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Wer bekommt das Bin Laden-Kopfgeld?

by Florian Flade

25 Millionen US-Dollar hatten die USA für Informationen die zur Ergreifung oder Tötung des Al-Qaida Führers Osama Bin Laden führten, geboten. Nun ist Bin Laden tot, aber wer kann das Kopfgeld für sich beanspruchen?

Kurz nach Beginn des US-Einmarsches in Afghanistan kursierte im Internet eine Karikatur, die – so plump sie war – offenbar einen Funken Wahrheit enthielt. Zu sehen waren zwei afghanische Bauern, die vor einem Fahndungsplakat der USA standen. Darauf zu sehen das Konterfei Osama Bin Ladens und das versprochene Kopfgeld für denjenigen, der den Aufenthaltsort des Al-Qaida Führers verrät: 25 Millionen US-Dollar. Der eine Bauer zu dem anderen: „Für ein paar Ziegen hätte ich ihnen gesagt wo er ist.“

Offenbar wurde den US-Fahndern in den Folgejahren immer deutlicher, dass sich die Loyalität von nur wenigen Al-Qaida Mitgliedern tatsächlich kaufen ließ. Der ehemalige CIA-Direktor General Michael Hayden wurde jüngst in einem CNN-Interview gefragt, weshalb trotz des gigantischen Kopfgeld-Summe keine wirklich brauchbaren Informationen über Bin Ladens Versteck verraten wurden. „25 Millionen lassen sich sehr gut in einem amerikanischen oder europäischen Kontext übersetzen“, so Hayden, „aber wir haben gelernt, dass diese Art von Zahlen wirklich nicht die gleiche Bedeutung haben, in den Stammesgebieten Pakistans.“

Doch Osama Bin Laden wurde aufgespürt und schließlich getötet. Nach dem Tod des meistgesuchten Terroristen der Welt stellt sich nun die Frage: Gibt es jemanden, der das Rekord-Kopfgeld für sich beanspruchen kann? Und falls ja, wer könnte es sein?

Kopfgelder für von den Vereinigten Staaten gesuchten Terroristen werden von einem Regierungs-Programm ausgesetzt – dem „Rewards For Justice“-Programm („RJF“). Auf dessen Webseite findet sich eine Liste von insgesamt 44 Terroristen, auf deren Ergreifung eine Belohnung ausgesetzt ist. „Im Rahmen dieses Programms stellt die Außenminister/in gegebenenfalls Belohnungen zur Verfügung für Informationen die zur Verhaftung oder Verurteilung von jedem führen, der internationale Terrorakte plant, ausübt oder versucht auszuüben“, heißt es in der Selbstdarstellung des Kopfgeld-Programms.

Seit Einführung des RFJ-Programms seien an mehr als 60 Personen insgesamt 100 Millionen US-Dollar Belohnungs-Gelder geflossen, heißt es in der Selbstdarstellung des amerikanischen Regierungs-Projekts. Gezahlt wurde u.a. für Informationen die 1995 zur Verhaftung von Ramzi Youssef in Pakistan führten. Youssef gilt als Drahtzieher des Anschlages auf das World Trade Center im Februar 1993. Für die Tötung der von Udai und Qusai, der beiden Söhne des irakischen Diktators Saddam Hussein, floss ebenfalls Geld an einen einzelnen Informanten – insgesamt 30 Millionen US-Dollar. Auch eine Reihe von Terroristen der philippinischen Abu Sayyaf-Gruppierung konnten durch Kopfgeld-Ausschreibungen zur Strecke gebracht werden, zuletzt im Juni 2007.

An der Effektivität des „Reward For Justice“- Programms bestehe kein Zweifel, heißt es auf der Internetseite: „Diese Bemühungen haben unzählige unschuldige Leben gerettet.“ Im Fall der Saddam-Söhne sei bereits 18 Tagen nach Ausschreibung eines Kopfgeldes der entscheidende Hinweis eingegangen. Neben der Auszahlung der Belohnung bietet das Programm in Einzelfällen den Informanten und dessen Familie an, durch US-Behörden an neuen, sicheren Wohnort gebracht zu werden.

