer fünfköpfigen Spezialeinheit. Ich kam am 16.Oktober 2011 nach Syrien“, erklärt einer der gefangenen Scharfschützen vor der Kamera. Die restlichen Mitglieder seiner Einheit seien später nach Syrien gekommen.

„Mein Team und ich sind nach Syrien gekommen und haben die Einheiten des syrischen Geheimdienst in der Niederschlagung und dem Erschießen von Zivilisten unterstütz“, so erklärt der angebliche Anführer der Scharfschützen-Söldner weiter.

In dem Video sind auch die angeblichen Passdokumente der gefangenen Iraner zu sehen. Auch die Einreisestempel mit den Daten wann sie nach Syrien eingereist sind, präsentiert die syrische Opposition.

Der arabische TV-Sender Al-Arabiya zitierte in der vergangenen Woche einen hochrangigen Offiziellen der iranischen Revolutionsgarde, der erklärte Kämpfer der libanesischen Hisbollah-Miliz seien in Syrien aktiv. Die pro-iranischen Hisbollah-Kämpfer hätten sich an Kämpfen in Zabadani nahe Damaskus beteiligt.