Die Person mit der bislang höchsten Kopfgeld-Prämie, Al-Qaida Gründer Bin Laden, wird seit vergangenem Montag auf den FBI-Fahndungslisten als „verstorben“ bezeichnet. Unklar jedoch bleibt, ob nicht doch jemand die Kopfgeldsumme in Höhe von insgesamt 25 Millionen US-Dollar für sich reklamieren kann.

Auf Nachfrage erklärte ein Sprecher des „Reward for Justice“ Programms, zum Fall Osama Bin Laden würden keine Angaben über eventuelle Zahlung einer Belohnung gemacht: „Durch die Tatsache dass Vertraulichkeit höchste Wichtigkeit hat im Reward For Justice Programm, werden wir uns nicht dazu äußern, ob in diesem Fall (Bin Ladens Tötung) oder in einem anderen jemand für die Belohnung nominiert wurde“.

Grundsätzlich seien Regierungsangestellte wie beispielsweise Mitarbeiter der Geheimdienste als auch des Militärs, vom „Reward For Justice Program“ ausgeschlossen. Sollte also ein CIA-Agent durch ein Verhör oder Analyse von zusammengetragenen Informationen das Bin Laden-Versteck im pakistanischen Abbottabad ausgemacht haben, könnte der Geheimdienstler genauso wenig Anspruch auf das Kopfgeld erheben, wie der US-Elitesoldat der während der Kommandooperation die tödlichen Schüsse auf den Top-Terroristen abfeuerte.

Die in Guantánamo einsitzenden Al-Qaida Mitglieder, durch deren Aussagen der Namen des kuwaitischen Kuriers bekannt wurde, der die CIA schließlich auf die Spur Bin Ladens brachte, dürften wohl kaum mit einer Millionen-Belohnung rechnen. So werden die 25 Millionen US-Dollar, die von den Vereinigten Staaten, sowie die zwei Millionen US-Dollar, die nach dem 11.September 2001 von der Pilotenvereinigung „Airline Pilots Association“ und der „Air Transport Association“ auf die Ergreifung oder Tötung Bin Ladens ausgesetzt wurden, wohl nicht ausgezahlt.

Der saudi-arabische Al-Qaida Experte Faris Bin Hizam machte vor wenigen Tagen einen kontroversen Vorschlag, an wen die Kopfgeldsumme gehen sollte. Er vermutet hinter der Tötung Bin Ladens einen Machtkampf innerhalb der al-Qaida und wittert einen Komplott des Bin Laden Stellvertreters.

„Ayman al-Zawahiri hat es am meisten verdient, die 25 Millionen US-Dollar Belohnung zu bekommen für die Info, die zu Osama Bin Laden geführt hat“, so Hizam im Interview mit dem arabischen TV-Sender Al-Arabiya.

Und noch eine weitere Person käme wohl in Frage für den Millionen-Segen – zumindest nach Meinung einiger Internet-Nutzer, die jüngst eine drei Jahre alte Aussage der britischen Reporterlegende Christiane Amanpour zu Tage förderten. Amanpour, die früher als Chef-Reporterin für den US-Sender CNN Kriegsgebiete bereiste und seit einiger Zeit für den Konkurrenzsender ABC News tätig ist, war am 03.Oktober 2008 Gast in der amerikanischen Unterhaltungsshow „Real Time“ von Polit-Komiker Bill Maher.

Einer der anwesenden Gäste befragte Amanpour zu Bin Laden. „Ist er irgendwo in einer Höhle?“ – Die Journalistin widersprach vehement. „Ist er nicht“, so Amanpour, „ich habe gerade mit jemandem gesprochen, die sehr viel darüber weiß – er ist in einer Villa, in einer netten, komfortablen Villa in Pakistan.“

Erstmals „Friendly-Fire“ durch US-Drohne

von Florian Flade

Erstmals seit dem Einsatz unbemannter Kampfdrohnen starben zwei US-Soldaten in der vergangenen Woche in einem „Friendly-Fire“-Vorfall – er zeigt die Tücken der vermeintlichen Wunderwaffe.

Footage from a Predator Drone

Die Meldung aus dem Kommandozentrum der Internationalen Afghanischen Schutztruppe ISAF vom 6.April, dem vergangenen Mittwoch war auf den ersten Blick keineswegs ungewöhnlich. „Zwei ISAF Soldaten starben heute in Folge eines Friendly-Fire-Vorfalls in Süd-Afghanistan (…) Ein Ermittler-Team untersucht den Vorfall.“

Zwei US-Soldaten wurden versehentlich von der eigenen Truppe getötet, ein Vorfall wie er sich bereits etliche Male im Irak und Afghanistan zugetragen hatte. Die näheren Umstände des Vorfalls der vergangenen Woche lassen jedoch aufhorchen. US-Medien rekonstruierten sie.

Die beiden amerikanischen Soldaten Navy Corpsman Benjamin Rast (23) und Marine Staff Sgt. Jeremy Smith (26) waren mit ihrer Einheit an einer Operation nahe der Ortschaft Sangin in der südafghanischen Provinz Helmand unterwegs, als sie in einem Taliban-Hinterhalt gerieten. Die Einheit bezog Stellung, um sich zu verteidigen.

Über dem Geschehen kreiste eine amerikanische Drohne vom Typ Predator, ein mit Lenkraketen bestücktes, unbemanntes Flugzeug. Die Marineinfanteristen am Boden konnten auf einem Bildschirm die Live-Bilder der Drohnen-Kamera verfolgen und suchten mit ihr die Gegend nach Taliban-Kämpfern ab. Auf dem Bildschirm erschienen einige „Hot Spots“, Personen, die in der Infrarot-Kamera als helle Gestalten zu sehen waren. Die US-Soldaten identifizierten die „Hot Spots“ fälschlicherweise als feindliche Kämpfer und forderten augenblicklich einen Raketenangriff der Predator-Drohne an.

Die Entscheidung war ein fataler Fehler, denn bei den als Taliban ausgemachten Zielpersonen handelte es sich in Wahrheit um die US-Soldaten Rast und Smith. Sie kamen beim Beschuss durch die Drohne ums Leben und sind damit offenbar die ersten amerikanischen Soldaten, die durch den Eigenbeschuss einer US-Kampfdrohne ums Leben kamen.

Offiziell bestätigte das amerikanische Militär nicht, dass die beiden Soldaten Smith und Rast durch einen Drohnen-Angriff ums Leben kamen. Auf Nachfrage  erklärte mir das US-Verteidigungsministerium, die Familien der beiden getöteten Soldaten seien informiert wurden und eine Untersuchung des Vorfalls dauere an. Dass die US-Soldaten durch eine amerikanische Predator-Drohne getötet wurden, dementierte das Pentagon allerdings nicht.

Seit Jahren setzen die USA sowohl zur Aufklärung als auch zur Feindbekämpfung im Irak, Afghanistan, Pakistan und Jemen auf die ferngesteuerten Flugzeuge. Über bis zu 7,000 Drohnen unterschiedlicher Typen soll das amerikanische Militär verfügen. Viele der kleineren Drohnen werden zur Überwachung eingesetzt und direkt vor Ort gesteuert. Die größeren, raketenbestückten „Predator“ und „Reaper“ Drohnen, die regelmäßig im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet Terror-Ausbildungslager angreifen, werden jedoch von einer Basis der Luftwaffe im US-Bundesstaat Nevada ferngesteuert.

Allgemein gelten die unbemannten Flugobjekte als hochmoderne Präzisionswaffe, die in Zukunft in weit größerem Rahmen in Kriegsgebieten zum Einsatz kommen soll. Die Drohnenangriffe der USA im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan töteten in der Vergangenheit mehrere ranghohe Al-Qaida-Terroristen und Taliban-Führer sowie hunderte militante Islamisten niederen Rangs.

Eine genaue Zahl der von den Amerikanern als Kollateralschaden klassifizierten zivilen Opfer liegt nicht vor. Menschenrechtsorganisationen kritisieren den Drohnen-Einsatz regelmäßig und heben hervor, Piloten die tausende Kilometer entfernt die Flugobjekte steuern und Angriffe fliegen, könnten die Gegebenheiten vor Ort nicht einschätzen. Zivilisten würden so per Kamera als Feinde ausgemacht und kämen so regelmäßig ums Leben.